Ein kleiner Tipp für Herrn Darabos

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Verteidigungsminister Darabos musste umschwenken und der Entsendung von Sanitätern nach Mali zustimmen. Die Entscheidung ist richtig. Darabos sollte trotzdem gehen. Denn er ist völlig diskreditiert.

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Nun hat es sich Verteidigungsminister Norbert Darabos also anders überlegt. Österreich wird die EU-Trainingsmission in Mali mit Ärzten und Sanitätern unterstützen. Ihre Aufgabe wird es sein, jene europäischen Soldaten medizinisch zu versorgen, die zwei Bataillone der nicht besonders beeindruckenden malischen Armee auf Vordermann bringen sollen. Es war nie daran gedacht, dass die 250 europäischen Ausbildner und ihre 200 zusätzlich entsandten Beschützer an Kampfhandlungen teilnehmen.

Sie sollen Malis Militär lediglich in die Lage versetzen, gegen die Rebellen im Norden des Landes vorzugehen. Diesen Job haben die Franzosen übernommen. Es gelang ihnen in nur drei Wochen, die Islamisten aus deren Hochburgen zu vertreiben. Hätte Frankreich nicht interveniert, säßen die Verbündeten des Terrornetzwerks al-Qaida heute vielleicht in der Hauptstadt Bamako. Denn die Freunde des Handabhackens waren munter unterwegs in den Süden.

Darabos hat sich monatelang gegen ein Engagement in Mali quergelegt. Das Bundesheer sei auf dem Balkan und in Nahost beschäftigt genug, ließ er bei jeder Gelegenheit ausrichten. In Wirklichkeit wollte sich der Verteidigungsminister mit Mali nicht die Volksbefragung über die Wehrpflicht versauen. Ähnlich verhielt sich übrigens zunächst Außenminister Michael Spindelegger. Er entdeckte seinen Eifer für Afrika auch erst nach Auszählung der Stimmen am 20. Jänner.

Mehr als 20 der 27 EU-Staaten haben ihre Beteiligung an der Trainingsmission im Sahel bereits zugesagt. Nun leistet auch Österreich seinen solidarischen Beitrag, und das ist gut so. Europa kann nicht dulden, dass vor seiner Haustür ein neuer sicherer Hafen für Terroristen entsteht.

Späte Einsicht ist besser als gar keine. Es erfordert manchmal eine gewisse Größe, Standpunkte zu revidieren. Und wenn dies das einzige Bewertungskriterium wäre, könnte man glatt zum Schluss kommen, dass Darabos derzeit geradezu über sich hinaus wächst. Denn der Verteidigungsminister räumt eine Position nach der anderen. Mit Weitsicht oder Charakterstärke hat dies jedoch nichts zu tun. Man muss es leider sagen: Darabos gibt nur noch eine jämmerliche Figur ab. Warum er nicht spätestens nach seiner Niederlage bei der Volksbefragung zurückgetreten ist, weiß nur er. Wer erst die Wehrpflicht rhetorisch in Stein meißelt, dann auf Zuruf des Wiener Bürgermeisters zum glühenden Verfechters eines Berufsheeres mutiert und am Ende nach verlorener Abstimmung als Minister ein Ergebnis umsetzen will, das er davor bekämpft hat, den kann niemand mehr ernst nehmen. Es ist nur in Österreich möglich, dass ein derartig diskreditierter Pirouettendreher, der sein Ministerium nachweislich nicht im Griff hat, einfach in seinem Amt sitzen bleibt.

Darabos agiert nicht mehr, er reagiert nur noch, auch in der Frage der Mali-Mission, in der er erst umschwenkte, als er in der Bundesregierung und in der EU auf verlorenem Posten stand. Sicherheitspolitisch bietet Österreich in Europa mit seiner antiquierten Neutralität ohnehin oft ein merkwürdiges Bild; mit Darabos als zuständigem Minister ist es verheerend. Er sollte abtreten.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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49 Kommentare
 
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und dem

ist nicht hinzuzufügen

ein unfassbar guter kommentar!


