20.06.2013 12:18 Merkliste 0

Wenn schon sparen, dann wenigstens intelligent!

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Die EU könnte sich fünf Prozent Einsparungen im Agrarbudget holen, ohne dass ein Bauer um die Förderung umfiele. Stattdessen wird wieder am falschen Ort gekürzt.

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Das Budget der Europäischen Union besteht überwiegend aus zwei großen Brocken: 45,9 Prozent der heuer geplanten Ausgaben von 147,2 Mrd. Euro gehen für den Bereich „nachhaltiges Wachstum“ (also im Wesentlichen für Regionalförderungen) drauf, 40,8 Prozent für Agrarförderungen. Der Rest sind Peanuts.

Wer sparen will, muss also in diese beiden Bereiche hineinschneiden. Das tut weh. Strukturschwache Gebiete „abzudrehen“ kann mitten in einer Wirtschaftskrise nämlich keine Option sein. Und das wirklich völlig jenseitige EU-Agrarsystem zu limitieren bringt diese strukturschwachen Gebiete noch stärker unter Druck. Denn sie sind eben im Schnitt stärker agrarisch geprägt.

Man wird jetzt also aus finanzieller Not heraus die Ausgaben um fünf Prozent kürzen, und das wird, da muss man kein großer Prophet sein, ausgerechnet den Bereich „nachhaltiges Wachstum“ treffen. Denn die europaweit unverhältnismäßig mächtigen Agrarlobbys werden ebenso wie die Regierungen der EU-Schwergewichte Deutschland und Frankreich (die das ja schon angekündigt haben) zu verhindern wissen, dass das Messer beim Agrarbudget zu fest angesetzt wird.

Das ist wenig intelligent, weil damit erneut die Chance vergeben wird, eines der ineffizientesten und unsinnigsten Fördersysteme dieses Globus echt zu reformieren. Am Agrarsystem wird zwar da und dort ein bisschen herumgeschnipselt und Fördergeld von einer in die andere „Säule“ verschoben, aber eine echte Reform ist nicht in Sicht. Nicht einmal an eine Beseitigung der schlimmsten Auswüchse (etwa Millionen an Agrarförderung für riesige Nahrungsmittelkonzerne und Megagüter wie jene des britischen Königshauses) ist gedacht. Wozu denn auch? Für die Großprofiteure läuft es ja ohnehin prächtig, die kleinen Bauern bekommen auch ein paar Brösel vom Kuchen ab, und den Konsumenten kann man ja mit einer sorgfältig gepflegten „Ernährer“-Ideologie das Geld widerstandslos aus der Tasche ziehen.

Dabei hat das in der Union praktizierte Agrarsystem wie jedes System, das Marktwirtschaft mit urkommunistischer Planwirtschaft vermengt, grauenhaft versagt: Es fließen zwar 60 Milliarden Euro im Jahr in dieses strukturkonservierende System. Aber diese können nicht verhindern, dass das „Bauernsterben“ ungebremst weitergeht, und sind auch nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass es zumindest großen Betrieben gelingt, auf eigenen Füßen zu stehen.

 

Das ist kein Wunder, denn die Kombination aus Markteingriffen auf allen Produktionsebenen und leistungsunabhängigen Direktzahlungen führt dazu, dass sich erstens keine vernünftigen Produzentenpreise bilden können und zweitens äußerst ineffizient produziert wird. Es gibt ja (anders als in der „richtigen“ Wirtschaft) keinerlei Marktdruck hin zu effizienter Produktion. Und damit auch keinen Druck, zu vernünftigen Betriebsgrößen und zu rationellem Maschineneinsatz zu kommen.

Oder, wie ein aufgebrachter Landwirt auf die Anmerkung in der „Presse“, mehrere Traktoren auf einem 15-Hektar-Hof seien vielleicht eine kleine Übertreibung, meinte: „Ich bin ja nicht deppert, dass ich jedes Mal meine Maschinen umhänge.“ Wozu denn auch? Zahlt ja eh der Steuerzahler.

