20.06.2013 12:07 Merkliste 0

Werner Faymann ist nicht gesprungen

FLORIAN ASAMER (Die Presse)

Einer der aufschlussreichsten U-Ausschüsse der Zweiten Republik wird nicht nur wegen seiner beachtlichen Ergebnisse in Erinnerung bleiben. Schade eigentlich.

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Was haben Felix Baumgartner und Werner Faymann gemeinsam? Richtig, beide sind immer noch nicht gesprungen. Allerdings musste der österreichische Basejumper seinen Sprung aus der Stratosphäre wegen zu heftigen Windes unfreiwillig verschieben. Während der österreichische Bundeskanzler seinen Sprung über den eigenen Schatten in die U-Ausschusssphäre wegen schlechter politischer Manieren und eines kruden Unrechtsverständnisses selbst auf Dauer verhindert hat. Oder anders: Wo Baumgartner zu mutig ist, ist Faymann zu vorsichtig.

Dabei ist es ja nicht so, dass der ehemalige Inseratenschleuderer und Infrastrukturminister gar nicht redet. Nein, in ausgewählten Publikationen lässt er sich durchaus bitten, wie vor wenigen Tagen in der 20-Jahres-Jubiläumsnummer der auflagenstärksten Info-Illustrierten. Wenn der Kanzler also spricht, und dort gefragt wird, warum 53 Prozent der Bevölkerung glauben, er hätte etwas zu verbergen, sagt er Sachen wie: „Wenn man so oberflächlich fragt, kommen auch oberflächliche Antworten – dann wundert mich, dass es nur 53 Prozent sind. Wenn man aber erklärt, dass die Anzeigenflut in der Politik zu Ermittlungen führt und Ermittlungen zu politischen Vorverurteilungen, wenn die Öffentlichkeit wahrnimmt, dass diese Inseratendiskussion bewusst mit Korruption vermischt wird und die Leute das sehen, dann ist es umgekehrt. Dann kommen sie und sagen: Lass dir nicht alles gefallen.“

Leider wird es sich der Ausschuss-Meider gefallen lassen müssen, hier neuerlich zu lesen, worum es bei den Vorwürfen in der sogenannten Inseratenaffäre tatsächlich geht: Faymann soll in seiner Zeit als Infrastrukturminister Zeitungen Inserate und damit Geld zugesagt haben, die eigenständige Unternehmen (wie die ÖBB und die Asfinag) nie geschaltet hätten, deren Werbewert umstritten ist und die dennoch dafür bezahlen mussten. Dazu hatte Faymann kein Pouvoir, weil diese Unternehmen dem Infrastrukturminister nur politisch unterstanden sind. Diese Verträge zulasten Dritter (diese Dritten sind übrigens wir Steuerzahler) werden nicht „bewusst mit Korruption vermischt“, sondern sind ganz von selbst problematisch. Zeitungen, und hier in besonderem Maß die auflagenstarken, sollten mit Geld zu positiver Berichterstattung über den SPÖ-Politiker animiert werden. Darüber hinaus jongliert man rund um diesen – Inseratenaffäre genannten – Sachverhalt mit anderen möglichen (natürlich noch nicht erwiesenen) Tatbeständen wie dem unbefugten Verwenden fremden Geldes (Untreue) und dem Überschreiten der Befugnisse der eigenen Funktion (Amtsmissbrauch). Vom politischen Selbstverständnis, das alles gar nicht so problematisch zu finden, einmal ganz zu schweigen. Darauf kann man nicht oft genug hinweisen. Punkt.

Dabei hat der nun so unerfreulich wie abrupt zu Ende gehende Ausschuss gar nicht verdient, vom Nichterscheinen des Kanzlers überschattet zu werden. Was da über die politische Praxis – vor allem auch unter der schwarz-blauen Regierung – ans Licht gekommen ist (noch greller ausgeleuchtet durch die parallel bekannt gewordenen Kärntner Ungeheuerlichkeiten), müsste viele Staatsanwälte neidisch machen. Die noch nicht perfekten, aber für heimische Verhältnisse beachtlichen neuen Antikorruptionsgesetze (strengere Regeln für die Förderung politischer Parteien, ein wirkungsvolles Transparenzgesetz, ein schärferes Anfütterungsverbot und Unmissverständliches zur verbotenen Geschenkannahme) sind Gesetz gewordener Beleg für die gute Ausschussarbeit.

Gespannt darf man sein, was die Justiz mit den im U-Ausschuss erstmals getätigten Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters von Karl-Heinz Grasser, Heinrich Traumüller, anzufangen weiß, die den EX-Finanzminister in der Causa Buwog belasten. Was das Verfahren gegen Ex-Innenminister Ernst Strasser bringt. Und ob U-Ausschüsse künftig durch andere Verfahrensregeln vor allzu willkürlichen Enden bewahrt werden. Das alles wird man erst sehen. Sicher ist nur: Wenn Felix Baumgartner so basejumpt wie Werner Faymann bundeskanzlert, kann man nur auf ganz viel Wind hoffen.

