21.11.2009 21:00 | Meine Presse Merkliste0

Eine Truppe nur für Schönwetter-Einsätze?

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Österreich fehlt es an einem strategischen Konzept. Das zeigt der parteipolitische Zank um die Tschad-Mission.

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Ein bisschen Afghanistan hier, ein wenig Afrika dort; einmal nach Bosnien rein, wieder raus und dann wieder rein; und zum Drüberstreuen noch Missionen in Nahost und im Kosovo. So wichtig für sich genommen jeder der Auslandseinsätze des Bundesheeres auch gewesen sein mag und ist: Betrachtet man sie in ihrer Gesamtheit, kann man zumindest eines nicht erkennen: ein strategisches Konzept.

In einer idealen Welt würden alle Parlamentsparteien gemeinsam beschließen, welche Aufgaben den Streitkräften zukommen und für welche Art von Missionen sie gerüstet sein sollen. Wie will Österreich seine ohnehin nur spärlich vorhandenen militärischen Ressourcen sinnvoll einsetzen, um den größten Nutzen für seine Sicherheit und das internationale Ansehen des Landes zu lukrieren? Und will man sich auch in ungemütlicheren Regionen wie Afghanistan oder Afrika engagieren, oder lehnt man das grundsätzlich ab?

Solche Fragen sollten schon verbindlich geklärt sein, bevor überhaupt über eine spezifische Mission diskutiert wird. Von diesem Ideal ist man in Österreich freilich weit entfernt. Wohin die eigenen Soldaten entsandt werden, ist in erster Linie Parteipolitik. Das zeigen die jetzigen Grabenkämpfe um die Teilnahme an der EU-Mission im Tschad allzu deutlich.

Indem er alles daran setzte, Österreichs „Luftwaffe“ so weit wie möglich abzurüsten, hat sich Verteidigungsminister Darabos gewiss nicht als Sicherheitsfreak geoutet. Jetzt erteilt der Ex-Zivildiener österreichischen Elitesoldaten den Marschbefehl für einen nicht ganz ungefährlichen Einsatz in Afrika. Und die einstige „Sicherheitspartei“ FPÖ jault auf – wie übrigens auch schon beim Ankauf der Eurofighter. Die Grünen wiederum haben vor Monaten sogar gefordert, das Bundesheer solle in der sudanesischen Unruheregion Darfur aktiv werden. Jetzt gibt Darabos grünes Licht für die – weniger gefährliche – Tschad-Mission. Und die Grünen bekommen plötzlich Bedenken.

Doch nicht nur die Opposition im Nationalrat belegt den Verteidigungsminister mit Sperrfeuer. Das parteipolitische Hickhack um den Einsatz zieht sich hinein bis in die Truppe. „Hit and run“, scheint die Taktik zu lauten, mit der ein nicht von allen Offizieren geliebter Minister weichgeschossen werden soll. Urplötzlich tauchen interne Informationen und Papiere auf, die in der Öffentlichkeit vor allem einen Eindruck erwecken sollen: Das Bundesheer ist für den Tschad-Einsatz nicht gerüstet, der Minister weiß nicht, was er tut.

Ob das Bundesheer imstande ist, die Mission durchzuführen, müssen die Militärexperten entscheiden. Politisch sinnvoll ist die Beteiligung an der Tschad-Truppe aber auf jeden Fall. Zwar besteht die Gefahr, dass die EU-Einheiten nicht von allen Streitparteien als neutrale Kraft angesehen werden – vor allem wegen der tragenden Rolle der Franzosen, die in Afrika ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Das ändert aber nichts an der Wichtigkeit der Mission für den Schutz der unzähligen Flüchtlinge im Osten des Tschad. Der UN-Sicherheitsrat hat den EU-Einsatz auch abgesegnet, von einer Verletzung der österreichischen Neutralität kann damit keine Rede sein.

Natürlich ist eine Militärmission in Afrika kein Spaziergang. Die äußeren Bedingungen wie Hitze und Wasserknappheit sind für die Soldaten extrem hart. Und natürlich lauern zahlreiche Gefahren, bis hin zu Schießereien mit Rebellengruppen. Doch andererseits ist Spazierengehen auch nicht die Hauptaufgabe, für die die Soldaten des österreichischen Jagdkommandos ausgebildet worden sind. Die Eliteeinheit bildet das Rückgrat der Tschad-Truppe und braucht sich im internationalen Vergleich keineswegs zu verstecken. Die Mission in Afghanistan vor zwei Jahren war sicherlich gefährlicher als die jetzige im Tschad, und zwar nicht nur für die Truppe im Einsatzraum. Dass das internationale Jihadisten-Netzwerk ausländische Soldaten in Ländern wie Afghanistan nicht gerne sieht und seinem Unmut darüber nur allzu oft mit Anschlägen in den Herkunftsländern der „Kreuzfahrer“ Ausdruck verleiht, ist kein Geheimnis.

