23.05.2013 14:16 Merkliste 0

Auf Zehenspitzen durch vermintes Gebiet

OLIVER PINK (Die Presse)

Ein Thema, viele Wahrheiten: Ja, Väter wurden bisher benachteiligt. Ja, etliche haben sich unzulässig radikalisiert. Und ja, die gemeinsame Obsorge ist ein Ausweg.

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Am vergangenen Samstag demonstrierten in Wien nicht nur die Kindergartenpädagoginnen. Auch Väterrechtsaktivisten zogen an diesem Tag durch die Innenstadt, um auf ihre Benachteiligung durch Justiz und Politik aufmerksam zu machen. „Nur vier Stunden Besuchsrecht in der Woche!“, stand auf einem Schild, „Familienzerstörungsministerin Heinisch-Hosek“ auf einem anderen. Auffallend war die relativ hohe Zahl an Frauen, die an diesem Demo-Zug über den Wiener Graben teilnahmen, möglicherweise waren es die Lebensgefährtinnen, Mütter oder Schwestern der betroffenen Männer.

In der Vergangenheit haftete den Väterrechte-Organisationen nicht selten etwas Obskures an – durch die Radikalität etlicher Proponenten und deren Angriffe auf die Justiz im Allgemeinen und bestimmte Familienrichter im Besonderen, durchaus selbst verschuldet. Und als sich dann auch noch die Freiheitliche Partei ihrer Anliegen federführend annahm, liefen die Interessenvertreter der Väter Gefahr, aus dem finsteren rechten Eck gar nicht mehr herauszukommen.

Das Familienrecht ist ein heikles Terrain, auf dem Recht und Gerechtigkeit in der subjektiven Wahrnehmung vieler Betroffener noch weiter auseinanderklaffen als in anderen Bereichen. Die Benachteiligung der Väter durch die Institutionen sei sogar eines der letzten Tabus in unserer Gesellschaft, war zuletzt mitunter zu lesen.

Und es stimmt schon: Bisher war es (meist) so, wie es immer war. Die Mutter bekommt das Kind zugesprochen, die Obsorge noch dazu – und hat damit auch ein Druckmittel in der Hand, wann und wie der von ihr getrennt lebende Kindesvater den Sohn und/oder die Tochter zu sehen bekommt. Freilich gibt es für diese Besuchszeiten auch gerichtliche Vorgaben, nur im Alltag werden diese dann oft nicht immer so ganz genau eingehalten.

Die Folgen sind Frustration und Wut aufseiten der Väter (und ihrer Angehörigen). Eine für viele von ihnen ungewohnte Schwäche und Ohnmacht. Und manche greifen – wie jüngst im Fall Oliver – dann auch zur Selbstjustiz.

Aber auch für die Justiz und ihre Organe gehört es zu den schwierigsten Aufgaben, bei solchen Familiendramen Recht zu sprechen. Und dass automatisch beziehungsweise im Zweifel immer der Mutter recht gegeben wird, diese Praxis ist durch den Umstand, dass sich seit geraumer Zeit auch viele Väter immer stärker in die Erziehung ihrer Kinder einbringen, aufgeweicht.

Und so vollzieht die Republik Österreich nun nach, was anderswo bereits State of the Art ist: das Anrecht lediger Väter, die Obsorge für ihr Kind beantragen zu können – auch gegen den Willen der Mutter. So sieht dies auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vor. Die rot-schwarze Einigung erfolgt zudem unter dem Druck, dass ab Februar 2013 ein Rechtszustand eingetreten wäre, bei dem Väter, auch solche, die sich nie um die Kinder gekümmert haben, automatisch das Sorgerecht erhalten hätten.

Darüber hinaus haben sich die Verhandlerinnen von SPÖ, Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, und ÖVP, Justizministerin Beatrix Karl, darauf verständigt, dass nach einer Scheidung Mutter und Vater die gemeinsame Obsorge für ihr Kind erhalten können. Und zwar auch bei einer Trennung im Streit. Bisher war das nur im Einvernehmen möglich.

