Leitartikel: Adieu, Gabi Burgstaller!

RAINER NOWAK (Die Presse)

Österreichs ewige Nachwuchshoffnung erlischt. Burgstaller war das Gegenteil einer blind-braven Parteipolitikerin, aber leider eine blind-typische Landespolitikerin.

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Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ist also Geschichte. Entweder sie verliert am Sonntag den Posten an Wilfried Haslauer oder – so doch noch ein Wunder geschieht und sie Platz eins hält – tritt während der Legislaturperiode zurück. Das sagte sie dem „Format“, das diese Ankündigung laut Burgstaller verkürzt wiedergegeben haben soll. Dabei ist dieser Rückzug nicht überraschend, ursprünglich wollte Burgstaller doch gar nicht antreten.

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Die Landeshauptfrau hat ihr politisches Vermächtnis bereits verspielt. Das ist nicht klein gewesen: Da ist eine Sozialdemokratin angetreten, die den Bürgern auf Augenhöhe begegnet und die ihrem Instinkt und nicht blind der Parteilinie gefolgt ist. Das machte ihr in den Machtzentren Österreichs, im Wiener Kanzleramt, vor allem aber im Wiener Rathaus und im Landhaus zu St. Pölten viel Feind, unter Intellektuellen und Journalisten viel Ehr. In ihrem Bundesland brach sie mit überholten Traditionen, legte sich mit der mächtigen – schwarz dominierten – Beamtenschaft an und vollzog Reform bei Pensionen und Entgelten, die etwa im Wiener Magistrat undenkbar wären. Ihre Personalpolitik war hart, aber vom Grundsatz des persönlichen Vertrauens geprägt. Nicht die Zugehörigkeit zu einer Seilschaft oder Organisation war ausschlaggebend, sondern das persönliche Vertrauen. So wurde der junge David Brenner sehr groß. In der Wiener Parteizentrale wurde er dankbar als neuer Name für Personalspekulationen aufgenommen. Doch genau da lag dann der Fehler im System Burgstaller: In der hübschen schönen politischen Welt durften Brenner und die talentierte Mitarbeiterin Monika Rathgeber machen, was sie wollen. Und die Beamtin wollte viel: der großen Finanzwelt vom kleinen Salzburg aus zeigen, was ein echter Swap ist. Brenner und vor allem Burgstaller kannten den nicht so genau. Sie hätten es wissen müssen, doch sie schauten lieber weg. Nichts sollte die neue Politik der Landeshauptfrau stören. Die ÖVP-Landespolitiker machten beim bösen Spiel mit und ließen sie fröhlich gewähren.

Burgstaller rechtfertigte sich anfangs mit Theatertränen, als dies nicht half, mit entlarvender Ehrlichkeit: Sie habe sich nicht um alles kümmern, nicht jedes Detail kennen können. Milliardenspiele seien demnach auch ohne Wissen und Deckung eines Landeschefs möglich? Burgstaller sagt Ja. Ob sie damit die Wahrheit gesagt oder gelogen hat: Man weiß nicht, was schlimmer ist.

Bis zuletzt hatten die Sozialdemokraten an der Salzach und wohl auch an der Donau auf den Bank-Burgenland-Bawag-Effekt gehofft: Dass also der größte anzunehmende Finanzskandal in einem Land nicht der amtierenden beziehungsweise hauptverantwortlichen Partei schade, sondern dem Herausforderer: Sowohl die Bundes-SPÖ als auch ihre burgenländischen Genossen errangen trotz ihrer Bankskandale Erfolge. Dies und die breite Mehrheit der Wiener medialen Innenpolitikszene, deren Prophezeiungen in Kärnten und Tirol übrigens auch danebenlagen – Gerhard Dörfler schaffe es noch einmal knapp, Günther Platter stürze katastrophal ab, sagen den Sieg Burgstallers voraus. Die Vernunft und wohl auch die Salzburger helfen – ohne ihn freilich zu stärken – dem solide wirkenden Haslauer ins Amt. Geht er mit der SPÖ noch einmal eine Koalition ein, hilft dies sicher bei der diskreten Aufarbeitung des unfassbaren Skandals. Eine politisch schwache Liaison mit den am Sonntag sicher gestärkten Grünen wäre da viel schwieriger. Weder Frank Stronachs Statthalterpartei, die sich wohl wieder zurückmelden wird, noch Karl Schnell, dem die Salzburger auch nicht so zujubeln, wie es Heinz-Christian Strache gern hätte, wären die idealen Partner für eine Zusammenarbeit nach dem finanzpolitischen Tag X.

