Der große Abwesende wird die Wahlen entscheiden

OLIVER PINK (Die Presse)

Ob Erwin Pröll die Absolute behält, wird nicht zuletzt von Frank Stronach abhängen. Und auch – oder vor allem – wer in Kärnten Erster wird, die FPK oder die SPÖ.

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Frank Stronachs Sessel bei der „Elefantenrunde“ im ORF-Studio in St. Pölten blieb leer. Er wolle nicht an einer Veranstaltung teilnehmen, bei der jeder jeden anbrülle, ließ er ausrichten. Das ist auch nicht Frank Stronachs Stil. Er redet lieber allein. Und die Fragen stellt er sich am liebsten selbst.

Auch wenn der eigenwillige Milliardär seine Allüren hat, man wird an ihm nicht vorbeikönnen. Frank Stronach wird die Landtagswahlen am 3. März 2013 entscheiden. So oder so. Ob Erwin Pröll in Niederösterreich die absolute Mehrheit behält, wird nicht zuletzt vom Abschneiden des Teams Stronach abhängen. Und die wahlentscheidende Frage in Kärnten ist ohnehin: Nimmt Stronach der FPK oder der SPÖ mehr Stimmen weg?

Wobei – wenn man den Umfragen glauben und sich auf die bisherige Mentalität des Wahlvolks verlassen darf – der Stronach-Faktor in Kärnten der größere sein wird. Die Jörg-Haider-Fans waren es viele Jahre gewohnt, bewundernd zu einem aufzusehen, der sich zu ihnen hinabbegeben hat und der es „den Mächtigen“ und „dem System“ ordentlich zeigt. Diese Rolle des Anwalts der (vermeintlich) Zukurzgekommenen füllt nun Frank Stronach aus.

Andererseits ist gerade der in Kärnten traditionell starke rechte Flügel der Sozialdemokratie offen für einen wie Frank Stronach, der es vom Arbeiterbuben zum weltweit anerkannten Geschäftsmann gebracht hat. Und mit Gerhard Köfer, dem Ex-SPÖ-Bürgermeister von Spittal/Drau, der Stronach auch bei der „Elefantenrunde“ im ORF-Landesstudio Kärnten vertreten hat, hat er den dazu passenden Spitzenkandidaten.

Sollte Köfer die SPÖ den ersten Platz kosten, wäre dies eine besondere Pointe – und eine späte Rache. Denn es war der (erste und bisher einzige) „Sündenfall“ des grundsätzlich anständigen Kärntner SPÖ-Spitzenkandidaten Peter Kaiser: Er und Köfer hatten sich 2010 um den Posten des Kärntner SPÖ-Chefs beworben. Köfer hatte seine Bewerbung relativ spät eingereicht. Und die Kaiser-Fraktion hatte diese dann mit einem Wahlordnungstrick verhindert. Sogar die angereisten SPÖ-Granden aus Wien waren verblüfft.

Im Vergleich zu den Usancen des „Systems Haider“ – weswegen es in Kärnten nun Neuwahlen gibt – war diese demokratiepolitische Farce aber noch relativ harmlos. Doch so nachsichtig die Kärntner im Fall der seltsamen Umstände der Wahl Peter Kaisers waren und sind – sie haben sie schlicht vergessen –, so nachsichtig sind sie auch, wenn es darum geht, die Freiheitlichen zur Verantwortung zu ziehen. In einem Land, in dem der Machtmissbrauch durch eine hemmungslose Clique so offensichtlich war, sollte die Abwahl einer solchen Partei selbstverständlich sein.

Dass es nicht so ist, liegt daran, dass viele auch nach Jörg Haiders Tod von dessen Charisma geblendet sind, die Ansprüche an Demokratie und Rechtsstaat nicht allzu hoch sind und dass Haiders Nachfolger, Landeshauptmann Gerhard Dörfler, recht geschickt dessen Erbe als „Kumpeltyp“ angetreten ist. Wobei bei all der kleinkarierten FPK-Politik eine Leistung Dörflers nicht genug gewürdigt werden kann: die Lösung der seit Jahrzehnten schwer über dem Land und seinen Menschen liegenden Ortstafelfrage. In der Volksgruppenpolitik herrscht heute ein neuer Geist. Das zeigt sich auch daran, dass die alten Gefechte in diesem Wahlkampf keine Rolle mehr spielen.

Und so wie es für den Amtsinhaber in Kärnten schon schlechter ausgesehen hat, so sieht es auch für den Amtsinhaber in Niederösterreich wieder besser aus. Die Wahlkampfmaschinerie der niederösterreichischen ÖVP hat Frank Stronachs Vormarsch fürs Erste zum Erliegen gebracht. Und auch bei den Spekulationsvorwürfen scheint es, als hätten (fast) alle die Erklärung der Pröll-ÖVP verinnerlicht: Warten wir einmal ab, was am Ende herauskommt. So viel Nachsicht wurde den Salzburger Sozialdemokraten nicht zuteil. Und so ist nach derzeitigem Stand – trotz Frank Stronachs Antreten – eigentlich nur die Frage, ob Erwin Pröll eine Absolute mit über oder knapp unter 50 Prozent der Stimmen erhält.

