Die liebsten Lügen der Israel-Hasser

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Es heißt: Auf Kritiker Israels sause die Antisemitismus-Keule nieder. Warum wird derlei Unsinn verbreitet?

Israel feiert auch seinen 60. Geburtstag nur mit wenigen Freunden. Über kein anderes Land der Welt, die USA ausgenommen, kursieren derart viele Halbwahrheiten und Lügen. Kein anderes Land weckt solche Aggressionen. In weiten Teilen der islamischen Welt gehört es zum guten Ton, den Hass auf Israel ungeniert mit antisemitischem Geifer abzusondern. In hiesigen Breitengraden gedeihen die Ressentiments unter der Decke, kommen in Nebensätzen an Stammtischen oder auch beim Cocktail-Schlürfen zum Vorschein.

Satte 53 Prozent der Deutschen verspüren trotz aller Treueschwüre ihrer Kanzlerin keine besondere historische Verantwortung mehr für Israel. Man kann davon ausgehen, dass die glückselige Geschichtsvergessenheit im Opfermythos-Land Österreich um einiges ausgeprägter ist. Eine erstaunliche Ignoranz-Leistung für ein Land, das Karl Lueger und Adolf Hitler hervorgebracht hat. Ach, wollt ihr Moralapostel uns das noch in 100 Jahren vorhalten, tönt es jedem entgegen, der an das dunkle Band zwischen Österreich, Deutschland und Israel erinnert. Ja! Denn es führt nun einmal eine direkte Linie der Judenverfolgung zur Gründung des Staates Israel. Und aus diesem historischen Erbe leitet sich eine moralische Verantwortung ab, die sich nicht ablegen lässt wie ein alter Hut.

Das bedeutet nicht distanzlos-blinde Gefolgschaft. Einer der hartnäckigsten Gemeinplätze in Nahost-Diskussionen ist ja, dass auf denjenigen, der Israel kritisiert, sofort die Antisemitismus-Keule niedersaust. Doch das ist Unsinn und wird nicht wahrer, wenn es noch so oft verzapft wird.

Ein kurzer Blick ins Zeitungsarchiv zeigt: Egal, ob jemand den Ausbau von jüdischen Siedlungen, die Kollektivstrafen gegen Bewohner des Gazastreifens oder den Libanon-Feldzug verurteilte, nie handelte er sich deshalb von israelischer Seite Antisemitismus-Vorwürfe ein. In der westlichen Hemisphäre schaffte es in den vergangenen fünf Jahren nur ein Spitzenpolitiker, diese Grenze zu überschreiten: Venezuelas Staatschef Hugo Chavéz. Er verglich den Libanon-Krieg 2006 mit Hitlers Vernichtungsfeldzügen und wurde deshalb von einer jüdischen Organisation unter Antisemitismus-Verdacht gestellt. Zu Recht. Denn wer die Israelis als die neuen Nazis bezeichnet, verzerrt nicht nur die Proportionen in monströser Art. Er versucht damit auch, den Holocaust zu relativieren und die Juden zum Tätervolk zu machen.

Es geistern noch viele andere Irrtümer herum, die unhinterfragt über Israel verbreitet werden. So heißt es immer wieder, die Israelis seien an Frieden nicht ernsthaft interessiert: Dabei wird ausgeblendet, dass sie im Gegensatz zu den Arabern den UN-Teilungsplan von 1947 akzeptiert haben, nach dem Sechstagekrieg von 1967 Land gegen Frieden angeboten und dafür die berühmten drei „Nein“ der Araber geerntet haben, das Oslo-Abkommen unterzeichnet und 2000 in Camp David und danach in Taba Friedensverträge offeriert haben. Mit einem wortbrüchigen Terroristenförderer wie Jassir Arafat war es halt schwer. Und es ist noch schwerer mit der islamistischen Hamas, die in ihrer Charta die Auslöschung Israels festgeschrieben hat.

Keine Frage: Israel machte viele Fehler. Der verhängnisvollste war es wohl, 1967 das gesamte Westjordanland zu besetzen und dort völkerrechtswidrig Siedlungen zu bauen. Es folgten weitere, bis heute. Doch Israel als alleinigen Sündenbock herauszugreifen und andere aus der Verantwortung zu entlassen widerspricht allen Regeln der Fairness. Dennoch erfreut sich diese Methode besonderer Beliebtheit.

