Diese alten Herren werden nie aussterben

FRIEDERIKE LEIBL (Die Presse)

FDP-Politiker Brüderle hat sich geschmacklos verhalten. Die Debatte über sein Verhalten ist berechtigt, die wahren Probleme werden aber ausgeklammert.

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Sie haben ihn nicht erfunden, die tausenden Frauen, die via Twitter ihren „Aufschrei“ gegen Sexismus tätigten: den anzüglichen Mann, der in selbstherrlicher Weise eine (jüngere) Frau mit geschmacklosen Bemerkungen in eine unangenehme Situation bringt. Es gibt wohl kaum eine Frau, die ihn nie erlebt hat, den schlüpfrigen alten Herren, der einem den Arm tätschelt. Den Uni-Professor, der die Abschlussbesprechung gern bei einem Glas Wein ansetzt. Den Vorgesetzten, der den Unterschied zwischen Kompliment und Zudringlichkeit nicht bemerken will.

Sie werden nicht aussterben, die Männer mit ihren Altherrenwitzen und ihrem nicht angemessenen Verhalten. Aber man kann sie zunehmend alt aussehen lassen. Weil Frauen keine Opfer mehr sind. Weil sie zurückreden können, weil sie aufstehen können und gehen. Weil sie selbstbewusst genug sind, Spielverderber zu sein in einer Situation, in der sie nicht mitspielen wollen. Zumindest mochte man das glauben, bis der Fall Rainer Brüderle in Deutschland zu einem Aufschrei empörter Frauen über täglich erlebten Sexismus führte.

Benachteiligung aufgrund des Geschlechts nennt man Sexismus. Brüderle hat abends in einer Bar zu einer jungen Journalistin Bemerkungen über ihre Oberweite gemacht. Das ist geschmacklos, anzüglich, unangenehm. Das sagt viel aus über das Weltbild und das Selbstverständnis des Spitzenkandidaten der deutschen Liberalen. Ist es wirklich Sexismus? Frauen legen gern Wert auf Zwischentöne, auf Nuancierungen: Dann aber bitte auch in diesem Fall. Es gibt einen Unterschied zwischen Anzüglichkeiten und Diskriminierung. Wir müssen uns auf das verlassen, was die Journalistin ein Jahr später über diesen Abend publizierte: Das, was sie beschreibt, ist ein Fehlverhalten. Es ist nicht Sexismus.

Den Vorfall nun als sexistisch einzuordnen verdeckt die wahren Probleme, mit denen Frauen etwa im Beruf zu kämpfen haben: Stichwort gläserne Decke. Hier findet täglich und tatsächlich Sexismus statt, ganz ohne Schlüpfrigkeiten und verunglückte Annäherungsversuche. Frauen werden auf ihrem Weg gezielt gebremst, weil sie Frauen sind, weil sie sich anders verhalten, anders verhandeln, weil sie anders verfügbar sind.

Im Fall Brüderle kann man von sexueller Belästigung sprechen, aber sie steht in keinem Verhältnis zu dem Ausmaß an Bedrohungen bis hin zu Vergewaltigungen, mit denen Frauen sonst konfrontiert sind. Die Journalistin wurde körperlich bedrängt? Und es gab kein Nachspiel, bis der Vorfall medial verarbeitet wurde? Was bedeutet dieses Verhalten für all jene Frauen, die den schmerzvollen Weg wählen, die anklagen, sich nichts gefallen lassen wollen?

Nun geht es in diesem Fall um das Vorfeld, um die Belästigung, die Raum schafft für mehr: für ein Machtgefüge, in dem Alltagssexismus der Normalzustand ist. Es geht um eine gesellschaftlich akzeptierte Bruhaha-Atmosphäre, die Frauen schamhaft schweigen und innerlich vor Wut zittern lässt. Hört man sich um, gibt es Geschichten zuhauf, von älteren Männern, die jüngeren Frauen zeigen, wo der Witz zu Hause ist und was sie von ihren Beinen halten. Zotige Bemerkungen schaffen ein vergiftetes Umfeld, in dem konstruktive Arbeit nicht möglich ist. Das ist widerlich. Aber es muss nicht hingenommen werden.

Es ist eine Errungenschaft, die wir der Frauengeneration vor uns verdanken, dass Männer nicht mehr mit allem durchkommen. Frauen können sich wehren, und sie tun es. Sie nennen Dinge beim Namen, sie ducken sich nicht. Eine naive Vorstellung? Weil man dem Vorgesetzten nicht gegen das Schienbein tritt, weil man bei den Kollegen nicht die humorlose Zicke sein will, die sich schlüpfrige Witze verbittet? Ist es deshalb so schwer, den Herrenwitz aus dem Berufsleben zu verbannen?