Die FPK und die Kärntner SPÖ können davon nur träumen. Wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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29 Kommentare
 
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Gegen den Körfer...

...ist der Kaiser ein rhetorisches Würstel.

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man möge mir sagen

was stronach bisher schlecht gemacht ?

und was haben unsere derzeitigen politischen akteure bisher schlecht gemacht ?

diese liste ist unendlich lang !

Re: man möge mir sagen

Stronach hat sich bisher noch nicht politisch betätigt, er konnte (polit.) daher nichts falsch machen; wer aber seine bisherigen Auftritte in den Medien gesehen oder gehört hat, kann diesem Typen keine Stimme geben.
Und wenn auch St. bisher nichts falsch gemacht hat, umso mehr haben die
"Hinterbänkler", die er sich zusammengekauft hat schon bisher ihre Unfähigkeit bewisen.
Wir brauchen daher keinen
"österreichischen Berlusconi"!

Re: Re: man möge mir sagen

Völlig richtig! Ich finde es gänzlich falsch und verlogen (Wahlbetrug?), dass er kandidiert und überall sein Konterfei plakatieren lässt, aber nicht daran denkt, im NÖ Landtag zu arbeiten. Jemand, der so unseriös agiert, ist unwählbar!

2 0

"AT.Berlusconi" ist eine harte Nuss! Re: man möge mir sagen

Alle Achtung! Der wesentliche Unterschied allerdings ist, dass Berlusconi ein Medienexperte ist, Stronach das völlige Gegenteil davon :-))

Stronach hat sich alle Systemredakteure gegen sich aufgebracht, statt sie am Goderl zu streicheln. Das allein wäre ein Grund, sein Team zu wählen.

Re: "AT.Berlusconi" ist eine harte Nuss! Re: man möge mir sagen

"Österr. Berlusconi" habe ich nicht wegen "Franks" medialer Fähigkeiten gepostet, sondern weil er auch glaubt
(wie B.), dass man mit Geld alles kaufen kann.

ich seh das auch so - nur der frank stronach ...

kann die erstarrten systemparteien zum zittern und aufwachen bewegen.

die derzeitige koalition auf bundesebene ist die unfähigste der zweiten republik.

und pröll in niederösterreich ist nach 20 jahren nur mehr machtherrlich. dörfler für kärnten (mit ausnahme des erfolges in der ortstafelfrage) eine katastrophe.

und überall war die derzeitige opposition nicht in der lage, diesem trauerspiel ein ende zu setzen.
die grünen drängen sich sowohl im bund wie in nö fest an den futtertrog heran, schaffen aber keine änderung, wie wien beweist.

drum muß jetzt eben mal der stronach ran. der ist unabhängig genug, sodaß man ihn sich nicht als steigbügelhalter kaufen kann.

0 1

Re: ich seh das auch so - nur der frank stronach ...

Das PARTEIENsystem mit den mächtigen Bonzen und ihren Zuträgern gehört mit irgengdwasLEAKS auf die glühende Herdplatte!

Der Stronach allein packt das nicht :-((


alle reden ueber den strohsack ..

und keiner ueber die wahren probleme. nachhaltigkeit bei der energieversorgung durch windkraft und solar, sowie ein menschenwuerdiger umgang mit unseren asylanten die widerlich in traiskirchen zusammengepfercht werden; verproellung ueberall. es wird zeit fuer die links-gruenwende , darum
[X] Die Gruenen in NÖ

Re: alle reden ueber den strohsack ..

Viel Spaß mit den Grünen in NÖ. Dagegen ist Pröll ein Gruppendynamiker, verglichen mit den Wiener Grünen und deren Präpotenz und Drüberfahren über Bürgerzorn.

ESM scheint schon vergessen!

Unser Raika-LH hat maßgeblich - durchaus nicht nur hinter den Kulissen - die Unterschrift Österreichs zum ESM-Pakt forciert. Noch vor wenigen Monaten hat sich ganz Österreich darüber empört, dass wir unser Geld nach Südeuropa schicken. Und jetzt haben die Wähler schon wieder vergessen, wem sie das zu verdanken haben? Ich fasse es nicht, wie hirnverbrannt, manipulierbar und unterwürfig die Niederösterreicher sind!

Was muss ein Politiker eigentlich machen, um in diesem Land abgewählt werden? Muss er erst jemanden eigenhändig erwürgen?

Re: ESM scheint schon vergessen!

Der ESM wäre auch ohne das zustande gekommen - dank der glorreichen Art und Weise, wie Hr. Faymann unser Land in Brüssel repräsentiert, nämlich erbärmlich! Und deswegen beleidigen Sie die Niederösterreicher? Unfaßbar! Selten so einen Blödsinn gelesen!

