20.05.2013 08:23 Merkliste 0

Es wäre wieder einmal Zeit für ein Lichtermeer

RAINER NOWAK (Die Presse)

Das Liberale Forum war die politische Enttäuschung der 90er-Jahre, das Lichtermeer die Geburtsstunde der linken Zivilgesellschaft. Rechts formiert sie sich zu zaghaft.

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Zu Beginn war es eine geradezu lächerlich harmlose Geste: Heide Schmidt stellte eine brennende Kerze in ihr Büro der Dritten Nationalratspräsidentin, um sich ein bisschen mit den tausenden Demonstranten zu solidarisieren, die vor dem Parlament vorbeizogen. Auf dem Heldenplatz ging vor 20 Jahren das Lichtermeer über die Bühne – als Demonstration gegen das Ausländervolksbegehren der FPÖ. Die Ex-FPÖ-Generalsekretärin, die Jörg Haider lange unterstützt hatte, ging wenig später mit vier FPÖ-Abgeordneten an die Öffentlichkeit und gründete unter großem Echo das Liberale Forum. Die Sympathien waren enorm, links hoffte man auf die Schwächung der FPÖ, dann auf eine Partei zur Bildung einer Ampelkoalition. Im bürgerlichen Spektrum ersehnten viele eine wirtschaftsliberale Partei. Es blieb bei den Hoffnungen.

So unterhaltsam die kurze Geschichte des Liberalen Forums war, so redlich möglicherweise die Motive der handelnden Abgeordneten waren, die blassblaue Minipartei blieb, höflich formuliert, eine Fußnote. Nicht so höflich: eine nicht ganz kleine Zeit- und Ressourcenverschwendung. Die wenigen Wirtschaftsliberalen wie Helmut Peter standen allein. Schmidt vollzog ihre Wandlung nach links, aber auch dort war und ist keine Chance für eine liberale Partei. So weit das Unterkapitel LIF der Jörg-Haider-Jahre Österreichs. Ähnlich relevant war nur noch der schwarz-grüne Charme, der vor zehn Jahren durch Wien geisterte.

Beim Lichtermeer muss die zugegebenermaßen bequeme Bewertung 20 Jahre später differenzierter ausfallen: Viele Punkte, die hätten verhindert werden sollen, wurden umgesetzt. Nicht etwa von einer bösartigen FPÖ, sondern von SPÖ- und ÖVP-Ministern. Schon vor und nach der kurzen FPÖ-Regierungsbeteiligung der Wendezeit verschärften Franz Löschnak, Karl Schlögl und Folgende die Ausländergesetze. Zuletzt verzichtete die SPÖ zwar taktisch auf das brutale Innenministerium, stimmte aber jedes Mal brav mit, wenn Ernst Strasser, Maria Fekter oder Johanna Mikl-Leitner die Schraube fester zogen. Und auch die Lichtermeer-Initiatoren von damals halten sich heute bei der aktionistischen Besetzung der Votivkirche wohlweislich zurück. Vielleicht weil sie erkannt haben, dass Asylregelungen und Integration nicht das ideale Feld für eine Politik der Gefühle sind.

Aber der Protest – mit Diskussionen um die Vergangenheitsbewältigung Kurt Waldheims – markierte die Geburt einer Zivilgesellschaft links der Mitte. Peter Huemer, André Heller und andere melden sich seither zu Wort, unzählige weniger prominente Zirkel folgten, die die Politik fern der Parteien verstehen und mitgestalten wollen. Viele aus der Lichtermeer-Gruppe haben heute ein schlechtes oder kein Verhältnis zu Werner Faymanns SPÖ, was auf kleine intellektuelle Defizite im Kanzleramt hindeuten dürfte.

Dass heute Empörung und Sorge von Ex-Heldenplatz-Demonstranten nicht mehr so ernst genommen werden, mag an der Selbstgerechtigkeit mancher Proponenten liegen – und an den inflationären politischen Forderungen und Stellungnahmen der damals gegründeten NGO „SOS Mitmensch“. Aber: Es gab plötzlich eine neue Zivilgesellschaft links der Mitte, wie sie der US-amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau einst entwarf. Und das ist eine gute Nachricht.

