25.05.2013 18:58 Merkliste 0

Direkte Demokratie als seichte Unterhaltung

RAINER NOWAK (Die Presse)

Ein sinnloses Regierungsjahr startet: Für die Heereskampagne werden Frauen zum Heer genötigt, zur Ablenkung wird die neu entdeckte direkte Demokratie verhöhnt.

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Noch ein paar Aufmachertitel der „Krone“ sowie artverwandter Formate und selbst bekennende Berufsheeranhänger mutieren zu Wehrpflichtfanatikern. Dichand junior versucht sich erstmals mit partnerschaftlicher „Heute“-Unterstützung als Kampagnenleiter und lässt keinen Tag aus, in großen, schlichten Lettern das Ende des bestehenden Heeres herbeizuschreiben. Dass dabei allen Ernstes jungen Frauen Angst gemacht wird, bei Fortführung der Wehrpflicht zum Präsenzdienst einrücken zu müssen – ein Verfassungsrechtler findet sich immer für ein Zitat, notfalls Heinz Mayer –, zeugt vom guten Geschmack im SPÖ-Kampagnenbüro, das in der „Krone“-Chefredaktion eingerichtet wurde. Und von steigender Panik der SPÖ, die erste 2013er-Wahl – Verzeihung: Befragung zu verlieren. Wenigstens wurde Norbert Darabos davon überzeugt, den Rücktritt im Fall einer Niederlage nicht anzukündigen. Sonst würde die Zahl der Wehrpflichtbefürworter weiter steigen.

Dem handelnden politischen Personal geht es ohnehin nicht um den Inhalt, also die sachliche Antwort auf die Volksbefragung, sondern ausschließlich um die Chancen für nachfolgende Urnengänge. Denn für Landeshauptleute gilt wie für die Bundesregierung und Parteifreunde: Diese Volksbefragung ist das perfekte Ablenkungsmanöver für Medien, die ideale Lockerungsübung und ein perfektes Unterhaltungsprogramm für müde Funktionäre, denen frustriert aufgefallen ist, dass in der laut Umfragen Kleinen Koalition nicht mehr viel weitergeht. Zwar hat man in der SPÖ-ÖVP-Zentrale mit einem Finanzskandal wie jenem in Salzburg nicht rechnen können, der laut jüngsten „Presse“-Recherchen zeigt, dass er keinesfalls nur von einer Beamtin zu verantworten ist. Aber dass das Land mehr über Für und Wider eines verpflichtenden Dienstes an der Waffe oder am Rollstuhl spricht, hilft durchaus, die unglaubliche und unkontrollierte Finanzgebarung mehrerer Bundesländer in den Hintergrund zu drängen. Von wirklich drängenden Problemen wie der katastrophalen Bildungspolitik einer gegeneinander arbeitenden Regierung oder dem Defizitabbau ist erst gar nicht die Rede.

Gelernt wurde das Konzept demokratiepolitischer Brot und Spiele übrigens in Wien: Dort ruft die SPÖ-Stadtverwaltung in regelmäßigen Abständen immer wieder zur Abstimmung über Selbstverständlichkeiten auf und mobilisiert beispielsweise gegen die von niemandem ernsthaft geforderte Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Hier soll die lustige Übung vom Umstand ablenken, dass in Wien die Parkraumbewirtschaftung mit hohen Gebühren ausgeweitet wurde. Spricht man mit Wiener Politikern, herrscht überhaupt kein Zweifel, dass das Manöver gelingt. Wähler muss man unterhalten, Frank Stronach ist da ganz gut, eine Schein-Einbindung der Wähler noch besser.

Dies passiert auf Bundesebene ausgerechnet in einer Legislaturperiode, in der mehrmals und offen über den Ausbau der direkten Demokratie diskutiert, von der SPÖ und vor allem der ÖVP ein solcher sogar in Aussicht gestellt wurde. Doch genau wie die zehnprozentige Kürzung der Anzahl der Bundes- und Nationalräte nicht passiert, bleibt auch die Möglichkeit einer echten direkten Bürgerbeteiligung aus und somit ein reines Lippenbekenntnis.

So zynisch lässt sich Politik gestalten, wenn es um Machterhalt geht: Im verflixten fünften Jahr der Regierung wird der Bevölkerung eine offensichtlich fadenscheinige Volksbefragung angeboten. Nehmen die Wähler das demokratiepolitische Almosen dankbar an, ist für SPÖ und ÖVP fast alles gut. Oder besser: Der Verlierer wird ohnehin sagen, dass gegen die geballte Medienmacht des Gegners mit Vernunft nichts zu machen war. Und ist die Wahlbeteiligung wie erwartet gering, kann man das schwache Ergebnis wenigstens als klare Absage an mühselige Veränderungen des geltenden Wahlrechts interpretieren.