 

E-Mails an: florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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21 Kommentare

Warum wird gejammert?

Das Volk wählt dann beim nächsten Wahlgang doch wieder diese oberflächlichen und charakterlosen Politiker. Wie der Herr so das G`scher. Was will man denn von einem ungebildeten Volk, vor allem wenn vorgegaukelt wird, was der Staat wieder für die Bevölkerung tut. Besonders für die Faulen und Asozialen.

"...die eigenständige Unternehmen (wie die ÖBB und die Asfinag) nie geschaltet hätten, deren Werbewert umstritten ist und die dennoch dafür bezahlen mussten"

kurz vor schaltung dieser inserate ist fayman minister geworden. er sah sich konfrontiert mit einem von der vorgängerregierung nach parteibuch ausgewähltem (an diesem schönen brauch hatte die 'wende' ja nichts geändert!) pfuscher-management. das sich (-->parteibuch) auch nicht wirklich kooperationsbereit zeigte.

von politikern und ministern im besonderen verlangen wir immer, dass sie 'arbeiten' sollen.

wie würde diese arbeit bei jemandem aussehen, der in besitz einer aktiengesellschaft kommt und wo ähnliche zustände wie bei öbb/asfinag herrschen? der würde mit sicherheit nicht bis zur nächsten hauptversammlung warten, sondern in der firma einmarschieren und ganz konkrete entscheidungen treffen, zu denen er formal gar nicht berechtigt ist.

ich finde, dass fayman in diesem punkt seinen job getan hat.

wo ich sein verhalten extrem problematisch finde, ist das kaufen von journalistischer zuneigung.
schande über ihn und die schreiberlinge. aber auch über solche, die ebenfalls ihr journalistisches werk nach anderen dingen (wie politische prägung, schmeicheleien, adabei usw) ausrichten. die sind auch nicht besser als die direkt gekauften.

Bisher hatten gewisse Politiker

nichts zu befürchten; sie konnten sich darauf verlassen, immer Rückenwind zu haben, selbst bei dubiosen Aktivitäten.

Der Wind beginnt sich endlich zu drehen, und mit Gegenwind kommen manche überhaupt nicht zurecht. Zu wenig Training!

Da bleiben sie lieber in der guten Stube und schicken andere hinaus ins raue Wetter.

Faygmann soll sich warm anziehen, er kann nicht immer Ostermayer & Co. vorschicken.

2 1

Schlaff entzaubert die Möchtegernpolitiker!

Ich will nicht den Herrn Schlaff von jedem Verdacht und jeder Schuld freisprechen. Aber abgesehen von diesen Angelegenheiten, ist wohl davon auszugehen, dass Herr Schlaff weiß wovon er spricht. Und nun kommen unsere Möchtegernkapazunder und Politwichtlinge, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, die effektiv nichts wissen, die nur ihr Parteiakademiegelaber im Kopf haben, daher und meinen einen Wirtschaftsboss ausfratscheln zu können. Das ist echt lustig. Und so war es auch, als sich der vermeintliche Delinquent nicht unterwürfig zeigte sondern vielmehr die Kommision zum Tanzbären degradierte!

Prämisse

Na gut, macht's an U-Ausschuß, aber bringts ja nichts raus, was uns nicht passt.

Gast: willi fredi
12.10.2012 09:04
9 0

Bilanz

Werner Faymann bundeskanzlert nicht nur sehr erfolglos, er hat davor auch schon erfolglos studiert, wohnbaustadtradelt und infrastrukturministriert.

In seinen früheren politischen Funktionen hat er wiederholt mit tollen Ansagen für Aufsehen gesorgt und nichts davon umgesetzt. Als Kanzler macht er unsinnige Vorschläge und setzt diese leider auch noch um. Wenn man denkt es geht nicht mehr schlechter ...

Vergleiche

Wenn wir schon bei Vergleichen sind:

Was ist der Unterschied zwischen Jörg Haider und Werner Faymann? Während Haider "schon wieder weg" ist, war Faymann eigentlich "nie da".

Re: Vergleiche

Wenn wir schon bei Vergleichen sind:

ein guter politiker soll so agieren wie ein guter fussball-schiedsrichter: je weniger von ihm zu sehen ist, desto besser hat er das spiel geleitet.

in der so oft als vorbild gepriesenen schweiz wird dieses prinzip praktiziert. dort sind die top-leute meist keine 'superstars'.

leider ist dieses verhalten kein muster für ö, weil es hier der wähler nicht honorieren würde. keine ahnung, warum so viele von uns immer denen nachlaufen, die am schönsten sind, am lautesten schreien können, am....???

das ergebnis lässt sich abermals vergleichen: mit den ergebnissen der tv-casting shows, wo durch publikumswahl ein 'superstar' gewählt wird, der meist bestenfalls zweite wahl ist. auch da schlägt der wähler punktgenau daneben.

