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Was Kommunisten und Salafisten gemein haben

MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Sowohl der islamistische Mob als auch Chinas Japan-Hasser verlangen von ihren Feinden den Kotau. Unterschied: In Peking wird kühl kalkuliert, im Nahen Osten nicht.

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Deng Xiaoping war gestern. „Auf Zeit spielen und die eigene Stärke verstecken“, lautete das Motto des langjährigen Lenkers der Volksrepublik. Chinas Rückkehr in die erste Liga der internationalen Politik sollte auf Samtpfoten erfolgen, ohne die Nachbarn zu verschrecken und Gegenwehr zu provozieren. Deng, der nach dem Tod von Mao Tse-tung die Macht in China übernommen hatte, war ein Meister des pragmatischen Understatements: Er wollte den Aufstieg Chinas so lange herunterspielen, bis dieser sich von allein manifestiert und von allen Beteiligten als selbstverständlich – ja sogar unumgänglich – akzeptiert wird. Ein Betriebswirt würde an dieser Stelle von „organischem Wachstum“ sprechen.

Doch organisch ist an den jüngsten chinesischen Muskelspielen nichts mehr. Statt eines sanften Lächelns bietet Peking seinen Nachbarn neuerdings die hasserfüllte Fratze. In den Straßen der chinesischen Metropolen brennen japanische Autos, der „Hi no Maru“, Japans rot-weißes Sonnenwappen, wird mit Füßen getreten, die Botschaft in Peking mit Eiern beworfen. Die Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, das China in seiner Gesamtheit für sich beansprucht, werden eingeschüchtert und die USA, die im pazifischen Raum seit Jahrzehnten für Ruhe und Ordnung sorgen, als unliebsamer Eindringling verunglimpft. So ziemlich die Einzigen, die in den vergangenen Monaten in Peking keine Watschen kassiert haben, sind die Taiwanesen – aber das ist ein eigenes Kapitel.

Die aktuellen antijapanischen Entgleisungen sind in der Hinsicht ein Paradebeispiel: Der eigentliche Anlass – ein seit Jahren niedertourig geführter Streit um die Senkaku-Inseln, ein gottverlassenes Atoll auf halbem Weg zwischen Taipei und Okinawa – dient wie in den anderen Fällen als Ventil zur Entladung der von den kommunistischen Machthabern eifrig geschürten nationalistischen Emotionen. Wer das Bildmaterial von den Demos gegen Japan betrachtet, kommt nicht umhin, Parallelen zu den Bildern aus dem Nahen Osten zu bemerken. Auch bei den antiamerikanischen Protesten geht es um verletzten Stolz. Und der islamistische Mob fordert ebenso wie die chinesischen Japan-Hasser von ihrem Feind den Kotau. Die einzige Möglichkeit, diesem vermeintlich gerechten Zorn zu entkommen, ist die totale Unterwerfung.

Zwischen den Salafisten und den Kommunisten gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied: Im Nahen Osten meint man es bitterernst, während in Peking in erster Linie kühl kalkuliert wird. Die Proteste gegen Japan werden wohl so lange fortgeführt, solange sie für die Volksrepublik vorteilhaft erscheinen. Und wenn dies nicht mehr der Fall sein sollte, wird die omnipräsente chinesische Exekutive rasch zur Stelle sein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Das Problem ist nur, dass die Außenwelt die Variablen dieser innerchinesischen Kosten-Nutzen-Rechnung nicht kennt, was die Gefahr einer Fehlkalkulation erhöht. Und es gibt auch keine brauchbare Blaupause, wie mit dem rasanten Aufstieg einer Macht von Chinas Format umzugehen ist. Der letzte annähernd vergleichbare Fall war das wilhelminische Deutsche Reich im Zeitraum 1890 bis 1914 – und wie diese Geschichte ausgegangen ist, braucht an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

Doch zurück nach Peking. Nach jetzigem Wissensstand gibt es zwei mögliche Erklärungen für das Säbelrasseln. Deutung Nummer eins: Die Proteste wurden geschürt, um vom krankheitsbedingten Verschwinden von Xi Jinping abzulenken. Wenn dem so sein sollte, spräche die Tatsache, dass der designierte Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao nach zweiwöchiger Abwesenheit am Wochenende wieder gesichtet wurde, für ein baldiges Ende der Demos.

Es gibt aber auch eine zweite Möglichkeit, die Ereignisse zu deuten: Demnach stecken Revanchisten innerhalb der Volksbefreiungsarmee hinter den Protesten, die die Unordnung im Vorfeld der für den Herbst avisierten politischen Wachablöse dafür nutzen wollen, die Weichen auf Konfrontation mit dem Erbfeind Japan zu stellen. Sollte dieser Erklärungsansatz zutreffend sein, wäre Deng Xiaopings Doktrin endgültig Makulatur.