Oder hat irgendjemand derjenigen, die sich so gerne über Israels „Demokratiedefizite“ alterieren, je in vergleichbarer Lautstärke über arabische Folterdiktaturen geklagt? Wie ja überhaupt bei manchen arabische Opfer nur zählen, wenn sie von jüdischer oder US-Hand fallen, dafür aber 200.000 Tote in Darfur ohne Probleme übergangen werden.

Es ist eine solche Geisteshaltung, der die Einschätzung entspringt, Israel stelle eine größere Gefahr für den Weltfrieden dar als der Iran, dessen Regime dem jüdischen Staat offen mit Vernichtung droht und Terrorgruppen wie die Hamas und die Hisbollah unterstützt. Traurig ist, dass mittlerweile die Mehrheit der Europäer so denkt, wie unlängst eine Umfrage ergeben hat.

60 Jahre nach seiner Gründung hat Israel ein schlechteres Image als je zuvor. Israel sollte darüber nachdenken, was es selbst dazu beigetragen hat. Die Europäer aber, vor allem die Österreicher, müssten sich fragen, warum ihr Meinungsbild derart verzerrt und Solidarität mit Israel bestenfalls der Stoff für Politikerfestreden ist.

60 Jahre Israel Seiten 6, 7


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2008)


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42 Kommentare
 
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Von Gast: Österreicher am 11.05.2008 um 02:30

Empfehle den "Presse"-Artikel von John Bunzl,

den man bei besten Willen nicht als Antisemiten diffamieren kann!
"...schon 1921 wußte Zeev Jabotinsky (der Ahnherr von Sharons Likud): „Ich kenne kein Beispiel in der Geschichte, wo ein Land mit der höflichen Zustimmung der einheimischen Bevölkerung kolonisiert wurde.“ Obwohl den Führern der zionistischen Bewegung (einschließlich Ben Gurion) die Gründe für den Widerstand der palästinensischen Araber durchaus verständlich und nachvollziehbar waren, mussten Erklärungen angeboten werden, die den Widerstand nicht als Folge, sondern als Ursache des Konfliktes konstruieren
..."
Mit sturer Rechthaberei wird man also den Konflikt nicht lösen können ...

Von generator am 10.05.2008 um 18:21

Antisemiten.

Viele Kommentare die hier veröffenlicht werden, zeigen, dass eine ganze Menge schmutziger Antisemiten noch immer gegenwärtig sind.

Von stanislaus weber am 09.05.2008 um 10:53

Es ist zum verzweifeln; schon wieder werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Israel, das darauf beharrt eine westliche Demokratie zu sein (obwohl bis heute keine Verfassung existiert, aus Angst, die ca. 25% Orthodoxen und Ultraorthodoxen würden damit die Theokratie zementieren) will/muss sich eben mit westlichen Standards messen lassen um die Hilfe der USA zu erhalten.
Den Arabern ist, ihr gutes Recht, dies alles egal! Sie lehnen zum größten Teil uns und unsere Werte ab und wollen (von Afghanistan bis Gaza) in Ruhe gelassen werden.
Dass der UNO, 1947 Schild und Schwert des Westens und später der Roadmap (Oslo) mit äußerst ungerechten Grenzen und Wasserzugängen für die Palästinenser, nicht zugestimmt wurde, liegt doch auf der Hand. Hätten wir anders gehandelt?
Bei aller Verantwortung (Sippenhaftung?): durch Wiederholung werden Unwahrheiten nicht wahrer. Und im Zeitalter der Allgemeinbildung funktioniert Vernebelungstaktik auch nicht mehr so gut wie früher. Mit Antisemitismus hat das alles jedenfalls nichts zu tun sondern nur mit zumutbarer Wahrheit.


