25.05.2013 14:13 Merkliste 0

Leitartikel: Wir würden den Rücktritt verstehen

RAINER NOWAK (Die Presse)

Norbert Darabos sollte die Missgunst der Stunde nützen und Michael Häupl zeigen, dass er Minister und nicht nur Parteisoldat ist. Vielleicht ändert das die SPÖ ein wenig.

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So viel zur Macht der „Krone“, anderer Boulevardzeitungen und des mit ihnen vertrauten elektronischen Mediums. Seit Sonntag haben Kanzler Werner Faymann und die „Krone“-Erben die Gewissheit, dass auch die lauteste Kampagne nichts nützt, wenn sie gegen den Bauch und das Herz der Bevölkerung geführt wird. Danach wurde nämlich abgestimmt: für das bisherige subjektive Sicherheitsgefühl, gegen eine radikale Heeresveränderung, die mit vagen Modellen, dazupassenden Zahlen und dümmlicher PR angepriesen wurde, und für die Gewissheit, dass die Jungen – im Konkreten: die Männer – etwas zum Allgemeinwohl beizusteuern haben. Und zwar zusätzlich zu Steuern und Pensionen. Hans Dichand hätte das wohl geahnt. Seine Nachfolger verstehen das nicht. Aber für das potenzielle Ergebnis dieser möglichen Familienaufstellung ist der Platz hier zu knapp.

Auf dem Ballhausplatz und Umgebung könnte in den Zimmern, Küchen und Kabinetten nun endlich einmal ernsthaft diskutiert werden, Politik für die Bevölkerung statt Medienarbeit für die Wiener Kleinformate zu machen.

Für einen kann und sollte es hingegen nur eine Reaktion geben: Norbert Darabos sollte seinen Rücktritt einreichen, um seiner Partei und der Politik in diesem Land auf die Sprünge zu helfen. Gute Gründe für ein solches Vorgehen lassen sich viele finden. Dem Minister gelang es nicht, zu erklären, warum ein Berufsheer eigentlich die bessere Wahl gewesen wäre. Er verwendete die falschen Zahlen und Modelle, er war nicht überzeugend und ehrlich genug. Darabos müsste nun den Bestand der Wehrpflicht garantieren, müsste gemeinsam mit gegnerischen Offizieren trotz oder gerade wegen des eindeutigen sonntäglichen Ergebnisses eine Reform des Präsenzdienstes und des gesamten Heeres erarbeiten und durchführen. Bleibt er im Amt, wird er dafür weder die Durchsetzungskraft noch die Überzeugungsstärke haben, es wären acht sinnlose Monate des völligen Stillstands. Das geht nicht.

Und dann wäre da noch der tragische persönliche und politische Aspekt dieses Ergebnisses für den Minister. Darabos galt als Bundesgeschäftsführer einst als einigermaßen integer und erfolgreich. Davon ist nichts geblieben. Nach dem mitverantworteten Sieg Alfred Gusenbauers wurde Darabos mit dem Amt des Verteidigungsministers belohnt. Als Gusenbauer von einem Traumjob für den Burgenländer sprach, war der Zynismus unüberhörbar. Ähnlich agierte dann später Wiens Bürgermeister, als er Darabos den radikalen Wechsel der Parteilinie von der Wehrpflicht zum Berufsheer anordnete. Darabos versuchte, sich ein paar Tage zu wehren, bevor er sich in das unvermeidliche Schicksal fügte und zum glühenden Anhänger eines Berufsheers mutierte. Er kämpfte auch noch in den vergangenen Wochen dafür, nachdem der Erfinder der Idee, Häupl, sich vom Thema distanziert hatte und den Minister hatte im Regen stehen lassen. Das mag für den Instinkt des Wiener Machtmenschen sprechen, sicher nicht für seine Redlichkeit oder seine innerparteiliche Loyalität. Das ist erstaunlich, da sich Michael Häupl im Spätherbst seiner Karriere eine Niederlage bei einer Volksbefragung hätte leisten können, ohne sein Amt in Gefahr zu bringen. Sein innenpolitischer Ruf ist es nun hingegen. Häupl hat uns das Berufsheer gestohlen.


Norbert Darabos hegt vermutlich ähnliche Gedanken. Würde er bei einem Rücktritt dies und noch mehr – halb öffentlich in einem SPÖ-Präsidium oder -Vorstand, dezent unter vier beziehungsweise sechs Augen mit Häupl und Werner Faymann – zur Sprache bringen, würde er vielleicht für ein Stückchen weniger Niedertracht und Verachtung in der Politik sorgen. So würden die mächtigen Parteipolitiker kurz einmal erkennen, dass zynische Macht- und Personalpolitik nach dem Prinzip Jasager nicht immer funktionieren.

