22.11.2009 07:08 | Meine Presse Merkliste0

Wenn ein Bordellbesitzer der Polizei helfen will

RAINER NOWAK (Die Presse)

Der Name „Verein der Freunde der Wiener Polizei“ ist ehrlich: Freunde helfen. Das nennt man auch Korruption.

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Es soll bis vor einigen Jahren ein ungeschriebenes Gesetz in Wien gewesen sein: Der schmucke Aufkleber des „Vereins der Freunde der Wiener Polizei“, den nur die Mitglieder desselben erhielten, zierte einen Pkw nicht nur, er verhinderte auch Strafen für falsches und unerlaubtes Parken. Polizisten sollen diese Autos geflissentlich übersehen haben, so erzählt es eine urban legend, die einen sehr wahren Kern hat. Der Satz, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißt, als perfektes Sprachbild: Der Verein zahlte unter anderem die Buffets bei Polizei-Veranstaltungen, etwa bei Ehrungen verdienter Beamter. Während dieses Parkpickerl der anderen Art großteils seinen Zweck verlor, als die zivilen Parksheriffs übernahmen, zahlt der Verein noch immer für Brötchen und Sekt Orange.

Polizeipräsident Peter Stiedl findet das nicht bedenklich: Er erzählt ganz offen, dass dieser Verein, den prominente Spender finanzieren, für Veranstaltungen aufkommt. Dass damit Dukaten gezahlt werden, die Bürger als Auszeichnung für besondere Zivilcourage bekommen. Dass damit Kollegen aus dem Ausland bei ihren Wien-Besuchen upgegradet werden können: Vom Verein werden Essens- und Hotelrechnungen der Gäste bezahlt, das Polizei-Budget würde nur für einfache Kost und Logis reichen. Ein Problem in dieser Art der Fremdfinanzierung sieht der oberste Polizist Wiens nicht. Alle Rechnungen würden ordentlich geprüft, meint er. Ausgaben, die den Wert eines durchschnittlichen Fahrrads überstiegen, seien ohnehin vom Ministerium abzusegnen, erklärt er. Er habe nie damit gerechnet, dass eine schiefe Optik entstehen könnte.

Die tiefere Kenntnis der sonderbaren Vereinstätigkeit verdankte man dem laufenden Horngacher- bzw. Bawag-Prozess und zuletzt den Recherchen des „Falter“: Vereinskassier Adolf Krchov, rechte Hand mehrerer Wiener Polizeipräsidenten, hatte Polizeigeneral Roland Horngacher ein Kuvert überreicht, das von Bawag-Chef Helmut Elsner gekommen war. Inhalt: Reiseschecks. Krchov bekam auch einen. Für Stiedl hat das übrigens nichts mit dem Verein zu tun, sondern mit der Privatperson Krchov. Dass Mitglieder, unter denen sich so illustre Persönlichkeiten wie der Unternehmer Martin Schlaff befinden, im Gegenzug kleine Gefälligkeiten in Form polizeilicher (Nicht-)Dienstleistungen erhielten, bestreitet Stiedl. So weit sei es nie gekommen, Mitglieder mit derartigen Ansinnen wären ausgeschlossen worden. Der Bordellbesitzer, der der Wiener Polizei sicher auch nur ab und zu bessere Verpflegung zukommen lassen wollte, wurde ohnehin nie aufgenommen. Sagt zumindest der Polizeipräsident.

Dennoch zeigt der Fall Horngacher ganz klar: Da wurden polizeiliche Auskünfte an „Freunde“ weitergegeben. Sehr viel spricht dafür, dass dies entgegen den Darstellungen von Stiedl und Vereinspräsident Adolf Wala keine Einzelfälle waren. Und dass mit dem Vereinsgeld nicht nur Soletti und Chips, sondern etwa auch die eine oder andere Reise finanziert wurde, die hohe Beamte unternahmen. Dann wäre da noch die Wohnung des umtriebigen und gut vernetzten Kassiers und früheren Kriminalbeamten: Er logiert über dem Café Landtmann in einer großzügigen Wohnung, Eigentümer ist die Nationalbank, deren Präsident war einst Vereinspräsident Wala. Alles nur ein Zufall?