Gabi Burgstaller wurde von euphorisch-hysterischen Medien schon als erste SPÖ-Chefin und Kanzlerin der Republik gesehen. Mit diesem Wochenende ist die Ära der fröhlich-charismatischen Landespolitikerin auf jeden Fall zu Ende. Die Zukunft gehört wohl solide-grauen Verwaltungspolitikern. Vielleicht einer wie Haslauer.

Im Bund erleben wir dieses Phänomen schon seit einiger Zeit.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

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67 Kommentare
 
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Der Verschwender

Mir ist eine, die Mist gebaut hat, das erkennt, einsieht und mit dem Bemühen, den Schaden wieder zu beheben allemal lieber als ein biederer Mitverursacher und Mitwisser, der nie dabei war und anstatt an der Klärung des mitverursachten Schadens lieber mitzuarbeiten sich Nichtwissen vortäuschend zurück lehnt!

hurrah

na soweit hat sich der Nowak nicht hinausgelehnt.
punktgenau!! bravo
auf dem Kommentar von Fleischhacker darf man gespannt sein
für Tirol war der fle Kommentar nur mist
zu früh geschrieben...und stinkfaul recherchiert

Gabi Burgstaller - als A-Soziale Landeshauptfrau d. SPÖ

. . . sie hat über 4 Jahre keinen Termin für eine Familie frei !

http://kurier.at/chronik/oesterreich/miete-nicht-bezahlt-kinder-weg-nach-vier-jahren-darf-nachwuchs-zu-eltern-zurueck/10.554.447

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die sich für die Familie einsetzen wollte, hatte bis jetzt noch keinen Termin frei (4,5 Jahre)

Re: Gabi Burgstaller - als A-Soziale Landeshauptfrau d. SPÖ

Mit dem Wahrheitsgehalt solcher Kurier-Berichten sollte man vorsichtig umgehen, da steht ein gewaltiges dunkelschwarzes Meinungsbildungsnetzwerk dahinter!

Re: Re: Gabi Burgstaller - als A-Soziale Landeshauptfrau d. SPÖ

Warum sollten die Schwarzen nicht mit genau denselben Untergriffen arbeiten wie ihr rotes Pendant?

Intelligente Menschen haben eine differenzierte Betrachtungsweise !!


Auch Gabi Burgstaller hat Gutes getan, so sie die schwarze Selbstbedienung im Landesbereich eingedämmt hat.

Es ist unerheblich, wer in Salzburg regiert, solange keine nachhaltigen Reformen angegangen werden. Dazu gehört vor allem die Reduzierung & Heranführung des öff. Dienstes an die Realwirtschaft !!

Die Akademikerflucht in den öff. Dienst zu Lasten der Wertschöpfer MUSS gestoppt, ein nachhaltiges, transparentes, kantonales Steuersystem eingeführt werden.


Re: Intelligente Menschen haben eine differenzierte Betrachtungsweise !!

Oja, Sie hat die schwarze Selbstbedienung durch rote Selbstbedienung ersetzt! Was für eine "gute" Tat!!!

Wo zu haben wir eigentlich demokratische Wahlen?