Aber vermutlich nimmt Darabos diese Niederlage auf sich, sitzt das alles aus, darf irgendwann auf das Gnadenbrot als Landesrat im Burgenland hoffen. Das Heer und die Verteidigungspolitik werden vermutlich dort hingedrängt, wo sie die Wähler nicht haben wollen: auf das Abstellgleis. Angesichts der hohen Beteiligung wird der Wähler dies übel nehmen. Österreich ist auf den Geschmack der direkten Demokratie gekommen.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)

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105 Kommentare
 
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Klugscheisser leben laenger!

Ein Kirchenblatt weiss mehr als die anderen! Warum, weil es im Gottesauftrag handelt!

soviel zur macht der "presse"



neben krone, heute, österreich und co. haben ja auch profil UND "presse" eifrig stimmungsmache für das berufsheer betrieben. der chefredakteuroid von der hainburger straße scheint seinen leitartikel von vor 3 tagen schon vergessen zu haben.

nachdem nämlich rainer the great zunächst noch zum boykott der befragung aufgerufen hat, war letzte woche der sieg des berufsheers scheinbar in reichweite - zumindest im bobo-journalisten-dunstkreis war man wohl beeindruckt vom medialen dauerfeuer von krone-heute-ö. daher noch schnell auf die vermeintliche seite der sieger geschlagen und flugs noch ein paar readktions-waschlappen über ihre bundesheerzeit jammern lassen und zum drüberstreuen einen halblustigen rainer-leiter ins blatt rücken in dem zur zustimmung zum krone-berufsheer aufgerufen wurde.

aber dieser opportunismus hat sich nicht ausgezahlt. wieder mal aufs falsche pferd gesetzt! schon wieder verloren. so ein pech aber auch! aber zurücktreten sollen nur die anderen, eh klar.

Re: Muss das sein?


Nachdem ihr ehemaliger Lieblingsfeind Fle praktisch über Nacht als vermeintlicher Befürworter der allgemeinen Wehrpflicht Gnade vor Ihrem gestrengen Auge gefunden hat (obwohl er ja eigentlich ein Anhänger des Berufsheeres ist, im Rahmen eines arbeitsteiligen europäischen Sicherheitskonzeptes), schießen Sie sich jetzt hemmungslos auf Nowak ein.

Egal, was dieser schreibt, Charly-smart-ass hat was dran auszusetzen. Wie wär's mit einem Quentchen Unvoreingenommenheit, Sie frustrierter revoluzzoider Sozi?

Wenn Sie nämlich Mumm hätten, würden Sie an den Parteitagen die SPÖ-Spitze attackieren und den Ausschluss riskieren, aber stattdessen sudern Sie nur hier im online-Forum einer Ihnen verhassten weil bürgerlichen Zeitung herum und gefallen sich in der Rolle des pain-in-the-ass des jeweiligen Chefredakteurs.

Sorry! Das musste ich jetzt loswerden!

Re: Re: Muss das sein?

und dass er so tut, als ob nur die anderen verloren haben, nur krone und der boulevard und die spö und darabos und faymann...einfach alle, nur er nicht, er, der er vor ein paar tagen hier noch eifrig fürs berufsheer kampagnisiert hat? das ist doch eine beleidigung der intelligenz der leserschaft! glaubt der unser kurzzeitgedächtnis reicht nur bis zum vortag?

Re: Re: Muss das sein?


alles sehr schön & gut was sie da schreiben - aber was ist mit dem inhalt meines postings? dass der neue ein wendehals ist hat er ja gezeigt. jede woche was anderes von ihm in fragen wehrpflicht. vom boykott zur zustimmung innerhalb von zwei monaten - das hat was. stört sie dieses opportunistische mitmachen bei der krone-heute-österreich-propagandawalze überhaupt nicht?

da hätte die presse sich mal als kritikerin des medial-politischen komplexes hervortun können - aber stattdessen hat sie sich der krone-linie angeschlossen, dieses "qualitätsblatt"!

und noch mehr als ich haben die presse-journalisten gesudert, weil sie ach so schlecht behandelt wurden beim bundesheer, die armen kleinen!
dieses gejammer auf dem niveau der krone-leserbriefseite war wirklich ein pain-in-the-ass. das hat MICH so geärgert, dass ichs mal loswerden wollte, in aller kürze. was ich von r.n. halte ist ja eh klar.

