25.05.2013 15:03 Merkliste 0

Bitte, tun Sie dem Kanzler einen Gefallen

KARL ETTINGER (Die Presse)

U-Ausschuss-Vorsitzende Moser verdient Respekt für ihren Rückzug. Publizistischer Widerstand gegen Anschläge auf die Demokratie verebbt doch nicht spurlos.

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Im Land der politischen Sesselkleber ist dieser Schritt zurück, den die Vorsitzende des parlamentarischen Korruptions-U-Ausschusses getan hat, ein ziemlich großer. Während freiheitliche Vizelandeshauptmänner wie der Kärntner Uwe Scheuch selbst bei einer – nicht rechtskräftigen – Verurteilung tagelang keinen Grund für einen Rückzug aus ihrem öffentlichen Amt sehen, hat sich die grüne Nationalratsabgeordnete Gabriela Moser von ihrer Vorsitzführung zurückgezogen, obwohl ihr in einer Streitfrage um Aktenlieferung schlimmstenfalls ein Lapsus passiert ist. Ein politisches Schwerverbrechen ist das nicht, höchstens das unnötige Aufmachen einer Flanke, auf die vor allem die Regierungsparteien nur allzu gern täglich aufmerksam gemacht haben.

Moser gebührt daher Dank, dass sie über ihren eigenen Schatten gesprungen ist. Denn sie hat damit vorerst den Weg für die Fortsetzung der Beratungen im Ausschuss geebnet, der dem Verdacht der Korruption und der politischen Verantwortung bis hinauf in höchste (frühere) Regierungskreise nachgehen soll. Seit gut zwei Wochen war die grüne Abgeordnete zu Unrecht eine Art lebender Schutzschild, hinter dem sich die SPÖ und ÖVP liebend gern verschanzt haben, um den Untersuchungsausschuss in der Öffentlichkeit madigzumachen und damit ein rasches Abwürgen zu begründen.


Dieses billige Argument, Moser sei als Ausschussvorsitzende völlig untragbar, gilt jetzt, nachdem sie den Posten geopfert hat, jedenfalls nicht mehr. So viel politische Instinktlosigkeit, dass die Regierungsparteien nun partout dem Untersuchungsausschuss ein schnelles Ende bereiten, statt die noch offenen Affären ordentlich zu durchleuchten, trauen wir bis zum Beweis des Gegenteils der rot-schwarzen Koalition nicht zu.

In dieser Republik sind die Bürger, was politische Hygiene in den Reihen der Parteien betrifft, längst bescheiden geworden. Schließlich galt und gilt das Prinzip, dass in diesem Parteienstaat im Zweifelsfall das rote, schwarze, blaue oder orange Parteihemd Funktionären und Mandataren leider viel zu oft näher ist als eine rein gehaltene und blitzsaubere Weste bei Vertretern der parlamentarischen Demokratie.

Dennoch hat sich gerade in den vergangenen Tagen gezeigt, dass angewidertes Abwenden vom bisweilen garstigen politischen Schauspiel in Österreich die falsche Antwort ist. Der von einigen Zeitungen, darunter von der „Presse“, angekündigte publizistische Widerstand gegen ein abruptes Einstellen des Untersuchungsausschusses ist zumindest vorerst einmal nicht spurlos vorübergegangen. Dieses demokratiepolitische Notwehrverhalten erfolgt auch deswegen, weil sich diese Zeitung dabei nicht allein weiß, sondern unterstützt von vielen Lesern, die sich ein solches Vorgehen von ihren Volksvertretern nicht gefallen lassen wollen.


Angesichts des Umstands, dass ursprünglich bei dem Treffen der Fraktionsführer der Parteien heute, Mittwoch, mit Nationalratspräsidentin Prammer der schnelle Tod des U-Ausschusses schon als besiegelt galt, ist allein die Aussicht auf eine Fortsetzung schon ein Erfolg. Der schnelle Anschlag auf die Transparenz wurde vorerst einmal vereitelt.

In diesem Sinn bleibt nun zu hoffen, dass sich auch die Parlamentarier der Regierungsparteien vor der heutigen ersten Nationalratssitzung im Herbst bewusst sind: Es ist nur mehr ein Jahr bis zur nächsten Nationalratswahl. Wenn sie der Demokratie und damit letzten Endes sich selbst noch mehr Schaden zufügen wollen, lassen sie die Chance auf umfassende Aufklärung verstreichen. Dann ist ihnen allerdings wirklich nicht zu helfen.