Die weniger gute lautet, dass sie sich rechts der Mitte erst sehr langsam etabliert. Dort geben noch immer (oder wieder) die (Karriere-)Netzwerke entlang der und in der Volkspartei, Wirtschaftskammer und befreundeten Institutionen den Ton an. Ja, es entstehen neue Institute, es werden neue politische Salons – jenseits von PR-Agenturen – veranstaltet, politische Köpfe starten neue Parteigehversuche wie Matthias Strolz mit Neos. Aber eine bürgerliche Bewegung für eine neue Politik – wie sie die Hellers und Huemers von „ihren“ Parteien forderten – gibt es noch nicht. Noch bleibt es beim Jammern und Jaulen. Die Auswegslosigkeit angesichts einer ewig fortgeschriebenen Koalition aus Werner Faymann und Michael Spindelegger – um SPÖ und ÖVP zu personifizieren – lässt nur einen Wunsch zu: ein Lichtermeer für echte Veränderung. Für ein Ende des Stillstands in allen relevanten Themen von Bildung bis Steuergerechtigkeit.

 

E-Mails an rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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37 Kommentare
 
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1. Wiener Mutbürger Frühschoppen

am 10.2.2013, ab 11h, im Cafe zum Leopoldi, 12., Ruckergasse 52 powered by Kellerbühne Meidling

Ja, Wir brauchen ein neues Lichtermeer, aber...

Dieses neue Lichtermeer muss ein Manifest GEGEN die ungebremste Zuwanderung sein. Nach dem Motto: GENUG ist GENUG!

Raum für Zivilgesellschaft

1. Die Funktionärsdichte in Österreich lässt wenige Raum für Zivilgesellschaft. Etwa 450 Landtagsabgeordnete plus annähernd 80 Landesregierungsmitglieder die es gewohnt sind auf ihre "Möglichkeiten angesprochen zu werden". Wirtschaftskammerfunktionäre, Arbeiterkammer- und Gewerkschaftskammerfunktionäre, Landwirtschaftskammerfunktionäre und das alles Mal Neun auf kleinem Raum. Und: Ein Beispiel dafür wie sehr die Parteien bzw. deren Funktionäre die Bürgerinnen und Bürger glauben gemacht haben, sie würden deren Angelegenheiten schon regeln, ist, wenn eine Mutter das Parteibuch einem Funktionär vor die Füße wirft, weil dieser nicht in der Lage ist ihr den Kindergartenplatz für ihr Kind in jener Gemeinde zu garantieren, in der sie ihr Kind unterbringen will.
2. Rechts der Mitte wird man für den Fall der Votivkirche möglicherweise sogar leichter Personen finden welche die Besetzer von der Polizei entfernt sehen wollen, damit sie in der Kirche in Ruhe "ihr Gebet verrichten" können aber dabei nicht daran erinnert werden wollen, dass der Religionsstifter uns übermittelt hat "was du dem geringsten deiner Brüder getan hast, das hast du mir getan", weil es allzu viele Christen gibt, die Moslems als "ihre Brüder" sehen wollen. Darüber hinaus ist es für die persönliche Befindlichkeit wesentlich angenehmer sich für eine halbe Stunde in einer ruhigen Kirche aufzuhalten als mit Elend "völlig fremder Menschen konfrontiert zu sein."

Korrektur

",,,,,, weil es nicht allzu viele Christen gibt...."

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Ach , Herr Nowak,

um die "ewig festgeschriebene Koalition" zu brechen gibt es nur EINEN Ausweg.
Der mag einem sympathisch sein oder nicht, Priorität ist zunächst Abwahl der Regierungsparteien und zwar so, dass sie auch mit den machtlüsternen Grünen auf keine Mandatsmehrheit kommen.
Dann wird man weitersehen....

Herr Nowak...

gehns zum Standard, dort sind sie besser aufgehoben als hier. Und die Presse sollte aufpassen, dass die Leser nicht gleich zum Schmied gehen.

Re: Herr Nowak...