Doch vielleicht will Österreich auch seine Elitesoldaten keinem wie immer gearteten Risiko aussetzen – wie jetzt im Tschad. Vielleicht soll das Bundesheer nur als populistisches Placebo dienen – wie bei der Verlängerung des Assistenzeinsatzes an der Grenze, bei dem die Soldaten nur noch „beobachten“ dürfen. Wenn das das strategische Konzept ist, soll man es auch klar artikulieren. Damit alle wissen, woran sie sind – nicht zuletzt die Soldaten des Bundesheeres.

Wie gefährlich ist es im Tschad? Seite 9


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2007)

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8 Kommentare
19dino61
23.11.2007 19:18
0 0

Gratulation

Einer der Wenigen der sich mit der Thematik im weiteren Sinne befasst und auch Sachverstand beweist. Wie Sie in dem Artikel richtigerweise anführen gibt es keine akkordierte österreichische Strategie und noch weniger eine österreichische Sicherheitpolitik. Umso mehr tut es wohl, dass eine Zeitung objektiv und frei von Emotionen berichtet!

Gast: Crusader
23.11.2007 16:52
0 0

Warum Tschad?

Österreich hat keine Interessen im Tschad, also warum Soldaten hinschicken. Kein Nation schickt Soldaten nur aus grünlinksrotDarabos Weltverbesserergründen in einen aktiven Konfliktherd.
Zweitens ist das Heer für einen Einsatz in Afrika nicht gerüstet weder personell, technisch oder finanziell.
Und zum Thema "Elitesoldaten":Es gibt motivierte Soldaten die sich im Prinzip für Kampfeinsätze eignen, gerade im Jagdkommando aber auch anderswo.
Das Leben dieser Männer riskieren? Ja, klar es ist ihr Job. Diese nehmen das Risiko gerne in Kauf z.B. für eine Rettung österreichischer Staatsbürger im Ausland oder ein Geiselnahme aber nicht für eine rotgrüne Politposse um ihr multikulti Gutmenschgefühl mit dem Tod österreichischer Soldaten in Afrika zu befriedigen.
Nein zum Einsatz im Tschad, wie es auch die wirklichen Sachkundigen empfehlen.

Gast: schattenherz
23.11.2007 15:32
0 0

was hat der einsatz in afrika

mit der sicherheit österreichs zu tun? das müssen sie mir mal erklären, herr schneider.
man sollte die manpower und den zaster eher für die sicherung österreichs anlegen!

Vergil
23.11.2007 12:18
0 0

Bundesheer

Wie kann man nur einen Soldaten an einen Ort schicken, an dem es gefählich werden könnte !!!!
In dieser lächerlichen Diskussion liegt viel begründet, was für den machtpolitischen Verfall Europas signifikant ist.

Ophicus
23.11.2007 13:42
0 0

Re: Bundesheer

Nachdem es ja verpönt ist für so dumme Begriffe wie Gott, Ehre und Vaterland sein Leben zu riskieren darf man sich nicht wundern, wenn nicht mehr viel übrig bleibt, wofür man überhaupt was riskieren darf.
Vielleicht noch zum Spaß oder für Geld (synonym), aber das gibts halt im Tschad alles nicht.

Der westliche Individualismus ist halt doch recht extrem. Die meisten Menschen betrachten sogar den eigenen Staat nur noch als Gegner, den es zu übervorteilen gilt. Da findet man dann schwer jemanden, der sein Leben für diesen Staat riskiert - und für einen anderen Staat oder moralische Grundsätze noch weniger.

Gast: Michael
23.11.2007 09:53
0 0

Einsatztauglich?

Es ist interesant wie die Politik mit dem Österreichischen Bundesheer umgehen,einerseits wohlen Sie es total abschaffen anderseits am besten in der ganze Welt mit in Präzens zeigen. Die Frage sollte lieber sein wieviel ist ein Österreichisches Soldatenleben der Regierung wert?Anscheinend nicht viel!!Die werte Regierung schickt Soldaten dorthin und von Seiten des Generalstabes wird nur politisch darauf reagiert(Ja diesen Auftrag erfüllen wir).Doch leider wissen die wenigsten Leute das dass Gerät welches im Tschad benötigt wird einfach von anderen Missionen(EUFOR,KFOR,usw..)aber auch vom Inlandsgerät abgezogen wird.Das hast das die Soldaten meistens eine minimale Ausbildung mit dem Einsatzgerät haben.Das Bundesheer kann ganz sicher den Einsatz erfüllen,jedoch die Frage ist welchen Preis (Tote,Verletzte) zahlen Sie dafür?Wer bezahlt die laufenden Kosten dieses Einsatzes?(Wieder einmal aus dem Verteidigungsbudget?)
Viel Glück für alle Beteiligten!!!!!

Gast: BM
23.11.2007 08:48
0 0

Klar

Jaa - nee - is klar: Man schickt Soldaten grundsätzlich nur dorthin, wo's ruhig und sicher ist. Deswegen braucht man sie ja dort. Unsere politischen Experten sind sich darüber offensichtlich ebenso im Klaren.

dueses
22.11.2007 20:54
0 0

Was so ein Wehrdienstverweigerer

alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann...

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