20.05.2013 22:51 Merkliste 0

Ein EU-Budget im Zeichen der Quantenphysik

MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Allen buchhalterischen Tricks zum Trotz ist der Haushaltsentwurf der Union ein in Zahlen gegossener Ausdruck der europäischen Reformmüdigkeit.

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Wenn nichts mehr weiterhilft, bleibt Wolfgang Schüssel als letzter Trost. So in etwa lässt sich der Versuch der österreichischen Delegation zusammenfassen, den Verhandlungen der EU-Budgetverhandlungen doch noch einen positiven Spin zu verpassen. Die von Kanzler Werner Faymann und seinen Getreuen gebetsmühlenartig vorgetragene Argumentationskette lautete dabei wie folgt: 1) Dem Gottseibeiuns der Sozialdemokraten ist es anno dazumal gelungen, als österreichischer Chefverhandler in Brüssel die Belastung für das heimische Budget im Finanzrahmen der Union von 2007 bis 2013 mit 0,33 Prozent der Wirtschaftsleistung zu deckeln. 2) Der aktuelle Vorschlag von Ratspräsident Herman Van Rompuy sieht für den Zeitraum 2014 bis 2020 für Österreich einen um zwei Hundertstel niedrigeren Prozentsatz vor. 3) Also schlägt Faymann Schüssel – und alles ist super.

Ganz so super ist der Ausgang natürlich nicht, denn aus jetziger Sicht (die sich angesichts der europäischen Dramaturgie noch ändern kann) müssen die Österreicher in der kommenden Budgetperiode Federn lassen. So wurde der Nachlass, den Wien als Ausgleich für den britischen Rabatt bisher erhalten hat, halbiert und auch bei den Agrarzuschüssen zeichnen sich Einbußen ab – obwohl diese mit einem Zuckerl von plus/minus 700 Millionen Euro versüßt werden sollen. Selbst die als Lichtblick hervorgehobene Schaffung eines Fonds zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit dürfte für Österreich wenig bringen, denn die wahren Teenagerdramen spielen sich nicht hierzulande ab, sondern am Südrand der Union.

Hat sich Faymann also über den Tisch ziehen lassen? Nein, denn angesichts der Tatsache, dass Österreich in den vergangenen Jahren zum drittreichsten Mitglied der EU aufgestiegen ist, war abzusehen, dass die Finanzlast größer werden würde. Die Frage war nur, wie sich diese Verschlechterungen halbwegs gut abfedern lassen – und das scheint, zumindest beim aktuellen Stand der Dinge, einigermaßen gelungen zu sein. Auch Berlin hat im Vorfeld eingesehen, dass die Fairness einen größeren Beitrag der Nettozahler gebietet. Dass Deutschland bei der Brüsseler Rabattschlacht halbwegs ungeschoren davongekommen ist, zeugt aber auch von den innereuropäischen Machtverhältnissen anno 2013: Wer den größten Prügel in der Hand hat, schafft an.

Apropos Prügel: Diese kassierten vor allem die Briten für ihre Unnachgiebigkeit bei den Obergrenzen des Finanzrahmens. Bei den Versuchen, David Cameron doch noch an Bord zu holen, stieß Van Rompuy in Dimensionen der budgetären Quantenphysik vor: Dabei ging es vor allem darum, die Differenz zwischen theoretischen und faktischen Zahlungsverpflichtungen so weit auszureizen, dass das EU-Budget (je nach Perspektive) gleichzeitig schneller und langsamer schrumpft.

Ob das EU-Parlament, das beim Etat zum ersten Mal mitentscheiden darf, die Sache auch so entspannt sieht, bleibt abzuwarten – vermutlich werden die Europaparlamentarier aber für ihre Zustimmung zu einem Deal des Rats Zugeständnisse fordern. Das muss allerdings nicht von Nachteil sein, im Gegenteil: Die in dem Kontext immer wieder ins Spiel gebrachte Idee einer ganzheitlicheren Haushaltspolitik unter dem Schlagwort der innerbudgetären „Flexibilität“ wäre zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung.

Dass selbst grundsätzlich sinnvolle Maßnahmen nicht ohne Geschacher angegangen werden können, zeugt allerdings davon, dass die EU in ihrer jetzigen Verfassung kaum reformfähig ist. Und das Budget ist der in Zahlen gegossene Ausdruck dieser Materialermüdung: Am meisten gespart wird dort, wo es nicht wehtut – nämlich bei der Zukunft. Daran werden auch jene sechs Milliarden für junge Jobsuchende wenig ändern, über die man sich in Wien freut.

Insofern ist diese Budgetdebatte auch ein Zeichen der Zeit: Fast scheint es so, also wäre es der größte Wunsch der Staats- und Regierungschefs, alles möge bleiben, wie es ist, bzw. sich ja nicht allzu sehr verschlechtern. Daran, dass die Zukunft auch besser werden könnte, denkt dieser Tage offenbar niemand mehr

 

E-Mails an: michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2013)

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10 Kommentare

Dort wo der Markt noch wirklich funktioniert


ist der Arbeitsmarkt. Erstaunlich? Nein! Wird die Arbeit, die Arbeitskraft zu teuer, wird sie nicht mehr nachgefragt. Die Folge, Arbeitslosigkeit. Und in vielen Ländern Europas ist sie zu teuer geworden, die Arbeitskraft. Zu teuer durch zu hohe Lohnnebenkosten, zu teuer durch zu viele soziale Absicherungen, zu teuer durch ein immer rigideres - unflexibleres - Arbeitsrecht, zu teuer durch zu hohe Risken bei der Begründung und Beendigung eines Arbeitsverhältnisses, zu teuer durch zu kurze Lebensarbeitszeiten u.s.w. Hier braucht die EU - Bürokratie überhaupt kein Geld (unser Geld) in die Hand nehmen, sondern nur die vorhandenen Gesetzes- und Fiskalauswüchse aus diesem Bereich entsorgen. Die Wirtschaft sorgt dann schon wieder für ausreichend Beschäftigung. Wetten?

