22.05.2013 11:37 Merkliste 0

U-Ausschuss reimt sich auf Schluss

FLORIAN ASAMER (Die Presse)

Die Regierung stellt ein gutes Jahr vor dem Wahltermin U-Ausschuss und Arbeit ein. Wir können ein weiteres Mal nur den Kopf schütteln. Oder uns diesmal wehren.

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Wir halten nüchtern fest: Die Kolonne steht. Die ohnehin nicht gerade flotte Regierungslimousine hat ohne ersichtlichen Grund auf freier Strecke angehalten. Da die Rettungsgasse immer noch nicht klaglos funktioniert, können wir am Ende des Reformstaus nur über die Ursache rätseln. Sicher ist allerdings, im Herbst 2012 ist noch ein ganzes Jahr Legislaturperiode übrig, aber kaum noch eine Regierung.

Die Koalition aus SPÖ und ÖVP hat sich seit der Festlegung auf die Volksbefragung über die Zukunft des Bundesheeres de facto selbst außer Dienst gestellt. Sachfragen werden entweder direkt der Bevölkerung zur Lösung überantwortet. Oder gar nicht mehr bearbeitet. Wenn man von einem Wahltermin im kommenden Herbst ausgeht (außer der SPÖ hat eigentlich niemand Grund, früher wählen zu lassen) und noch die üblichen Sondierungs-, Regierungsbildungs-, Koalitionsvertragsausarbeitungsphasen addiert, kann man damit rechnen, dass die Arbeit nicht vor dem Frühjahr 2014 wieder aufgenommen werden wird.

Und deshalb wurde die Legislaturperiode auf Wunsch der Regierungsparteien von vier auf fünf Jahren verlängert? Im Gegenzug werden wir jetzt öfter einmal volksbefragt. Gut zu wissen, was man von all den Demokratiepaketen tatsächlich zu halten hat, mit denen die Geduld der Bürger in treuherzigen Stehsätzen seit Monaten strapaziert wird.

Aber halt, so stimmt das natürlich alles auch wieder nicht. Die Koalition versteht sich schon gerade so gut, dass noch einmal ein gemeinsamer Entschluss gefallen sein dürfte. Jener nämlich, den laufenden Korruptions-U-Ausschuss (U steht dabei für Untersuchung, wie man hört) ziemlich abrupt zu beenden. Das ist offiziell notwendig, weil die grüne Abgeordnete Gabriele Moser nicht in der Lage ist, den Vorsitz ordentlich zu führen. Inoffiziell natürlich nur, weil weder SPÖ noch ÖVP (!) sich in der Lage fühlt, den SPÖ-Chef dort vorzuführen. Soweit das (auch ohne Rettungsgasse) zu uns durchgedrungen ist, hält die Koalition die Absolvierung des ORF-„Sommergesprächs“ durch Bundeskanzler Werner Faymann für ausreichend, um alle in der „Inseratenaffäre“ bekannt gewordenen Merkwürdigkeiten zu entkräften.

Im Kern geht es dabei um den Vorwurf, der Bundeskanzler habe in seiner Funktion als Infrastrukturminister staatsnahe Unternehmen wie ÖBB und Asfinag über die dortigen Führungen hinweg damit beauftragt, für ziemlich viel Steuergeld Werbung mit Faymann-Sujets in (vorwiegend auflagenstarken Boulevard-)Zeitungen zu buchen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch im ÖVP-geführten Lebensministerium ähnlich gearbeitet wurde.

Der Bundeskanzler jedenfalls will die Aufregung darüber bis heute nicht verstanden haben. Sollte das stimmen, ist das kein gutes Zeichen. Wenn nicht, auch nicht. In dem statt eines Erscheinens vor dem U-Ausschuss absolvierten „Sommergespräch“ hat der Kanzler jedenfalls alle Vorwürfe mit dem Hinweis auf ORF-Inserate mit dem Kopf des „Sommergespräche“-Moderators abgetan.

Um nicht nur schulterzuckend dabei zuzusehen, wie der Regierungschef mit dieser Vorgangsweise durchkommt, versuchen wir, eine Art Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Jene Zeitungen, die von Beginn an versucht haben, Licht in die Inseratenpraxis öffentlicher Institutionen zu bringen, nicht ohne dabei ihre eigene, nicht immer unangreifbare Rolle offen zu beleuchten, haben sich informell darauf verständigt, gegen die Einstellung des U-Ausschusses publizistischen Widerstand zu leisten, solange Werner Faymann dort nicht ausgesagt hat.

