24.05.2013 00:23 Merkliste 0

Zeiten des Aufruhrs oder: Being Werner Faymann

HANNA KORDIK (Die Presse)

Der Kanzler versteht es, die Öffentlichkeit für sich zu vereinnahmen. Wohl deshalb fällt keinem auf, dass er sich bei der Inseratenaffäre in Widersprüche verstrickt.

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Wie es Werner Faymann in diesen Tagen wohl so geht? Schwer zu sagen. Die „Gegebenheiten“ sind natürlich alles andere als angenehm – die Inseratenaffäre verfolgt ihn auf Schritt und Tritt: bei den ORF-„Sommergesprächen“, in den Zeitungskommentaren, im Parlament, auf der Straße. Ein Land im Aufruhr. Und Werner Faymann? Der lächelt. Dauernd. Überall.

Dies zu interpretieren überlassen wir den Experten. Samy Molcho zum Beispiel, dem Doyen der Mimik und Gestik. Eine laienhafte Bemerkung sei dennoch gestattet: Werner Faymann gebührt größter Respekt. So einen Marathon im Dauerlächeln muss man einmal durchhalten. Das schafft nicht jeder.

Doch Werner Faymann kann noch viel mehr. Nennen wir ihn ruhig ein politisches Naturtalent. Worin dieses besondere Talent besteht, hat er eindrucksvoll in seiner Zeit als Verkehrsminister bewiesen: Jedes Mal, wenn es stimmungstechnisch für ihn ungemütlich wurde – etwa, weil er politisch unliebsame ÖBB-Vorstände oder Asfinag-Chefs mit großzügigen Abfindungen entsorgen ließ –, schaffte Faymann es, im Endeffekt als Strahlemann dazustehen. Der Trick ist nicht sonderlich originell, aber besonders wirksam: Unmittelbar nach, sagen wir, diskutablen Vorgängen in seinem Ressort wurde stets eine Jubelmeldung über die Bahn, den Straßenverkehr oder Ähnliches an die Medien versandt. Und plötzlich war die Öffentlichkeit mit einem anderen Thema beschäftigt. Manipulation nennt man das im allgemeinen Sprachgebrauch. Also gezielte und verdeckte Einflussnahme. Zum eigenen Vorteil, versteht sich.

Manipulativ zu sein erfordert also – wie unschwer zu erkennen ist – keine überbordende Intelligenz. Aber geschickt sollte man sein. Und das ist Werner Faymann zweifellos.

So geschickt, dass er seine Aussagen zur Inseratenaffäre mit der Zeit völlig geändert hat – ohne dass dies einer breiten Öffentlichkeit aufgefallen wäre. Chapeau! Still und leise hat er einen ordentlichen Schwenk im Kommentieren der damaligen Ereignisse vollzogen. Zug um Zug, fein dosiert.

Ein Blick ins Archiv ist da recht aufschlussreich. Vor ziemlich genau einem Jahr tönte Faymann noch zu den Vorwürfen, er habe bei ÖBB- und Asfinag-Inseraten im Hintergrund die Fäden gezogen: „Das ist ein Unsinn und erledigt.“ Und sein früherer Kabinettschef und nunmehriger Staatssekretär Josef Ostermayer assistierte brav: Natürlich habe es immer wieder Gespräche mit dem Management von ÖBB und Asfinag gegeben. Ob es dabei auch um Inserate gegangen sei? Er könne sich „nicht mehr an jedes Detail der Gespräche erinnern“, sagte Ostermayer.

Zwei Wochen später stellte sich die Sache um eine Nuance anders dar. „Bitte, es gibt jeden Tag Kontakte zwischen dem zuständigen Ministerbüro und den betroffenen Unternehmen“, sagte Faymann. Und: „Die Gesprächsthemen reichen von den Fahrplänen bis zur Imagewerbung.“ Funktioniert ja doch, das Erinnerungsvermögen.

Schnitt, ein Jahr später. Faymann musste am Mittwoch dem Nationalrat Rede und Antwort stehen und bot folgende Version: Seine Selbstbeweihräucherung in den ÖBB-Inseraten sei in Abstimmung mit ihm von seinem Büro formuliert worden. Oha! Was wurde aus dem seinerzeitigen „Unsinn“?

Schnee von gestern, offenbar. Denn am Dienstag, nach dem Ministerrat, erklärte Faymann hochoffiziell: „Ich bin wahrlich nicht das einzige Regierungsmitglied in der Geschichte, in der Gegenwart und in der Zukunft, das für Inserate verantwortlich war.“ Für Inserate verantwortlich? Das ist neu. Und ziemlich aufschlussreich.

