26.05.2013 04:57 Merkliste 0

Das beste Programm für Stronach

KARL ETTINGER (Die Presse)

Solange die Regierung der beste Wahlhelfer ist, überdeckt dies manche Lücke in der Stronach-Fibel. Selbst deren Vorsicht hat der Neopolitiker schon verinnerlicht.

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Der imperiale Rahmen für die Präsentation von Frank Stronachs neuer Partei passte. Es hat schon ein bisschen etwas Monarchisches, wenn der Parteigründer, zugegeben ein Mann mit unbestreitbaren Verdiensten und Engagement in der Wirtschaft, gleich einmal dekretiert, dass es sich dabei um einen Tag handle, der in die Geschichte eingehen werde.

Immerhin kann Stronach für sich in Anspruch nehmen, dass er als 80-Jähriger schon seit der Ankündigung, als Spitzenkandidat in die Nationalratswahl zu gehen, Emotionen und bei vielen echte Hoffnungen auf Änderungen in Österreich geweckt hat. Das muss ihm erst einmal jemand in ähnlicher Weise nachmachen. Denn wer in Österreich überhaupt noch Politiker sein oder werden will, steht hierzulande schließlich von vorneherein unter dem Generalverdacht, ein potenzieller Gauner zu sein, der auf Kosten der Steuerzahler eine möglichst ruhige Kugel schieben will.

Stronach tut sich mit 80 Jahren, wie ein paar andere Unverdrossene, die Politik noch an. Es ist ein bisschen primitiv, dies bloß mit dem Seitenhieb, da könne jemand mit viel Geld nicht von Macht und Einfluss lassen, der alte Herr solle endlich eine Ruhe geben, abzutun.


Wenn sich Frank Stronach aber schon auf die politische Bühne begibt, muss er sich ebenso gefallen lassen, dass er wie andere Politiker auch an seinen Leitlinien und Aussagen gemessen wird. Schließlich ist Stronach selbst auch nicht zimperlich, wenn er mit der derzeit amtierenden Regierung und den politischen Parteien ins Gericht geht.

Der Parteigründer und kraft Statuts Alleinsprecher der neuen Partei in Personalunion hat in den vergangenen Wochen freilich schon selbst die Erwartungen gedämpft und darauf vertröstet, dass ein fixes Programm erst im Frühjahr 2013 vorliegen werde. So nebenbei schreibt eben ein Selfmade-Milliardär irgendwo auf dem Weg über den Atlantik ein abgerundetes, stimmiges Parteiprogramm auch nicht zusammen. Denn die zentralen Werte Wahrheit, Transparenz und Fairness kann wohl jeder Bürger ungeschaut unterschreiben. Diese Werte würden auch an keiner Antragsprüfungskommission einer Parlamentspartei scheitern. Im Gegenteil: Sie müssten sich sogar Spott für solche Allerweltsbekenntnisse gefallen lassen.

Es ist aber irgendwie bezeichnend, dass bei den Grundsatzpositionen einer neuen Partei in Österreich sogar ein eigener Passus angeführt werden muss, dass ein ausgeglichenes Budget zu den Kernanliegen zähle. Das beweist nur, wie selbstverständlich es in Österreich längst geworden ist, das Heil im Anhäufen neuer Staatsschulden zu sehen. Egal, welcher Couleur diese Regierungen sind, inklusive selbst ernannter Wirtschaftsparteien wie der ÖVP, die seit einem Vierteljahrhundert mitregiert. Wenn das einer ausdrücklich ins Parteiprogramm schreibt, ist das schon eine kleinere Sensation.


Der Hauptvorwurf, der Stronach im Zusammenhang mit dem Programm trifft, ist, dass er schon viel zu sehr wie ein „echter“ Politiker agiert. So ist es zwar völlig richtig, aber wirklich zu wenig, eine Vereinfachung des Steuersystems zu fordern und nicht gleich dazuzusagen, welche konkreten Privilegien und Grauzonen man beseitigen will. Stronach macht es sich auch viel zu leicht, wenn er weniger Verwaltung verlangt, wenn aber offen bleibt, welche Posten oder Behörden er streichen würde, weil das Betroffene schmerzen könnte.