Der Richter kann sich dabei jedoch eine mindestens halbjährige Testphase vorbehalten. Wie dieser auch weiterhin die Hauptverantwortung trägt und von Fall zu Fall entscheiden muss. Einen Automatismus, wonach der Vater nach der Scheidung einfach so das Sorgerecht bekommt, wird es nicht geben.

Die Intention des Gesetzgebers ist es, das Wohl des Kindes noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken und diesem einen verlässlichen Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen. Über dessen Einhaltung künftig sogenannte „Besuchsmittler“ wachen sollen.

Damit bekommen also auch die Väter mehr Rechte. Das ist gut so. Im Gegenzug sollten viele Väter aber auch ihre Pflichten ernster nehmen.

 

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)

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16 Kommentare
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Damit bekommen also auch die Väter mehr Rechte. Das ist gut so. Im Gegenzug sollten viele Väter aber auch ihre Pflichten ernster nehmen.

H,, ich kann nicht sehen, wo die Rechte sind.. Wenn gleiche JA und Gutachter entscheiden... Man kann Gericht in Anspruch nehmen aber wie es ausgeht, ist eh klar... Profitiert weiterhin nur die Scheidungsindustrie,,,

Gast: Ein Vater
11.10.2012 13:08
1 2

Gemeinsame Obsorge ist kein Ausweg.

Einziger Ausweg ist, es der österreichischen Scheidungsindustrie nicht so leicht zu machen.
Solange eine Frau einfach zu Gericht laufen kann, Scheidung beantragt, und unabhängig von den Tatsachen immer Recht bekommt, wird sich gar nichts ändern.

In der Praxis entscheiden kinderlose und überforderte Richter(innen) über das Schicksal einer Familie. Mit "Vater ist böse", "Mutter ist gut" können Richer(innen) halt nichts falsch machen. Ich möchte den Richter sehen, der einmal gegen die Mutter entscheidet.

Eigentlich müsste hier jeder einzelne Fall der letzten Jahre neu aufgerollt werden. Richter(innen) sind ggf. wegen Amtsmißbrauch anzuklagen.

Wie wäre es mit einer "Staatsanwaltschaft in Scheidungsangelegenheiten"?

Re: Gemeinsame Obsorge ist kein Ausweg.

Da sieht man mal wieder, wie Dummheit und Vorurteil in der Bevölkerung Hochkultur haben.

Ich arbeite zufällig gerade bei Gericht, und die einzigen Scheidungsrichter, die ich kenne, sind beide glücklich verheiratet (inklusive Kindern).

Das Problem sind die Gesetze.

Aber wie reagiert der typische Österreicher? Er schimpft auf die Richter und wählt weiter Faymann, der mit seiner links-linken Feministenbasis im Hintergrund dafür sorgt, dass sich darin auch länger nichts ändert. Das jetzt ist ein erster, wenn auch wichtiger, dennoch nur Tropfen auf dem heißen Stein.

Gast: Ein Vater
11.10.2012 12:56
1 0

Gemeinsame Obsorge ist kein Ausweg.

Einziger Ausweg ist, es der österreichischen Scheidungsindustrie nicht so leicht zu machen.
Solange eine Frau einfach zu Gericht laufen kann, Scheidung beantragt, und unabhängig von den Tatsachen immer Recht bekommt, wird sich gar nichts ändern.

In der Praxis entscheiden kinderlose und überforderte Richter(innen) über das Schicksal einer Familie. Mit "Vater ist böse", "Mutter ist gut" können Richer(innen) halt nichts falsch machen. Ich möchte den Richter sehen, der einmal gegen die Mutter entscheidet.

Eigentlich müsste hier jeder einzelne Fall der letzten Jahre neu aufgerollt werden. Richter(innen) sind ggf. wegen Amtsmißbrauch anzuklagen.

Wie wäre es mit einer "Staatsanwaltschaft in Scheidungsangelegenheiten"?