Also, ich hab die Forderung nach einem Lichtermeer so verstanden, dass jetzt endlich die Bürgerlichen auf die Straße gehen und eine große Demo machen sollten, für die dringend nötigen Veränderungen, und gegen den Stillstand und Leerlauf in der Politik.

Und das war doch eher symbolisch gemeint von Nowak, oder nicht?

Mit anderen Worten: kein linkes Lichtermeer, wie manche Leser vermuten, sondern ein bürgerliches (und ganz sicher kein "rechtes"!)

Re: Herr Nowak...

ja es ist wahr...der fleischhacker hat aus der PRESSE eine blasse standardkopie gemacht...aber immerhin versucht es der nowak die presse wieder in ein eigenes fahrwasser zu steuern.
seine jugend war eher links...ab 30 wird es pragmatisch...nowak ist 40...er verdient seine chance....geduld

Re: Re: Herr Nowak...

Ich glaube, die Überschrift des Artikels ist missverständlich, vor allem, wenn man nicht weiterliest.....


Re: Re: Re: Herr Nowak...

ein guter journalist der sein "handwerk" beherrscht schreibt nichts mißverständliches.
der rainer war als junger stutzer eher links...vielleicht auch gegen den übermächtigen vater.
er war zivi in einer zeit wo diese als drückeberger verrufen waren und hat den dienst bein DÖW(!!!) abgeleistet.
das DÖW ist zwar wichtig aber mit linksaussen manderl bestückt.
wer unter 30 ist und nicht links der hat kein herz, wer über 30 ist und links der hat kein hirn.
so kann man hoffen, dass nowak, genetisch gut mit intellekt bestückt, doch auf vernünftiger route segelt.
allerdings seine rhetorik hat noch linke restbestände...siehe lichtermeer

Re: Re: Re: Re: Herr Nowak...

Man soll einem neuen Kapitän nicht ständig ins Steuerrad greifen, auch nicht mit gutgemeinten Ratschlägen, sonst wird womöglich ein Zickzackkurs draus.

Momentan ist der Wind eher ungünstig für linken Kurs, aber bürgerlicher als Nowak kann man doch eh nicht sein. Das wird ihm doch ständig von Charles James Fox vorgehalten!

P.S.: Waren Sie als junger Hupfer eigentlich jemals links???

Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak...

dem nowak greift niemand in das steuer...der ist stur wie ein T 34

was der rot fuchs da schreibt ist aus der linkslinken ecke..das sind sogar die sozialdemokraten bürgerlich.
nowak versucht einen konservativen kurs (für die PRESSE)

nein ich war nie ein linker spinner
ich bin immer ein liberaler tunichtguter shitdisturber in der vp gewesen. habe mich mit allen angelegt die mir zu verstaubt erschienen..später auch mit den buten vögeln...ich warte immer noch auf den parteiausschluss von busek...grrrrrr
also das aufbegehren gegen die "alten" habe ich nicht links vollzogen sondern innerhalb der vp

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak...

Hört sich an, als hätten Sie schon öfter mal vergeblich Panzerknacker gespielt beim Nowak ;-)

Sie meinen also, tief drin im Herzen ist er immer noch ein bisserl links? Falls ja, und dies wär ja nichts Schlimmes per se, verbirgt er es aber sehr gekonnt.

Und was den Rotfuchs betrifft, sind mir glühend überzeugte Linke, auch wenn sie verblendet sind und immer noch anachronistischen Feindbildern nachjagen, allemal lieber als laue und zynische Politfunktionäre, denen längst alles egal ist außer ihrem Bankkonto und ihrer Pension.

Leider tunkt Charly Fox seinen buschigen Pinsel meist zu tief in den roten Farbtopf und wird überdies zu persönlich und zu beleidigend.

Ansonsten wären seine Beiträge ja ganz amüsant und erfrischend ;-)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak...

das klischee von zynischen funktionäer mit bankkonto und pensionsberechtigung ist irreal und absurd...alle beamten sind faul alle kellnerinnen huren und alle friseure schwul...eh? oder was.
die meisten funktionäre arbeiten unbezahlt in ihrer freizeit, haben ein überhöhtes bedürfnis nach altruismus und sind weder lau noch zynisch.
es gibt tatsächlisch schwarze oder rote schafe und somancher mandatar wird von gier erfasst ..siehe ernstl..