Es erfordert Mut, nicht zu schweigen. Beim ersten Mal fällt einem vielleicht nichts ein. Aber dann, beim zweiten und beim dritten Mal. Man eckt an, man ist nicht immer nur nett. Es hilft, nicht immer von allen gemocht werden zu wollen. Und dann gilt es noch, die Frauen ins Gebet zu nehmen, die das Männerspiel ganz eigennützig mitspielen. Frauen, die ständig Solidarität einfordern, sollten diese endlich auch untereinander praktizieren.

 

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2013)

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65 Kommentare
 
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Fehlender Respekt

Stört sich eigentlich niemand an ihrer Respektlosigkeit/Diskriminierung Hr. Brüderle gegenüber? (Sind sie nicht zu ALT um als Spitzenkandidat ...)

Ich halte sein Benehmen keinesfalls für angebracht. Aber besagte Journalistin hätte ihre wohl als witzig angelegte Frage, durchaus anders stellen können. Insofern könnte man durchaus argumentieren, dass Brüderles Bemerkung eine ebenso spitze Replik auf ihre Frage war (wie man in den Wald hinein ruft, so...)

Notwendiger Weckruf an die vor allem ältere Männerwelt.

Ich meine damit nicht die Causa Brüderle, die sehr nach parteipolitischem Kalkül aussieht, sondern den sog. SHITSTORM im Internet, bei dem sich 10000e von Frauen über Übergriffe beklagt haben. Passieren diese Übergriffe zwischen Vorgesetzten und Untergebenen am Arbeitsplatz wären sogar strafrechtliche Maßnahmen zu ergreifen. Vorgesetzte die derart widerlich Mißbrauch betreiben gehören jedenfalls gefeuert. Die derzeit laufende Diskussion ist wichtig und notwendig, wir älteren Männer sollten ein wenig in uns gehen. Auch wenn wir uns jung fühlen, anzügliche Bemerkungen gegenüber jüngeren Frauen sollten wir uns verkneifen. Ein kritischer Blick in
den Spiegel tut not.
Leider war es offenbar nötig uns an ANSTAND UND RESPEKT vor dem anderen Geschlecht zu erinnern.

Der Verschwender

Die ganze Geschichte wäre ehrlich, hätte die gute Frau gleich reagiert, den Herrn Brüderle zur Rede gestellt, ihm eine Ohrfeige gegeben oder eben sofort die Öffentlichkeit informiert. Das Ganze mit einem Jahr Verzögerung anzugehen, erscheint fadenscheinig, der wahre Grund dafür dürfte nicht mehr die - zum Zeitpunkt der Äußerung durchaus verständliche - Empörung über den Spruch sein. Und sollte das Ganze ein gutes Jahr zum Sickern gebraucht haben, sollte die Dame vielleicht einmal über ihren Job nachdenken ..

Re: Der Verschwender

... eine Ohrfeige geben .... ????
Weil er gesagt hat, die Figur würde auch ein Dirndl ausfüllen ?????
Wenn ich denke, wie vielen Frauen da schon Ohrfeigen gebührt hätten, die sich in der gemischten Sauna über dieses und jenes unterhalten, - na Mahlzeit.
Dass diese Sache mit dem Herrn von der FDP überhaupt eines Artikels und eines Kommentars "wert" ist, (auch meines, aber der ist ja nur eine Folge), verstehe ich nicht.
Als was ist es zu verstehen, wenn eine Frau im Beisein eines Mannes (mir) sich im Dampfbad eine Intimfrisur verpasst und ganz überrascht ist, wenn man sie darauf hinweist, dass das Rasierverbot nicht nur für Männer und nicht nur fürs Gesicht gilt ?
Es gibt bei Gott andere Probleme als der weinlaunige Ausspruch des Herrn Brüderle. Ich würde gerne wissen, was dieser "Sterrn"-Schmierfink schon alles von sich gegeben hat, wenn er ein paar Gläschen zu viel intus hatte. Man müsste vor allem einmal seine weiblichen Untergebenen fragen. Ich hatte in solchen Dingen schon einige Male bei solchen "Sauberlingen" recherchiert, was ich da zu hören bekam wäre eher angebracht gewesen, Zeitungskommentare zu füllen.