Darabosch for Bundeskanzler!!!

Er ist der Mann, den diese Republik verdient!

Re: Darabosch for Bundeskanzler!!!

nein den haben wir nicht verdient..höchstens die wiener und die ostfriesen...äh...pardon..burgenländer

Und ist der Ruf einmal ruiniert, dann lebt's sich gänzlich ungeniert.

Herr Darabos hat offensichtlich Übung darin erlangt, ständig der geprügelte Hund zu sein, was seiner Partei und auch dem Koalitionspartner nur Vorteile verschafft, weil beim Einprügeln auf Ihn die die Schwächen der "Hauptverantwortlichen" dieser Regierung übersehen werden, die sonst direkt im Fokus wären.
An sich sollten man auf einen, der schon am Boden liegt nicht mehr eindreschen, Herr Ultsch, insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, das es ohnehin nur mehr einige wenige Monate bis zur Wahl sind und er mit ziemlicher Sicherheit danach nicht mehr Verteidigungsminister sein wird.

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Neutralität ist noch nicht antiquiert, denn solange

die großen EU Staaten ihre Aussenpolitischen Verpflichungen aus ihrer vor EU-Zeit noch nicht vollständig erledigt haben und wirklich frei handeln können, ist eine fixew Verpflichtung nicht zielführend.
Es reicht ja schon, dass indirekt hier große Probleme noch auf uns warten.

Nur noch Mitleid..

Von der Partei in eine niemals angestrebte Position gehievt, mit einem machtgierigen, intriganten Kabinettschef versehen, den er sich angeblich gar nicht selbst ausgesucht hat und gegen den er offensichtlich völlig hilflos ist, von Faymann, Laura und Co zum Ausharren gezwungen, täglich sich mit etwas beschäftigen müssend, das ihm zutiefst zuwider ist (Körpersprache sagt alles!) und inzwischen, wenn die Bilder nicht trügen, echt psychisch angeschlagen - man kann nur noch Mitleid empfinden. Allerdings, dass ein wesentlicher Teil österrreichischer Sicherheitspolitik sich in solcher Hand befindet, das ist einfach nur noch gruselig!

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herr ultsch...

... muss schon ganz schön naiv sein! die islamisten, die derzeit in afrika staat um staat übernehmen, werden von der cia und anderen geheimdiensten unterstützt, um die gegend zu destabilisieren, damit man dann reinhauen und seine marionetten installieren kann.
so sichert man sich die resourcen und die blöden europäer liefern die frontschweine, während die usa die drohnen vom gemütlichen bürosessel aus steuern.

Re: herr ultsch...

Ich bin am Überlegen, ob ich über Ihren Kommentar lachen soll, weil er kabarettreif ist oder doch eher Weinen angebracht wäre, weil er ein so schlechtes Kabarett ist.
Oder meinen Sie das ernst?!?

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Jetzt ist Minister Darabos eindeutig qualifiziert

für das Unterrichtsministerium. Und im Tausch könnte Claudia Schmied die Finanzen übernehmen und Maria Fekter die Verteidigung.

Ein kleiner Tipp für Herrn CHRISTIAN ULTSCH.

Journalisten sollten keine Parteipolitik betreiben. Es steht keinem Journalisten zu einen Minister zum Rücktritt aufzufordern. Dafür gibt es in den Demokratien Oppositionsparteien, sofern man an die Demokratie glaubt!

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Der Burgenländer sollte die ÖVP-Führung

gleich mitnehmen, beim Nehmen kennen die sich ja ALLE aus.