Am meisten fällt auf, wie schwammig gerade der Gründer einer Partei, der aus der Wirtschaft kommt und deren Bedeutung ständig hervorstreicht, bei der Bewältigung der Eurokrise bleibt. Von der bloßen Schilling-Nostalgie vor Wochen, die bestimmt etliche Anhänger hat, hat sich Stronach schon verabschiedet. Aber ein eigener Euro für jedes Land klingt nach einer Währung mit ein bisschen National- und Lokalkolorit.

Das größte Glück für Stronach ist allerdings, dass die jetzigen Regierungsparteien gleichsam das beste Wahlprogramm für ihn sind. Da wird dann dessen eigene dünne Fibel, die manche Schwachstelle hat, fürs Erste weitgehend zur Nebensache. Aber genau das sollte sie nicht sein.

 

E-Mails an: karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

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29 Kommentare
 
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Das beste Programm für Stronach

All den Besserwissern, Dreimalgescheiten und sonstigen geistigen Schwerarbeitern, welche sich zur Parteigründung von Stronach in unsachgemäßer und oft unflätiger Art und Weise äußern, sei einmal ganz deutlich gesagt;
- wer mit der heutigen politischen Situation in unserem Lande zufrieden ist - der soll sich auch damit zufrieden geben - und dem Herrgott danken, dass er in dieses Land geboren wurde und nicht mit solch proletenhaften Postings den vernünftigen Bürgern auf den Nerven herumtanzen. Man weiß ja schon nicht mehr ob man sich ob dieser Äußerungen mehr über diesen Teil der Bürger oder der Politiker dieses Landes Fremdschämen soll.
- wer aber mit der heutigen politischen Situation in unserem Lande nicht zufrieden ist, der müsste eigentlich jegliche neue demokratische Wahlmöglichkeit willkommen heißen.
Man mag zur Person und den Aussagen von Frank Stronach stehen wie man will – ich habe auch ein Problem mit seinem nach rechts gerichteten Augenzwinkern – aber er bewegt etwas in der politischen Landschaft unseres Landes und sei es nur, dass er diesen Demagogen und Opportunisten welche sich gerne als Volksvertreter feiern lassen – und auf jeder Feier anzutreffen sind – etwas Feuer unter ihr wohlgenährtes Sitzfleisch macht.
Noch eine Tatsache sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden; wegen dem Geld wird er sicher nicht Politik machen. Er hat genug, wobei unsere Politiker nicht genug davon bekommen können.

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Re: Das beste Programm für Stronach

Sudern auf hohem Niveau! Besser wir leben im sogenannten politischen Stillstand und sind europaweit relativ gut aufgestellt als wir machen diesen Herrn, welcher seine beste Zeit schon lange hinter sich hat, mit seinen obskuren Ideen stark. Was er bisher von sich gegeben hat wäre nicht mal Haider in seiner wahnwitzigsten Zeit über die Lippen gekommen.

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Re: Das beste Programm für Stronach

Was meinen Sie bitte mit nach rechts gerichteten Augenzwinkern? Das müssen Sie den geschätzten Lesern doch erklären. Meinen Sie dies sei negativ? Mit nach links gerichtet hat nämlich in diesem Land leider offenbar niemand ein Problem. Nach rechts gerichtet hat hoffentlich Ihrer Meinung nach nichts mit rechtsradikal zu tun.

Re: Re: Das beste Programm für Stronach

sein geäußertes soziales Denken sehe ich eher links gerichtet. Die Arbeiter am Erfolg beteiligen, das will er.

Stronach weiß schon was er will, nämlich den Staat von den SPÖVP-Tyrannen befreien!

Das gebietet ihm sein Gewissen und seine Heimatverbundenheit und dafür will er seine von ihm selbst verdienten Milliarden einsetzen. Darin zeigt sich seine hohe Sozialkompetenz.