Wenn die EU also sinnvoll sparen wollte, dann würde sie sich jenen 44 Milliarden Euro schweren Teil der Agrarförderung vornehmen, der unter „Direktbeihilfen und marktbezogene Ausgaben“ firmiert. Da sind fünf Prozent des EU-Budgets locker zu holen, ohne dass ein einziger kleiner Bauer (für die das Fördersystem ja angeblich gedacht ist) auch nur einen einzigen Cent verliert. Nestlé würde dann etwas weniger in der Kaffeekasse haben, und die Royals müssten vielleicht die Nobelkeksproduktion ihres Thronfolgers einschränken. Wenn dann in einem zweiten Schritt die Förderung für die verbleibenden echten Bauern auch noch an Effizienzkriterien geknüpft würde, dann hätten wir fast schon eine sinnvolle Reform, die zudem noch die Branche wettbewerbsfähiger machen würde, beisammen.

Das würde aber die Macht der europäischen Agrarlobbys beschränken. Dann also doch lieber die Regionalförderung...

 

E-Mails an: joserf.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)

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21 Kommentare

Wie viel Neid und wieviel Unsinn hier gepostet wird.

Die EU macht mehr Unsinn als es gut ist. Viele Bauern im Lungau hören mit dem Anbau von Kartoffeln auf, weil die vielen Formulare und Meldungen usw. nicht mehr erträglich sind.
Leider. Je mehr man die kleinen Bauern abwürgt umso mehr zweifelhafte Lebensmittel werden importiert.

Gast: phj
30.10.2012 16:37
2 0

Förderungen sind der Weg zur Korruption

direkt und indirekt.

Ohne Förderungen hätten wir Kostenwahrheit!

Also weg damit, mit allen Förderungen!!!!

Wieviele NGO´s gäbe es ohne Förderungen ?

2 0

Vorbild Neuseeland

Sämtliche Agrarförderungen (nationale und unionsweite) sollten bedingungslos gestrichen werden. Bevor das Herumgeheule losgeht: Die Realität zeigt, dass das einer Landwirtschaft nicht das Genick bricht, sondern sie wettbewerbsfähig macht:
http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/das-land-wo-milch-gold-wert-ist-1.13225697

Die Frage ist: Milliarden in ein ineffizientes System, quasi ein Loch ohne Boden, schmeissen oder ein System schaffen, dass sich selbst stützt und erfolgreich ist, ohne dass jenes Steuergeld verschleudert wird, dass anderswo dringend benötigt würde.

Antworten Gast: uibel
30.10.2012 16:52
1 0

Re: Vorbild Neuseeland

Äpfel und Steine.

Zeigen Sie mir einen 220 ha großen Hof, der Milchwirtschaft betreibt.

Gast: dhr dhr
30.10.2012 10:53
1 2

Wenn 40,8 % des Budgets für Agrarförderungen ausgegeben werden

dann kann man 40,8% sofort einsparen.

tolle Regionalförderung

Sehr geehrter Herr Urschitz,

Zur Entbehrlichkeit der REGIONALFÖRDERUNG:
Aus einem Segelurlaub in Griechenland berichteten Freunde von einem in Granit ggefliesten Fußweg in ca. 6m breiter Ausführung zu einer spärlich besuchten Ruine (Kefallinia-Asos), in dessen Ansicht die Zugänge zum Stift Melk sich eher bescheiden ausnehmen und an dessen Fuß eine Tafel von ca. 1Million dort verbauter EU-Förderung kündet.
Sie sind sich sicher, dass hier am falschen Fleck gespart wird ?

Ich teile Ihre Meinung auf brachliegendes Einsparungspotential bei der Agrarförderung (und ich würde heute niemandem den 2. Traktor wegsparen und keine Förderungen für Maschinenhallen bei landwirtschaftlichen Klein-und Mittelbetrieben kürzen).

Ich denke, alle FÖRDERUNGEN sind Wirtschaftshemmnis und Anlass für öffentlichen Unmut.

Wenn die zu ermittelnde Mehrheit Landschaftspflege oder Bio-Lebensmittel haben will, dann soll sie dafür direkt bezahlen was in der Produktion an Kosten anfällt zuzüglich handelsüblichen Aufschlägen - Punkt.
Das schafft Gerechtigkeit, Wertbezug und auch Zufriedenheit beim Hersteller (Landwirt) der sein Geld wieder mit produktiver Tätigkeit und nicht mit Zettelwirtschaft verdient.