Einen Nebeneffekt hat dieser sonderbare Zwischenwahlkampf auf jeden Fall: Das Verhältnis der Regierungsparteien ist einmal mehr zerrüttet, die Stimmung mies wie lange nicht. Und wir wissen: Die Verlängerung der Periode auf fünf Jahre war ein Fehler. SPÖ und ÖVP brauchen pünktlich alle vier Jahre ihren Wahlkampf. Notfalls zum Heer.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2013)

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18 Kommentare

herr nowak, ich schätze ihre bemühungen,

die qualtät dieser zeitung zu steigern, indem sie zb die geschäftsschädigenden posts in den griff zu bekommen versuchen.

vielleicht führt das auf lange sicht sogar dazu, dass ich nach vielen, vielen jahren wieder zum abonnenten werde.

heute allerdings haben sie mit ihrem seichten und polemischen leitartikel keinen beitrag dazu geleistet.
er entspricht eher einer rede am suderanten-, proll- und wutbürgerstammtisch. das sind orte, wohin ich ihnen nicht zu folgen bereit bin!

ich empfehle ihnen (nein: eigentlich der styria, diese macht hat ein chefredakteur nicht) eine grundsatzentscheidung und nicht bloß verbale umsetzung:
stammtisch oder qualität.
eine mischung gibt es da nicht!

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Re: herr nowak, ich schätze ihre bemühungen,

Aber was hat Albert inhaltlich auszusetzen?

Außer gegen diesen guten Artikel zu polemisieren!

Der war gut ;-)

"(.....) Wenigstens wurde Norbert Darabos davon überzeugt, den Rücktritt im Fall einer Niederlage nicht anzukündigen. Sonst würde die Zahl der Wehrpflichtbefürworter weiter steigen."

Darabos ist eine klassische Fehlbesetzung für die Position als Verteidigungsminister. Die ÖVP hätte schon längst seinen Rücktritt fordern müssen.

Punktgenau getroffen!

Danke Herr Nowak für diesen Artikel!
Jede Provinzzeitung in den USA bekent sich in einem Wahlkampf zu ihrer politischen Blattlinie.
Die KRONE und ihre immer mehr gleichgeschalteten Schwesterorgane tun auf "unabhängig" und täuschen und betrügen ihre Leser nach Strich und Faden!
Die Verhaberungen zwischen KRONE-Redaktion und Faymannbüro werden ohne jegliche Scham schamlos ausgespielt. Da wird mit Mädchenwehrpflicht gedroht, dank eines sogenannten Experten , den in Fachkreisen niemand mehr ernst nimmt.
Und Faymann selbst - schämt er sich nicht über so eine miese Unterstützung?
Wahrscheinlich rasiert er sich ohne dabei in den Spiegel zu schauen, weil sonst die Rasur mit vielen Schnitten enden würde...


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Re: Punktgenau getroffen!

Faymann in der ZIB, man sah sehr deutlich, dass er Stunden in der Maske zugebracht haben muss, sein Gesicht ähnelte frapant einem Baby-Popo. Hat er die Pubertät schon überstanden? Man sah nicht einmal einen Bartansatz. Und aus seinem Mund - mit Lippenstift nachgeholfen - hörte man nur Worthülsen, die einem Maturanten vielleicht Ehre gemacht hätten, einem Bundeskanzker jedoch nicht.

Re: Re: Punktgenau getroffen!

Faymann ist bekanntlich kein Maturant und auch nur ein äußerst matter Abglanz eines Bundeskanzlers! Er ist eine Schande für dieses Land!

Mißbrauch der direkten Demokratie

Ganz im Stil der Wahlkampf Zeiten geraten diese Hochzeiten der Aufklärung, Erhellung, Information und Transparenz zu Zeiten der Vernebelung und Volksverdummung. Das Ergebnis kann daher bloß durch Zufall vernünftig sein oder wenn eine Mehrheit der Wähler sich nicht verblöden lässt.

Der Demokratie, ob direkt oder repräsentativ, wird damit kein Gefallen getan, aber das kümmert die Nebelgranatenwerfer nicht.

Re: Mißbrauch der direkten Demokratie

Der Ziviminister kann doch nicht einmal eine Silvesterrakete richtig zünden...

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ach, Herr Novak, das ist doch wie bei Ihnen

wie üblich Mist, was Sie da erzählen, lesen Sie doch einmal selbst, was Sie da von sich geben.
Zudem haben Sie und Ihre Gesinnungsgenossen
sich,wie auch andere, die Diskussion um die
" direkte Demokratie " aufzwingen lassen, jetzt haben Sie sie und es passt wieder nicht. Ihr Vorbild stimmt noch über ganz anderen Quatsch ab. Sie sollten vorher schlau sein, Herr Novak,nicht nachher.

