25.05.2012 15:06 | Meine Presse Merkliste 0

Müssen die Kassen wirklich pleite gehen?

CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Die Große Koalition ließ das bestehende Gesundheitssystem an die Wand fahren. Das kommt uns noch teuer.

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Manchmal ist es richtig ärgerlich, recht zu behalten. Zum Beispiel bei der provokanten und provozierten Pleite des Krankenkassensystems. Es gibt keine umfassende Reform des Gesundheitswesens – worauf aber ohnehin niemand mehr zu hoffen wagte. Es gibt nicht einmal eine Mini-Krankenkassenreform. Es gibt nichts. Stattdessen droht die Pleite einiger Gebietskrankenkassen. Ob das praktisch und rechtlich tatsächlich möglich ist oder nicht, ist dabei völlig unerheblich. Faktum ist, dass einige Krankenkassen seit mehreren Jahren weniger Einnahmen als Ausgaben haben, ihre Rücklagen verbraucht haben und deswegen unentwegt Kredite aufnehmen und Zinsen zahlen müssen. Danke. Die Versicherten dürfen sich grämen. Sie hätten für ihr Geld lieber medizinische Leistungen als glückliche Banken, die das sichere Zusatzgeschäft freut.

Wer aber glaubt, dass das alles war, der wird sich im Herbst noch wundern. Die drohende Pleite der Kassen wird zweifelsohne mit großzügigen staatlichen Zuschüssen planiert. Was heißt, der Patient, der sich nicht wehren kann, darf noch mehr zahlen. Warum das so sicher ist? Weil selbst der eifrigste Kämpfer gegen eine Finanzspritze ohne jedwede Begleittherapie, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, nun einer Übergangsfinanzierung nicht mehr gänzlich abgeneigt ist. Und weil kein Politiker, wirklich keiner, in einem Wahlkampf den Kollaps des Gesundheitssystems riskieren wird. Also wird gezahlt.


Die Frage ist nur noch wie. Kommt es zu einer raschen Regierungsbildung, fällt den Newcomern möglicherweise nichts anderes als eine plumpe Beitragserhöhung ein nach dem sinnlosen Gießkannenmodell samt Zusatzeinkommen auch für ohnehin (wenige) reiche Kassen. Das hatten wir schon ein-, nein zwei- oder gar dreimal. So einfältig waren auch die beiden letzten Regierungen, Schwarz-Blau wie Rot-Schwarz. Kommt es zu keiner raschen Regierungsbildung, was wahrscheinlicher ist, kehrt sicher die Umsetzung des Finanzteils des gescheiterten Kassenpakets in die Erinnerung zurück. Damit müsste der Finanzminister vorerst einmal 450 Millionen Euro zur Abdeckung der Schulden der defizitären Kassen locker machen. Was man als Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen den Kassen sehen kann. Schließlich müssen die Gebietskrankenkassen mit größeren Risikogruppen als beispielsweise die Beamtenversicherung leben. Ihnen werden die Kosten für Arbeitslose – eine besonders teure, weil krankheitsanfälligere Gruppe – nur per niedriger Pauschale ersetzt, etc. etc. Da ist schon einiges dran. Nur ändern wird das an der tristen Situation der Kassen nichts. Das Geld wird hineingestopft, das Defizit wird noch größer, die nächste Pleite droht. Das kann's nicht gewesen sein.

Lustig ist nur, dass plötzlich alle, die sich in den letzten Wochen mit Vehemenz gegen eine Reform stellten, sie nun unterstützen würden. Die Ärztekammer zum Beispiel. Sie hat vor zwei Wochen noch an einem Streiktag festgehalten, obwohl die gefürchtete Schrumpfreform schon abgeblasen war. Jetzt sagt Kammerpräsident Walter Dorner, die Ärzte seien zu konstruktiven Gesprächen bereit, um die Kassen aus der prekären Finanzsituation zu holen. Heißt das finanzielle Zugeständnisse? Auch SPÖ und ÖVP und alle die sich innerhalb der Parteien gegeneinander wandten, scheinen wieder gesprächsbereit – ausgenommen die ÖVP-Teile Wirtschaftsbund und ÖAAB. Die sind offenbar zu aufrechten Gegnern herangewachsen.