Gast: Gast: Leser
28.09.2012 16:02
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Steuersystem

Zur Vereinfachung des Steuersystems hat er ja schon etwas ganz Konkretes gesagt: er will die Flat Tax. Das ist mehr, und vor allem effizienter, gerechter und allgemeinverständlicher, als die Steuermodelle aller anderen Parteien zusammen - und natürlich eine Horrorvorstellung für alle rot-grün-kommunistischen Reichenbesteuerer.

Re: Steuersystem

Ich will keine flat Tax. sondern einen mit dem zu versteuernden Einkommen progressiv steigenden Steuersatz, am unteren Ende Steuerfreiheit, am oberen Ende ein Maximalsatz.
Der, der mehr Einkommen hat, der nutzt auch die staatlichen Leistungen in höherem Maß.

Re: Steuersystem

und eine goße freude für alle milliardäre und ihre untertanen.

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Re: Re: Steuersystem

Untertane - na mein Gott! Saublöde Diktion!

Re: Re: Re: Steuersystem

sorry, das war zu deutsch für den onkel aus amerika: "fans" trifft es eher? das wort versteht viell. auch onkel franky...

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jetzt frage ich mich aber schon!

Ich wies in meinem Kommentar vor einer Stunde darauf hin, dass ich, wenn ich das Wort "verar..." schreibe, zenusuriert werde...
Sie schreiben es im Leitartikel in Fetten Lettern.
Anscheinend wurde mein Kommentar wieder gefiltert.

Gleiches recht für Alle

Ansonsten ist der Artikel gut und dem ist nichts hinzuzufügen, ausser, dass sich genau jene an eine pointiertere, ausgefeilterer Rhetorik beühen könnten, die dem Verein angehören, die für die automatisierte Zensur verantwortlich zeichnen.

Antworten Gast: selbstreflexion
28.09.2012 14:01
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Gleiches Recht für Alle!

wenn sie gleiches Recht wollen, müssen sie auch unter gleichen Bedingungen schreiben... Sie sind aber u.a. anonym...

Alleine Stronachs Ankündigung einer Steuerreform bringt die Regierung schon zum Nachdenken

Fekter denkt bereits an ein vereinfachtes Steuersystem, das v.a. den Mittelstand entlasten soll.

http://www.format.at/articles/1239/524/342984/ordentlich-schotter


stronach will vor allem sich selbst und seinesgelichen entlasten

er und seine milliardärskollegen sind diejenigen, die am meisten von seinen wirren steuervorstellungen profitieren werden.

übrigens: wie soll das budgetdefizit gesenkt werden, wenn man auf steuereinnahmen von besserverdienenden verzichtet? ach ja, das ist alles magie: wie von zauberhand werden die einnahmen sprudeln, weil steuern für reiche senken führt geradewegs ins paradies - zumindest ins paradies für die milliardäre, denn nirgendwo hat diese schnapsidee von flat tax wirtschaftliche entwicklung befördert, im gegenteil.

aber wozu denken, wenn man FRANK ist? frank ist super, und aus! "negative fragen" verboten, sonst ist man von der roten armee!

Antworten Antworten Gast: Anton Aushecker
28.09.2012 23:34
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Re: stronach will vor allem sich selbst und seinesgelichen entlasten

Der Rechnungshof hat 599 Vorschläge, wie man das Budgetdefizit senken kann und immer noch Spielraum für Steuererleichterungen hat. Man muss nur hinschaun und lesen können.

Re: Alleine Stronachs Ankündigung einer Steuerreform bringt die Regierung schon zum Nachdenken


Die Regierung VERSUCHT seit Jahren, nachzudenken. Den Erfolg dieser Versuche bekommt jeder Einzelne von uns schmerzhaft zu spüren.

Antworten Gast: Gast: Leser
28.09.2012 16:04
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Re: Alleine Stronachs Ankündigung einer Steuerreform bringt die Regierung schon zum Nachdenken

"Fekter denkt bereits..." - welch erstaunliche Leistung und welch leuchtend-schöne Zukunftsperspektive!

Gast: Weisswähler
28.09.2012 10:37
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In den

sauren Apfel zu beissen bin ich diesmal bereit, Herr Ettinger, wenn dadurch auch nur ein Teil der jetzigen Politiker in der Versenkung verschwindet. Manchmal muss man Opfer bringen, um Änderungen herbeizuführen.

