Leitartikel: Etwas zu intim

von Rainer Nowak (Die Presse)

Eine Fibel zur sexuellen und gesellschaftspolitischen Aufklärung sorgt bei Eltern und Teilen der Politik für Aufregung - teils zu Recht, teils zu Unrecht.

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Vergangene Woche haben wir es endlich wieder einmal geschafft: Auch internationale Medien nahmen Notiz vom wichtigsten Kleinstaat der Welt. Grund dafür war die Debatte um eine Sexbroschüre für Sechs- bis Zwölfjährige, die Lehrer (und eben auch Eltern) bekommen (haben).

Die Diskussion lief wie folgt: Eltern beschwerten sich über die Fibel „Ganz schön intim“, in der detailliert über Sexualität informiert wird. Darin würde die gute alte Familie nur abfällig zwischen Homoehe und Transgender erwähnt und würden die Kinder zur Selbstbefriedigung angeleitet. ÖVP, FPÖ und BZÖ stellten sich auf die Seite der Kritiker, Grüne, SPÖ und natürlich das Gros der Bildungsexperten hielten dagegen. Nur die Lehrergewerkschaft blieb zurückhaltend, aber vermutlich tagten die Gremien, um die Abgeltung für die Mehrarbeit zu verhandeln.

Eine Debatte wurde ausgelassen: Warum muss eigentlich ständig die Schule, also die Ausbildungsstätte von Mama Staat, Kinder in allen Lebensbereichen formen und erziehen? Kann es nicht die Aufgabe von Eltern sein aufzuklären oder zu vermitteln, was gut und was nicht gut ist?

Liest man die aufwendig produzierte und bemüht modern gestaltete Broschüre, wundert man sich auf vielen Seiten über die ganze Aufregung. Die Anleitung zur „Aufklärung“ klingt genauso künstlich, wie sie schon im Biologieunterricht vor Jahrzehnten war. Auch der Hinweis beim Thema Selbstbefriedigung verblüfft: „Bitte nicht in der Schule oder der U-Bahn vollziehen!“ Danke, das musste einmal geschrieben werden.

Dass seitenweise über Transgender informiert wird, passt ins Bild: Betont fortschrittlich darf keine auch noch so kleine Gruppe ausgelassen werden, immerhin produzieren hier Bildungsexperten für Bildungsexperten. Genau dieser Punkt empört die Kritiker, die von der Gegenseite als verstockte, konservative Gegner von berufstätigen Frauen und Sex vor der Sponsion diffamiert werden. (Werner Amon und die FPÖ wirken nicht gerade wie die besten Anwälte einer zeitgemäßen Gesellschaftspolitik.)

In der Fibel heißt es wörtlich gedrechselt: „In jeder Klasse sitzen Kinder, die in unterschiedlichsten Lebensformen verortet sind. Trotz vieler Bearbeitungen von Schulbüchern und sonstigen Medien, die auf die Diversitäten junger Menschen reagieren, hält sich das Bild der klassischen Mutter-Vater-Kind-Familie als erstrebenswertes Ideal hartnäckig...“ Bearbeitungen? Hartnäckig? Das klingt schon ein bisschen so, als würden die Autoren da bekennen: Wir haben mit der Umerziehung begonnen, noch ist sie wegen der dummen Ideale nicht gelungen, daher jetzt mit neuer Kraft und Fibel: Weg mit diesem sinnlosen Bild.

Logischerweise führen dazu zwei Wege: den anderen „Lebensformen“ breiten Raum geben und als wünschenswert darstellen. (Wie geht das eigentlich? „Gründet eine Patchwork-Familie, wenn das nicht funktioniert, könnt ihr immer noch das langweilige Spießerfamilienmodell wählen.“) Variante zwei ist es, das alte Modell zu diffamieren. Dass dies Kritik all jener hervorruft, die privat in diesem Modell leben, kämpfen und häufig scheitern, ist logisch. Und gut so.

rainer.nowak@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2012)

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94 Kommentare
 
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Heranziehen von Monstern

Danke, Herr Dr. Novak. Mit solchen Aktionen ziehen wir eine ganze Generation von Monstern heran, wie eindrucksvoll von Leonard Sax in seinem juengsten Buch beschrieben. Unsere Gesellschaft ist bereits jetzt mehr als nur uebersexualisiert, mit Auswirkungen, die fuer jedermann ersichtlich sind.

