23.05.2013 03:50 Merkliste 0

Der gerechte Lohn für Werner Faymann

Ulrike Weiser (Die Presse)

Abrechnung in St. Pölten: Nur ein Jahr vor der Nationalratswahl strafte die rote Basis ihren Obmann überraschend hart ab. Er hat es ihr aber auch wirklich ziemlich leicht gemacht.

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Den Witz hat Werner Faymann selbst aufgelegt: Er erhob beim SPÖ-Parteitag "mehr Gerechtigkeit!" zum Motto - und die Genossen haben offenbar gleich bei ihrem Obmann angefangen: Faymann erhielt bei seiner Wiederwahl quasi den gerechten Lohn. Mit nur 83,4 Prozent war es das schlechteste Ergebnis eines SPÖ-Chefs in der jüngeren Parteigeschichte. 2010 hatten sich 93,8 Prozent der Delegierten für ihn ausgesprochen.

Dass Faymann Stimmen verlieren wird, war zwar absehbar, konnte man in den vergangenen Wochen doch quasi live mitverfolgen, wie sich die Parteispitze immer mehr von der Basis entfremdete. Allein das Ausmaß, in dem die sonst disziplinierten Genossen ihren Chef die Zuneigung entzogen, hat wohl auch parteiinterne Kritiker überrascht: Immerhin war der Parteitag als Auftakt zur Wahl gedacht, die in einem Jahr stattfinden soll. Dem Spitzenkandidaten in so einer Situation derart eindeutig auszurichten, was man von ihm hält, ist einigermaßen "rücksichtslos". Und eine persönliche Ohrfeige. Wenn auch eine redlich verdiente.

Da wäre erstens das U-Ausschuss-Geplänkel: Man kann sich den Frust der SPÖ-Funktionäre vorstellen, die am Stammtisch erklären müssen, warum sich der Kanzler vor einer Befragung fürchtet, wo er doch nichts zu verbergen hat. Die halblustige Bemerkung, mit der Faymann die "Inseratenaffäre" streifte (Er sei nur 18 Monate Verkehrsminister gewesen, aber es käme ihm vor wie 18 Jahre, so viel werde darüber geredet), machte die Sache wohl auch nicht besser.

Auch die Wehrpflicht-Frage - Punkt zwei - war am Parteitag nicht mehr zu retten: Wer sich nicht traut, das Thema, das intern diskutiert wird, zur Abstimmung zu bringen, hat eigentlich schon verloren. Dass man die Studiengebühren in eine Arbeitsgruppe verräumte, war da nur noch eine Draufgabe. Das deutliche Abstimmungsergebnis zeigt, dass es offenbar nicht nur die Jungen sind, denen die interne Parteihierarchie auf die Nerven geht. Vielleicht erinnerte sich beim Urnengang der eine oder andere an das Interview, das der Wiener Bürgermeister kurz vor dem Parteitag der "Tiroler Tageszeitung" gab: "Je bürgerlicher die SPÖ wird, desto größer wird die Disziplinlosigkeit", klagte Michael Häupl. Das ist jener Mann, der über Nacht seiner Partei einen Schwenk in der Heeresdebatte verordnete, und sich nun beschwert, dass die Genossen, ungezogenen Kindern gleich, nicht kapieren, dass sein Wille Gesetz ist. Das sagt viel über eine Partei aus.

 

Drittens: Werner Faymann ist nicht Martin Schulz. Dem Präsidenten des EU-Parlaments flogen bei seiner (klassen)kämpferischen Rede am Parteitag die Herzen zu. Faymann hingegen klebte mit alten Kalauern wie "Mir bereiten arbeitslose Jugendliche mehr Sorgen als die Reichen, die keine Erbschaftssteuer zahlen wollen" nur rote Pflaster auf die Risse in der Partei. Vermögenssteuer und Kampf gegen Neoliberalismus allein reichen als letzter gemeinsamer Nenner offenbar nicht mehr aus.

 

Es gibt noch einen Punkt vier: Angeblich waren die roten Vorfeldorganisationen über das Parteien-Transparenzgesetz gar nicht froh. Nun ja: Bei Rebellion geht es nicht ausschließlich um Gerechtigkeit.