 

E-Mails an: michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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13 Kommentare

Verkommen unsere Medien zu Propagandawerkzeugen der US-Aussenpolitk?

Das kommunistische China ist der größte Gläubiger der kapitalistischen USA. Das ist schon etwas komisch-grotesk.

Der Kapitalismus droht in der, von ihm selbst erschaffenen Krise zu implodieren.
Mit einem Flugzeugträger bewaffnet ist eine Delegation von 2500 Einheiten zur Neuverhandelung der US-Schulden im Südchinesischen Meer eingetroffen. Das Pentagon hat bereits berechnet, daß die gesamte Chinesische Flotte im Ernstfall so schnell zerstört werden könnte, daß ihr keine Zeit zum Auslaufen bliebe.
Was würde man in den USA denn davon halten, wenn eine chinesische Kriegsflotte im Golf von Mexiko herumkreuzt?

"... die USA, die im pazifischen Raum seit Jahrzehnten für Ruhe und Ordnung sorgen, wird von China als unliebsamer Eindringling verunglimpft."

Also bitte!
So eine plumpe Propaganda ist schon fast wieder zum Schreien. Ganz so debilisiert wie die nordamerikanischen Zeitungsleser sind wir in Europa bezüglich China nicht.
In Erwartung die gleiche, abnickende Leser-Zustimmung zu bekommen, wurde der Artikel aus einem US-Magazin 1:1 ins deutsche übersetzt ...
(diesen Eindruck hab ich jedenfalls)

Und was passiert?
Zumindest die Presse-online-Leser wissen es besser und entlarven diesen Artikel als schlecht gemachte Propaganda.

der von den kommunistischen Machthabern eifrig geschürten nationalistischen Emotionen.

"Nach jetzigem Wissensstand gibt es zwei mögliche Erklärungen für das Säbelrasseln."

zwei an den haaren herbeigezogene. die viel realistischere erklärung ist das erfolgsmodell aller totalitären regimes: versprich zuerst den leuten, dass milch und honig fließen werden. und wenn offensichtlich wird, das das nur für einige auserwählte gilt, gib dem rest seine nationalistische emotion.

die usa verlangen von der ganzen welt den kotau

"
die presse", ehemals von einem cia-agenten geleitet, vollzieht ihn in jeder ausgabe gerne und geradezu selbstverständlich! brav, brav, so lob ich mir das. die us-botschaft lässt danken...

Antworten Gast: Fenstergucker
17.09.2012 16:16
8 3

Re: die usa verlangen von der ganzen welt den kotau

am Montag sollte man eigentlich nüchtern sein...

"die USA, die im pazifischen Raum seit Jahrzehnten für Ruhe und Ordnung sorgen, als unliebsamer Eindringling verunglimpft"

nein, wie kann man nur? die usa haben selbstverständlich in südostasiien was verloren, china aber ebenso selbstverständlich überhaupt nix! das ist total einleuchtend! denn schließlich liegen die usa ja in asien und china nicht, verstanden?

Gast: b745
17.09.2012 11:23
2 11

china als kommunismus zu bezeichen zeigt von völliger unkenntnis


LACZYNSKI propagiert Ruhe und Ordnung

Das Verständnis über "Ruhe und Ordnung", welches MICHAEL LACZYNSKI hier offenbart, lässt einen tiefen Blick in seine Wahrnehmungsfähigkeit und politische Orientierung zu.

Die von ihm hoch gepriesene jahrzehntelange "US-Ruheschaffung" im pazifischen Raum starte bekannterweise mit der zweifachen atomaren Vernichtung japanischer Zivilisten 1945. Gefolgt von einem dreijährigen Krieg in Korea 1950 - 1953.
Diesem folgte die US-Beteiligung im "Indochinakrieg" von 1965-1975. Unzählig weitere "Ruhenseinsätze" der US-Armee folgten im Irak 1990/91 und 2003/2011 und zuletzt Afghanistan 2001 bis laufend. Diese - unvollkommene Auflistung - amerikanischer "Ruhenseinsätze" kostete viele Millionen ziviler Opfer! Daher muss der amerikanische Einsatz für "Ruhe" durchaus mit BEDROHUNG, KRIEG & VERNICHTUNG von Menschenleben bezeichnet werden. Und die von LACZYNSKI gepriesene "Schaffung von Ordnung" setzte nationale Unterwerfungen - ausschließlich im Sinne amerikanischer Interessen - voraus.

Wer solche Thesen in einer Presse vertritt, trägt dazu bei, dass weitere Irrlichter der Gesellschaft auch von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich zu schwärmen wagen.


Re: LACZYNSKI propagiert Ruhe und Ordnung

Geschichtswissen ist aber nicht Ihre Stärke, gell ? Soviel Unsinn in einem einzigen posting ist beachtlich.