Kann es nicht die Aufgabe von Eltern sein aufzuklären oder zu vermitteln, was gut und was nicht gut ist?

der ansatz eines in dieser hinsicht 'gutmenschen'.

wie hoch ist denn der anteil jener eltern, die ihre kinder umfassend aufklären?
wo die eltern 'auslassen', muss eben jemand anderer in die lücke treten!

ich finde es als höchst unverantwortlich, kindern nur das zu zeigen, was als 'straight' gilt. früher oder später stoßen sie auf das reale leben mit all seinen abweichungen von diesem schmalen pfad. und sie begegnen ihnen dann mit unverständnis oder schuldgefühlen. unverantwortlich!

Andere Broschüre zum Thema

ich habe gehört, daß es vor nicht allzulanger Zeit eine Broschüre zum selben Thema von sagen wir einmal konservativer Seite gegeben haben soll, die zuerst ebenso offiziell vom selben Ministerium unterstützt wurde (ich vermute mit Namen und Logo und evtl. auch finanziell), der dann aber die Unterstützung auf Antrag der Grünen entzogen wurde. Soviel zu demokratischem Spiel der Meinungen.

Herr Nowak schreibt eben als Vater

zweier kleiner Töchter, für die er sich verantwortlich fühlt.

Der Gedanke, dass sie mit einem derartig ideologisierten Sexualkundeunterricht konfrontiert werden, ist ihm zu Recht nicht egal, und das drückt er kritisch aus, in Namen vieler gleichgesinnter Eltern. Gut so.

Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

get them while they are young...marxisten erzieht man sich in der schule...der einfluss konservativer eltern ist zu brechen>>>ganztagsschule....
schrecklich!!

Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Konservative Reaktionäre erzieht man im katholischen Kindergarten, die werden dann im katholischen Internat zur Reife gebracht und beim CV geerntet.
Da doch lieber Gesamtschule.

Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

ihr klischee ist realitätsfern und datiert anno 1930
rote gfraster wachsen im gemeindebau auf..gehen zu den roten falken, brechen schule und lehre ab und kommen nahtlos von der notstandshilfe ind die mindestrente..dazwischen sind sie jedoch recht fleissige schwarzarbeiter
..noch so ein inrellektfreies klischee

Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Mit dem dummen Klischee haben Sie begonnen, ich habe Ihnen nur die andere Seite der Medaille gezeigt.

Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

das verlangen kinder so zu erziehen wie sie dem staat gerecht werden ist kein klischee
AH hat das gemacht...mao...peppi stalin etc..otto bauer, glöckl und tandler haben es propagiert.

ihre "konservative" darstellung ist allerdings nur klischee

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Und von Konservativen wird das nicht gemacht?
Wozu sind denn Klosterschulen und Internate, Studentenvebindungen usw. dann gut?
Wird dort wertfrei erzogen?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

wer propagiert wertfreie erziehung??
noch ein mal
l a n g s a m zum mitdenken.
es ist privileg und aufgabe der ELTERN werte weiterzugeben und die erziehung ihrer kinder zu bestimmen. wenn also jemand in einem geitlichen gymnasium humanistische bildung erfährt, dann wollen das die eltern so.
wenn jemand in einer gesamtschule ganztags sozialistische ideale per hirnwäsche, bekommt, dann ist das nicht im sinne der eltern...es sei denn die eltern sind linksgestrickt.
die linke schule soll einheitlich genormte genossen erzeugen...die vielfalt die unsere kultur ausmacht bleibt auf der strecke