Moser hat mit ihrem Rückzug die parlamentarische Ausschussbühne auch für eine Ladung von Regierungschef Faymann zur Inseratenaffäre freigemacht. Dieser hat selbst erst am Dienstag nach dem Ministerrat wieder versichert, er werde kommen, wenn er eingeladen werde. Worauf also noch warten? Das Parlament sollte Faymann diesen Gefallen tun. Der U-Ausschuss muss also nur noch sagen: Ihr Auftritt, bitte, Herr Bundeskanzler!

 

E-Mails an: karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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27 Kommentare
 
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liebe presse!

sonntagszeitung (titelseite "sehr geehrter herr bundeskanzler") war echt super!

so geht das in diesem land nicht mehr weiter. die övp soll zusammenpacken, diese partei haben wir (aus tiroler bauernfamilien stammend) ununterbrochen gewählt. jetzt ist schluss - das bürgerliche und konservative österreich steht ohne politische vertretung da!

das land ist nur mehr ein jammer!

Re: liebe presse!

Gefällt ihnen die SPÖ besser? Solange der BK sich ins Fäustchen lacht, weil er keine Konsequenzen fürchten muß, solange das Wahlvolk noch immer mehrheitlich die Roten wählt, was soll dann die ÖVP noch anders machen?

Gast: Hansi Hüpfer
19.09.2012 12:58
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Was ist dem los mit dem Hofburgroten?

Noch immer kein Kommentar vom Fischer! Was ist denn los; wird er gerade vom Bundesheer auf den Grossklockner hinauf geschleppt oder eröffnet er gerade die verspäteten Obergrafendorfer Festspiele und schenkt dabei die Lebkuchenherzerln an die FFW weiter?

SPÖ und ÖVP wollen U-Ausschuss am Freitag abdrehen

ich hoffe, daß der publizistische Widerstand der Presse nun weitergeht, und man sich diese Verhöhnung der Bürger durch Rot/Schwarz nicht bieten läßt. Was agt den übrigens UHBP dazu? Oder ist er gerade im Sanitätbereich länger verhindert?

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warum soll Moser respekt verdienen,

schauen wir zurück: kein erfolg, kein Durchsetzungsvermögen, kein Timing der Einvernahmetermine usw.
Versagen in jeglicher Linie, und nur, weil sie dann zurücktritt, was die einzige logische Handlung ist, die noch verbleibt, soll sie respekt verdienen.

... vielleicht nur im radikalen Sinn des Wortes.

Nachsatz: weit ist es mit unserer Politik und den sie beschreibenden Jounalisten gekommen, wenn Rücktritt allein schon eine Qualität darstellt.

dass sich etliche aus der

"vierten macht im staate" - ohne ansehen der verschiedenen herausgeber - dazu aufrafften, in den leitartikeln auf eine gewisse gefährlichkeit in den bestrebungen der viererbande des u-ausschusses hinzuweisen, zeigt wie wichtig eine unabhängige presselandschaft als korrektiv politischen schwachsinns ist.
denn wer demokratische und parlamentarische institutionen, vor allem die der kontrolle und politischen sauberkeit aushöhlt, begünstigt - man denke nur an die entstehung des nationalsozialismus - das entstehen autoritärer strukturen und die destabilisierung demokratischer einrichtungen.
und unter diesem aspekt betrachtet wäre es angebracht gewesen - ohne die bundesverfassung § für § durchzugehen - dass auch der bp von seinem thron - wo immer der nach der fama sein mag - sich erhebt und ein paar kritische worte verliert.
fischer wird es aber wurscht sein, ob sein(e) nachfolger(in) womöglich einmal von einer regierungsmehrheit (siehe machtfülle orban ungarn) abserviert wird.
im jetzt und heute muss er sich gefallen lassen, als braver parteisoldat ein schutzpatron seines parteikollegen - der momentan den bundeskanzler mimt - zu sein.

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Dank an die Presse

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Es geht hier um STRAFRECHTLICHE Ermittlungen gegen den amtierenden Bundeskanzler der Republik Österreich und dabei sind bisher einige belastende Aussagen und Protokolle aufgetaucht bzw. hat der Bundeskanzler die Staatsanwaltschaft bei seiner Einvernahme rotzfrech ANGELOGEN (Schutzbehauptung = Lüge zum Selbstschutz)!