Radikalisierung

Der klägliche Versuch, eine "mittlere Position" einzunehmen.

1.) Die Harmlosigkeiten, die Herr Pink als "Radikalisierung" bezeichnet, ist eine natürliche Folge des Umstands, dass eine evidente Ungerechtigkeit im alltäglichen Zusammenleben von der herrschenden Klasse und ihren Lakaien ignoriert, bagatellisiert, belächelt oder aufgeschoben wird.
2.) Fragen Sie sich mal, weshalb Vertreter der Freiheitlichen Partei radikalisiert wurden und gerne im "finsteren rechten Eck" verschwinden.

Vielleicht liegt es ja daran, dass die politische Linke jeden Sinn für Gerechtigkeit gegenüber produktiv Tätigen (dh "echten" Leistungsträgern) und dem eigenen Volk verloren hat; während die "bürgerliche Mitte" Leistung predigt und damit Besitzstandwahrung meint, sich aber gesellschaftspolitisch bei jeder Gelegenheit links andient (@Herr Pink: q.e.d.).

Antworten Gast: tutep
11.10.2012 21:55
0 0

Re: Radikalisierung

Dieser Artikel hat nicht auch nur ansatzweise etwas mit der FPÖ zu tun - also will ich nichts über sie lesen. Alles klar?

Re: Re: Radikalisierung

Sie haben meinen Beitrag falsch verstanden. Solange Väter oder andere Gruppen aus der Zivilgesellschaft aufgrund eines legitimen Anliegens als "rechts" (pejorativ verwendet) bezeichnet werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich diese Gruppen mit diesem "finsteren rechten Eck" (O. Pink) anfreunden.

Es war und ist völlig falsch, die Väterdebatte zu ideologisieren, wie es H-H begonnen hat. Umgekehrt: Warum sollten sich Väter von der Ideologisierung einschüchtern lassen. Eine richtige Sache spricht für sich selbst.

UNSACHLICH

Herr Pink , sind Sie der Pressesprecher der Frauenministerin?

Vorurteilhafte Phrasen zu dreschen ist einer Presse unwürdig, wie:
..Radikalität
...rechtes Eck
der österr. Entwurf ist weit schlechter als jener von Bandeuon-O., als geltendes rRecht in Deutschland, der Entwurf in der Schweiz, von Frankreich und Skandinavien gar nicht zu reden, und Sie schreiben von "State of the Art".
Ich kenne unter meinen Bekannten weder Vater noch Mutter , welche sich sich nicht fürs Kind interessieren oder seinen Pflichten nicht nachkommen. Warum müssen Sie unbegründet solche Vorurteile billig bedienen?

Gast: Die ganze Wahrheit:
11.10.2012 07:43
8 1

Mütter in Ö-land sind Besitzerinnen der Kinder!

Damit kann die Mamma über die Kinder den Mann erpressen.

Ich kenne Fälle, wo der Vater sein Kind ein halbes Jahr "krankheitshalber" nicht gesehen hat.

Oder die Mamma benennt das Kind um, weil es den Vornamen des Vaters trägt.

Wir schweigen von dringenden Terminen zu Besuchszeiten. Das ist der Klassiker!

Die Kinder sind in der Debatte bisher genau gar nicht vorgekommen, weil eben Mutti die Besitzerin derselben ist. Man stelle sich vor, was die Kinder fürs Leben mitbekommen...

Hundert Schweinereien fallen mir ein, immer war der Mann völlig chancenlos. Meistens sind auch die Kinder gezielt gegen den Vater manipuliert worden.

Wenn das geändert wird, kann das für die Kinder und Väter nur gut sein!

Gute Mütter haben kein Problem mit Gemeinsamem Sorgerecht.

Gast: Antifeminist
11.10.2012 01:19
11 1

Nachdenken bevor Sie schreiben, Herr Pinker

Herr Pink hat weder die bisherige Kinder schädigende und Väterdiskriminierende Rechtssituation noch die (vernachlässigbare) Verbesserung durch die Neuregelung für uneheliche Väter verstanden.

