23.05.2013 10:50 Merkliste 0

Oh nein, Berlusconi hat noch immer nicht genug

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Italiens multipel gescheiterter Ministerpräsidenten-Darsteller kündigt nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs ein politisches Comeback an. Das ist eine gefährliche Drohung für ganz Europa.

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Gott stehe Italien bei. Silvio Berlusconi will in die politische Arena zurückkehren. Er müsse weitermachen, um die italienische Justiz zu reformieren, verkündete der 76-Jährige keine 24 Stunden, nachdem ihn ein Mailänder Gericht wegen Steuerbetrugs erstinstanzlich zu vier Jahren Haft verdonnert hatte. Theoretisch wäre es dem Gaukler, der sein Land als Ministerpräsidenten-Darsteller in insgesamt drei Anläufen systematisch an den Rand des Abgrunds geführt hat, dem Richterspruch zufolge auch ein paar Jährchen untersagt, öffentliche Ämter zu bekleiden. In Wirklichkeit rechnet kaum jemand damit, dass das Urteil jemals rechtskräftig wird. Denn bis der Fall die dritte und letzte Instanz erreicht hat, werden die Taten höchstwahrscheinlich schon verjährt sein.

Doch jemand wie Berlusconi kann eine solche öffentliche Schmach, so folgenlos sie letztlich auch sein mag, nicht auf sich sitzen lassen. Achtung vor Richtern, zumindest vor jenen, die in den verschiedensten Verfahren über ihn zu Gericht gesessen sind, ist ihm ohnehin seit jeher fremd. Schon seit Jahren zieht der Medien-Zampano in ewig wiederkehrenden Kampagnen über seine Lieblingsfeinde, die „roten Roben“ her. Dass er dabei den Rest an Autorität untergräbt, über den der italienische Rechtsstaat verfügt, ist ihm herzlich egal. Das operettenhafte Polit-Engagement des Silvio Berlusconi diente zuallererst immer auch der Förderung persönlicher Interessen.

„Unglaublich und lächerlich“ sei der Schuldspruch, polterte der alternde Milliardär in seinem eigenen Fernsehsender Canale 5. Wie könne man ihm, einem „unbescholtenen Vater von fünf Kindern und Großvater von sechs Enkelkindern“ vorwerfen, im Jahre 2002 Steuern in der Höhe von 4,9 Millionen Euro hinterzogen zu haben, da doch seine TV-Gruppe allein heuer wieder 156 Millionen Euro zahle.

Der Mann kennt kein Unrechtsbewusstsein. Und er hat offensichtlich auch kein Gefühl mehr dafür, wann es genug ist. Am Mittwoch erst hatte der Cavaliere feierlich bekannt gegeben, dass er bei den Parlamentswahlen im Frühjahr nicht mehr für seine Partei „Volk der Freiheit“ antreten werde. Jetzt, nach dem Urteil des Mailänder Strafgerichts, will er plötzlich wieder mitmischen, wenn auch nicht als Spitzenkandidat.

Für Italien, ja für ganz Europa, ist die Comeback-Ansage Berlusconis bei allem Verständnis für Altersstarrsinn und schrägen Humor eine gefährliche Drohung. Schon die vage Möglichkeit, dass demnächst wieder der Bunga-Bunga-Premier aus dem Off an den Fäden der Macht herumfummeln könnte, muss Bürgern und Investoren kalte Schauer über den Rücken jagen. Das ganze Ausmaß des Versagens Berlusconis ist erst offenbar, seit er in höchster Finanznot das Feld für die technokratische Übergangsregierung von Mario Monti räumen musste. In wenigen Monaten brachte Monti mehr Mut und Energie für sinnvolle Reformen auf als Berlusconi in den 18 Jahren seines narzisstisch irrlichternden Dilettantentums.


Possenreißer. Berlusconi hinterließ eine marode Wirtschaft, verkrustete Strukturen, einen aufgeblähten Staatsapparat und Schulden, die dieser Tage den Rekordstand von 126 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts erreicht haben. Der peinliche Possenreißer gab sein Land jahrelang der Lächerlichkeit preis und sah tatenlos zu, wie es in der EU an ökonomischem und politischem Einfluss verloren hat.

Mario Monti hat den italienischen Patienten mit Notmaßnahmen in der Intensivstation stabilisiert. Sollte Berlusconi wieder ans Krankenbett vorgelassen werden, kann Europa schon vorsorglich die ganz große Herz-Lungen-Maschine bereithalten: Als drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums hat Italien das Potenzial, das ganze Projekt in den Abgrund zu reißen.

Es wäre ziemlich vielen Menschen geholfen, wenn sich Silvio Berlusconi ganz privatim den Freuden des Lebens widmete, am besten weit weg von diesem Kontinent.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2012)

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26 Kommentare
 
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Das große Problem...