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Und Ihr katholisches Ideal fördert die kulturelle Vielfalt?
Da kann ich nur kichern.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

welches KATHOLISCHE ideal??
die vielfalt besteht doch darin, dass es unter anderem auch familien gibt die christliche ideale haben und ihre kinder auch so erziehen..gäbe es aber nur diese wäre die vielfalt dahin..genau wie bei der staalichen linksgehirnwäsche der gesamtschule

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Links ist mir allemal lieber als rechts.
Gehirnwäsche kriegen Katholiken vom Kindergarten an verpaßt.
Die Ergebnisse sieht man hier.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

links ist genauso schädlich wie rechts
dazwischen ist jedoch die vielfalt der mitte
es sind die eltern die die erziehung bestimmen und nicht der (sozialistische) staat...wer also im christlichen kindergarten ist, ist dort nach freiem willen seiner eltern..wer in der gesamtschule hirnwäsche bekommt, der ist opfer staatlicher willkür
liberal ist mir allemal lieber

sie sind ganz sicher opfer linker hirnwäsche..merkt man an ihrem unvermögen mehr als linkes zu begreifen

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Ich bin in einer katholischen gutbürgerlichen Familie aufgewachsen.
Und ich hab lang gebraucht, um mich aus dieser extremen Indoktrination zu befreien.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

das war doch die untat ihrer eltern...soziindoktrination ist jedoch ein staatlicher eingriff in unsere freiheit.
es ist jedoch beides abzulehnen...wobei das ablehnen der eltern wohl ein teil des erwachsenwerden ist.
da haben sie wohl chancen...gegen den staat stehen ihre chancen schlecht.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Ich bin seit mehr als 4 Jahrzehnten erwachsen und mit meinen leider schon lange verstorbenen Eltern immer bestens ausgekommen.
Ich betrachte ihre Erziehung auch nicht als Untat, sie waren ja selbst Opfer ihrer eigenen Sozialisation.
Mir hat der seinerzeit konservativ geprägte Staat lange genug sehr vieles vorgeschrieben.
Das war für Sie dann wahrscheinlich in Ordnung.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

sie irren...ich betrachte diese zeit als entwicklungsstadium...wie jedes zeitalter. ich nehme jedoch abstand davon es mit heutigen maßstäben zu beurteilen. wenn ihre eltern alles richtig gemacht haben, verwundert dann doch ihre abwehr gegen die zwangsindoktrination..??????
natürlich sehe ich als liberaler geist, die befreiung von staatlicher vormundschaft mit genugtuung und keineswegs mit nostalgischem rückblick...allerdings möchte ich keinen austausch von verstaubter katholischer gesellschaftsordnung mit ebenso verstaubter marxistischer bevormundung

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Von richtig kann gar keine Rede sein, sie waren halt auch Kinder ihrer Zeit.
Wo sehen Sie marxistische Bevormundung?
Sie schreiben im Fieber...

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

die marxistische bevormundung sehe ich in der ganztagsschule..noch mehr staat weniger eltern.
sie nehmen das in bezug auf ihre kindheit?? wieso??

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Es war meine Antwort auf Ihre Vermutung, ob meine Eltern alles richtig gemacht hätten.
In Frankreich funktioniert die Ganzagsschule prima, sind das jetzt lauter Marxisten?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

die upperclass in frankreich schickt ihre kinder in eliteschulen oder in die schweiz...auch die kinder von linken politikern..siehe mitterand filius

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Was dabei herauskommt, sieht man an der aktuellen Politiker-und Wirtschaftsbossenklasse.
99% der Menschen betrifft das nicht.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

das geht von der upper middleclass bis hinauf zu den filthy rich..das sind wesentlich mehr als nue 1%..wer es sich in frankreich leisten kann gibt seinen kindern eine höhere bildung

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak schreibt eben als Vater

Es werden sich immer weniger leisten können.
Die Zeichen stehen auf Sturm.

 
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