21.05.2013 19:18 Merkliste 0

Viel Spaß bei den kommenden Landtagswahlen

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Wer glaubt, dass sein Steuergeld in den Ländern gut angelegt ist, der möge sich deren Finanzgebarung einmal in Ruhe anschauen. Das heilt!

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Dass österreichische Landespolitik eine existenzbedrohende Konkurrenz für heimische Gag-Schreiber ist, wissen wir schon. Aber auf diesen „Plot“ wären nicht einmal die Autoren des Villacher Faschings gekommen: Das Land Salzburg spekuliert mit drei Milliarden Euro ( = eineinhalb Jahresbudgets) auf Finanzmärkten, fällt damit auf die Nase, beklagt mehrere hundert Millionen Euro Verlust. Großes Wehklagen bricht aus, eine Beamtin wird gefeuert, der Finanzdirektor wird zurückgetreten und der Finanzlandesrat kündigt seinen Rücktritt an. Externe Experten reiten zur Aufklärung ein, einen Monat lang wird heftig untersucht und nachgeforscht.

Und dann stellt sich heraus: Vielleicht war es gar kein Verlust, sondern ein Gewinn. Zwischen minus 340 und plus 150 Millionen ist ja auch kaum ein Unterschied. Nix Genaues weiß man aber noch immer nicht, Finanzlandesrat Brenner nennt mögliche Gewinne lustigerweise „reine Spekulation“.

Also noch einmal, langsam: Einer setzt eineinhalb Jahresgehälter im Casino – und weiß monatelang nicht, ob er gewonnen oder verloren hat. Würden Sie einen derartigen Finanzkapazunder als Verwalter ihre Vermögens engagieren? Oder ihm auch nur einen Gebrauchtwagen abkaufen? Nein?

Aber genauso krass inkompetenten Landespolitikern überweisen wir Monat für Monat per Finanzausgleich ein Drittel unserer Steuerleistung. Besser als am Salzburger Modell kann man den heimischen Föderalismus-Irrsinn eigentlich nicht mehr darstellen.

Da wir gerade beim lustigen Treiben der Länder sind: Eine Neudefinition des Wortes „Chuzpe“ steht auch an. Bisher hat man ja geglaubt, Chuzpe sei es, wenn ein Elternmörder auf mildernde Umstände plädiert, weil er jetzt Vollwaise sei. Nebbich: Jetzt treiben die Herren Dörfler und Scheuch in Kärnten Wahlkampf. Diesen Landeskonkursverwaltern steht das politische Wasser zu Recht bis zum Hals, weshalb sie gedenken, mit allerlei Wahlgeschenken auf Stimmenkauf zu gehen. Dafür soll (was die anderen Kärntner Parteien hoffentlich verhindern werden) der sogenannte Zukunftsfonds angezapft werden. Und jetzt wird es halblustig: Im Zukunftsfonds liegen die Erlöse aus dem Verkauf der Hypo-Alpe-Adria-Anteile an die Bayern. Die Hypo musste dann bekanntlich von den Bayern zurückgenommen und notverstaatlicht werden, weil das Land Kärnten Haftungen über mehr als 24 Milliarden Euro übernommen hatte, die im Konkursfall die ganze Republik ins Schlingern gebracht hätten.

Und jetzt haben wir die Situation, dass die österreichischen Steuerzahler das ruinös unfähige Treiben der Kärntner Landespolitik in der früheren Landesbank mit mehreren Milliarden Euro planieren müssen, während die Verursacher selbst mit einem Verkaufserlös, der eigentlich zur Schadensgutmachung herangezogen werden müsste, Wahlgeschenke finanzieren möchten. Dass die Kärntner für eine Haftung, die sie nie im Leben einlösen können, auch noch „Haftungsprovisionen“ kassieren, sei hier nur am Rande erwähnt. Chuzpe in Reinkultur eben!

 

Das kann man von den Niederösterreichern nicht sagen. Die sind stark genug, um ehrlich zu sein. Der Geschäftsführer der niederösterreichischen Landesspekula-, pardon, Landesbeteiligungsholding Fibeg hat gestern in der „Presse“ in schöner Offenheit erklärt, warum man die Rückflüsse der Wohnbaudarlehen nicht in den Wohnbau reinvestieren oder ins Budget nehmen konnte, sondern die Darlehen verkaufen und „veranlagen“ musste: Gewinne aus einer Veranlagung sind budgetrelevante Einnahmen laut Maastricht, Rückflüsse aus Wohnbaudarlehen nicht.

Ja dann: Für ein bisschen Budgetkosmetik (für den verlangten „Maastricht-Überschuss“) kann man schon eine Milliarde „Mindereinnahmen“, die die Veranlagungen laut Rechnungshof gebracht haben, riskieren. Das sieht doch jeder ein!

Wenn Sie also Steuerzahler sind und meinen, dass die Steuerquote in Österreich ein bisschen zu hoch sei, schauen Sie sich die Finanzgebarung der Länder (nicht nur der Genannten) einmal in Ruhe an. Und dann: Viel Spaß bei den kommenden Landtagswahlen.