Solch mit der Zeit diskret adaptierte Wortspenden mögen bei der Öffentlichkeit „reingehen“. Beim Untersuchungsausschuss eher nicht. Kein Wunder, dass der Kanzler eine panische Angst vor ihm hat. Also geht er erst gar nicht hin. Außerdem hat er Wichtigeres zu tun: Seit einigen Tagen erklärt er bei jeder Gelegenheit, wie wichtig Inserate doch für die Wirtschaft seien.

Merke: Da bastelt jemand wieder an seinem Strahlemann-Image.

 

E-Mails an: hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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68 Kommentare
 
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ein Unwürdiger

Faymann erfüllt keine einzige Eigenschaft, die für einen Bundeskanzler der Republich Österreich Grundvoraussetzung sind (pardon: sein sollten).
er ist charakterlos
er sagt die Unwahrheit (nobel für "er lügt")
er ist ungebildet
er stapelt hoch
er ist undemokratisch
er ist unwürdig
er ist ein mutmaßlicher Verbrecher
er ist feig (zu feig, sich im UA zu verteidigen)
er ist eine Schande für Österreich

Antworten Gast: Das Ekel Alfred
23.09.2012 10:00
1 0

Doktor p.c.


Doktor propria causa

Faymanns Bildungsweg im seinem Lebenslauf auf den Internetseiten des österrr. Parlaments (aktueller Stand):

Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien

p.s. Nach eigenen Aussagen im Sommergespräch am 10.09.2012
inskribierte Faymann zwar Jus, war aber eigentlich Taxi gefahren.




nau ja

die liesinger bladern wird in schon schützen und unterstützen und somit unbill von der grinsekatze wernerle ab zu halten.

Being Gaymann

Wie es Faymann geht? Gut, davon kann ausgegangen werden. Die Österreicher haben ein kurzes Gedächtnis, dass weiß auch der Werner und darauf baut er auch auf. So wie alle in der Politik einen kurzen Verstand haben, so hat den auch Werner.
http://wiener-wohnen.de.nr

6 1

... und ja: was für einen akademischen Grad hat der Herr Bundeskanzler nun eigentlich?

Vielleicht einen Abschluss a la

Gerda: "ich bin jetzt Werkmeisterin"

Fritz: "... und ich Fahrdienstleiter"

Werner: "... und ich überhol Euch mit dem original Doktor!"

... vom Humboldt / Nettig!!!

Re: ... und ja: was für einen akademischen Grad hat der Herr Bundeskanzler nun eigentlich?

er hat Taxifahrer gelernt. Aufbauend auf diesen Kenntnissen war er dann Konsulent bei der Zentralsparkasse \ Bank Austria. Eine Bilderbuchkarriere - wie man etwas wird ohne etwas zu können ...

Gast: gggggg
21.09.2012 13:49
16 1

Ausgezeichneter Artikel!

Ich ziehe vor Frau Kodik tief meinen Hut. Sie hat sich die Mühe gemacht, Faymanns (und Ostermayers) unverschämte Lügerei Schritt für Schritt nachzuzeichnen. Ganz großes Bravo! So stell ich mir Journalismus vor. Und ich darf erinnern: als Faymann Minister wurde und umgehendst seine ebenso eiskalten wie sündteuren Umfärbungen vornahm, hab ich gesagt, dass er einer der gefährlichsten, abgefeimtesten, unanständigsten Politiker ist, die Österreich je hatte. Und das will was heißen! Faymann hat alle Befürchtungen weit übertroffen. Und sein Grinsen, Frau Kordik - Lächeln ist das keines! - sein starres Grinsen ist eine Maske. Eine ekelerregend häßliche - oder finden Sie Faymanns ´Lächeln´ schön, oder sympathisch, oder sonst irgendwie positiv? Wenn ja - dann schau´n Sie diesem Mann mal in die Augen. Aber erschrecken Sie nicht! Mir rieselt es jedenfalls immer kalt über den Rücken. Denn diese Augen sagen mir ohne den leistesten Anhauch von Skrupel: ´mir ist jedes Mittel recht, um an der Macht zu bleiben...´) Brrrrrrrrrr...........

9 0

Die technische Beschreibung des Politgeschicks

von Grinse-Werner F. in allen Ehren, kann sehr gut so erklärt werden - nur sollte mE nicht unerwähnt bleiben, dass dazu zwingen zwei weitere Voraussetzungen gegeben sein MÜSSEN:

Erstens der Machtapparat um den Quatsch flächendeckend durchzudrücken und

zweitens die Doofen, die das gerne glauben (und brav blöckend weiterwählen)

0 0

Re: Die technische Beschreibung des Politgeschicks

Letzteres lässt sich doch prima durch eine Neiddebatte bewerkstelligen, denn der Feind meines Feindes ist mein Freund.