Ich frag mich nur,

warum lassen sich Italiens Frauen so viel gefallen.

Gegen die Zustände in Italien, wo das der widerliche Lüstling Berlusconi reihenweise Nutten in politische Funktionen hievte, ist Österreich ja geradezu eine Insel der Seligen!

Dieser schmierige Cavaliere hat eigentlich in Österreich kein Pendant, das muss man immerhin lobend anmerken.

Die Brüderle-Affäre finde ich eigentlich ziemlich übertrieben und hochgeschaukelt, das hätte die Dame sich sparen können.

Mein Gott, wenn mir ein alter betrunkener Knacker Komplimente hinsichtlich meiner Oberweite macht, rolle ich die Augen zum Himmel und wimmle ihn freundlich aber bestimmt ab. Es war doch eh die Pressesprecherin dabei, gefährlich war der Kerl überhaupt nicht, allenfalls ein bisserl peinlich.

Wenn ihr offensichtlich in ihrem bisherigen Leben nichts Ärgeres an sexueller Belästigung passiert ist, kann sie sich glücklich schätzen.

Echte sexuelle Belästigung von Frauen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten und sich deshalb arge Übergriffe gefallen lassen müssen, sind ein anderes Kapitel, keine Frage.


Was die Frau Leibl ist, weiß jeder, der diesen Artikel gelesen hat

Nur ich sag´s lieber nicht.

Frauen

sollten ganz einfach auch Männern auf den Po klopfen und Männerwitze reissen, dann passts auch mit der Gleichberechtigung. Oder auch ganz einfach anzügliche Bemerkungen über die z.B. Nichtlänge männlicher Geschlechtsorgane machen, oder dem Kollegen einfach eine pracken und in damit gegenüber allen anderen der Lächerlich preisgeben.

Warum immer nach Gesetzen, Regelungen und Strafen schreien, wenn man mit ein bisserl Mut die Dinge auch ganz einfach umdrehen und sich somit entsprechenden Respekt schaffen könnte.

Frau Redakteurin!

Ich hoffe, die Anrede ist korrekt und wird von Ihnen nicht in eine bestimmte Richtung interpretiert.

Ich vermisse in Ihrem Artikel die Bewertung, dass die Dame erst ein Jahr später ihre Leiden öffentlich gemacht hat. Wenn ich noch verstehe, dass Mißbrauchsopfer Hemmungen haben, über das, was ihnen widerfahren ist, zu sprechen, so fehlt mir doch jedes Verständnis, dass eine Journalistin nicht im Stande sein soll, SOFORT entsprechend zu reagieren.

Und zur Arbeitswelt: Ich war zwar, bedingt durch meine naturwissenschaftlich-technische Ausbildung Jahrzehnte in eher männerdominierter Berufsumgebung. Unsere langjährige Laborleiterin (Dipl.-Ing. Dr techn.) hat aber niemals die von Ihnen beschworene Bruhaha - Atmosphäre kennengelernt, zumindest nicht in den tausenden Stunden gemeinsamer Arbeit und Besprechungen, bei denen ich anwesend war.


Mein Gott, habt Ihr Sorgen

Was soll denn schlecht daran sein, wenn ein Mann einer Frau Komplimente macht, es betrifft im allgemeinen auch Körperteile die bewusst vorteilhaft (teilweise operativ nachgeholfen) zur Schau gestellt werden um anderen (auch Frauen !!) zu beeindrucken. Wem gefällt kein tolles "Decoltee", hübsche Beine, ein schöner Mund und ich weiß nicht was noch alles. Wenn nun Männer das registrieren und nette, launige Komplimente machen .. was ist daran so schlimm ? Ich habe dafür eine Erklärung: nicht so hübsche Frauen sind neidisch und da sie selbst keine Komplimente bekommen, verurteilen sie das !
Wenn man einem Mann Komplimente macht, bez. seines Bartes, breiter Schultern oder schöner Haare - ist das auch negativ, oder wird mit 2 Maßstäben gemessen ?
Jeder versucht im tägl. Wettbewerb seine Vorteile herauszustreichen (auch körperliche - schließlich ist der Gesichtssinn der wichtigste) ist das völlig normal. Wenn Emanzen aus diesem Wettbewerb aussteigen wollen, dann soll mir das recht sein, aber sie verlieren damit das Recht, die anderen zu kritisieren und zu diffamieren.