4 2

Re: LACZYNSKI propagiert Ruhe und Ordnung

Japan hat halb Asien mit Krieg u. Verwüstung überzogen, dabei dutzende Kriegsverbrechen begangen und Pearl Harbor angegriffen. Sie sollten auch wissen, daß Japan jegliche Kapitulationsangebote abgelehnt hat. Eine Invasion der japanischen Inseln hätte einen unglaublich höheren Blutzoll gefordert. Das kommunistische Korea hat unter Unterstützung der VR China einen Angriffskrieg gegen Südkorea geführt. Zig- tausende Tote die Folge. Nach Hilfeersuchen Südkoreas hat eine UN- Streitmacht unter Führung der USA den Gegner zurückgedrängt und es kam zu einem Waffenstillstand. Betreffend Afghanistan muß man die Anfänge sehen. Das Land wurde durch eine sowjetische Invasion und Installation eines kommunistischen Regimes unter Najibullah und dem daraufhin folgenden Guerillakrieg (den die USA unterstützten) in einen bis heute dauernden Krieg gezogen. Beim Irak gebe ich Ihnen allerdings recht. Trotzdem sollten auch Sie, wie ich finde, objektiv bleiben!

Re: Re: LACZYNSKI propagiert Ruhe und Ordnung

Ihre Informationen zu Japan sind mir hinlänglich bekannt. Jedoch habe ich mich vordergründig auf die Rolle der USA in dieser Region bezogen und damit nicht japanische Aggressionen im letzten Jahrhundert verheimlicht. Den USA schrieb Laczynski die friedens- und ordnungsstieftende Funktion ja zu. Zu den von Ihnen angemerkten "humanen Atombomben", welche einen ungleich höheren Blutzoll ersparten sollten Sie wissen: Anlässlich der Potsdamer-Konferenz (17. Juli - 2. Aug. 45) vereinbarte Truman mit Stalin den Kriegseintritt der Roten Armee im Pazifk gegen Japan. Der noch währende Krieg im Pazifik sollte so - gemeinsam geführt- abgekürzt werden. Truman hatte auch Kenntnis von der prinzipiellen Richtungsentscheidung in Tokio, bei einem Kriegseintritt der Sowjetunion unverzüglich die Kapitulation zu erklären. Als Datum für den Kriegseintritt der Roten Armee wurde Truman das Datum 8/9 August 45 signalisiert. Als jedoch Truman am 23. Juli von der erstmalig geglückten Zündung einer A-Waffe informiert wurde, war seine Bereitschaft, den Sieg im Pazifik mit der Sowjetunion zu teilen, so abgekühlt, dass er persönlich den ersten Einsatz über Hiroshima für den 6. August festsetzte!
Dies zur Geschichte über den ersparten Blutzoll durch A-Waffen! Die von der Wirkung der Waffen paralysierte Welt (nicht nur Japan) verstand ab sofort die Macht der USA und erlebten einen Präsidenten, der zeigte, das er ab sofort gänzlich und ohne Unterstützung anderer Mächte, jeden Gegner vernichten konnte.


Gast: Aha
17.09.2012 10:12
2 4

Für "Ruhe und Ordnung sorgen"

nennt man das
Koreakrieg: "450.000 Tonnen an Bomben wurden vor allem von der US Air Force abgeworfen, darunter allein zwischen Juni und Ende Oktober 1950 insgesamt 3.281.270 Liter Napalm."
Vietnamkrieg: "Die USA verfeuerten dabei rund 15 Millionen Tonnen Sprengstoff, mehr als doppelt so viel wie im Zweiten Weltkrieg und fünfmal so viel wie im Koreakrieg."

Die Millionen Opfer waren halt nötig um für Rühe und Ordnung zu sorgen....

4 0

Re: Für "Ruhe und Ordnung sorgen"

Tja, zu Ihrer Information. Der Koreakrieg war ein Angriffskrieg des kommunistischen Nordkoreas unter Beihilfe der chinesischen Volksarmee. Diesem wurde nach UNO Beschluß durch die Enstsendung einer Multinationalen Streitmacht Einhalt geboten. Die Nordkoreaner und Chinesen von den von Ihnen eroberten Gebieten zurückgedrängt und ein Waffenstillstand ausgehandelt. Diese Situation ist nach wie vor gegeben. Also verzapfen Sie bitte keine Märchen!

Gast: Piccolomini
17.09.2012 02:22
2 9

Unsinn!

Mehr faellt mir zu diesem Artikel nicht ein. Hier schreibt jemand, der von Asien und seinen Menschen keinen Ahnung hat. Vielleicht sollte der geschaetzte Redakteur den Artikel im Spiegel lesen der ich mit dem Thema beschaeftigt und der die Problematik kompetent bechreibt.

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