Antworten Von typhon typhoon am 09.05.2008 um 15:49

Re: Es ist zum verzweifeln; schon wieder werden Äpfel mit Birnen verglichen.

bei dir fehlt wohl oben die Birne und unten der Apfel!
Das Problem mit dem H2O ist, dass die arab. Staaten I. einfach nicht anerkennen (nun gut nach langem Hickhack wenigstens Ägypten & Jordanien) ergo wäre ein Vertrag mit I. über die Nutzung der Wasserrechte eine indirekte Anerkennung dessen staatl. Autorität (mit J & Ä sind mir keine andauernde Wasserechtsstreitereien mehr bekannt, dafür umso mehr mit Syrien und der P.Behörde)

Von Rudolf Dangl am 08.05.2008 um 22:38

Na ja,... wer sind...

..."die Juden"?

Von Gustav am 08.05.2008 um 18:33

Ich hasse I s r a e l nicht

aber muss ich es deswegen gleich lieben? Das aber genügt, um von politisch überkorrekten Goodies als Antisemit eingestuft zu werden. Klar?

Antworten Von typhon typhoon am 09.05.2008 um 15:55

das Probelm mit der Logik

na wirklich nicht. Als Philosemiten will Dich echt keiner sehen, aber das Problem mit der binären Logik ist es halt, dass diese, wie der Name irreführender Weise meint, nicht zwei sondern drei Zustände kennt, neben 0 und 1 nil oder NULL. Ergo -na jetzt fängst auch Du zu denken an- impliziert Nicht-Philosemit zu sein nicht Antisemit zu sein, sondern läßt auch die Möglichkeit offen, dem Thema ignorant gegenüber zu stehen.
Ich hoffe, das hat jetzt auf Dich einen doktrinären Effekt!

Antworten Von generator am 08.05.2008 um 21:47

Re: Ich hasse I s r a e l nicht

Die politisch überkorrekten Gutmenschen werden dich mit Sicherheit nicht als Antisemiten einstufen, die sind ja selber welche.

Von lurkerabove am 08.05.2008 um 14:48

60 Jahre nach seiner Gründung hat Israel ein schlechteres Image als je zuvor

Woran mag das wohl liegen?

Es mag helfen, einmal nachzusehen, wie die Israel Lobby mit Kritikern umgeht, gegen die die Antisemitismuskeule beim besten Willen nicht zur Anwendung gebracht werden kann:

http://en.wikipedia.org/wiki/Tony_Judt

Wer jedem Kritiker den Mund verbietet, macht sich nicht unbedingt Freunde in der Welt.

P.S.:
Wen es interessiert, was Tony Judt geschrieben hat:

http://www.nybooks.com/articles/16671

http://www.nybooks.com/articles/article-preview?article_id=15340

Von generator am 08.05.2008 um 13:33

Gemeinsamkeiten.


Was haben Rechtsextreme, Linksfaschisten und Islamisten gemeinsam.

Den Antisemitismus.

Von Gast: Crusader am 08.05.2008 um 13:30
Von Gast: mlimmel am 08.05.2008 um 12:59

sowohl als auch

also wir Deutsche (keine Ahnung wie das bei Euch in Österreich ist?) verlangen von den Israelis im wesentlichen nur zwei Dinge:

1.
wir 2008-Deutschen wollen von der Schuld der 1945-Deutschen freigestellt werden und nicht dafür sühnen
"Holocoust - ist doch schon so lange her, was haben wir damit zu schaffen"

2.
die 2008-Israelis sollen sich doch bitteschön zu Ihrer Schuld der 1949-Israelis bekennen und dafür sühnen
"Staatsgründung auf arabischem Boden und Vertreibung von Palästinensern - so geht das nun wirklich nicht, das müsst Ihr wieder gut machen"

Antworten Von hl_1001 am 08.05.2008 um 16:58

Re: sowohl als auch

Dahinter steckt leider noch zu viel Geld, als das man es auf sich beruhen lassen könnte.

Antworten Von generator am 08.05.2008 um 13:25

Re: sowohl als auch

arabischer Boden?

Dann frage dich einmal, wieso die Städte und Orte seit Jahrtausenden hebräische Namen tragen?

Antworten Antworten Von Gast: Österreicher am 08.05.2008 um 15:11

Re: Re: Was die Israelis in den Westbanks aufführen, ist nicht in Ordnung!