Dennoch tun der unfähige Grinsekanzler und die SPÖ so als wäre das alles eine Lappalie. Aber schlinmmer noch: Die Medien die ansonsten jedes winzige Detail in den Ermittlungssachen: Grasser, Meischberger, Strasser, Scheuch usw. in epischer Breite und mit Doppel- und Titelseiten berichten, schweigen dröhnend (die direkt bestochenen wie Heute, Krone und Österreich) oder berichten es irgendwo unter "ach ja, da war ja noch was" (ORF, Standard).

Deswegen kann man der Presse nur gratulieren, dass sie sich immer wieder die Mühe macht diese Causa breit zu berichten und sich so wohltuend vom schweigenden Einheitsbrei der gekauften und korrumpierten Medien abzuheben. Solch investigativer und kritischer Journalismus ist jedenfalls für mich der Hauptgrund warum ich mein Printabo auch in Zukunft beibehalten werde.

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Re: Dank an die Presse

er hat sich immer ordentlich und rückstofffrei geschneuzt

Re: Dank an die Presse

da bin ich ganz bei Ihnen, vor allem was den zweiten Absatz betrifft...

Demokratie a`la Österreich!

Solange wir nicht ein erwachsenes Demokratie Verständnis ähnlich den Schweizern entwickeln, werden wir 1. die größten Trotteln an er Spitze des Staates haben und 2. ohnehin nur von Lobbyisten regiert werden.

Und das über 200 Jahre nach dem Sturm auf die Bastie! - und wahrscheinlich brauchts diese wohl wieder - oder?

Antworten Gast: Vogel Strauss
19.09.2012 20:37
0 0

Re: Demokratie a`la Österreich!

Sie haben ja recht, aber mit dem Französisch haperts ein bisserl ... 'à la' und die Bastille hat nichts mit Bastei zu tun!

Danke an "die Presse" und allen anderen Medien,

welche jetzt versuchen, die Demokratie zu retten.
Die SPÖ/ÖVP winden sich wie ein Aal, Hr.Kräuter hat ja im Report bereits die neue Taktik kundgetan: Immer neue Hürden werden aufgebaut, um demokratische Vorgänge zu unterbinden.

Gast: Kinkerlitzchen
19.09.2012 07:51
8 0

Danke, liebe Presse!

Danke der Presse und ihren Redakteuren, die ihre Aufgabe als vierte Gewalt im Staat wahrnehmen. Meine Unterstützung als Leser ist Ihnen sicher!

Gast: Niederösterreicher
19.09.2012 01:06
8 1

Faymann kann ruhig aussagen

Seine Position wird angesichts der "Linientreue" seiner Genossen nicht gefährdet.

Der Trend arbeitet derzeit ohnehin für den Genossen.

Jetzt haben sich "Rot-Männer" aufgerafft, dem österr. FS-Publikum zu zeigen, wie rückständig eigentlich diese Waldviertler sind. Nicht zufällig heißt ihr Modelldorf "BRAUN-Schlag" (offenbar sind dort die meisten verkappte Nazis)!

Auch sonst werden "augenzwinkernde" Vergleiche aus dem "wirklichen" Leben gezogen: der Bürgermeister, der das Geldvermögens seines Dorfes verzockt, der "Landesfürst" in der Landeshauptstand (natürlich nicht der "rote Kaiser" in Wien !!! oder der rote Linzer Bürgermeister, der auf US-Gambler hereinfiel), die "Marien-Erscheinung", die auf Betrug basiert (da können gleich ein paar Seitenhiebe gegen Kirche und Papst angebracht werden) usw.

Und das alles wird von den roten ORF-Bossen dem brav FS-Gebühren zahlenden FK-Publikum als das wahre Leben "angedient"!!

Wenn wunderts, wenn die Österreicher zunehmend am rot/grünen Auge blind sind!

Sternstunde

Bravo Fr.Dr. Moser. Schlecht kann einem nur
werden, wenn man bedenkt, was in anderen
Parteien an Getier noch kreucht und fleucht.

Antworten Gast: pendltschapp
19.09.2012 13:45
1 0

Re: Sternstunde

und scheucht...

Gast: navara
18.09.2012 21:58
11 0

Sesselkleber

Hr. Amon
es wird höchste Zeit , das Sie aus dem Untersuchungsausschuß verschwinden.