Im Auftrag der Staatsanwaltschaft gehen die internen Ermittler diesen Fällen nun nach, der stets freundliche Polizeipräsident muss seinem Minister eine Stellungnahme und vielleicht auch irgendwann seinen Pensionsantrag abliefern sowie die weitere Vorgangsweise bekannt geben. Die kann wohl nur lauten: Alle Zahlungen des Vereins, alle Spenden an den Verein, alle Tätigkeiten des Vereins und alle Mitglieder müssen detailliert genannt und veröffentlicht werden. Unter einem Generalverdacht kann keine Polizei der Welt vernünftig arbeiten. Danach muss der Verein in dieser Form aufgelöst werden. Charity-Veranstaltungen für Angehörige von im Dienst umgekommenen und verletzten Polizisten können ohne Verein über die Bühne gehen.

Für Buffets, Hotels und Essen müssen in Zukunft Ministerium oder Beamte selbst aufkommen. Wenn sie dafür zu wenig Geld haben, dann muss sie der Staat besser bezahlen. Wenn das Repräsentationsbudget der Wiener Polizei und des Innenministeriums zu gering ist, um Polizisten anderer Länder vernünftig unterzubringen, dann muss es erhöht werden. Auch wenn es offenbar bisher eine Selbstverständlichkeit war – die Polizei darf sich von Privaten oder Unternehmen nichts zahlen lassen. Das nennt man nämlich heute Korruption.

„Verein der Freunde der Wr. Polizei“ vor Aus S. 13


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2007)

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6 Kommentare
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Ist das alles?

Es verstärkt sich der Eindruck, dass die österreichische Vollziehung käuflich ist.

Es würde mich interessieren, ob es da auch einen Verein der Freunde der Wiener Justiz gibt.

Anders kann ich mir die teilweise Gefälligkeitsjudikatur und mangelnde Selbstkontrolle nicht erklären.


Gast: Hr. Blecha
19.10.2007 18:39
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Notlage

Schlage umgehend die Gründung des Vereins der Wiener Parksheriffs vor. Wer in Polizeikreisen keinen Bordellbesitzer zum Freund hat gilt als homophiler Onanist (traue mich wegen der Zensur nicht den Wiener Dialektausdruck zu bringen).

CW
19.10.2007 11:00
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Geldregen

Ein ehemaliger C-Beamter wohnt in einem Penthaus über dem Landtmann und seine Frau fährt einen Jaguar. Offenbar verdient man als kleiner Beamter sehr gut. Oder hat der Reichtum andere Quellen? Ein Lottogewinn vielleicht? Oder eine große Erbschaft?

CW
19.10.2007 10:31
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Einser-Frage

Wenn ein ehemaliger C-Beamter in einem Penthaus über dem Landtmann wohnt, seine Frau einen Jaguar fährt heißt das a) dass C-Beamte in Österreich ausgezeichnet entlohnt werden und die meisten Leute sich halt ihr Geld nicht richtig einteilen können? oder b) der Mann hatte einfach Glück und hat im Lotto hoch gewonnen oder reich geerbt?, oder c) er hat Geld für Gefälligkeiten bekommen, die er Kraft seiner Position erbringen konnte? Letzeres nennt man gemeinhin Korruption und ist ein widerliches Verbrechen.

Ophicus
19.10.2007 10:04
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Problematisch ist auch:

Wie soll ein Bewußtsein aufkommen, dass Korruption kein Kavaliersdelikt ist, wenn das schlimmste was dem involvierten Polizeipräsidenten passieren kann die vorzeitige Pensionierung ist?
Oft gilt eben im öffentlichen Dienst (zumindest in den oberen Etagen): Wer bei Gesetzesbrüchen erwicht wird muss seinen Hut nehmen und wird mit einer saftigen Politiker- oder Beamtenpension bestraft. Und so lange sie nicht erwischt werden müssen sie sich eben mit Reiseschecks begnügen. Da sage noch einer Verbrechen zahle sich nicht aus!

Die Dummen sind die Steuerzahler und all die Beamten die sehr wohl ehrlich und legal ihre Arbeit machen ohne an allen Ecken und Enden Geschenke einzusacken.

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Sie haben völlig Recht!

Aber wie sollen selbst Polizeipräsidenten zu solchen auf der Hand liegenden glasklaren Einsichten kommen, wenn selbst die Kabinettschefs weiland amtierender Minister schon mit Spendengeldern finanzierte Vereine zur Unterstützung der Politik ihres Chefs gründeten ? Oder wenn sich aktive Offiziere Feste von Repräsentanten von Lieferfirmen zahlen lassen? Lichtblick in Wien: die Parkpickerl- Begünstigung für Polizei-Vignetten-beklebte Autos dürfte seit der Kontrolle durch Magistratsbedienstete wirklich aufgehört haben. Also war das Fördervereins-Problem ohnehin bekannt und kein Geheimnis .

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