Re: Re: ESM scheint schon vergessen!

@Linda
Sie wissen aber schon, wer in diesem Land per Zuruf Politik macht. Mir fallen da spontan nur 2 Namen ein: Herr H. aus Wien und Herr P. aus St. Pölten. Kennen Sie vielleicht noch jemanden, der mir entgangen ist?

Re: ESM scheint schon vergessen!

An ESM, den "Europäischen Selbstmord-Mechanismus" werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit noch vor den nächsten Wahlen hinreichend erinnert werden.

Wenn Inkompetenz und agieren gegen die Interessen der Bürger für Politik in A entscheidend wären (es also eine signifikante Zahl mündiger Bürger gäbe), dann hätte wir eine andere Parteienlandschaft, andere Politiker oder vielleicht sogar schon ein System echter Demokratie.

In den letzten Jahren

sind so ziemlich alle Prognosen zu Wahlausgängen gehörig daneben gelegen. Mal sehen, wie es diesmal ausgeht.

Ich bezweifle, dass ...

... die Wähler so dumm sind, auf Stronachs Schmähs reinzufallen. Er lässt sich als Spitzenkandidat plakatieren, hat aber nicht vor, die Drecksarbeit im Landtag zu machen. Das Team Stronach kauft sich Leute von anderen Parteien ... eine ziemlich fragwürdige Methode. Seriös ist was anderes.
Als trojanisches Pferd der SPÖ ist er hingegen brauchbar; er wird ÖVP- und FPÖ-Stimmen angeln.

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Re: Ich bezweifle, dass ...

Ich sehe das allerdings ganz anders.

Der Fehler besteht darin, dass er nicht nur das Geld für die Wahlwerbung seines Teams zur Verfügung stellt sondern auch persönlich in die Arena der verdorbenen Medien steigt statt seine Pferdchen vor dem Publikum traben zu lassen.

Der Besitzer eines Reitstalls reitet ja auch nicht selber und trabt nicht.

Re: Re: Ich bezweifle, dass ...

??? Der Besitzer eines Reitstalles (hatte zufällig mal selber einen) sitzt üblicherweise viele Stunden am Tag im Sattel, aber warum trabt er nicht??

blauäugige fehleinschätzung

stronach beeinflusst vielleicht das abschneiden der fpö. mit dem wahlausgang hat er nichts zu tun, weder in nö noch sonstwo. alles andere ist träumerei oder medienpopulismus.

Er redet lieber allein. Und die Fragen stellt er sich am liebsten selbst.

Volksschul-Journalissmus eines Kollektiven.

Herr Pink, ich habe eigentlich gedacht, Sie wären gebürtiger Kärntner.

Offensichtlich waren Sie dort schon länger nicht mehr. Fahren Sie doch wieder mal nach hause, schauen Sie Sich an was inzw anders geworden ist. Manch älterer Mann könnte Ihnen dort von der SPÖ- Herrschaft trefflich erzählen.


falsch recherchiert



köfer hat seine bewerbung nicht "relativ spät eingereicht" - er hat sie erst eingereicht und dann wieder zurückgezogen. wie er dann doch wieder lust hatte zu kandidieren war die frist für die bewerbung abgelaufen. einzige möglichkeit ihn doch zur wahl zuzulassen wäre eine entscheidung in diesem sinne durch zwei-drittel-mehrheit beim landesparteitag. und die kam nicht zustande.

wo ist da die "trickserei" von kaiser wenn köfer zu unfähig ist sich zu entscheiden?

und wieso kann der herr star-journalist diesen ablauf der ereignisse nicht korrekt rekonstruieren?

Stronach

so unbeholfen Stronach manchmal wirkt, er hat sein ganzes Leben gearbeitet und Österreich liegt ihm am Herzen..Schade das er so viele Profiteure um sich gesammelt hat deren Motive nicht die seinen sind.

14 6

das programm des teams stronach ist perfekt ...

da tut er sich umso leichter, da er als neue kraft keinen ideologischen traditionen und zwängen nachgeben muß.

es ist wie bei der kirche. die altparteien leben mehr im gestern als im heute - und können daher die herausforderungen von heute nicht mehr meistern.

Rechter Strohsack

Die große Leistung ist es schon, den Frank nicht richtig einzuordnen, obwohl das Programm des BZÖ zu 99% übernommen wurde.

Frank ist ein Rechtspopulist, positioniert zwischen Bucher und Strache. Und er fischt am rechten Rand der ÖVP und Neokonservativen.

Da sollten Pröll und Spindi Angst haben.

Und wo lassen SIE denken?

Das find ich immer ganz super, wenn jemand seinen Senf dazu gibt, obwohl er sich nicht im mindesten auskennt. Haben Sie das umfangreiche Programm, dass seit wenigen Wochen online gestellt ist, auch nur einmal angeklickt? Definitiv nicht, sonst würden Sie nicht so ein Topfen schreiben. Also für die Zukunft merken: Zuerst denken, dann reden!

 
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