Er sei „eine Art Genie und dabei auch immer ein bisschen Clown, alles auf einmal“, urteilt sein Biograf Wayne Lilley über Frank Stronach. Eine schillernde Figur ist der Austrokanadier jedenfalls, das garantiert ihm nun auch eine über jenes Maß hinausgehende Medienberichterstattung, die einem Parteigründer in spe – und davon gab es sogar in diesem Land zuletzt nicht wenige – grundsätzlich gewährt wird.
Allerdings hat dieses Schillern im Fall Frank Stronachs stets auch etwas leicht Operettenhaftes, angesiedelt irgendwo zwischen Jörg Haider und Silvio Berlusconi. Wohl nicht zufällig ist er zur Anlaufstelle für BZÖ-Dissidenten und den einen oder anderen vom rechten Flügel der Sozialdemokratie geworden.
Bei allem Respekt vor dem wirtschaftlichen Erfolg des Gründers des Global Players Magna und seinem vielfältigen Mäzenatentum haftet dem in die politische Arena Strebenden doch der Makel an, nicht gerade restlos seriös zu wirken. Das mag auch mit seinem wankelmütigen Engagement in der Welt des österreichischen Fußballs zu tun haben. Hochtrabenden Plänen folgte wenig Nachhaltiges. Zumal der Mann ja auch noch andere Steckenpferde hat(te). Nun eben die österreichische Politik.
Man sollte sich aber davor hüten, Frank Stronach leichtfertig und naserümpfend ins Eck für überspannte Seniormillionäre mit viel Tagesfreizeit und Sendungsbewusstsein zu stellen. Schon jetzt, vor der Präsentation von Partei und Programm an diesem Donnerstag, liegt er in den Umfragen bei rund zehn Prozent. Allein mit der Bewunderung für die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story ist das nicht zu erklären. Sondern vielmehr mit der Sehnsucht der Wähler nach einer Alternative, die nicht aus dem bestehenden politischen Establishment kommt, auch, wenn gerade Stronach aus diesem immer wieder Berater und Mitarbeiter für seinen Konzern rekrutiert hat – von Franz Vranitzky bis Karl-Heinz Grasser.
Stronach formuliert einfach. Und sehr konzise ist sein Konzept bisher auch noch nicht. Aber dennoch spricht hier einer deutlich aus, dass wirtschaftlicher Erfolg kein Verbrechen, Budgetdisziplin keine Nebensächlichkeit und die Verschlankung der Bürokratie notwendig ist. Auch im Sinne des „kleinen“ Arbeitnehmers.
Und der Zeitpunkt, in die Politik einzusteigen, könnte für Stronach nicht besser sein: Bis auf die Grünen sind alle Parlamentsparteien durch die im und rund um den U-Ausschuss publik gewordenen Korruptionsdeals diskreditiert. Die von der ewigen rot-schwarzen Koalition Ernüchterten warten ebenso schon länger auf eine Alternative wie von der ÖVP enttäuschte Unternehmer. Und das mit einem ähnlichen Programm aufwartende BZÖ wird von Stronach – obwohl er noch nicht allzu viel sagt – locker übertönt und deswegen wohl den Wiedereinzug in den Nationalrat verpassen.
Auffallend ist, dass von Stronachs Forderung nach einer Wiedereinführung des Schilling zuletzt nicht mehr viel zu hören war. Auch Stronach und seine Berater dürften von den niederländischen Wahlen gelernt haben. Denn gegen das Establishment gerichtete populistische Parteien mögen mit zuwanderungskritischen Parolen nach wie vor Gehör finden (was der Auswanderer Frank Stronach bislang freilich nie getan hat), aber beim Spiel mit dem Zusammenbruch der Währung hört sich der Spaß für die Bevölkerung rasch auf. Denn das mögliche Ende des Euro weckt existenzielle Ängste, mit denen man sich dann doch lieber den etablierten Parteien anvertraut.
Allerdings ist das nun aktuelle Stronach'sche Modell nicht mehr als ein Schilling-Etikett mit anderem Namen: Die europäische Währung soll zwar weiterhin Euro heißen, aber es soll einen eigenen Österreich-Euro, einen Spanien-Euro oder einen Deutschland-Euro geben – mit unterschiedlichem Wert.
Die entscheidende Frage ist, ob die Wähler Stronach dieses einigermaßen unausgegorene Konzept nachsehen – da sie die bestehenden Verhältnisse für noch schlimmer erachten. Und sie sich weder in die Arme der Großparteien flüchten noch in jene Heinz-Christian Straches begeben wollen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)