Und was die div. Gründungslegenden betrifft?
Auch das sind 2000 Jahr ein bißchen lang. Außerdem haben die Römer und nicht die Araber die Juden aus Palästina vertrieben.

Und was die Namen betrifft: Die Herkunft von Namen aufzuklären, ist sehr interessant. Nur völkerrechtliche Besitzansprüche davon abzuleiten, geht wohl ein bißchen zu weit.

Und was die Abstammung osteuropäischer Juden anlangt:
jeder halbwegs Gebildete weiß, daß nicht nur die Christen, sondern auch die Juden missioniert haben.
Oder bist du ein Rassist?

Antworten Antworten Antworten Von AlevitischerKemalist am 10.05.2008 um 17:10

Re: Re: Re: Was die Israelis in den Westbanks aufführen, ist nicht in Ordnung!

Die Juden sind keine eigene Rasse!

Antworten Antworten Antworten Von generator am 08.05.2008 um 23:14

Re: Re: Re: Was die Israelis in den Westbanks aufführen, ist nicht in Ordnung!

Primatenlogik.

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: Menschenrechtler am 09.05.2008 um 18:46

Re: Re: Re: Re: Was die Israelis in den Westbanks aufführen, ist nicht in Ordnung!

Also nach deiner Logik sind der "Schutzwall", mit dem die Palästinenser von der ganzen Welt abgeschnitten werden, die fleckerlteppichartige "Scheinsouveränität", die ständigen Drangsalierungen durch Bomben- und Panzerangriffe MENSCHENRECHTSKONFORM?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von generator am 09.05.2008 um 20:46

Re: Re: Re: Re: Re: Was die Israelis in den Westbanks aufführen, ist nicht in Ordnung!

Schimpansenlogik.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: mensch am 10.05.2008 um 17:05

ganz schwach

diskussionsverweigerung. beleidigungen. postens lieber nicht, wenn sies nicht ertragen können, dass ihnen ihr unwissen unter die nase gerieben wird.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von generator am 10.05.2008 um 18:02

Re: ganz schwach

Du bist ja wirklich ein Wissender.

Nur ist dein Wissen etwas einseitig, du bist ein Israelhasser, darum fehlt dir jede Objjektivität was diesen Konflikt bertrifft.

Mit Antisemiten, wie es viele hier sind, und was auch auch du zu sein scheinst, habe ich nur Abscheu übrig.

Von Gast: Skeptiker am 08.05.2008 um 12:26

Wie überhaupt ?

Was ich so ein wenig in jeder Berichterstattung vermisse ist der genaue Umstand wie Israel gergündet worden ist.
Es scheint keinen zu Interessieren.
Obwohl ich da leider zu den "Anderen" stehen muss die weitaus länger in diesen Landabstricht gelebt haben, dort wo es Wasser und fruchtbaren Boden gab.
Also mal ganz ehrlich , wenn ich auch von da käme , wäre ich sicherlich auch angepisst und zum "Terroristen" ernannt worden.Ich frage mich auch wo das geschrieben steht oder stand , das die Juden da hingehören wo sie jetzt sind.

Meiner meinung nach haben die dort nix zu suchen, sehen ja nicht mal semitisch aus die Jungs und Mädels .

Von Gast: Demokratensack am 08.05.2008 um 12:03

Alles Gute zum Geburtstag

Möge Israel ewig den Neidern und Hassern ein Dorn im Auge sein. Lang lebe Israel. Zum 60 alle Gute und lasst es beim nächsten Krieg ruhig mal dick rocken, sollen die Heuler die euch so oder so hassen unruhige und albtraumhafte Nächte durchringen.
Auf weitere 60.000 Jahre :-)

Euer Demokratensack, der die Antidemokraten an den Sack packt.

Antworten Von Gast: Mensch am 10.05.2008 um 17:02

genial !

der beste weg, um auf ewig feindschaften zu züchten. manche geniessen das scheinbar sehr. woran liegt das. hinterfragen sie mal ihre eigenen motive

Antworten Antworten Von generator am 10.05.2008 um 18:08

Anderer Nick.

Du solltest dir einen anderen Nick zulegen, du Israelhasser.

Mein Vorschlag wäre: "Schimpansengehirn"

 
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