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fazit ist einfach:

Affentheater = von Politikeraffen für die Affen aus dem Volk inszeniert. Übrigens glaube ich einem Politiker nicht einmal die Uhrzeit, die er mir nach einem Blick auf seine - sicher gefälschte - Armbanduhr sagt.

ersatzloses Streichen

vielleicht sollte man sich überlegen, am Stimmzettel (Ich weiß: ungültig) die Abschaffung des Kasperltheaters BH zu fordern? Oder ist das auch schon Thema des Verfassungsschutzes?

... wird vor allem in den Medien angeboten,

dann sachliche Artikel sind fad und keine "Heuler"!
Woher sollten die Leute auch sonst ihre Informationen herbekommen.

Und dann beklagt sich ein Redakteuir über das mangelnde Niveau..

Meine heutige Unterhaltung...

mit vielen verschiedenen Menschen in einer Sauna über dieses Thema hat mich zu der Erkenntnis gebracht, daß diese Befragung mit GENAU DIESER EINEN FRAGE "Wehrpflicht Ja/Nein" vollkommener Mumpitz ist.

Die Meinungen der Menschen sind so dermaßen vielseitig und verschieden, daß man diese Befragung unmöglich auf diese eine Frage reduzieren kann.

Klar hat jeder Mensch, der dann sein Kreuzerl setzt oder auch nicht hingeht, sein Motiv dafür, dies zu tun - aber die Information geht verloren, warum dieses Kreuzerl deswegen gesetzt wurde und jenes wegen anderen Gründen etc.

Breiter Konsens nämlich heute war:
Egal, ob Berufsheer oder Wehrpflicht - das Heer ist in DIESER FORM UNBRAUCHBAR! Es sind dringend Reformen notwendig.

Als ich heute einem Freund sagte, daß ich mich wieder freiwillig zur Miliz melden möchte, fragte mich ein Freund, gegen wen ich etwa in den Krieg ziehen möchte, oder gegen wen ich mich etwa verteidigen möchte. Ich sagte dann, daß es mir um Zivilschutz und ABC-Abwehr geht, und um das Sanitätswesen (für's JaKo wäre ich wohl nicht geeignet :-)

Das Heer braucht einen Sinn - dann wäre auch eine Wehrpflicht in Ordnung.

Und diejenigen, Egoisten und Faulsäcke, die immer nur owezahn und das Bundesheer schlecht reden, die sollten sich einmal fragen, was sie bereits für das Land getan haben und wieviel das Land für sie getan hat. Dann wird vieles klarer...

Rainer Nowak hat schon recht:

Nach dem 20. Jänner hat sich das Thema "direkte Demokratie" in Österreich für die nächsten Jahre und womöglich Jahrzehnte erledigt. Wenn ich daran denke, dass ich erst vor ein paar Monaten eine Unterstützungserklärung für das Volksbegehren "MeinOe" abgegeben habe ...

Re: Rainer Nowak hat schon recht:

das wichtigste Argumentg ist die mangelnde Demokratie des NÖ-LH Pröll und darauf, daß der große Krach nicht in Kärnten oder NÖ, sondern in Salzburg der roten Gaby stattgefunden hat, wird gar nicht näher eingegangen. Allenfalls als "Argument" für eine weitere "Zentralisierung" mißbraucht!

Re: Re: Rainer Nowak hat schon recht:

Genau nur wo die SPÖ Steuergeld vernichtet läuft was falsch, bei ÖVP/FKP geschieht es zum Wohl der Steuerzahler oder was?

Wenn man die Parteibrille mal absetzt ist klar dass die SPÖ, ÖVP und das FPK bei der nächsten Wahl massiv abgestraft werden müssen.
Mal davon abgesehen dass in alle drei Bundesländern was extrem schief gelaufen ist bleibt Kärnten durch die Hypo von den Beträgen her mehr oder weniger uneinholbar wobei ÖVP/SPÖ scheinbar täglich daran arbeiten aufzuholen.

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Es stimmt schon

Je grotesker diese sinnfreie Wehrpflichtdebatte wird, umso mehr rückt der tatsächliche Schaden an der Republik in den Hintergrund. Das Ergebnis dieses hochoffiziellen, "demokratischen Ereignisses" steht auf alle jetzt schon fest:

Das nötige Quäntchen Disziplin & Rückgrat, das es für den Präsenzdienst braucht täte auch unsren Politikern nicht schlecht.

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Re: Es stimmt schon

Rückgrat für Politiker? dann können sie sich nicht mehr nach jedem Steuer-CENT bücken!

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