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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49 Kommentare
 
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Re: KEIN Österreicher braucht die Länder !!

Der Freistaat Bayern ist ein deutsches Bundesland und kein selbstständiger Staat im herkömmlichen Sinn. Die kantonale Einteilung der Schweiz ist mit den österreichischen Bundesländern auch nicht vergleichbar. Bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Und?

Wenn alles so bleiben soll wie es ist, weil ja nichts vergleichbar ist, dann hat auch die Misere System.

Bei derartigen Vergleichen geht es ja genau darum, was man anders machen könnte, nicht darum was gleich ist.

Noch eine Anmerkung zu Äpfeln und Birnen:

Wenn ich bei einem Vergleich von Äpfeln und Birnen draufkomme, daß erstere nach einem Monat Lagerung noch genießbar sind, während sich letztere in schimmligen Matsch verwandelt haben, war dieser Vergleich äußerst wertvoll.

sehr treffend

aber leider noch gar nicht das wirkliche problem. wenn es nur der bund und die länder wären, die unser steuergeld vernichten, dann wäre österreich noch immer fein raus. der wirkliche irrsinn passiert auf gemeindeebene. das sind zwar jeweils einzeln vermeintlich vernachlässigbare summen, aber den großen mist macht in summe bekanntlich das kleinvieh. wie bei der titanic, unzählige kleine löcher können das schiff manchmal schneller und effektiver versenken als ein oder neun große.

Was ist die Alternave?

Ausgezeichnete Darstellung der Situation. Aber, wie es neuerdings unter Politikern Usus ist, ist die Wahlsituation nicht alternativlos. SPÖ-, ÖVP- und FPK-regierte Länder haben Schulden. Welche Partei bleibt zur Wahl um eine Wende herbeizuführen? Die Grünen beweisen gerade in Wien dass sie diese Partei auch nicht sind. Bleibt Stronach der Retter aus der Misere?
Die politische Landesregierung ist abzuschaffen.

Landesregierungen ersatzlos abschaffen! Gemeinden auf ca. 20.000 EW zusammenlegen. Gemeinden mit BH fusionieren. Zum Ausgleich Bundesrat mit Landespolitikern und Kommunalpolitikern besetzen. Ausmaus!



Niemand braucht diese völlig unnötigen Bremsklötze der österreichischen Gesellschaft namens Landeshauptleute. Und niemand braucht Landesgesetzgebungskörper. Und niemand braucht eine Verwaltungsebene Bundesland. NIEMAND!

Diese lächerlichen Landeskompetenzen können ohne weiteres Personal von den Ministerien erledigt werden.

Weg mit diesem Pseudo-Föderalismus, welcher präpotent die Bundespolitiker an der Nase durch die Manege zieht und sich als Spendenonkel mit fremdeingetriebenem Steuergeld feiern lässt.

Ersatzlos abschaffen. Stattdessen 20 Landespolitiker und 20 Bürgermeister in den Bundesrat - als echte 2. Volkskammer. Und zwecks "Bürgernähe" eben 20 Servicebeamte des Bundes in jede verlassene Landeshauptstadt-Tintenburg setzen. Als Ansprechpartner für diejenigen, die eben gerne in der Landeshauptstadt all das erledigen, was ohne weiteres auch über BH und Internet möglich ist. Und einzelne Ministerien auslagern, in die Landeshauptstädte.

Ersparnis: 4 Milliarden Euro- jährlich!

[X] STRONACH

Re: Landesregierungen ersatzlos abschaffen! Gemeinden auf ca. 20.000 EW zusammenlegen. Gemeinden mit BH fusionieren. Zum Ausgleich Bundesrat mit Landespolitikern und Kommunalpolitikern besetzen. Ausmaus!


Bin völlig Ihrer Meinung. Doch neben uns muss es Millionen Nutzniesser dieses Systems geben, die sich hier NIE zu Wort melden. Ists Feigheit, Dummheit oder Bösartigkeit ????

Re: Landesregierungen ersatzlos abschaffen! Gemeinden auf ca. 20.000 EW zusammenlegen. Gemeinden mit BH fusionieren. Zum Ausgleich Bundesrat mit Landespolitikern und Kommunalpolitikern besetzen. Ausmaus!


Bin völlig Ihrer Meinung. Doch neben uns muss es Millionen Nutzniesser dieses Systems geben, die sich hier NIE zu Wort melden. Ists Feigheit, Dummheit oder Bösartigkeit ????

Solange sich die Bundesländer einen Bund zum Geldeintreiben halten können,


wird NICHTS, absolut gar NICHTS passieren !

Ein Rülpser aus Pröllistan u. alle Schwarzen schweigen, ein Rülpser aus Wien u. alle Roten schweigen.

Thats it !!

Es geht auch ANDERS, zynische GELDVERNICHTER:

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128

super

unterhaltsam, fast schon lustig geschriebener kommentar welcher den politikstadel der unfähig ahnungslosen und willenlosen agitatoren von "volkes gnaden" aufblattelt. bewußt oder auch nur unbewußt wurde hier aber der größte weinselige populistische gauckler und sein bundesland/bundeshauptstadt, ausgenommen.