 

ulrike.weiser diepresse.com

 


 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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39 Kommentare
 
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Da hat die Wahlwerbung der Arbeiterkammer

im ORF zu Lasten der Zwangsbeitragszahler wohl nicht einmal bei den eigenen Leuten gewirkt...

Unsere SPö

Der NAme Sozialdemokratische Partei ist ja schon ein Widerspruch in sich selbst. Wie kann eine Sozialistische Partei demokratisch sein????

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Faymann eine Beamter...

...ohne Rückgrat. Leider hat es der Mann noch immer nicht kapiert, worum es geht. Echte Sozialdemokratie wäre eigentlich in Zeiten wie diesen das Gebot der Stunde...Doch dazu bräuchte es einen Kanzler mit Mut.

Was ist echte Sozidemokratie ???


Noch mehr Schulden zur Konjunkturbelebung ???

2 0

Re: Was ist echte Sozidemokratie ???

Eine vernünftige Verteilungspolitik beispielsweise, das würde einerseits die Kaufkraft steigern, anderseits die Konjunktur beleben.
Abgesehen davon, wieso noch mehr Schulden? Die Trendwende hinsichtlich Schuldenpolitik beispielsweise unter schwarzblauorange ist mir völlig entgangen, ist auch bis auf Grassers "Nulldefizit PR-Gag" nirgends nachzulesen...

19 0

Faymann:

Der unfähigste Bundeskanzler aller Zeiten!

Gast: Ich bin der Meinung
14.10.2012 16:40
0 8

Die 83% vom Parteitag

sind nicht!!! ausschlaggebend, wichtig ist das Ergebnis der nächsten NR Wahl.

Aber wer liebe Leute machts besser? Der Spindelegger, der Stronach, die Grünen, oder HC?

Solange diese Frage von keinem der Forumsteilnehmer beantwortet werden kann nützen positive wie negative Marks relativ wenig.

Ja so ist es eben im Land der Korruption....


Re: Die 83% vom Parteitag

Spannend, dass es letztlich nicht um die Parteifreunde geht, sondern um den Machterhalt. Wie war ein Kritikpunkt: Mangelnde interne Kommunikation. Da werden jetzt alle überzeugt sein, dass sie den Faymann wählen müssen, wenn es doch keiner besser macht - was denn? Keiner tut besser nichts als er? Schwacher Auftritt, kein Gespür für die Stimmung der Menschen, keine klaren Aussagen, alles kann verhandelt werden. Da wird nurmehr das Schachern um die nächsten Posten vorbereitet. Wahrscheinlich nicht nur in der Regierung, sondern auch in Vorständen und Redaktionen. Nicht um Linie zu vertreten, sondern um lieben GenossInnen einen Gefallen zu tun.

Gast: sozisforbanker
14.10.2012 14:28
7 1

ein schande so Ackerl; ja wirklich,; die SPÖ und faymann schaden arbeitnehmern uasvg pensionen nur mehr- im interesse der banken u.fnanzmärkte natürlich

das EU-euro bankensubventionschaos beschert den österreichern einen enormen ökonomischen abstieg. was macht die SPÖ und faymann. faymann besucht die reichen bilderberger geheimeliten u.fordert noch mehr steuergelder für die korrupten lander die unglaubliche finanzpolitische zustände haben u.die SPÖ u. faymann fordern sogar offen eine EU schuldenunion u.die abgabe der finanzhoheit.die SPÖ,faymann u.die finanzspekulanten wollen den österreichischen arbeitnehmern die hier steuern, zahlen eine noch größere schuldenlast aufbürden. die banken, finanzmärkte und korrupten politsysteme werden für das versagen und ihre abzockereien so noch belohnt.
und um diesen banken- und subventionswahnsinn finanzieren zu können, betreiben faymann u.die SP einen sozialabbau bei den asvg arbeitnehmern, asvg pensionen und invaliden arbeitnehmern in österreich. u genau diese faymann SPÖ bankerlobbypolitik ist in wahrheit das größte problem der heimischen politik. diese umverteilung nach oben in die banken,finanzmärkte beschert den Österreichern nicht nur massive einkommensverluste,sondern gefährdet den sozialen frieden und sozialen wohlstand der arbeitenden bevölkerung. die SPÖ mit faymann u. hundstorfer betreiben einen beschämenden sozialabbau bei den asvg pensionen(keine pension mehr nach 40 langen arbeitsjahren!) u.asvg arbeitnehmern. die geldeliten,bankenlobbys u.die finanzwelt sind die gewinner dieser SPÖ Sozialabbaupolitik, u.die verlierer sind die asvg arbeitnehmer,asvg pensionen u steuerzahler