4 0

Re: Die technische Beschreibung des Politgeschicks

aber das wichtigste - und leider traurigste, wird IMMER vergessen- die ParteiPARASITEn, und Abhängige - was werden die wohl wählen ???

Und daß es diese Parteiparasiten und Abhängigen überhaupt gibt, ist die übelste Abart der Korruption !!!


14 0

"Ungefähr 16.900 Ergebnisse (0,41 Sekunden)"

- liefert Google wenn man die Worte "Faymann" und "Hochstapler" gemeinsam sucht.

10 0

Re: "Ungefähr 16.900 Ergebnisse (0,41 Sekunden)"

"Faymann" und "Häfen" bringt 154.000 Ergebnisse....

8 0

Re: Re: "Ungefähr 16.900 Ergebnisse (0,41 Sekunden)"

Ah, und "Faymann" und "Gefängnis" 292.000 Treffer!

Antworten Antworten Antworten Gast: baumisms1
21.09.2012 15:06
2 0

Das ist noch gar nichts.

Gibt man ein "ÖVP"und "korrupt", erscheinen binnen 0,27 Sekunden 350.000 Links.
Was soll uns das jetzt sagen?

Re: "Ungefähr 16.900 Ergebnisse (0,41 Sekunden)"

31,700 wenn man statt Hochstapler "Lügner eintippt ...

und: 163,000 in 0,34 Sek. bei Faymann und Inserate!!

Wer findet Zweiworte-Kombinationen, die noch mehr Ergebnisse liefern??

Re: Re: "Ungefähr 16.900 Ergebnisse (0,41 Sekunden)"

noch eines hat mehr:
F. und "Matura": 185,000 !

Welche traurige Republik und noch viel trauriger

welch Wählervolk. Laut Umfragen liegt die SPÖ weit voraus. Jeder, der sich mit dieser Partei noch identifiziert ist nicht besser als der BK.Schrecklich, wie diese SPÖ die Republik im Griff hat. Der Elsner kommt zu keiner Verhandlung und es wird nichts dagegen unternommen. Warum nicht? Weiß er zu viel? Wien als Waserkopf und schrecklicher Sumpf.

keinerlei Phantasie für kriminelle Energie

auf die spannende Frage, welche Kick-Backzahlungen die Millioneninserate des Werner F. für ihn und seine Partei in den nächsten Jahren wohl generieren werden, geht niemand ein. Sicher wundert es niemanden, dass Werner F. auch nach seiner Politkarriere als Berater und Konsulent sehr gefragt sein wird und sagenhaft hohe Honorare im Stil der Telefonberatung Vranitzky einstreifen wird. Oder seine Frau. Oder die Partei. Korruption reicht weit.

Gast: gast 555656
21.09.2012 09:33
2 0

Auch dieser Artikel wäre vor zwei Monaten noch sicher nicht in der "Presse" erschienen!


Faymann und Krone

Dem Kommentar ist völlig zuzustimmen, allerdings hätte er viel schärfer formuliert werden müssen. Ein Kanzler manipuliert die 3 schlechtesten Zeitungen Österreichs und der Aufschrei in diesem Land hält sich in Grenzen. Das ist ein Polit-und Medienskandal ersten Ranges. Faymann ist rücktrittsreif und auf lange Sicht wird im auch sein Dauerlächeln nicht helfen. Erstaunlich auch, dass sich die linke SPÖ Basis so etwas gefallen läßt, weil die doch auch der natürliche Feind der Kronenzeitung sein müßte. Zu kritisieren ist auch noch, dass die Presse viel zu zahm mit Krone, Heute und Österreich umgeht. Diese Medien umschmeicheln den Kanzler und werden aber nicht vehement attakiert. Also Frau KordiK: Attake auf die Boulevardmedien.

Re: Faymann und Krone

Die Frage ist nur, hält sich die SPÖ die Krone, oder hält sich die Krone einen BK Faymann?

Die anderen beiden SPÖ-Jubelblätter sind ohnehin nur Trittbrettfahrer der so gebildeten politischen Allianz.

17 0

Aber geschickt sollte man sein-

wie wär´s mit skrupellos?

2 0

Re: Aber geschickt sollte man sein-

richtig: skrupellos geschickt..

Re: Re: Aber geschickt sollte man sein-

nein, unverschämt skrupellos!

geschickt impliziert ein Mindestmaß an Intelligenz....

Gast: hanshans
21.09.2012 08:12
25 1

Kompliment Fr. Kordik

Fr. Kordik, Kompliment !
Man braucht ja leider schon einiges an Mut, etwas kritisches über WF zu schreiben. Die Erpressungsversuche seitens der Regierung können eine Zeitung die da nicht mitmacht ruinieren. Deshalb besondere Anerkennung über die Berichte der Presse!
Macht weiter so !

 
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