Ein unerträglicher Kommentar

Ja feministische Journalistinnen kommen heute mit allem durch. So auch hier die Männern gegenüber völlig unsensible Frau Leibl, die einfach nicht differenzieren kann. Keine Rede davon, dass Sexismus heute auch von Frauen ausgeht. Auch Frauen machen heute männerfeindliche Witze, hängen sich Fotos von halbnackten Männern ins Büro oder tragen im Arbeitsleben einen Minirock. Auch die männerfeindliche Berichterstattung in den Medien ("das Ende der Männer") ist Sexismus gegenüber Männern, die man Frauen nie zumuten würde. Sexismus wird heute nur in Richtung Frauen wahrgenommen und die Aufregung darüber ist daher verlogen und heuchlerisch.

Net amoi...

...ignorieren...

Aussterben?!

Was soll denn diese Wortwahl? Sie sprechen hier immerhin von Menschen!

Kontrolliert bei der Presse niemand diese ekelhaften Auswürfe mancher Kommentatoren?

Die meisten Postings zu diesem Kommentar

beweisen eindrucksvoll, dass Frau Leibl uneingeschränkt Recht hat. Der Herrenwitz ist nicht auszurotten, und die Witzler sind sogar stolz drauf. Nur wenn Ausländer ihren Töchtern nachpfeifen, ist das höchst empörend...

Werte Frau Leibl

wahrscheinlich wissen Sie nicht, wo, wann und aus welchem Anlass dieser "Altherren-Sexismus" statt fand. Es war ein Abend in einer Berliner Bundesländer-Vertretung. Man saß an der Bar und unterhielt sich zwanglos bei guten alkoholischen Getränken und redete über Gott und die Welt, nur nicht über Politik. Und das Ganze fand genau vor einem Jahr statt. So berichtete es eine Augenzeugin. Dass in so einem Rahmen natürlich auch Späße über das "andere" Geschlecht gemacht werden, ist doch nichts neues. Jetzt kommt plötzlich der STERN mit dieser Story heraus, die eine sehr junge Journalistin geschrieben hat. Warum jetzt und warum nicht schon früher? Weil Wahlkampf ist und der STERN nicht unbedingt als FDP-freundlich gilt. Jetzt sind die Männer die Bösen und die Frauen deren unfreiwillige Opfer. Natürlich ist das nun ein Fressen für alle Emanzen und Feministinnen, auch wenn es noch so an den Haaren herbeigezogen ist. Und auch Ihr Artikel weist in diese Richtung hin. Als ein seit vielen Jahren glücklich verheirateter Ehemann und Vater kann ich über Ihren Artikel nur den Kopf schütteln. Meine Zustimmung hat er nicht.

Re: Werte Frau Leibl

und es ist doch so: frauen sind in vielen prestigereichen berufsfeldern in der minderheit. da ist man dann eine frau von wenigen. wie fänden sie es denn, wenn ein junger mann zb in einer anwaltskanzlei zu arbeiten beginnt, bemüht, seinen job sehr gut zu machen, freundlich zu sein, und dann von älteren kolleginnen beim gang durch die kanzlei sprüche über seinen penis zu hören bekommt, bzw. es manche kolleginnen nicht schaffen, ihren blick von seinem hosentürl abzuwenden. dann stehen ihm drei möglichkeiten offen:
1. er sagt: "unterlassen sie bitte diese bemerkungen" > folge: er wird als waschlappen ausgelacht, der nicht mal spaß versteht. in folge wird über ihn als "gehemmter langeweiler" gesprochen
2. er lacht mit > in der kanzlei macht sich eine atmosphäre breit, in der anzügliche witze als normal gelten, es wird nahezu unmöglich, die unangenehme situation aufzulösen
3. er ignoriert die situation > sprüche werden vermutlich weitergehen, er hat "gekuscht" und fühlt sich als waschlappen

und: was nicht zutrifft, ist, dass in den "oberen etagen" anzügliche bemerkungen zum "schärferen wind" gehören, den frauen eben genauso auszuhalten hätten wie männer - denn männer beflegeln sich nicht gegenseitig über ihre "fetten hintern" oder "geilen titten". "schärferer wind" - ja bitte, her damit, aber den rest sollten sich männer verkneifen.

Re: Re: Werte Frau Leibl

Also ich hab mir auch als Mann schon von männlichen Vorgesetzen und Kollegen blöde Bemerkungen über meine Figur kassiert. Umgekehrt kommen auch von Frauen blöde Bemerkungen. Mangelnder Takt kennt keine Geschlechtergrenzen.