Was ist also die Alternative? Von einer großen Gesundheitsreform, bei der die Doppelgleisigkeiten zwischen Spital und niedergelassenem Sektor beseitigt (und daher auch kleine Spitäler oder zumindest Abteilungen geschlossen), bei der die Hausärzte aufgewertet werden und patientengerecht agieren und bei der genügend Pflegebetten eingerichtet werden, um den teuren Akutbereich zu entlasten, davon müssen wir wohl noch lange träumen. Dafür werden die Länder als Spitalserhalter verlässlich sorgen. Schneller könnte nach derzeitigem Stand der Dinge das Ende der selbstverwalteten Krankenkassen Realität sein. Angesichts des unwürdigen Schauspiels, das die Sozialpartner in den vergangenen Wochen um Macht und Kontrolle in den diversen Gremien aufführten, kein Schaden, so scheint's. Eine staatlich kontrollierte Einheitskasse hätte vielleicht den Charme, dass alle Österreicher für gleiche Beiträge endlich auch gleiche Leistungen bekämen. Die Ärzte würden sich wohl weniger freuen, weil kleine Kassen lukrativere Honorare zahlen. Und dass das den Versicherten billiger käme, darf auch bezweifelt werden.


claudia.dannhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2008)

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13 Kommentare
Gast: Die Kassenpleite
21.07.2008 18:03
0 0

hat zwei Hauptursachen:

1) Die Kosten der Bonzokratie, Pensionsprivilegien und Überbezahlung der SV-Bediensteten
2) Sozialleistungen an Migranten, deren Beitragszahlungen null bis minimal sind und die das Gesundheitssystem zum Loche ohne Boden machen.

Nun ist die großzügige Versorgung eigener Parteigänger das wichtigste interne praktische und der Bevölkerungsuastausch durch Masenmigration das wichstigste externe ideologische Anliegen der derzeitigen politischen Kaste.

Es wird also für den inländischen Beitrags- und Steuerzahler bei immer höheren Kosten immer weniger Leistungen geben - wenn er nicht endlich etwas anderes wählt.

Cicero
21.07.2008 16:23
0 1

Die gesündeste Berufsgruppe in Österreich sind die Selbständigen!

Es ist wirklich erstaunlich, was jene einzuschätzen glauben, die gar nicht wissen, was heute schon gang und gäbe ist – und vor allem auch perfekt funktioniert.
Die gesündeste Berufsgruppe in Österreich sind die Selbstständigen. Die zahlen 20 % Selbstbehalt, der vierteljährlich abgerechnet wird. Gleiches gilt bei den Eisenbahnern und bei den Bauern und selbstverständlich auch bei den viel gescholtenen Beamten.
In allen diesen Fällen werden die 20 % SB nur von den Arztkosten berechnet, nicht aber von den Medikamenten und nicht von stationären Aufenthalten im Krankenhaus. Also niemand muß sich vor hohen Medikamentenkosten oder gar vor komplizierten Operationen fürchten.
Genau genommen ist es ein Skandal, daß die Gebietskrankenkassen diesen Selbstbehalt nicht verrechnen. Die Kassen würden sofort in Geld schwimmen, führte man diesen Selbstbehalt ein. Und zwar aus zwei Gründen, es kommen 20 % echte Kosten zurück und weil man wegen eines simplen Schnupfens nicht zum Arzt rennt.

Antworten Gast: kav
21.07.2008 22:57
0 0

Re: Die gesündeste Berufsgruppe in Österreich sind die Selbständigen!

Und woher sollen die Ärmsten der Armen, die Asylantinnen und Asylanten und die Migrantinnen und Migranten und die Aleinerzieherinnen und Alleinerzieher den Selbstbehalt hernehmen? Bitte zuerst denken und dann erst quasseln! Übrigens: Nicht alle Beamten können sich einen Selbstbehalt leisten. In Wien wird daher der Beamtenselbstbehalt generell von der Stadt (KAV) getragen!