Antworten Gast: Steuerzahler 2000
30.10.2012 10:56
1 1

Ich kenne mehrere

Bauernhäuser in NÖ, die seit kurzen 6m breit mit Granitpflastersteinen belegte Hofzufahrten haben. Auf unsere Kosten.

„Ich bin ja nicht deppert, dass ich jedes Mal meine Maschinen umhänge.“

Und das können sie sich sparen Hr, Urschitz.

Wenn sie wissen,
- was eine Hydraulik ist,
- worauf man bei der Zapfwelle aufpassen muss,
- und dann auch noch einen Traktor so zu einem Kipper steuern können, dass man ihn dann irgendwie anhängen kann, dann können sie sich mitreden.

Aber zuerst beschäftigen sie sich mit
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Bunker_Gilbreth und warum im Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitswissenschaft das Wort "FAUL" vorkommt.

Und dann erklären sie mir, warum sie auf einen ökonomische denkenden Menschen hinhauen?

"...dass sich erstens keine vernünftigen Produzentenpreise bilden können und zweitens äußerst ineffizient produziert wird. "

sind sie sich eigentlich im klaren, hr. urschitz, was sie mit diesen beiden halbsätzen eigentlich sagen?

vorweg: beide halbsätze sind mMn richtig.

jedoch:
1. würden sich "vernünftige produzentenpreise" bilden, dann würde das eine verteuerung von lebensmitteln bedeuten. ich meine, sie sollten gelegentlich ihre eigene zeitung lesen, wo viele poster herzerweichend über die gefühlte inflation in form von preissteigerungen im supermarkt klagen. vernünftige produzentenpreise = ein gewaltiger preissprung bei milch, brot und vielem anderen!

2. sie wollen eine bessere effizienz bei der produktion?
vermutlich wollen sie auch eine schöne optik, wenn sie ihren wochenendausflug aufs land machen. vermutlich wollen sie auch einen schonenden umgang mit grundwasser, möglichst wenig pestizidrückstände in ihren lebensmitteln u.ä.m.
ALL DAS widerspricht völlig einer "effizienten produktion", die für sie so erstrebenswert ist.


Antworten Gast: KaWe5
30.10.2012 11:00
0 4

Irrtum, zweifach.

Dass wirtschaftlich produzierende Bauern billiger sind, beweisen die Länder, die Agrarsubventionen abgeschafft haben (zB Australien und Neuseeland). Und dass Bauern nichts mit der Optik der Landschaft zu tun haben - oder sie mit ihren Monokulturen sogar verschandeln - weiß mittlerweile jedes Kind. Ihr Kampfposter vom Bauernbund solltet euch bessere Argumente einfallen lassen!

Das mit intelligent Sparen ist schön und gut

Ich freu mich, dass auch der Hr. Urschitz bemerkt hat, dass Bauern für ihr Geld arbeiten müssen (und sogar härter als er) und dass es da Effekte gibt, die einer Förderung/Regulierung bedürfen. Warum?

EInem AKW-Betreiber muss man auch sagen, wie er Sicherheitsbestimmungen ausführt, ansonsten würde er auf Teufel komm raus produzieren und es würde der Teufel rauskommen.

Ähnlich ist es bei Landwirten. Die würden auch auf Teufel komm raus produzieren und dabei die Landschaft (=Lebenswert, = Tourismus, ...) ruinieren.
Außerdem würden viele gar nicht mehr produzieren, weil sich die Arbeit gar nicht lohnen würde. Daher werden auch Förderungen gezahlt.
Gott sei Dank ist beim Hrn. Urschitz der Begriff von Externalität schon mal irgendwie angekommen. (beim Schellhorn nicht)

Intelligentes Sparen ist aber das was da angesprochen wird noch immer nicht.
Auf die Großen und vielleicht Falschen hinhauen ist einfach, das kann sogar Strache.
Wichtig wäre zu überlegen, was man durch die Förderungen erreichen will:
- Vielleicht nachhaltige Landwirtschaft
- vielleicht Stärkung der regionalen Versorgung
- vielleicht regionale Vielfalt die sich auf Tourismus auswirkt
- vielleicht Landschaftspflege
- vielleicht Kulturerhaltung

Da würde ich auch dann bei einem Kleinbauern, der spritzt bis zur Vergasung sparen und den Royals bei einer regionalen Biokeks-Bude helfen.