Ihre drei Szenarien sind auch unvollständig. Wenn man sich beschwert wird man dafür nicht zwingend angefeindet. Es gibt genug Fälle, wo das tatsächlich nicht böse gemeint war und sich der Komiker bessert.
Wenn jemand lacht oder das ganze ignoriert muss das auch kein "kuschen" sein. Es gibt nämlich tatsächlich Leute, die das zwar unpassend, aber nicht belastend finden. Der Typ der das sagt ist eben taktlos oder ein Depp, aber was schert das mich?
In manchen Fällen können die Witze sogar passend sein, wenn ein entsprechendes persönliches Verhältnis zwischen der Personen da ist, und im idealfall sind sie sogar witzig.

Ist natürlich nicht überall das gleiche und solche Dinge können schon leicht in Mobbing ausarten. Aber da macht es wenig Unterschied, ob die Bemerkungen, Witze, Gerüchte usw. einen sexuellen Bezug haben oder nicht.

Dass sich viele Männer und Frauen so maches Flegeln und Lästern und Mobben einfach verkneifen sollten ist aber jedenfalls richtig. Um das zu erkennen sollte es den Staat nicht brauchen.

Re: Re: Werte Frau Leibl

Zwischen Arbeitsumfeld und einer Hotelbar zu fortgeschrittener Stunde besteht aber schon ein gewisser Unterschied was die Umgangsformen betrifft.
Weiters hängt es auch davon ab, wie Frau sich kleidet, um bei Ihrem Anwaltskanzlei-Beispiel zu bleiben. Wenn man dort mit Dirndl und hochgeschobenem Busen anspaziert, ja dann wird man sich über Meldungen darüber nicht wundern dürfen und der Chef sie ziemlich schnell auffordern sich passend zu kleiden.

Und ja, anscheinend gehören auch Sie zu den mimosenhaften Frauen, wenn Sie eine "derbe" Bemerkung gleich "baff" machen. Natürlich sind solche Bemerkungen nicht ok, da heißt es eben schlagfertig sein und kontern. Denn zum Schlusssatz ihres Postings unten: Respekt muss man sich verdienen, nur Mitleid bekommt man geschenkt.

Re: Re: Re: Werte Frau Leibl

1. ist frau journalistin (himmelreich) nicht im dirndl mit heraushängenden brüsten zum interview an der hotelbar erschienen
2. war das treffen an der hotelbar ein arrangiertes treffen zwischen journalisten und politiker - das war also keine tete-a-tete-mauschelei
3. frau himmelreich hat es ja versucht mit "bitte bleiben sie professionell, herr brüderle, ich bin journalistin, sie sind politiker"
4. ist die menschenwürde nicht von haus aus gegeben?
5. wie würden sie denn kontern, wenn frau zu ihnen sagen würde: "na, sie könnten aber auch eine radlerhose ordentlich ausfüllen?" finden sie nicht, dass weder männer noch frauen es verdient haben, so beflegelt zu werden? stellen sie sich doch mal vor, sie würden solche sprüche immer und immer wieder zu hören bekommen, wie auch immer sie kontern.
6. männer müssen sich solche sprüche vom anderen geschleicht WEITAUS seltener anhören. finden sie nicht, dass es frauen im selben maße zusteht, dass ihre intimsphäre, ihre sexualität im professionellen umfeld unangetastet bleibt?

Re: Werte Frau Leibl

lieber pilatus,
es ist alles nicht so einfach. ich selbst muss sagen: ich weiß nicht, über wen ich mich mehr ärgern soll: über männer, die anzügliche, unglaublich derbe sprüche ablassen oder über frauen, die sich nicht wehren, weil sie nicht als "zimtzicken" oder mimosen dastehen wollen. dabei war ich selbst schon in der situation, eine "mimose" zu sein: in einem arbeitsumfeld sehr derbe sprüche zu hören bekommen, hat mich einfach völlig baff gemacht - ich fühle mich dort eigentlich sehr respektiert - dann fühlt sich so ein spruch an wie ein schlag in die magengrube. man glaubt, das kann nicht wahr sein, man muss sich verhört haben. ich bin jung, ich werd älter werden, ich werd mit so etwas in zukunft vielleicht besser umgehen können. aber es wäre schön, wenn das nicht notwendig wäre - was bringt denn das? meiner meinung nach ist das eine sache von stil und kultur - einander unabhängig vom geschlecht mit respekt zu begegnen. das ist meiner ansicht nach das, was man von männern wie von frauen verlangen kann - wenn nötig, auch öffentlich. haben wir es wirklich notwendig, in einer kultur zu leben, in der männer frauen beflegeln und diese zurückflegeln? bitte nicht!