Dafür plappert er Feministenargumente nach als ob es sich um Tatsachen handelt und schreibt über eine angebliche "unzulässige Radikalisierung von Vätern". Wie genau haben sich um ihre Menschenrechte in Österreich diskriminierte Väter denn genau radikalisiert? Unzulässig nach welchem Maßstab?

Frauen haben nach wie vor die Obsorge und der Mann darf darum betteln. Zahlen darf er weiterhin. Bekommen wird er gar nichts (wie bisher), weil Gerichte nur Frauen Recht geben.

Herr Pinker - überlegen Sie das nächste mal bevor Sie schreiben.


Gast: beschwerer
10.10.2012 21:27
11 2

also wenn sich die freiheitliche partei

eine themas annimmt, dann wird es per se finster rechts?
was für ein dummes ideologenland haben wir.

Gast: Irrwitz
10.10.2012 21:12
0 8

Naja stimmt nicht ganz

In den allermeisten Ländern wird de facto fast immer der Mutter das Sorgerecht gegeben. Die meisten Frauen würden so ziemlich alles tun, damit ihnen ihr Kind nicht weggenommen wird, und so hätten Männer ein Druckmittel sie gefügig zu machen. Da gibt es grausige Geschichten. Zwar gibt es Mütter, die keine Beziehung zu ihren Kindern entwickeln, aber die Statistiken sprechen eine klare Sprache.

Wenn sich z. B. der Mann eine jüngere Partnerin sucht, ist es zerstörerisch - auch für die Kinder -, die Mutter mit geteiltem Sorgerecht zu belasten.
Wenn es um Kinder geht, wäre auch die Schuldfrage zu stellen: Wer sich ohne triftigen Grund vom Partner trennt, zeigt auch ein gewisses Desinteresse am Wohl der eigenen Kinder.

2 0

Re: Naja stimmt nicht ganz

Das Problem ist nicht, dass das Kind der Mutter zugesprochen wird, sondern das dies de fakto ein Automatismus ist, offenbar ohne jede Rücksichtnahme auf den Einzelfall sowie ohne Rücksichtnahme auf die weitere Entwicklung.
Und solange die Rechtsprechung diesen "Frau=gut, Mann=schlecht" Standpunkt einnimmt (der nebenher gesagt sehr wohl einen gewissen ideologischen Stallgeruch hat), ist zweifelhaft ob eine Gesetzesänderung tatsächlich die Situation verbessern wird.

Re: Irrwitz ist nur Ihr Posting

Wenn GEMEINSAME Obsorge ein Druckmittel für die Väter ist, was ist dann bitte die ALLEINIGE Obsorge, die die Mütter jetzt meist bekommen?

ad 2. Absatz: Aha, ist es gerechter, wenn sich die Mutter einen anderen Partner sucht und dann noch alleine über die Kinder bestimmen darf?

ad 3. Absatz: Keiner trennt sich ohne Grund, und die Liebe zum Kind zeigt sich auch, wenn man eine lieblose Beziehung beendet und sich in gutem Einvernehmen trennt.

Antworten Gast: traeumweiter
10.10.2012 22:34
3 0

Re: Naja stimmt nicht ganz

Frauen suchen sich nie einen Jüngeren? Träum weiter.

Gast: gast55
10.10.2012 19:01
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ist der text ein witz

aha frauen entführen ja keine kinder, nein es sind nur männer

immerhin hatte der vater das sorgerecht

"Damit bekommen also auch die Väter mehr Rechte. Das ist gut so. Im Gegenzug sollten viele Väter aber auch ihre Pflichten ernster nehmen."

das ist eine bodenlose frechheit

väter können in dem land ohne zustimmung der muttr gar nicht in karrenz, es gibt keinen kündigungsschutz, vätern wird nichts bei der pension angerechnet, ihre zeiten werden automatisch den müttern angerechnet usw

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