Damit man eine Versager-Partei unter einer weit überschätzen "Landeshauptmännin" im Falle ihres Versagens auch abwählen kann. Wenn sich Partei und Obfrau in der politischen Praxis aus unfähig herausstellen, sollte sie der Wähler auch abwählen. Wenn er das nicht tut, entsteht eine Mentalität wie damals bei den roten Funktionären unter Kreisky: was immer wir uns zuschulden kommen lassen - wir brauchen uns da nicht zu bekümmern, dem Wähler ist das ohnehin egal.
So konnten dann bei einem Terroristenanschlag in Wien die ausländischen Täter "auf Wink" des Außenministerium (und von den Zeitungen als Akt der "Klugheit" bejubelt) unbehelligt ausreisen, konnte ein österr. Außenminister für seinen Busenfreund von kommunistischen Geheimdiensten gefälschte Entlastungsbeweise per Diplomatenpost (!!!!) aus Rumänien kommen lassen, ein anderer noch heute aktiver Politruk "unter der Decke" Noricum-Kanonen in den Nahen Osten verkaufen und war auch jede sachliche Debatte in der Öffentlichkeit über politische Ziele sinnlos, weil ein "schöner" Politiker ohnehin aus Emotionen von alten Strickweibern gewählt wurde ...

Na und gegen die Kußhändchen und "Schmacht-Blicke" hat ein gelernter Rechtsanwalt als Gegenkandidat eben keine Chance. Auch wenn die gegenwärtige Thron-Prätententin von der Materie ganz offenkundig keine Ahnung hat.... Wichtiger ist, wie sie auf als Frau auf "Einschichtler" wirkt!!

Hinweg mit -

den verantwortungslosen spekulanten/spielern in politik u. wirtschaft!!

Was ist an Haslauer solide?

Ist es dier solide Einbettung in die Freunderlwirtschaft?
Ist es das solide Leugnen jeder bisherigen Verantwortung?
Ist es das solide Verhalten, das nur die Wahltaktik im Auge hat?
Sind es die soliden Kenntnisse im ÖVP-Sport "Hackl ins Kreuz" werfen?
Bei allem was bisher passiert ist, ist mir ein lernfähiger Naiver allemal noch lieber als ein integriertes Freunderl!

Chefredakteure sollte Weise sein!

Nowak besitzt weder Weissheit noch Moral!
Mit welcher Logik kann dies begründet werden, dass ein Journalist kurz vor der Wahl die Spitzenkandidatin einer Partei auf die Abschussliste setzt!

Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Andersrum - die rote Gaby hat sich selbst auf die Abschlußliste gesetzt und Rainer Novak macht seinen Job und berichtet darüber.

Etwas Schadenfreue dabei sei ihm und den meisten Lesern hier bei dem angerichteten Schaden wohl vergönnt!

Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

wen der befehl von der övp und der raika kommt,dann kann ein Chefredakteur zu folgen!
es ist schade um den Nowak,der er hat mir oft gefallen.
aber es ist nur einmal so:
WELCHEN BROT ICH ESS,DESSEN LIED ICH SING!
morgen sonntag werden wir einen jammerten haslauer und eine siegreiche burgstaller sehen!
die Salzburger wissen wer die Hauptschuld an dem Schlamassel hat!
die övp!!!

Re: Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Kennen sie das 11. Gebot? Nein? "Du sollst dich nicht täuschen!"

Re: Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Oja, man sieht das an der heutigen Wahl:
"der jammerte haslauer" --> "jubelnder Haslauer"
"siegreiche burgstaller"--> runtergeprügelte burgstaller

Sie haben vollkommen versagt, heri3!

Was anderes war ja auch nicht zu erwarten von Ihnen!

Re: Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

was für ein schwachsinn

Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Ganz einfach: es ist das Recht (und die Verpflichtung) eines Journalisten, in einem Kommentar seine persönliche Meinung kund zu tun. Kein Leser ist verpflichtet, diese zu teilen.

Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Dr.House, wo waren Sie, als die gesamte journalistische Jagdmeute LH Platter auf die Abschussliste setzte? Oder ist Ihre "Logik" sehr parteipolitisch motiviert? Platter hatte übrigens kein Finanzdebakel a la Salzburg zu verantworten und hatte sich im Gegensatz zu Burgstaller bei Kritik zu seiner Politik bekannt und nicht die Schuld anderen zuschieben wollen. Er wurde daher zu Recht wieder gewählt. Gabi Burgstaller aber soll Brenner nachfolgen. Obdachlos wird sie nicht, ihre (Doppel)sozialwohnung bleibt ihr wohl.

Re: Chefredakteure sollte Weise sein!

Keine Bange, die Burgstaller hat sich selbst abgeschossen, da braucht es keinen Redakteur, der dies herbeischreiben müsste.

verantwortung? kennt noch jemand dieses wort?

wer ist für diese zockverluste verantwortlich? mir kann niemand einreden, dass bei solchen grössenordnungen die landeshauptfrau "nix" gewusst hat...da hätte sie längst einschreiten müssen ... und ...wenn sie es nicht abstellen kann... den hut nehmen...sorry.
aber nochmal antreten zur wahl und so tun als wär sie nicht involviert, das grenzt an verantwortungslosigkeit. ich hoffe, dass die salzburger das alles durchschauen und sich ganz anders entscheiden.

Re: verantwortung? kennt noch jemand dieses wort?

zumindestens wissen wir dass haslauer bescheid wusste dank einer weisung von seinem schwarzen freund eisl sepp an rathgeber

Re: Re: verantwortung? kennt noch jemand dieses wort?

alle, die in diesem fall involviert sind/waren müssten zurücktreten und neuen leuten platz machen... oder gibts bei den parteien niemand mehr im hintergrund, der das amt übernehmen kann? oder will man niemanden reinschauen lassen, was da angestellt wurde....so gehts nicht...aber leider passierts....;-(

Re: Re: Re: verantwortung? kennt noch jemand dieses wort?

Schön wäre es, aber wer wird denn feststellen wer wieviel wusste und etwas dagegen unternommen hat.
Alles wird einschlafen bei den Ermittlungen in diesem Saustall in der Politik

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die SPÖ streut nur sand in die augen der menschen, redet von sozialer gerechtigkeit u fairen asvg pensionen- in wahrheit machen sie gemeinsame sache mit den abzockern und bankenmärkten.


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SPÖ-Wahlplakat:

„Gewinner dieser Wahl muss Salzburg sein…“ Dazu das Konterfei Gabi B., womit insinuiert werden soll, dass Salzburg nur mit Gabi B., der Hauptfrau des Landes, gewinnen kann.
Aber was ist mit dieser Dame zu gewinnen? Sie hat in der gesamten Wahlauseinandersetzung nichts Reales vorzuweisen gehabt, sondern nur verleumdet und zu täuschen versucht. Als das Ergebnis des Untersuchungsausschusses in der Finanzaffäre vorlag, hat sie verkündet, dass schuld an den desaströsen Spekulationen des Landes HR. Paulus und Monika Rathgeber wären, zwei Landesbedienstete, die nur Weisungen auszuführen hatten. Dass sie und der Finanzlandesrat Brenner aber an der Spitze dieser Weisungshierarchie standen und die politische Verantwortung tragen, hat sie gefließentlich übergangen. Als vor kurzem feststand, dass die Vollmacht zum Spekulieren mit Wohnbaugeldern doch vom roten Landesrat Blachfellner stammt – zuvor hatte die SPÖ versucht diesen mit einem Gefälligkeitsgutachten reinzuwaschen und Frau Rathgeber wegen Urkundenfälschung angezeigt, ließ sie nur erklären, dass man Blachfellner weiter vertraut…
Aber der Zweck heiligt die Mittel. Wenn es um die Macht geht, dann ist wohl alles erlaubt.

Mischung aus guter Analyse und Patezettel!

Aber, das Stimmvieh, dem demnächst das Geld aus den Salzburger Hosensäckel gezogen wird, wird der "Dame" mindestens 30% SCHENKEN!

Und so wie ich die ÖVP kenne, wird sie sich auf die SPÖ einlassen .... der Untergang der ÖVP!

 
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