Es gibt keinen Spass mit den 9 Bundesländern!

Es gibt nur Ärger, für alle Österreicher, wenn sie diese vollständig sinn- und zwecklosen Teilrepubliken, mit den nächsten Landtagswahlen nicht gleich ganz auflösen können! Alle neun Bundesländer sind nichts anderes, als zufällig liegen gebliebene Ruinen aus der Vergangenheit!

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Gratulation, Herr Urschitz!

Wie immer, sind Ihre Kommentare brilliant!
Ich würde mir für die nächste Regierung Sie als Finanzminister und Ihren Kollegen Schellhorn als Wirtschaftsminister wünschen!

Re: Gratulation, Herr Urschitz!

Schließe mich mit meiner üblichen Frage an: Und wo ist die Partei, die die notwendigen Veränderungen zu ihrem Programm macht?

Re: Gratulation, Herr Urschitz!

stimme Ihnen vollkommen zu!!
Wollte heute den beiden Herren eine Nachricht schicken und mich für die immer wieder erfrischend zu lesenden Beiträge bedanken!

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Gratulation, Herr Urschitz!


Herr Urschitz, Sie treffen den Nagel auf den Kopf


Die österreichische (regierende) Politik ist entweder unfähig, unwillig oder beides.

Wo sind die gescheiten Köpfe dieses Landes?

Weg mit diesen volksverdummenden Zeltfest-Agitatoren!!!

Verantwortung übernehmen

Eine Hauptursache dieser Missstände sehe ich darin, dass die Länder zwar fürs Ausgeben zuständig sind, aber nicht fürs Einnehmen. Deshalb sollte man sie vor die Wahl stellen: Entweder den eigenen Bürgern auch individuell die Steuern vorschreiben, also Verantwortung für die Einnahmen übernehmen und damit eine gesunde Konkurrenzsituation unter den Ländern schaffen, mit Vorteilen für jene, die anständig wirtschaften, oder auch die Verantwortung für die Ausgaben an den Bund abgeben. Oder die Länder gleich ganz abschaffen.
Falls es eine Partei gibt, die das ähnlich sieht, bitte ich sie, vor den Vorhang zu treten, mein Kreuzerl bei den nächsten Wahlen ist noch zu haben.

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Der Verschwender

Jeder Tag, den Landesregierungen, Landtage und Landesverwaltungen früher aufgelöst werden sowie Bezirksverwaltungen zusammengelegt und drastisch reduziert werden ist ein guter Tag für Österreich!

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ceterum censeo

Und deshalb ist wiederholt zu fordern, daß die Ladesregierungen samt Landtagen und nachgeordnetem Landes-Verwaltungsapparat aufzulösen und durch eine einfache Bundes-Verwaltungsstruktur zu ersetzen sind.

Zustimmung höchster Kategorie

Eine ausgezeichnete pointierte Darstellung österreichischer Finanzpolitik!

Wenngleich dem Rat, "der Bürger möge sich einmal die Finanzgebarung der Länder in Ruhe ansehen", folgende Warnung hinzuzufügen wäre:

Nur dann, wenn Sie damit umgehen können, Weißglut im Bauch und Empörung unter Kontrolle halten zu können!


Re: Zustimmung höchster Kategorie

Da es keine transparenten Regeln für die Finanzgebarung der Länder gibt, wird das nicht viel nützen!

Wählt uns!

In unserer Partei gibt es nicht einen einzigen Funktionär. Alle, die bei uns mitmachen, haben ein Berufsleben, sind Fachleute in ihrem Bereich.

Wir möchten, dass ihr alle bei uns mitmacht, wir wollen in die nächste Regierung und dort als Zünglein an der Waage den BÜRGERINNEN und BÜRGERN zu mehr Einfluss, Demokratie und Entscheidungsgewalt verhelfen.

Rund 2500 sind in unserem Freundeskreis. Unsere Veranstaltungen werden von mehr und mehr Menschen besucht (in Vorarlberg über 200)!

Die BürgerInnen haben nur eine Wahl: NEOS. Denn hier kann man, muss man, darf man mitmachen. Teilhaben. Mitentscheiden.

Re: Wählt uns!

Richtig !
Man sollte allein schon aus Protest nur noch ganz neue Parteien wählen, die zwar noch unbekannt sind, aber eben auch noch keinen politischen Dreck am Stecken haben.
Wählt wirklich mal neue "Unschuldige", natürlich in der Hoffnung, daß Sie auch unschuldig bleiben.
Straft endlich mal die alte Verschwender - Kaste ab !

Gebahrung: Saldo

Die Finanzgebarung unserer 700 NR, LT, BR Abgeordneten hat uns dazu geführt, daß wir ein Lücke mi Schuldenstand zu vergleichbaren Ländern wie FI, DK, S, CH von 70-100 Mrd EUR haben.

Wo sind die hingeflossen.

(ESM, Bankenretuungen, Konjunkturunterstützung- das haben auch diese - keine gerne von den Parteizentralen geübte Entschuldigung)

 
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