Re: Re: Re: Muss das sein?

Immerhin hat sich N. getraut, eine konkrete abschließende Meinung zu äußern, wie man abstimmen sollte (falsch / richtig war ohnehin keine Kategorie bei dieser Volksbefragung).

Hat sich die AFS vom Qualitätsblatt Standard diesbezüglich geoutet? Die hat sich nur (zu Recht) über die Verzettelung auf Nebenschauplätzen beklagt, aber hat sie eine Empfehlung samt Argumenten abgegeben, wie man sich bei dieser Abstimmung verhalten soll? Wer sich nicht festlegt, kann im Nachhinein nicht falsch gelegen sein.

Was mich an Ihrem Posting gestört hat, war weniger der Inhalt als die untergriffige, persönlich beleidigende Art.

Wer gute Argumente hat, muss für seine Kritik nicht so tief in die Schublade der Diffamierungen greifen.

Re: Re: Re: Re: Muss das sein?

ich finde ich bin noch zivilisierter als r n. in seinem durchschittlichen kommentar. und netter als sein vorgänger bin ich auch zu ihm...

dass der standard eine gute zeitung und afs eine gute chefred. ist würde ich nie behaupten. aber nur weil lachsrosa schlecht wird pr. davon nicht besser. das einstimmen in den krone-heute-ö-chor war jedenfalls eine ziemlich fragwürdige aktion. das hätten die sich sparen können.

Re: .... zivilisierter?

Ich würde das eher als clash of civilizations bezeichnen ;-)

... netter als sein Vorgänger... ???

Re: Re: Muss das sein?

statt fox..blindes huhn
diesmal hat er recht
nowak trat für ein berufsheer ein..wohl wissend, dass das gar nicht zur wahl stand, sondern nur das darabos modell marke freiwillige feuerwehr..mit taschengeld statt budget

Selbstachtung

kann dieser Mensch keine mehr haben. Ist in der Politik offenbar auch nicht erforderlich und - so scheint es - durchaus geboten.
Erbärmlich und zugleich traurig.
Nachdem der Beruf eines Politikers ohnehin einen Sonderstatus in der Gesellschaft hat, va insofern als man diesen sozusagen nicht erlernen kann, ramponiert ein solches Stehvermögen noch viel weiter das Politikerdasein.

Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

als das Schicksal des Bundesheeres bzw.die sinnvolle Ausbildung der Rekruten, wird man Darabos ungehindert weiterwursteln lassen und auf Zeit spielen.

Kaum anzunehmen also, dass sich in den nächsten Monaten viel ereignen wird.

Und im Wahlkampf wird sich die ÖVP dann als die Kraft präsentieren, die die Reform nach den Wahlen zügig anpacken wird. Wenn der Wähler sie nur lässt.....

Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

es wäre sinnlos weil unmöglich für die nächsten monate ein konzept zu verhandeln...kaum fertig ist schon die wahl da.
geduld ka_sandra abwarten welch wahlergebnis der herbst bringt und wieviel politisches gewicht die verhandler mitbringen.
möglich auch, dass es eine dreier koalition wird, dann müßte man alles was jetzt ausgehandelt wäre wegschmeißen und neu beginnen....GEDULD!!

Re: Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

Sogar sehr wahrscheinlich, dass es eine Dreierkoalition wird.

Aber über gewisse Einsparungsmöglichkeiten herrscht ja ohnehin Konsens, wie z.B. die Reduzierung der Einberufungstermine. Dies könnte man doch schneller umsetzen.

Re: Re: Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

in einer koalition kann man gar nichts schnell umsetzen....schon gar nicht in österreich
zuerst sind die parteiinternen ausschüsse dran dann die gemeinsamen ausschüsse dann der ministerrat..dann die ausschüsse der koalition und dann die abstimmung im parlament...und dann muß der heinzi noch unterschreiben

Re: Re: Re: Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

Ja, ja. Geduld ist leider nicht gerade eine meiner Stärken.

Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

Ihnen ist schon klar dass der nicht von der OVP ist?

Re: Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

Natürlich!!! Ich wollte damit nur sagen, im Grunde müsste die ÖVP sofort seinen Rücktritt verlangen, denn mit dem Darabos wird das nichts mehr.