Antworten Antworten Cicero
22.07.2008 17:06
0 0

Die Wirklichkeit des Selbstbehaltes

Na, Sie machen es sich aber sehr einfach! Die armen Unselbständigen, die sich 20 % ihrer Arztkosten – alles andere wird ja voll bezahlt – nicht leisten können.
Wie ist das, bei den Eisenbahnern und bei den Bauern gibt es nur reiche Leute, welche sich die 20 % doch leisten können? Ich hoffe, Sie glauben das selbst, damit es wenigstens einer glaubt. Außerdem verstehe ich schon, die Selbständigen sind ja alles Gauner, die können sich das natürlich mit links leisten, oder was?
Da würde ich aber raten, reden Sie doch einmal mit dem Tischler auf dem Dorf oder den Pächter eines kleinen Supermarktes. Diese Selbständigen können sich zwar die 20 % leisten, nicht aber die Unterbrechung ihrer Arbeit. So schaut die Wirklichkeit aus.
Und das bedeutet in der Wirklichkeit, wegen eines Schnupfens oder einer Blähung geht von denen keiner zum Arzt, weil er sonst mit seiner Arbeit nicht fertig wird.

freeman
21.07.2008 08:04
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Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

Aber bitte keinen absoluten (10€ pro Arztbesuch), sondern einen Anteil (10-20%) der tatsächlich verrechneten Kosten.

Die einzigen, in deren Interesse mehr Kostenbewußtsein im Moloch "Gesundheitssystem" liegt, sind die Patienten selbst, denn sie zahlen den "Spaß" am Ende.

All-inclusive Modelle oder ein fixer Selbstbehalt führen aber auch bei dieser Gruppe zu Verschwendung - schließlich will jeder für sich persönlich das meiste (auf Kosten der anderen) herausholen. Jeder der anderes behauptet setze sich an einem Tag in ein à la carte-Lokal und am nächsten in ein "all you can eat"-Lokal und sehe jeweils den anderen Gästen beim Essen zu.

Antworten Steininger
21.07.2008 14:40
0 0

Re: Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

Ein prozentualer Selbstbehalt ist unmöglich. Und zwar deswegen weil das leicht sehr ins Geld gehen kann. Wie soll man z.B. bei einer Mindestpensionistin die eine schwierige Operation hat 20% der Kosten einer Hüftoperation einfordern? Oder bei Medikamenten für chronisch Erkrankte oder unheilbar Erkrankte? Eine HIV Therapie ist zb so teuer daß sich der Patient keine 20% Selbstbehalt leisten könnte selbst wenn er/sie Bankdirektor ist.
Ein viel vernünftigerer Ansatz ist die Erhöhung des Kassenbeitrages für alle. Und die Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlage.

Antworten Antworten Gast: Kosmopolit
21.07.2008 18:21
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Re: Re: Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

Ein prozentueller Selbstbehalt ist unmöglich??? Wie kann man nur so verblendet sein?! Sind Bauern, Beamte, Selbstständige ausgestorben? Sie alle zahlen 20% Selbstbehalt - u. leben trotzdem! Ein Wunder! Ein (prozentueller) Selbstbehalt ist nicht unmöglich sondern die einzig richtige Lösung. Erst wenn ALLE einen SPÜRBAREN Beitrag zu ihrer Gesundsheitsversorgung leisten werden die Menschen vernünftiger u. lernen Selbstverantgwortung. Nicht "mehr ausgeben" ist der Weg, sondern Maßhalten. Das beginnt bei einer vernünftigen=gesünderen Lebenweise. Selbstverst. muß es für chronisch Kranke Ausnahmen geben, das ist ja logisch. Alles außer einem Selbstbehalt ist Schwachsinn u. verantwortungslos. Wenn etwas ¿nichts¿ kostet beuten (zu) viele Menschen das System aus. Apropos Beitragserhöhung: ist das ORF-Programm durch Beitragserhöhungen besser geworden? Nein! Es sind lediglich die Gehälter der ORFler - unverschämt - gestiegen!

Antworten Antworten Gast: Kosmopolit
21.07.2008 17:14
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Re: Re: Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

Schon Ihr erster Satz zeigt genau jene Realitätsverweigerung u. fatale Gesinnung, die schuld an der Misere ist: sterben Bauern, Beamte, Selbstständige - sie alle zahlen 20% Selbstbehalt - früher als ASVG-Versicherte? Sind sie mehr krank? Keine Rede! Selbstverständlich muß es für chronisch Kranke u. andere Härtefälle Ausnahmen geben, das ist ja logisch! Das - verzeihen Sie: schwachsinnige Fordern von Beitragserhöhungen ist das Dümmste was es gibt. Es führt unweigerlich zum Bankrott, weil die Menschen keine Selbtverantwortung u. Vernunft entwickeln wenn etwas ¿nichts¿ kostet! Sie beuten stattdessen das System aus. Wie kann man nur so verblendet sein! Ist z.B. das ORF-Programm durch Beitragserhöhungen besser geworden?? Nicht MEHR ausgeben ist der Weg, sondern Maßhalten, (dazu gehört auch eine vernünftige=gesündere Lebensweise). Und das ist nur zu erreichen, wenn ALLE einen SPÜRBAREN Beitrag für ihre Gesundheitsversorgung leisten müssen.