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Herr Nowak...

was er tief im herzen hat, kann ich nicht beurteilen....aber er ist ein halber tiroler und die sind seeehr stur
mitarbeiter können ein lied davon singen...ob da noch was links ist?? keine ahnung..aber er war schon ein DÖWerl

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Lichtermeer?

Mit dem Pöbel, der gestern Ballbesucher überschüttet, bespuckt und beschimpft hat?

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Die Progromstimmung von gestern reicht schon.


Zur linken Zivilgesellschaft auch noch eine rechte?

Das wird sich nicht ganz ausgehen. .Die zivilgesellschaftliche Arbeit braucht Zeit, und diese Zeit würde den Rechten zur Erwirtschaftung der Überschüsse fehlen. Wovon sollen dann die Linken alimentiert werden?

der linke zeichnet sich dadurch aus,

dass er zumindest vordergründig das wohlergehen ANDERER fordert.
der rechte hingegen geht nach dem leitl-motto vor: 'wenn es mir gut geht, dann geht es allen gut' (und wenn nicht: hauptsache MIR geht es gut!).

wie soll man aus einem haufen egoisten und ellbogenbefürwortern eine 'zivilgesellschaft' formen?
selbst wenn es zivilisiert zugehen sollte: eine gesellschaft ist das noch lange nicht!

Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

Der Linke zeichnet sich dadurch aus, dass er das Wohlergehen des Einzelnen dem Staat überträgt, damit aber indirekt all denen aufbürdet, die durch ihre Steuern dieses Wohlergehen auch aller Anderen erarbeiten und mitfinanzieren.

Die Egoisten sind wohl eher unter denen zu suchen, die sich voll auf die lebenslange Versorgung durch den Nanny-Staat verlassen und von ihrer sozialen Hängematte aus kräftig über die bösen Neoliberalen schimpfen.

Re: Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

hurra, wir sind wieder mal voll auf dem level der niedertracht gelandet!

sie wollen links oder rechts durch die missbraucher definieren?
da kann ich gern mithalten: raten sie mal, wo in summe mehr geld 'verschwindet' - durch sozialmissbrauch oder durch steuerschwindel/hinterziehung?
(kleiner tipp: bei letzterem sprechen wir von einem volumen von + 10 milliarden euro pro jahr)

wenn der eine von der (gestohlenen) hängematte aus über andere schimpft/lächelt, tut das der andere vom balkon der (gestohlenen) villa!

Re: Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

Nicht zu vergessen, dass der Linke zwar vom Staat fordert ihn zu versorgen, es aber ablehnt sich an die Gesetze des Staates zu halten. Ausser natürlich sie passen ihm gerade in den Kram.

Re: Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

Nanny-Staat - köstlich, danke!

Re: Re: Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

Den Begriff gibt's schon seit Jahren ;-)

Re: Re: Re: Re: der linke zeichnet sich dadurch aus,

if you cross an owl and a goat
you get what...??
a hood nanny
if you cross albert einstein and a whore
you get what??
a f..g know it all

Während die linke Zivilgesellschaft

gerne demonstriert, Lichtermeere veranstaltet und Gutmenschentum in Reinkultur präsentiert, ohne sich um die finanziellen Ressourcen dafür zu kümmern, formiert sich die rechte Zivilgesellschaft erst langsam und mühsam, z.B. aus der Wutbürgerbewegung.

Die müssen erst den Kinderschuhen entwachsen, um politisch relevant zu werden, aber Bewegungen wie die Neos sind auf einem guten und seriösen Weg dazu.

Die linke Zivilgesellschaft ist jedenfalls einseitiger, denen geht es hauptsächlich um plakative gesellschaftliche Themen, während sich die langsam formierende Bewegung aus Citoyens für alle Bereiche interessiert und einsetzt, auch für die so wesentlichen wirtschaftlichen Belange.

 
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