Die Stunde der Silberrücken

Rainer Nowak (Die Presse)

Es gibt auch positive Nachrichten aus der Politik: In Deutschland und Polen profilieren sich die Außenminister. Den Herren Monti und Kerry wird zu Recht Vertrauen geschenkt.

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Die Liebe der österreichischen Journalisten zum (innen-)politischen Personal rührt aus der Begeisterung für Pessimismus und mitunter Zynismus der kommentierenden Zunft. Gutes über Politiker zu berichten und meinen gilt für viele – durchaus zu Recht – als PR und Kritiklosigkeit.

Dabei ließe sich Lob durchaus auch zum Teil kritisch formulieren: So ist Werner Faymanns Wandel vom populistischen EU-Kritiker zum Hurra-Europäer besser als umgekehrt. Und dann wäre da noch Frau Fekters Sprachgefühl und Gespür für Diplomatie: Schön, wenn es endlich ein Politiker aus Österreich in die Schlagzeilen internationaler Medien schafft und nicht Jörg Haider oder Heinz-Christian Strache heißt. Der sollte an dieser Stelle auch einmal Lob und Applaus erfahren: Danke, dass nichts von Ihnen zu hören und sehen ist, Herr FPÖ-Parteiobmann.

 

Auf dem internationalen Parkett fällt es natürlich leichter zu applaudieren. Die Auswahl der Köpfe ist größer, das Niveau mitunter höher. Beginnen wir mit den Überraschungen: Guido Westerwelle, früher der Lächerlichkeit nicht fern, hat in den vergangenen Monaten als deutscher Außenminister eine gute Figur gemacht. Seine klaren Worte zum Nahostkonflikt, seine klare Betonung der Verantwortung aus der deutschen Geschichte für Israel und sein Engagement für vergessene Krisenherde auf der Welt zeugen von einer neuen deutschen Ernsthaftigkeit, die in der Sprache von 2012 formuliert wird. Wirklich interessant und positiv hervorzuheben ist auch sein polnischer Amtskollege Radosław Tomasz Sikorski. Er drängte nach seiner bemerkenswerten Rede im Vorjahr Deutschland nach wie vor, die Führungsrolle in Europa wahrzunehmen. Interessant, dass ein Pole das dem historischen Exfeind rät. Polen jedenfalls hat allen Grund zum Selbstbewusstsein: Es liefert derzeit die beste wirtschaftliche Performance in Europa.

Apropos Europa: Dessen wahre Regierungschefin, Angela Merkel, lässt es mitunter laufen. Sie setzt vor allem innenpolitisch weniger Meilensteine als einst Gerhard Schröder. Dessen sozialpolitische Reformen waren eine Grundlage für die heutige Stabilität Kerneuropas. Durchaus schmerzlich wird Nicolas Sarkozy vermisst, sein finanzpolitisch gefährlicher Nachfolger macht den Vergleich leider sicher.

Kultur des Scheiterns. In Italien heißt die gute Nachricht weiter Mario Monti. Der alte Mann, der den Zusammenbruch Italiens mit einem schmerzlichen Sparkurs verhindert hat, ist – vermutlich – so freundlich, noch einmal zu kandidieren. Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass er wieder Regierungschef wird, hat sein geplantes Antreten für eine Spaltung des Berlusconi-Zirkus gesorgt, und das ist immerhin schon die halbe Miete für die italienische Politik.

In den USA kehrt John Kerry als Außenminister ins Rampenlicht zurück. Amerikanische Zeitungen loben seine harte und klare Verhandlungsführung in heiklen diplomatischen Missionen. Dass nach Hillary Clinton wieder ein gescheiterter Präsidentschaftskandidat den vielleicht zweitwichtigsten Job in der US-Politik übernimmt, sagt viel über eine (politische) Kultur, die uns leider fehlt: Niederlagen oder Misserfolge bedeuten keinesfalls das Ende einer Karriere, sondern gehören selbstverständlich dazu.

Gute Vorbilder für Österreich also. Gäbe es solche Politiker denn auch? Die sicher verdienten Herren Erhard Busek und Johannes Voggenhuber lieferten sich in den vergangenen Tagen leider ein reichlich unwürdiges Match mit dem grantigen Klubobmann der ÖVP, der keine Rauferei auslassen kann. (Es ging um das neue Wahlrecht, aber tat leider nicht wirklich etwas zur Sache.) Und was machen die Nachwuchshoffnungen?

An dieser Stelle wäre eigentlich Sebastian Kurz zu nennen. Aber das lassen wir lieber, denn ganz ehrlich: Vor einem Jahr führten wir in der „Presse am Sonntag“ Salzburgs David Brenner an.

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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16 Kommentare

"Der alte Mann, der den Zusammenbruch Italiens mit einem schmerzlichen Sparkurs verhindert hat, ist – vermutlich – so freundlich, noch einmal zu kandidieren."

"noch einmal"????
kann mich nicht erinnern, dass dieser Goldman-Sachs Mann schon mal in sein derzeitiges Amt gewählt worden ist.

Geh Nowak

So einen Kommentar erwarte ich in der Volksstimme, oder zumindest der Arbeiterzeitung zu lesen. Gehts noch linker?

Re: Geh Nowak

nowak und links??
das ist wohl ein faschingsscherz

Re: Re: Geh Nowak

Links und Rechts ist relativ. Wenn man in der GRM sozialisiert wurde, ist Nowak eventuell wirklich "rechts", aber eher ein Konterrevolutionaer, um in der richtigen Diktion zu bleiben.