Re: ein schande so Ackerl; ja wirklich,; die SPÖ und faymann schaden arbeitnehmern uasvg pensionen nur mehr- im interesse der banken u.fnanzmärkte natürlich

Leider sind für Herrn Ackerl nicht Faymann und andere führende Funktionäre "eine Schande", sondern jene fast 17%, die es "wagten" GEGEN den Vorsitzenden zu stimmen! Hat der Herr Ackerl wirklich gedacht, es würde ein 100%-Ergebnis werden? Auch solche Stellungnahmen zeigen deutlich, wie abgehoben "die da oben" in der SPÖ sind!

Zu seinen dringensten Aufgaben zählte der Herr Faymann übrigens, den Menschen "die EU besser zu erklären". Was in der Praxis wohl nichts anderes heißen kann als: Schönreden von Fakten, die in ihrer Tristesse ohnehin bereits für sich selbst sprechen!

Weil sich jedoch die aktuelle Entwicklung mit der "Rückkehr der Armut" (auch bei uns!), Massenarbeitslosigkeit in den südlichen EU-Ländern und einer Jugend ohne jegliche Zukunftsperspektive schwer leugnen läßt, können auch noch so emsige PR-Lobhudelagenturen keine Überzeugungswunder wirken.

Faymann selbst war nie einer, der "dorthin ging, wo es auch weh tun kann"! Wenn´s haarig wird, verdrückt er sich und ward nicht mehr gesehen! Wie vor einigen Jahren, als er vor einer NR-Wahl eine große Parteiobmänner-Diskussion auf atv (mit Saalpublikum und per Video eingspielten "Fragen aus dem Volk") sausen ließ, und den anderen Partei-Vertretern die Arena kampflos überließ! Die machten sich über den leeren Sessel auf dem Podium zurecht lustig. Am nächsten Tag erfuhr man den "Grund" für Faymanns "Feigheit vor dem Feind": Der Besuch in einer kleinen Sektion war ihm "wichtiger" gewesen, als die Wähler daheim am TV...

0 1

Re: ein schande so Ackerl; ja wirklich,; die SPÖ und faymann schaden arbeitnehmern uasvg pensionen nur mehr- im interesse der banken u.fnanzmärkte natürlich

Nennen Sie mir einen Parteichef in Österreich, der dagegen gestimmt hätte, wäre er an der Macht gewesen?
Der Macht des Faktischen kann man sich lediglich in der Opposition entziehen und das auch nur vordergründig....

Gast: b745
14.10.2012 13:49
19 1

wenn faymann nicht geht ist die spö erledigt


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Re: wenn faymann nicht geht ist die spö erledigt

hoffen wir auf beides

Antworten Gast: guckmal
14.10.2012 14:32
10 1

Re: wenn faymann nicht geht ist die spö erledigt

egal ob er geht oder nicht, erledigt ist die SPÖ sowieso schon, gab ja nicht mal einen alternativen Kandidaten zu Faymann

Konsequente und gnadenlose ABWAHL der AUFKLÄRUNGSABWÜRGER ÖVPSPÖ!

Geschafft - U-Ausschuß abgedreht; F. wollte hingehen, aber leider keine Einladung; keine Korruptionsdebatte am Parteitag. Ein Herr Cap mauert, der damals am Parteitag 1982 mit mutigen drei Fragen den selbsherrlichen LH Th. Kery aufblattelte.
Schnell her mit ein paar Ablenkerthemen (Bundesheeer, Reichensteuer etc) - alles sauber im Lot? Wohl NICHT!