Das große Problem an der Sache ist, dass die systematische Demontage des Landes immer vom WILLEN DES VOLKES getragen wurde. Italien ist eine zumindest halbwegs funktionierende Demokratie! Anderswo, zB in Weißrussland, werden Leute weggesperrt, wenn sie am falschen Ort was falsches sagen. Nicht so in Italien.

Klar, die Sozialisten haben ihre inhaltlichen Schwächen und sind auch nicht blütenweiß rein. Aber zwischen denen und Berlusconi liegen Welten. Einen solchen Menschen zu wählen ist durch nichts zu rechtfertigen. Da würde ich - als Liberaler - vorher wirklich noch einen Kommunisten wählen. Die Italiener haben ihren Zustand selbst zu verantworten und sollten sich langsam aber sicher die Frage stellen, was da schief läuft.

hoffentlich zerfällt italien!

es muss chaos und armut in italien herrschen, dann besteht die möglichkeit, dass:

1)sich italien in nord und süden aufteilt

2)es dadurch weiter an einfluss verliert

3)südtirol dem italienischen sauhaufen endlich entfliehen will, und zurück nach österreich kommt, bevor es von diesen korrupten inkompetenzlern auch noch ruiniert wird!

Gast: Vogel Strauss
28.10.2012 19:17
0 0

Berlusconi = Lugner Richi

Das wäre, wie wenn der Lugner Bundeskanzler wäre. Bei der derzeitigen Auswahl an Polit-Elite wäre mir das fast recht!

Gast: b745
28.10.2012 13:58
0 0

pröll hat ja auch noch nicht genug


Gast: Gast: Leser
28.10.2012 12:48
2 1

Demokratie

Italien ist immer noch ein demokratischer Staat. Wenn das Volk Berlusconi ablehnt, wird es ihn auch nicht wählen, da muss sich niemand Sorgen machen. Und wenn es ihn doch haben will und ihn wählt, ist das in einer Demokratie zu respektieren - ob das nun dem Herrn Ultsch passt oder nicht. Mit Gewalt die Macht übernehmen wird und will Berlusconi wohl doch nicht.

Gast: ein Mediengeschädigter
28.10.2012 12:06
0 0

Herr Ultsch macht sich solche Sorgen um Italien...

mit ein paar Milliarden von Österreich wird es dem Land bald besser gehen...

Antworten Gast: Vogel Strauss
28.10.2012 19:16
0 0

Re: Herr Ultsch macht sich solche Sorgen um Italien...

Er sollte sich besser Sorgen um z. B. NÖ oder Wien machen, dort gehts ähnlich zu und es betrifft ihn selber!

Gast: grossetoman
28.10.2012 12:02
1 2

berlusconi hat ohne zweifel recht

Ich habe 42 Jahre in Wien gelebt bis ich es vorzog, in das schönste Land der Erde zu ziehen. Zusammen mit einer berühmten Schweizer Schriftstellerin die ein kleines Kind hat leben wir in der Toskana. Seit einem Jahr streiten sich der Vater des Kindes, ein Engländer der auf Bali lebt und meine Partnerin, um die Besuchsregelung. Was ich hier bis jetzt miterlebt habe kann man sich nicht einmal im geringsten vorstellen. Ein Richter, der seine eigenen Urteile willkürlich wieder aufhebt beim nächsten Hearing, kinderpsychologisch befremdende Urteile, Verhandlungen in der Landessprache und ohne Übersetzer. Verhandlungen um ein Kleinkind werden - solange die Eltern nicht geschieden sind - in einem Zivilgericht abgehalten wo davor um nicht bezahlte Rechnungen und danach um Grundstücksstreitereien verhandelt wird. Der Richter erwartet von den Eltern, dass sie ihn schon eine Vereinbarung am Tisch legen womit man sich fragt, wozu man dann zum Richter soll. Dieser hat offenbar nicht verstanden, dass man zu Gericht geht, weil man sich eben nicht geeinigt hat. Alles in allem erinnert das Land in der Justiz an eine Bananenrepublik weshalb wir es - obwohl ich die Staatsbürgerschaft besitze - zwangsweise wieder verlassen. Das dieser Artikel eine Hassschrift eines Ultralinken geschrieben ist, der Italien wahrscheinlich vom Jesolourlaub kennt, ist Nebensache.

Re: berlusconi hat ohne zweifel recht

ihre persönlichen Befindlichkeiten interessieren hier wenig

es ist aber sicher nichts speziell italienisches,

dass scheidungs- oder sorgerechtsstreitigkeiten immer für alle beteiligten unzufriedensstellend verlaufen. das liegt aber nicht an der justiz, sondern daran, dass es einfach unmöglich ist, mit den mitteln des zivilrechts so emotional aufgeladene auseinandersetzungen zufriedenstellend zu lösen. es ist ja leicht, alles auf die justiz zu schieben, dass aber die hauptschuld bei den beteiligten liegt, fällt niemandem ein. es hat ihrer partnerin ja niemand angeschafft mit einem engländer ein kind zu zeugen und dann kurz darauf mit jemand anderen nach italien zu ziehen.

im übrigen gehts bei berlusconi nicht um zivil- sondern um strafrecht, und da hat die italienische justiz angesichts der problematischen zustände eigentlich einen sehr guten ruf

Genauso ist es, leider

Ich verstehe nur nicht, warum viele Italiener so blind sind.