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Stronach hat eine wichtige Aufgabe

...und zwar dass ein Großteil der jetztigen Parteisoldaten aus dem Parlament verschwindet.

Re: Stronach hat eine wichtige Aufgabe

Das wäre schön. Und es wäre zu hoffen, dass die Parteisoldaten nicht einfach durch Stronachsoldaten ersetzt werden. Wird es zum Beispiel möglich sein, dass ein Stronach-Abgeordneter eine andere Meinung als der Teamchef hat und entsprechend abstimmt?

stronach duldet keine anderen meinungen neben seiner

sie glauben diese rückgratlosen wit.zfi.gu.ren, diese finanziell anhängigen niemande, deren namen sich stronach bezeichnenderweise nicht merken kann, leisten sich den luxus einer eigenen meinung?

darum sind sie ja bei stronach gelandet und werden von ihm protegiert, weil sie KEINE eigene meinung haben, sondern sich dem frank unterworfen haben, denn das ist genau das, was er will: totale unterwerfung, kritik unerwünscht. siehe seine fußball-eskapaden und seine unwirschen reaktionen auf journalisten, die es wagen ihm fragen zu stellen.

"..und bei vielen echte Hoffnungen auf Änderungen in Österreich geweckt hat. Das muss ihm erst einmal jemand in ähnlicher Weise nachmachen. "

nachmachen? vormachen!

ettinger scheint der einzige journalist dieses landes zu sein, der die (von anderen medien sehr wohl registrierte) ähnlichkeit von stronach und haider nicht sieht. frank ist der geriatrische jörg!

der hat uns doch schon vorgezeigt, was rauskommt, wenn es weder eine partei noch ein programm gibt. wenn es nur einen parteiführere gibt und seine täglich wechselnden launen!

auch der hat bei vielen echte hoffnungen auf änderungen geweckt und BÖSE war das erwachen.
und jetzt laufen die lemminge schon wieder genau dem gleichen typ hinterher. reicht euch EIN sprung über die klippe nicht? wollt ihr schon wieder? 'aus erfahrung gescheiter werden' ist wohl eine völlig unbekannte eigenschaft für euch!

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Re: "..und bei vielen echte Hoffnungen auf Änderungen in Österreich geweckt hat. Das muss ihm erst einmal jemand in ähnlicher Weise nachmachen. "

Um ihr Bild aufzugreifen: vielleicht ist es besser, über die Klippe zu springen, als im Treibsand zu ersticken...

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Man zweifelt an seinem Verstand

wenn man sieht, wie ein 80-jähriger Mann die Zukunftshoffnung Österreichs sein soll und mit so wirren Sprüchen so viel Aufmerksamkeit bekommt. Es kann natürlich auch sein, dass sich die Medien wegen des Spassfaktors und des Geldes im Hintergrund so auf ihn stürzen und er damit so viel Aufmerksamkeit bekommt.

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»bei vielen echte Hoffnungen auf Änderungen in Österreich geweckt«

Dass das mit populistischen Methoden in Österreich dank der politischen Naivität der Masse immer gut funktioniert, haben schon andere vor ihm bewiesen. Aber gerade das unterscheidet einen seriösen Politiker, dass er darauf verzichtet, weil er weiß, dass das für ihn zwar gut, aber für das Land schlecht wäre.

Wie Stronach zu seinen Milliarden gekommen ist, ob das wirklich nur sein Verdienst war? Ist er wirklich das Arbeiterkind, dass durch bloßes Ärmelaufkrempeln reich geworden ist, aus purer eigener Tüchtigkeit, wie er das immer darstellt? Da habe ich meine Zweifel. Jemand der so von sich selbst eingenommen ist, ist für mich dubios und unwählbar, ganz gleich was er mir verspricht. Das habe ich schon mit Haider so gehalten und die Geschichte hat mir recht gegeben.

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Re: »bei vielen echte Hoffnungen auf Änderungen in Österreich geweckt«

...Ihre Zweifel sollten Sie bei den derzeitigen Politikern haben, woher deren Vermögen kommt.

 
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