Re: Re: Re: Geh Nowak

nowak ist ein gestandener konservativer liberaler.....eine mischung die es nur in österreich gibt

Faymanns Wandel vom populistischen EU-Kritiker zum Hurra-Europäer

Leider muss man als Ursache dieses Wandels andere Gründe als Überzeugung vermuten. Und Gründe spielen eine wichtige Rolle, denn sie hauptsächlich sie sind es, welche eine Einschätzung der Stabilität eines eingeschlagenen Kurses ermöglichen.

Und dabei dürfte man auch nicht früher abgegebene, wesentliche Versprechen (Faymann, EU bzw. EURO, Volksbefragung) vergessen. Denn ein Richtungswechsel, egal aus welchen Gründen, kann und darf nicht die Basis für einen selbstverordneten Generalverzicht auf frühere Zusagen bedeuten.

Hrn. Faymann unter diesen Gesichtspunkten positiv zu kritisieren ist also ein ziemlich gewagter Versuch.

"...Mario Monti. Der alte Mann, der den Zusammenbruch Italiens mit einem schmerzlichen Sparkurs verhindert hat..."

Weder in Italien noch sonstwo haben diejenigen, die das Geld verzockt haben, die "schmerzlichen Einschnitte" hinnehmen müssen, lieber Herr Nowak.

Der Leitartikel ist wie immer ein richtiger Rainer Nowak, einseitig und ideologisch verblendet. Schade, daß sich die Presse nicht einen besseren Chefredakteur gefunden hat.

Re: "...Mario Monti. Der alte Mann, der den Zusammenbruch Italiens mit einem schmerzlichen Sparkurs verhindert hat..."


Gegen-Meinung bei allem Respekt:

Sie liegen imho mit der Aussage völlig richtig, dass dieser spezielle Leiter wieder ein "echter Nowak" ist - leider.

Daneben hat's aber auch relativ oft Leitartikel vom HERRN Nowak gegeben. Die haben meinen persönlichen Ansichten zwar gelegentlich total widersprochen, waren aber gut argumentiert, und auch stilistisch hochwertig.

Zum Chefredakteur: Herr Nowak neigt leider offenbar dazu, zu viele Dinge gleichzeitig zu bearbeiten. In der Folge kommt nirgendwo was Gutes heraus. Wenn er dieses Manko in den Griff bekommen tuan tatat, wäre es optimal.

Alternativ: Herr Schellhorn wird diesen Job wahrscheinlich gar nicht wollen, Herr Urschitz auch nicht. Wär Ihnen sowas Ähnliches wie ein Chorherr lieber (absichtlich ohne Anrede "Herr" als Ausdruck des Respekts)? Bei dem Gedanken kommt mir das kalte Grausen...

Oldies but goodies? Manchmal ja.


Hin und wieder scheint man doch die Erfahrung altgedienter Politprofis zu schätzen, obwohl manche das Bashing à la Muppet-Balkon-Opas immer noch für soooo witzig halten.

Es gibt natürlich auch Silberrücken, die nach dem Ende ihrer Politkarriere voll ins Geschäft einsteigen und Kohle scheffeln wollen, ungeachtet ihrer bisherigen (angeblichen) Gesinnung. Siehe Schröder oder Gusi.

Re: Oldies but goodies? Manchmal ja.

america du hast es besser
der ein-aus.und umstieg von politik und wirtschaft ist ganz normal ..egal von welcher partei.
in deutschland hat der kanzlerkandidat der SPD 2 millionen an vortrags honoraren kassiert...na und?? eher ein zeichen von tüchtigkeit..trotzdem ist der mann ein kotzbrocken und sollte in gabun botschafter werden statt kanzler :-)

Re: Re: Oldies but goodies? Manchmal ja.

Vorträge sind etwas anderes, keine Frage.

Vortragshonorare sind eine Sache von Angebot und Nachfrage; da soll man den Vortragenden nicht neidig sein.

Mich widert nur an, dass sich manche linke Ex-Politiker gegen gutes Entgelt Diktatoren anbiedern, als "Berater" oder Vorstandsmitglieder etc.

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Frohes Fest übrigens, und Guten Rutsch!

Re: Re: Re: Oldies but goodies? Manchmal ja.

ich bin ihm nichts neidig...nur kanzler soll er nicht werden...er der die schweiz mit der kavallerie erobern wollte und österreich nach westafrika rückte...

merry christmas and happy new year

wenig Hoffnung auf Lichtgestalten

Hierzulande sieht es leider in puncto politischer Nachwuchshoffnungen quer durch die Parteien eher dpster aus. Entweder sie werden noch rechtzeitig demontiert oder beweisen durch das Investment in äusserst luftige Zertifikate, die für Aktien gehalten wurden, ihre Unvernunft.
Also wird hierzulande weitergewurstelt wie bisher, Faymann könnte sehr bald Geschichte sein, so manche andere Protagonisten des innenpolitischen Sumpfes ebenfalls.
Was Europa betrifft, so fehlen auch hier starke Führungspersönlichkeiten. Zu verweisen ist diesbezüglich auf das Intiew mit Prof. Weidenfeld im letzten Europajournal.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sich in einiger Zeit doch die eine oder andere Lichtgestalt zeigt.

Graz


nach dem Wahlergebnis ist Strache leise geworden Ziel 15 % Nummer 2 tatsächlich 13,6% 4 Platz
Strache NR Wahlen 2013 33 % 1 Platz wahrscheinlich 20 % und 3 Platz HC baba

das sind definitiv keine silberrücken sondern narzisten


Gähn.... Nowak...fad


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