Das sind große Worte. Dahinter steht nicht weniger als der feste Wille, das Thema nicht so ohne Weiteres wieder von der Tagesordnung zu nehmen. Und zu hoffen, in Lesern, Wählern und Bürgern Verbündete zu finden. Vielleicht reicht der so aufgebaute Druck aus, den Ausschuss plangemäß weiterzuführen. Wenn nicht, gibt es in einem Jahr Gelegenheit, entsprechend zu wählen. Seite1

 

E-Mails an: florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)

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35 Kommentare
 
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Re: wieso ist das auftreten gegen vertuschung korrupter praktiken durch regierungspolitiker jetzt so besonders erwähnenenswert?

das ist ein aeusserst dummer kommentar

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Re: wieso ist das auftreten gegen vertuschung korrupter praktiken durch regierungspolitiker jetzt so besonders erwähnenenswert?

erstens heißt das "jahr schnee" und nicht "schenn", zweitens hat auch "Die Presse" im Zuge des U-Ausschusses kritisch über schwarz-blaue Proponenten (zb Strasser) sehr kritisch geschrieben und drittens ist ihr "Presse"-Bashing so was von fad, dass das niemand mehr lesen will! Sie können natürlich denken, was Sie wollen, aber es ist sowas von überflüssig, das ständig der Welt mitzuteilen - außer Sie machen sich gern zum Affen...

Re: Re: wieso ist das auftreten gegen vertuschung korrupter praktiken durch regierungspolitiker jetzt so besonders erwähnenenswert?

also heute kritisch über strasser oder grasser zu berichten ist echt kein kunststück. die nagelprobe für diese zeitung war, ob sie kritisch über dieses leute berichtet haben, als die an der macht waren, als sie proponenten der regierung waren, die diese zeitung permanent als "reformkabinett" abgefeiert hat. aber da war nichts kritisches. da hieß es damals verniedlichen, abwimmeln, die kritiker als hysteriker, linkslinke etc. denunzieren. alles war super-sauber und bestens und wem die homepage-affaire oder der eurofighterkauf oder strassers säuberung des innenministeriums oder diverse privatisierungen korrupt vorgekommen sind, war einfach böser sozi, und damit wars das dann, thema erledigt.

das war die presse 2000 ff. wenn diese zeitung jetzt zum "widerstand" gegen korruption aufruft, noch dazu nur fokussiert auf den spö-kanzler, dann ist das wohl der gipfel der leserverhöhnug und der heuchelei!

"publizistischen Widerstand zu leisten"



köstlich. rechtsextremismus, grassierende korruption, grasser, strasser, mensdorff, haider, schüssel, buwog, eurofighter, grippeschutzmasken, privatisierungen von austria tabak, dorotheum,homepageaffären...und ..und...und...

das war alles wurscht. da wurde kein "widerstand" geleistet, im gegenteil, die leute die es gewagt haben ihre bürgerlichen rechte wahrzunehmen und gegen diesen rechtsextremen korruptionssatdl namens schwarz-blaue wenderegierung demonstriert haben, wurden gescholten, weil sie es gewagt haben das wort "widerstand" in den mund zu nehmen.

aber das was hier von euch vollmundig angekündigt wird ist wirklich nicht "widerstand", das ist einfach normales journalistisches handwerk, dass mann die regierung kontrolliert und kritisiert.

nur leider hat dieses blatt nachdem es unter schüssel zum offiziösen amtsblatt verkommen ist und bis heute schwarz-blau die treue hält, jegliches recht verwirkt, so etwa wie politische moral einfordern zu können. die fehlt euch nämlich selber am meisten, ihr schönredner von schwarz-blau!

Antworten Gast: yoshi1
18.09.2012 00:39
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Re: "publizistischen Widerstand zu leisten"

Unrecht * Unrecht = Recht

Danke für den Hinweis, bezahlter PR-Schreiberling!

Re: Re: "publizistischen Widerstand zu leisten"

wieso? im gegensatz zu den "schüssel+grasser+schwarz-blau-war-super"-pr-schreibern der presse-innenpolitik-redaktion werd ich ja nicht bezahlt. außerdem: wo erklär ich unrecht zu recht???

entsprechend wählen?

Frankis Egopartei, Bzöler, Grüninnen oder gar Effen + Kummerln´?`

U- Ausschußthemen

es ist ja ohnehin kurios dass das Inseratenthema an den Schluss gereiht wurde. Ein Schelm der dahinter bereits eine gewisse Absicht vermutet.

Re: U- Ausschußthemen

die frage ist, warum das inseratenthema überhaupt in den ausschuss gekommen ist.
wenn schon, dann hätten auch all die landeshauptleute und sogar die bürgermeister, sowie die vorgänger und nachfolger faymanns in den diversen ministerien, die exakt dasselbe (medienpräsenz) gemacht haben (und vereinzelt sogar heute, trotz gesetzlichem verbot noch immer machen), ebenfalls thema im ausschuss sein müssen.

Re: Re: U- Ausschußthemen

ja, das sollte alles zum thema werden. die inseratevergabe von ALLEN gehört untersucht.

 
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