Gast: Warum ist ??? nicht mehr erlaubt?
18.09.2012 21:48
2 11

Schon vergessen?

Schon vergessen, dass Moser schon seit über einem Monat als UA-Vorsitzende rücktrittsreif ist?

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1277988/Urteil_Grasser-kein-Schutzpatron-der-Steuersuender?from=suche.intern.portal

Aber wieder einmal, Ablenkung funktioniert ... mit den richtigen Medien.

"publizistische Widerstand gegen ein abruptes Einstellen des Untersuchungsausschusses ... demokratiepolitische Notwehrverhalten ... unterstützt von vielen Lesern"

klingt irgendwie gut.
aber besser im sinne von demokratie wären viel mehr stimmen für jene partei, die als einzige unverdächtig ist, den ausschuss abdrehen zu wollen. die als einzige keinen dreck am stecken hat.
WENN die wähler es ernst meinen mit der reihung von 'politische sauberkeit' auf einen spitzenplatz bez. wichtigkeit.
das tatsächliche wahlverhalten vieler nährt den verdacht, dass es sich dabei um ein lippenbekenntnis handelt.

wer wahlumfragen beobachtet, muss desillusioniert feststellen: der bürger betrachtet den ausschuss nach dem motto "mir doch wurscht." die präferenz für die parteien hat sich kaum geändert! da sind andere ereignisse für ein umschwenken der bürger viel bedeutender als politsche sauberkeit.

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Re: "publizistische Widerstand gegen ein abruptes Einstellen des Untersuchungsausschusses ... demokratiepolitische Notwehrverhalten ... unterstützt von vielen Lesern"

richtig, aber welche? (Partei)

Antworten Gast: Unverdächtiger
19.09.2012 08:21
7 0

Re: "publizistische Widerstand gegen ein abruptes Einstellen des Untersuchungsausschusses ... demokratiepolitische Notwehrverhalten ... unterstützt von vielen Lesern"

Prinzipiell gebe ich Ihnen recht. Ich meine aber, das wahre Problem ist nicht die "mir doch wurscht"-Haltung, sondern Bedenken, was man mit seiner anerkennenden Stimme womöglich bewirkt.

Erst vor wenigen Tagen durften wir bewundern, wie Fr. Glawischnig dem Kanzler in freier Natur in den Hintern gekrochen ist, grad so, als hätte sie das Wort "Inserat" noch nie gehört.

Rot-Grün als Alternative zu Rot-Schwarz? Für die meisten von uns eine derart abschreckende Möglichkeit, dass jede noch so erbärmliche Alternative besser erscheint. - Leider! So lange die Grünen ihre pubertäre Ideologie nicht auf erwachsene Füße bringen, so lange wird der Wähler wohl "zu dumm" für die Grünen bleiben.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
18.09.2012 21:23
10 0

Dass Faymann vor dem UA erscheint,...

...glaube ich erst, wenn wir alle es mit eigenen Augen sehen. Und dann wird sich das Kanzler-Derivat möglicherweise der Aussage entschlagen, da ja gegen ihn seitens der StA ermittelt wird. Oder er erleidet die unter Politikern so grassierende temporäre Amnesie, oder es findet sich ein Bauernopfer, oder...

...es liegt an uns (den Wählern und den paar verbliebenen, noch nicht korrumpierten Medien), diesem Spuk ein Ende zu bereiten:
Ihr Abgang, bitte, Herr Bundeskanzler!


Gast: WoSei
18.09.2012 20:37
13 1

Grün beweist Rückgrad

Großen Respekt vor Frau Moser, dass Sie trotz keinem Vergehen den Weg frei macht damit der U-Ausschuss weitermachen kann.


Re: Grün beweist Rückgrad

Ja! Ich schließe mich dem Lob für Frau Dr. Gabriela Moser an. Im Lande der Uhu-angeklebten-Sesselkleber (Österreich) kommt es einer Pionierleistung gleich wenn jemand einmal eine Position aufgibt.

Respekt Frau Dr. Moser!!

Telekom im Osten - das wird interessant


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Wenn Faymann jetzt wieder nicht


vor den Untersuchungsausschuss geladen wird, dann haben wir es in Österreich mit einem Versager-Parlament zu tun.

Das Parlament hat Kontrollpflichten und muss diese ernst nehmen und wahrnehmen. Alles andere ist eine Verhöhnung der Bevölkerung.

 
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