Und dann könnte man doch noch auch mit Steuern (=Lenken) helfen. Möst rauf, MWst für landwirtschaftliche Produkte runter.

Die Agra- u. Bankenlobby steuert die EU-Politiker !


Hunderte Banken wurden in den USA zugesperrt.

In Europa: NULL

Laut Landesrat Rudi Anschober gehen 90% der Agrafördeung an die Raiffeisen-Töchter.

Mafisöse Zustände u. alle Politiker kriechen...

Re: Die Agra- u. Bankenlobby steuert die EU-Politiker !

Und dass in den USA Banken zugesperrt wurden liegt an den Behörden.
Die haben den Mut das zu tun.
Oder würden sie akzeptieren, dass ihre Bank einfach abgedreht wird?

Re: Die Agra- u. Bankenlobby steuert die EU-Politiker !

Raiffeisen ist nicht Raiffeisen.

Nur weil einmal ein Mann 2 gute Ideen hatte, heißt es nicht, dass es das selbe ist.
Hr. Anschober sollte seinen seit neuerstem entstandenen Schimpf/Politiker/Sündenbockreflex wieder ablegen, seine nicht schlechte Anfangsform wieder erreichen und dann feststellen, dass Raiffeisen mehr für die Landwirte/das Land tut als so mancher ÖBB-Frühpensionist und dass eine kleine Regionalbank ein sehr wichtiger Teil der regionalen Wertschöpfung ist.

Dann erkennt man auch, dass RZB nicht RWA und schon gar nicht RAIKA ist.

Und ich gebe ihnen recht: die RZB und die RI ist eine Mafia die die FMA schon längst liquidieren hätte sollen.
Das betrifft aber nicht die RAIKAs.

Antworten Antworten Gast: dbnp2
30.10.2012 09:03
0 3

Raiffeisen tut nichts für die Bauern

und die Bauern nichts für uns. Aber beide müssma mit unseren Steuergeldern fördern wo geht.

Re: Raiffeisen tut nichts für die Bauern

Und der Strom kommt aus der Steckdose

Trotzdem steht ihre Pension auf meinem Gehaltszettel

Gast: radius
29.10.2012 20:19
2 1

Herr Urschitz, den Hof mit 15 Ha und mehreren Traktoren, den zeigen Sie mir mal.


Re: Herr Urschitz, den Hof mit 15 Ha und mehreren Traktoren, den zeigen Sie mir mal.

Ich habe mit meiner Frau und meinem Vater noch mal durchgedacht, welche Landwirte in unserem Bekanntenkreis wieiviele Traktoren haben:
12 Landwirte haben 2
4 Landwirte haben 3
1 Landwirt hat 5 (2 davon schon eher nostalgisch)
Keiner dieser Landwirte hat mehr als 18 Hektar (was wir wissen)

Antworten Antworten Gast: radius
30.10.2012 09:53
2 0

Vielleicht sollten Sie, anstatt nur zu zählen, mal beim Bauern nach den Gründen fragen.

Aber Neid haben, ist eben einfacher, als sich damit auseinanderzusetzen.

Meist behalten die Bauern den alten Traktor, der meist schon einige Jahre am Buckel hat, wenn sie einen neuen anschaffen, das nennt man wirtschaftlich. Die alten kleinen können dann auch anders eingesetzt werden.

Antworten Gast: Gast_Leo
30.10.2012 08:16
0 0

Re: Herr Urschitz, den Hof mit 15 Ha und mehreren Traktoren, den zeigen Sie mir mal.

Hierzulande hat jeder noch so kleine Betrieb mehrere Traktoren. Und zwar tatsächlich mit dem Hauptzweck, die (ebenfalls überreichlich vorhandenen) Maschinen nicht laufend umhängen zu müssen.

Antworten Gast: SchauGenau
30.10.2012 07:36
0 0

Re: Herr Urschitz, den Hof mit 15 Ha und mehreren Traktoren, den zeigen Sie mir mal.

Herr/Frau radius, den Hof mit 15ha und nur einem Traktor, den zeigen Sie mit mal.

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