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Der Burgenländer sollte die ÖVP-Führung

auch gleich mitnehmen, mit dem Nehmen sinds ja alle perfekt.

wenn darabos

noch bis zu den wahlen bleibt ist die wahrscheinlichkeit dass seine Partei abgewählt wird um einiges höher ;-)

Kein Hafen des Terrorismus

Ja gewiss, aber was tun Schwarz-Rot, um die Wurzeln des Terrorismus in Österreich selbst abzuhacken? Die können es doch gar nicht erwarten, bis unsere Heimat islamisch wird.

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Re: Kein Hafen des Terrorismus

"...doch gar nicht erwarten, bis unsere Heimat islamisch wird."

Und wie sollte das denn geschehen?

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Der Kabarettminister sollte bleiben!

1.) Er dient der allgemeinen Erheiterung.
2.) Sagt er etwas, kann man annehmen, dass er auch das Gegenteil tut.
3.) Keiner repräsentiert so klar wie er die Intelligenz seiner Partei.

Ganz schön kostspieleig dieses Kabarett!

Herr Ultsch hat recht, nur hätte man diesen Popanz mit solchem Werdegang überhaupt nicht zum Verteidigungsminister machen dürfen. Die Katastrophe zeichnete sich doch schon bei den recht missglückten Scheinverhandlungen zum Eurofighter ab, setzte sich fort bei dem verlorenen Krieg gegen General Entacher und fand seinen Höhepunkt in der wenig überzeugenden Präsentation eines Berufsheers.- Aber der Bundeskanzler findet ihn (wohl als Einziger) immer noch gut!

Re: Ganz schön kostspieleig dieses Kabarett!

nicht einmal der faymann findet ihn gut...aber ihn sowenige monate vor der wahl zu schassenbrächte ungeahnte nachteile für beide koalitionsparteien

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. . . da fehlen mir die Worte!


Es ist nur in Österreich möglich, dass ein derartig diskreditierter Pirouettendreher, der sein Ministerium nachweislich nicht im Griff hat, einfach in seinem Amt sitzen bleibt

Exakt so ist es.

Diesem - an sich bedauernswerten - Menschen, der seit längster Zeit DIE Unglaubwürdigkeit in Person darstellt, mangelt es offensichtlich auch an jeder Selbstachtung. Erschreckend. Keiner kann sagen, welch Einfälle von diesem noch kommen werden. Und egal, ob er mit einer Entscheidung richtig liegt oder nicht, aber wohl kaum jemand kann ihn noch ernst nehmen. Die Regierung wird das wissen, aber dass ihr das egal ist, spricht für sich, nämlich von ihrer Meinung vom Volke....
Im Vergleich dazu ist es ja geradezu eine verständliche Entscheidung, dass Burgstaller jetzt erst recht "Verantwortung" für ihr Land übernehmen will....

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Re: Es ist nur in Österreich möglich, dass ein derartig diskreditierter Pirouettendreher, der sein Ministerium nachweislich nicht im Griff hat, einfach in seinem Amt sitzen bleibt

D hat da auch Erfahrung, ist aber nicht unser Problem

Warum hat denn die SPÖ einen "Zivildiener" (vormals Wehrdienstverweigerer)

überhaupt als Verteidigungsminister eingesetzt ???
Welche Qualifikation hat dieser Mann denn?
Aber in einer Partei, in der nicht gesichert ist, daß wenigstens der Bundeskanzler eine Matura abgelegt hat, ist anscheinend alles möglich.

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Er war eine Fehlbsetzung von Beginn seiner Amtszeit.

Einen Wehrdienstverweigerer, zum Minister machen, das gibt es nur in Österreich.
Wenn der Mann Charakter hätte, würde schon lange abtreten.Berufspolitiker scheinen keinen Keinen Charakter haben, oder sind anderer Meineung???

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Darabos muss weg!!

Das wird nichts mehr mit ihm!

nein..und nochmals nein

bis zur NR wahl muß der daradepp bleiben.
inzwischen wird..ohne ihn..mit der spö die sicherheitsdoktrin verhandelt und das heer neu ausgerichtet.

 
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