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Ich finde die Ziele dieser budgetverhandlungen ernüchternd

Die EU ist ein erfolgreiches Modell und ein vernünftiges Budget ist die Basis für eine gute Zukunft. Forschung und Entwicklung wurde zuwenig bedacht - stattdessen sponsern wir die Landwirtschaft ins bodenlose. Leider.

Fast 30 Euro pro Monat zusätzlich für jeden Bürger Österreichs, vom Baby bis zum Greis.

Wahrlich tolle Leistung, Herr Bundeskanzler.

Fairness?

Obwohl das Budget insgesamt schrumpft muss man einsehen, "dass die Fairness einen größeren Beitrag der Nettozahler gebietet". Fairness heißt, dass die die Geld verdienen immer mehr davon an die abgeben, die keines verdienen oder es verjuxen? Ist das jetzt auch schon die Ansicht der Presse?

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In echt?

drittreichstes Mitglied der EU aufgestiegen ist

Ich merk nichts. Im Gegenteil.

Mitglieder einer Gemeinschaft

verfolgen nun mal, allen Theorien zum Trotz, trotzdem auch Eigeninteressen.

Diesem Hindernis, auch als Unterschied zwischen Theorie und Praxis bekannt, folgt eine zweite "Variable", welche man gerne ignoriert bzw. schönredet. Nämlich der tatsächliche Wille der von den Staatschefs vertretenen Bevölkerung. Welche derzeit eher mit primitiv vereinfachten (und auch falschen) Halbwahrheiten weiter bei Laune zu halten versucht wird.

Alles in allem, entsteht hier weniger der Eindruck einer Problemlösung, sondern mehr jener, dass die Bestandswahrer zwar leicht Federn lassen müssen, dies jedoch nicht substanziell war.

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das ist das Problem: "Daran, dass die Zukunft auch besser werden könnte, denkt dieser Tage offenbar niemand mehr"

und daran liegt auch ein Fehler der Bildungspolitik, dass in der Schule und auch allen sonstigen Lebensbereichen keine Fantasie mehr zugelassen wird.
Nemen wir zB die Zukunftsforscher oder wie sich diese Wahrsagerbranche auch nennen will, es gibt nur technische Vorstellungen, zB wie die neue Stadt die Verkehrerfordernisse regelt, die Stadtgestaltung regelt, aber wo bleiben die Menschen. Ganz pragmatisch: wo bleiben die Menschen, wie ihre Beziehung untereinander.

Die EU hat den Sinn gehabt, die Demokratie an den Meistbietenden

zu verkaufen.

Kriegsbeute Geldmonopol - die Privatisierung der Sabinerinnen

Van Rompuy ging es vor allem darum, die Differenz zwischen theoretischen und faktischen Zahlungsverpflichtungen so weit auszureizen, dass das EU-Budget gleichzeitig schneller und langsamer schrumpft.

theoretisch vs. faktisch
Theoretisch schulden wir den Banken nichts. Faktisch ist Österreich eine Kolonie.
OENB-Gouverneur Novotny, auf deutsch: Regentschaft, die stellvertretende Herrschaft eines Staatsoberhauptes, eines Monarchen, eines Souveräns.
Das das nicht wir, das Volk? Na sicher ned.

Das größte Staatsgeheimnis der 2. Republik wird undicht. Das privatisierte €-Kreditgeldsystem basiert auf dem Konzept des größten Trickbetrügers aller Zeiten: John Law, in England zum Tode verurteilt, bietet er der 1694 gegr. privaten Bank of England sein Zettelbank-Konzept an. Als Geheimagent Englands begnadigt, überzeugt John Law den franz. Regent Philipps von Orléans von der Papiergeldemission zur Minderung der Staatsschuld, eröffnet 1716 die Banque Generale, kauft mit "Luftgeld" die Mississippi-Kompanie, die innerhalb 1 Jahr alle Kolonialgesellschaften Frankreichs übernimmt. 1000e (nichtadelige) Spekulanten wurden „Millionäre“. Nach dem inflationären Zusammenbruch 1920 flieht das Spekulanten-Kapital nach London.

Die Geldmonopol-Kolonien der "Unabhängigen":
1694 GB, 18(00)48 F, 1860 RU, 1913 US = die 4 apokalyptischen Reiter + 1923 Ö, 1924 D etc, etc ... 1992 EU ...
Entgegen Völkerrecht, meines Erachtens auch gegen Kriegsrecht.
Verwirrt? Dann lernen´s a bissl Geschichte.

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Ein EU-Budget im Zeichen der Udssr / Titanic

da wurden noch die legendären "Fünf Jahres Pläne" erstellt obwohl der Unterbau sich bereits verabschiedet hatte - das hat die EUdssR nun auf "Sieben Jahres Pläne erweitert".

Das Ergebnis wird deckungsgleich sein.

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