Re: Re: Werte Frau Leibl

@br_anna: Bewahren Sie Ihren Stolz eine Frau zu sein und lassen Sie Anzüglichkeiten von Männern, die sich nicht in der Gewalt haben, an sich abperlen bzw. ignorieren Sie diese, so weit das die jeweilige Situation erlaubt. Dass das im Beruf oft nicht so leicht ist, liegt auf der Hand, da man auch als Frau an einem intakten Berufsklima interessiert ist. Ich habe in meiner aktiven Zeit vielen mit jungen Menschen beiderlei Geschlechts zu tun gehabt und oft die jungen Männer darauf hingewiesen, dass sie ihr unflätiges Benehmen einstellen und jeder Kollegin mit Respekt gegenübertreten müssen. Die Erziehung fängt in der Jugend an. Was aber diese leidige Diskussion hier betrifft, so ist diese natürlich mit Absicht von den Medien aufgebauscht worden und das allein ist schon verwerflich. Ihnen wünsche ich alles Gute und viel Standfestigkeit im Umgang mit Männern, von denen aber - bitte vergessen Sie das nicht - nur ein Teil "unerzogen" ist.

big boys games - big boys rules

Wenn man Gleichberechtigung und Gleichbehandlung einfordert, dann muss man eben auch damit zurecht kommen. Wer im Konzert der großen Jungs vorne mitspielen will, der muss eben auch so manches wegstecken können. Als Mimose macht man keine Karriere, egal ob Mann oder Frau. Würde ein Mann so einen lächerlichen Bar-Vorfall so aufblasen, würde er höchstens als zimperlicher Waschlappen ausgelacht, bei Frauen wird da eine staatsweite Diskussion vom Zaun gebrochen und der armen, armen Frau zu Hilfe geeilt. Ignorierend, dass die Journalisten das Interview nicht einfach abbrach und wegging, sondern ihre traumatischen Erlebnisse erst ein Jahr verarbeitete und dann just zum Wahljahr veröffentlichte.

Liebe Frauen. Gerade mit so einem Verhalten braucht man keine Gleichbehandlung verlangen. Denn Jungs/Männer konkurrieren eben schon von Jugendbeinen an miteinander und werfen sich da ganz andere Sachen an den Kopf. Da lernt man Schlagfertigkeit und Kontern oder eben nicht. Diejenigen die das nicht lernen, machen jedenfalls sicher keine Karriere.
Dieser lächerliche Bar-Vorfall zeigt darum nur eines auf: Wie gut geölt der linke Kampagnenjournalismus funktioniert und das Frauen die Gleichberechtigung/-behandlungsforderungen oft nur zum Rosinenklauben missbrauchen.

Re: big boys games - big boys rules

es ist doch so: hätte ein mann das interview geführt, hätten herr brüderle und herr journalist wahrscheinlich auch miteinander "gescherzt" - über fußball, über frauen, über wasauchimmer. aber herr brüderle hätte herrn journalist wahrscheinlich nicht "schatzi" o.ä. genannt, hätte die qualität seiner geschlechtsteile nicht beurteilt, hätte ihn nicht berührt.
das "scherzen" mit frau journalistin dringt verletzt deren privateste sphäre - die sexualität. natürlich hätte sie aufstehen und gehen können - wenn sie das jedes mal macht, wenn einer anzüglich wird, kann sie ihren job an den nagel hängen. sie wird hoffentlich lernen, zu kontern, ohne ihre interviewpartner zu vergraulen. was aber noch schöner wäre: wenn wir eine kultur etablieren könnten, in der man einander mit respekt begegnet - so wie SIE es sicher auch jetzt schon tun.

Re: big boys games - big boys rules

Genau so ist es! Solche aufbauschenden Artikel fördern sicherlich nicht das Verständnis für die Frau in der Arbeitswelt, sondern veranlassen immer mehr Männer insbesondere im Berufsleben zu Frauen möglichst weit auf Distanz zu gehen. Ob das den weiblichen Aufstiegchancen förderlich ist ??

free111

super artikel, vor allem der letzte absatz ist gelungen - unaufgregt, doch wahr und weder hysterisch noch polemisch... was bei diesem thema nicht einfach ist.

Re: free111

Was ist daran super, wenn eine Journalistin einfach nur gegen die Männer hetzt?

Re: free111

an und für sich das Ganze aber ein polemisches Thema.

 
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