Entweder ein anderer SPÖler (es gibt ja genug, die gegen ein Berufsheer sind), oder die ÖVP nimmt dieses Ressort für sich in Anspruch und zeigt, was sie sich unter einer Reform vorstellt (das Konzept liegt ja angeblich bereits in der Schublade....)

Da werden noch viele Rochaden nötig sein im Lauf der nächsten Zeit.

Re: Re: Re: Da der ÖVP Wahltaktik vermutlich wichtiger ist

die entsorgung von norberti muß die spö selbst vornehmen...die haben ihn ja auch ruiniert.
sie liessen ihn zweimal 180 grad drehen...jetzt hat er kaputte bandscheiben
sein lebensziel war der LH sessel in eisenstadt..ade

Es geht noch weiter ...

Jetzt steht der arme Darabos als Heeresminister im Kugelhagel.
Er ist aber auch Sportminister!
Und da schaut's ja noch katastrophaler aus!
Stichworte gefällig:
Olympiade London
Fussballnationalteam und Bundesliga
Ski Alpin - mal Schladming abwarten ..


Re: Es geht noch weiter ...

Hat man schon jemals von einem hervorragenden Sportler gehört, der aus dem Burgenland kommt?

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Hirn

sie schreiben völlig richtig "Bauch und das Herz der Bevölkerung" und nicht Hirn.

Re: Hirn

Das mag zwar Ihre Auffassung sein - zutreffend wird die Aussage damit aber noch lange nicht! Den meisten (und auch mir) ging es um die Absicherung der Zivildienst-Schiene und den Katastropenhilfsdienst. Aussagen, Argumente und Zahlen von Hundstorfer, Darabos und Co waren dermaßen offensichtlich zweckgeschönt, daß es einfach nicht möglich war, verantwortungsbewusst für das Berufsheer zu votieren! Denn hier liegt die Crux in dieser Abstimmung : Es gab nur entweder/oder ! Und die zu erwartenden Auswirkungen von "PRO-Berufsheer" auf all die anderen, gar nichts mit Heeresagenden zu tun habenden Belange waren es, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Meine Meinung, meine Sicht der Dinge

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Die ÖVP wird sicht hüten ...

Darabos zum Rücktritt aufzufordern. Bis zur NR-Wahl bietet er doch die beste Angriffsfläche.

Eine BH-Reform wird unter den gegebenen Umständen sehr schwierig sein. Da kann man diesem "Polit-Würstel" angenehm jedes Versagen zuschanzen.

Und er ist auch noch so "intelligent", dass er jede Breitseite voll nimmt. Er ist in der Tat, um im Militärjargon zu bleiben, eine willkommene offene Flanke der SPÖ, ohne es zu merken.

Der politische Überlebenstrieb am Futtertrog ist halt so unwiderstehlich, wie die Wehrpflicht, die er jetzt reformieren soll "mega-sinnlos" ist.

Darabos Rücktritt

Kann die Ministerpension ein Grund für Darabos' unwürdiges Verhalten sein?
Zum Kasperl der Nation macht man sich doch nur für Geld. Trotzdem gehört eine gehöriger Mangel an Rückgrat zu diesem Handeln.

"So viel zur Macht der „Krone“"

DAS ist das erschreckende an der sache! (was mit den kostümierten kasperln passiert, ist im vergleich dazu ohne bedeutung)

bis jetzt haben die proleten brav das getan, was ihnen die krone 'vorgeschrieben' hat. das ist zwar nicht optimal aber immerhin 'unter kontrolle' und korrigierbar.

mir läuf es kalt über den rücken, wenn ich daran denke: wem werden die geistigen armutschgerl in zukunft nachlaufen?
das sind nicht ein paar, das ist in ö mind. eine zweidrittel mehrheit!

Re: "So viel zur Macht der „Krone“"

Habe ich da irgendwo ein "Zynismus ON" übersehen ? Ist es Ihrer Meinung nach etwa tatsächlich erstrebenswert, das "proletarische Stimmvieh" über die Boulevardpresse zu lenken? Sie selbst zählen sich ja allem Anschein nach zur Elite und nicht zu den Proleten. Wenn das wirklich Ihre Meinung ist, läuft es MIR kalt über den Rücken bei dem Gedanken, welche Geisteskinder bei den nächsten Wahlen über die Zukunft dieses Landes und seiner Bevölkerung mitbestimmen dürfen. Aber wie gesagt, ich hoffe, bloß den Zynismus nicht erkannt zu haben

 
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