1 0

Vergleiche


Das lehrt uns einiges über den Wähler.

Gast: total crash
12.10.2012 07:09
4 1

In Anlehnung an Pussy Riot,

lieber Herr im Himmel,schick doch einen Blitz ins Heisl wann`s mit dem richtigen Ungustl-Politiker besetzt ist und gewähre uns Erlösung auf Ewig und Immerdar;o)

( Ich waß schon,is ah müder Abklatsch)

Gast: Gast 2012
11.10.2012 23:04
19 1

kein guter Vergleich

der Felix und der Werner haben schon gar nichts gemeinsam. Der Felix ist vielleicht zu mutig und wird auf jeden Fall springen - der Werner aber wird freiwillig nie springen, er ist von Geburt an feig, dafür aber verschlagen!

Gast: chefredaktion
11.10.2012 21:36
1 14

wieso schafft es asamer

eigentlich, so pedantisch um den skandalösen auftritt von martin schlaff herumzuschreiben? hamm interessen oder angst oder was?

Gast: xfh
11.10.2012 21:29
1 13

Ich bin kein Freund von Faymann,

aber der letzte Satz obigen Artikels ist an Geschmacklosigkeit nicht überbietbar.

Re: Ich bin kein Freund von Faymann,

Mit Verlaub, das wirklich Geschmacklose ist hier ein Werner Faymann.

11 0

"Wenn man aber erklärt, dass die Anzeigenflut in der Politik zu Ermittlungen führt ..."


Vielleicht gehöre ich zu jenen im Lande, die nicht sinnerfassend lesen können, aber was will Herr BK Faymann mit diesem kryptischen Satz sagen?

Was heißt "Anzeigenflut in der Politik", meint er vielleicht gegen bestimmte Politiker, gegen die ein konkreter Verdacht besteht?

Dass Anzeigen zu Ermittlungen führen, sollte doch, vorausgesetzt, sie haben eine strafrechtliche Substanz, normal sein und muss niemandem erklärt werden.

Das ist eine seltsame Begründung für seine von ihm stets bestrittene, von Cap und Co. aber ganz offen mit der Gefahr falscher Zeugenaussagen erklärte Weigerung, vor den Ausschuss zu kommen.

4 0

Re: "Wenn man aber erklärt, dass die Anzeigenflut in der Politik zu Ermittlungen führt ..."

Sie suchen wirklich noch nach Sinn und Bedeutung in den Sprechblasen unseres Bundeskanzlerdarstellers? Der ist doch nur ein mit 08/15-Phrasen angefülltes Nichts, dessen einziges Ziel der Machterhalt ist. Bzw. damals als Infrastrukturminister war es die Machterlangung und dazu war ihm jedes (auch illegale) Mittel recht. Jeder andere gegen den eine ähnlich erdrückende Beweislage vorliegt wie gegen Faymann würde schon vor Gericht stehen. Aber der roten Zelle OStA Wien könnte man ein unterschriebenes Geständnis Faymanns unter die Nase halten und die würden nichts belastendes finden (wollen).

6 0

Bilanz:

- Es gibt noch viel aufzuklären.
- ÖVP und SPÖ, aber auch FPÖ und BZÖ haben dies verhindert.
- Wir merken uns dies bis zur nächsten Wahl und darüber hinaus.
- Wir unterstützen jede weitere Vorgangsweise zur weiteren Aufklärung. ============================================

Gast: Das Ekel Alfred
11.10.2012 19:23
8 0

Doktor p.c.


Werner "Ich-würde-gerne-kommen" Faymann

Titel: Doktor propria causa



Taktischer Schnitzer

Wer auch immer dem Kanzler geraten hat, nicht vor dem U-Ausschuß zu erscheinen, hat einen schweren strategischen Fehler begangen. Er hätte sich schon herausgeredet (hat er auch bei Wolf getan) und damit wäre die Angelengeit erledigt gewesen.

Nun wird es aber ewig mit seiner Vita verbunden bleiben, so wie das "Gesudere", das "Es reicht" oder das "Mitfahren im Porsche" im sonnigen Kärnten von ehemaligen Parteiobmännern.

Irgendwann werden ihm seine "Parteifreunde" einen Strick daraus drehen...

3 0

Re: Taktischer Schnitzer

...als Bundeskanzler sollte er schon selber wissen, was Anstand, Ehrlichkeit und Verantwortung bedeutet. Aber ohne Charakter und Intelligenz ist es sehr schwierig.

Re: Taktischer Schnitzer

Zum Herausreden gehört aber ein Mindestmaß an Intelligenz! Aber bei Faymann war eher zu "befürchten", daß er sich noch weiter hineintheatert.....

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