Antworten Gast: nur ein Beobachter
28.10.2012 11:57
1 3

Re: Genauso ist es, leider

vielleicht weil die Intaliener nicht von einem ORF oder mit Presseförderung gesponserten System-Medien einer ständigen linken Gehirnwäsche unterzogen werden..?

Gast: wahlbeobachter
28.10.2012 06:17
1 3

Mehr Wahlen als er hat keiner gewonnen

Scheitern, auf Presse-Speak.

Gast: kein Sozi
27.10.2012 22:41
5 4

der Haß der Linken Österreichs auf Berlusconi

beruht wohl eher darauf, daß er von den Italienern immer wieder gewählt wurde...

Re: der Haß der Linken Österreichs auf Berlusconi

Ich glaube nicht, dass man Herrn Ultsch zu den Linken Österreichs zählen kann ;-)

Antworten Antworten Gast: kein Sozi
28.10.2012 16:34
1 0

Re: Re: der Haß der Linken Österreichs auf Berlusconi

Sie lesen wohl selten die Artilkel eines Ultsch...?

Re: der Haß der Linken Österreichs auf Berlusconi

Chavez, Castro, Mussolini und viele Andere wurden auch gewählt. Ob einer ein Mafiosi ist oder nicht hat mit links und rechts wenig zu tun.

Gast: Gast 2012
27.10.2012 22:38
5 3

wenn die Italiener ihren Berlusconi wollen

dann werden sie ihn wieder wählen - ob einige Österreicher das gut heißen oder nicht ist zum Glück nebensächlich!

Gast: gäst
27.10.2012 20:54
2 1

Ab

nach Elba!

Re: Ab

Nicht ausbruchsicher genug! (Siehe Napoleon)

Antworten Antworten Gast: xxxyyyzzz
28.10.2012 14:02
0 0

Re: Re: Ab


Eine Verbannung auf St. Helena würde sich dann anbieten. Widrigenfalls würde sich in Amstetten bestimmt auch noch ein dunkles Verlies finden.

Gast: bedenklich
27.10.2012 20:43
6 2

was ist da noch objektiv?

Berlusconi war der einzige EU Ministerpräsident, der in seiner Amtszeit den Schuldenstand nicht erhöht hat.
Bei seinem Antritt vor ca. 10 Jahren war der Schuldenstand Italiens bei 120% des BIP und bei seinem Abgang 120% des BIP.
Alle anderen Chefs haben die Schulden massiv ausgeweitet. Wenn man so will war er der erfolgreichste Staatschef der EU Länder.

Vor Berlusconi war Italien unregierbar und hatte ca. alle 2 Monate einen neue Regierung.

Berlusconi wurde auch nicht vom eigenen Volk abgewählt. Er ist auch nicht zurückgetreten, sondern wurde abgesetzt! Nicht von Kräften im eigenen Land sondern von Außerhalb.
Wer hat ihn abgesetzt?? die EU Elite? die Geldgeber Italiens?
Und wer hat Monti eingesetzt? die Italiener haben ihn nicht gewählt.


Gast: MH
27.10.2012 18:21
5 6

Man muss Berlusconi nicht mögen

aber die vielen Schmähartikel über ihn sind ganz einfach unwürdig.
Hat man sich gefragt wieviele Menschen Berlusconi gewählt haben?
In Europa schwappt eine mediale Diffamierungswelle offensichtlich immer nur über rechte Politiker und bei linken wird fast alles unter den Tisch gekehrt, schade.

Re: Man muss Berlusconi nicht mögen

das ist kein Rechter sondern ein Verbrecher der mit Hilfe der Mafia zu Geld und Einfluss gekommen ist!!!!!

Antworten Antworten Gast: MH
27.10.2012 19:33
5 2

Re: Re: Man muss Berlusconi nicht mögen

Er wurde einst von den Italienern demokratisch gewählt, das ist zu respektieren.

Wen hat die Mafia wohl tatsächlich auf ihrer Gehaltsliste?

Wer sponsert wen in Österreich? Wo bleibt die Transparenz des Geldflusses?

Antworten Antworten Antworten Gast: auch Gast
27.10.2012 22:44
4 1

Re: Re: Re: Man muss Berlusconi nicht mögen

Linke wie Ultsch akzeptieren Demokratie nur wenn es zu ihrem Vorteil ist! Solche Haßartikel sind dumm!

 
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