Man kann ein Problem nicht mit der gleichen Denkweise lösen, die es hat entstehen lassen (A. Einstein).
Daher ist das Problem Korruption mit korruptionsbelasteten Parteien wohl kaum lösbar.

http://www.korruption-abwahl-jetzt.at


Gast: k83
14.10.2012 12:34
18 0

es stellt sich ja die frage,

was für eine wahl das überhaupt ist, wenn nur ein einziger kandidat antritt......
wahl heisst ja gemeinhin, dass man sich für eine von mehreren optionen entscheidet.
faymann ist nicht einmal eine, er ist gar keine.

Gast: mens sana
14.10.2012 12:10
20 0

Gerechtigkeit?

Gerecht wäre, wnn die Failmann-SPÖ bei der nächsten Wahl auf unter 5% abstürzt.

Denen geht's noch viel zu gut.

er sollte sich über 83% freuen!

bei der nächsten wahl gibts bestenfalls ein drittel davon (und das wäre noch zuviel!).

damit uns ein derartiger kanzler in zukunft erspart bleibt:

nie wieder rot!

mehr Gerechtigkeit

der gerechte Lohn für W. Faymann wäre ein ordentlich abgeführtes Gerichtsverfahren wegen Amtsmissbrauch, Korruption, etc.

Ein Skandal, dieses Ergebnis!

Wie schon Genosse Ackerl sagte, ist es ein wahrer Skandal, dass der Genosse Regierungs- und Parteivorsitzende als einziger, vom Präsidium der SPdSRÖ zur Wahl zugelassener Kandidat nicht von mindestens 99,8% der Delegierten gewählt wurde.

Wobei doch vorher alle Delegierten nach ideologischen Gesichtspunkten gründlich durchleuchtet wurden. Haben doch tatsächlich immer noch selbst denkende Individuen die Bewegung subversiv unterwandern können. Und dann wagen die es auch noch, ihre Meinung demokratisch kundzutun...

Also raus mit den 17%, die den Genossen F. nicht gewählt haben. Raus aus der Partei und rein in die Arbeitslager. Damit sie wieder von der Pike auf lernen, was Arbeiten, Arbeiterschaft und Proletariat heißt, was Loyalität und Solidarität bedeutet. Und wie man sich einem Genossen Parteivorsitzenden gegenüber zu benehmen hat.

Ein Skandal...

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Re: Ein Skandal, dieses Ergebnis!

mann muss das in andere Zahlen gießen:
jeder 6. (sechste) hat ihn nicht gewählt.
ein wahrhaft berauschendes Ergebnis.

Jedtzt ist aber zu füchten, dass er mit einer Politik, die uns in jedem fall schaden, versucht, diesem Sechstel zu beweisen, dass sie ihm unrecht getan haben. denn das Sechstel ist sicherlich in der Parteilinken, das sind die, die sich mit den Rechten treffen in der Ultamitte, angesiedelt.

Gast: black magic
14.10.2012 10:21
11 0

der gerechte Lohn...

Nur die Gerissensten und Skrupellostesten gelangen an die sogen. "Machtspitze".

Was ändert sich für Faymann infolge dieser "Wahl"?
Nichts.

Theater fürs "Volk".
Alles läuft wie geschmiert weiter.

7 2

interessant ist, dazu, wie im Tirolbild die

Wahl (Abwatschung) Faymanns kleingeredet wurde.
Nur so etwas wie "... Faymann hat die 90% nicht erreicht ..." was natürlich Schlüsse über die politische Heimat der Sprecherin, oder wer sonst da Verantwortlich ist, zulässt.

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was erwarten Sie vom Rotfunk?


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Re: was erwarten Sie vom Rotfunk?

ich wollte nur wieder einmal einen Beweis dessen liefern

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Dreifachfunktion

Hauptberuflich ist der Werner Wahlkampfleiter für FPÖ und Stronach-Team, im Nebenberuf versucht er, den Kanzler darzustellen.

 
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