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Re: Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

ich kann mich noch erinnern: in meiner kindheit und jugend war ich via eltern bei einer sv, wo es einen selbstbehalt (20%) gab. da meine eltern finanziell nicht allzu begütert waren, war es tatsächlich oft so, dass gezögert wurde, ob ein arztbesuch auch wirklich nötig sei.
glücklicherweise ist es gut ausgegangen und ich stehe heute nicht mit was chronischem da...

Antworten Antworten freeman
21.07.2008 14:49
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Genau dieses "Zögern" ist das Ziel.

Gesnudheit kostet Geld, und nur wenn dieses Bewusstsein auch beim Versicherten vorhanden ist, kann er tatsächlich rationale Entscheidungen treffen.

Ein (Haus-)Arztbesuch kostet wahrlich kein Vermögen, 20% davon sind für jeden leistbar (auch mehrmals) - dort kann man sich beraten lassen.

Antworten Ophicus
21.07.2008 11:08
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Re: Ohne einen generellen Selbstbehalt wirds nicht gehen.

So einfach geht es aber auch nicht. Einfach 10% der Kosten dem Patienten verrechnen bringt einen Rattenschwanz von Problemen, weshalb man einige Zusatzregelungen/Ausnahmen zumindest andiskutieren müsste.

1. (planmäßige) Vorsorgeuntersuchungen sollten irgendwie gefördert werden. Entweder durch Befreiung vom Selbsbehalt oder eine Art Bonus-Malus-System. Wer nicht regelmäßig zum Checkup geht zahlt dann z.B. höhere Selbstbehalte.

2. Werden besonders langwierige und teure, aber notwendige Therapien (etwa bei Krebs oder chronischen Erkrankungen) zu 10% dem Patienten verrechnet übersteigt das die Mittel vieler Patienten bei weitem. Auch hier kann man mit Befreiungen oder mit einer Obergrenze für die Selbstbehalte recht kreative Lösungen finden.

3. Was macht man mit Sozialfällen, die sich die Selbstbehalte nicht leisten können? Die dürfen dann garnicht mehr zum Arzt gehen? Oder werden die pauschal von den Selbstbehalten befreit und können daher laufend gratis zum Arzt gehen?

Antworten Antworten freeman
21.07.2008 12:05
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Antworten

1)Vorsorgeuntersuchungen (und das ist nicht die NMR-Tomographie bei Verdacht auf Beinbruch) sollten ausgenommen sein.

2)Deckelung mit zB 10% des Jahreseinkommens, bei chronisch Kranken mit 2-5%

3) siehe 2.

Gast: Kosmopolit
20.07.2008 22:50
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Was ist die Essenz dieses wirren Artikels?

Abgesehen davon, daß Fr. Dannh. gramm. Probleme hat (¿das käme DEN Versicherten billiger.¿ Tz, tz...) traut sie sich nicht, die Kinder beim Namen zu nennen. Das Gesundheitssystem kostet weit mehr, als wir uns dafür leisten können weil:
a) Zu viele Menschen ungesund leben, wegen jeder Blähung zum Arzt rennen, keine Selbstverantwortung besitzen u. glauben, daß Gesundheitsversorgung nichts kostet.
b) Das Spitalswesen irrwitzig teuer ist, u.a. weil sich die eitlen Provinz¿fürsten¿ aus reinen Prestiggründen zu viele Krankenhäuser halten u. das Geld beim Fenster hinausschmeißen.
c) Medikamente zu teuer sind u. zu viele verschrieben werden.
d) Die Ärzte (viel) zu viel kosten.

Bis nicht ALLE einen Selbstbehalt zahlen wird es weiter
bergab gehen, weil die (zu) vielen (zu) dummen Menschen - dazu gehören auch Ärzte - das ¿kostenlose¿ System ausnützen. (Aber als ASVG-Versicherte (?) will offens. auch Fr. Dannhauser keinen Selbstbehalt zahlen - u. vernebelt d. wahren Probleme.)


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