25.05.2012 15:15 | Meine Presse Merkliste 0

Der Platz auf der Reservebank

MARTIN FRITZL (Die Presse)

Die Grünen steuern auf ein schwaches Ergebnis zu. Kein Wunder bei einer Politik, die niemanden mehr aufregt.

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Keine Angst vor den Grünen – diese Parole gab Parteichef Alexander Van der Bellen beim grünen Bundeskongress aus. Der Aufruf wäre unnotwendig gewesen: Die Grünen sind längst eine konventionelle Partei geworden, die darauf achtet, große Wählergruppen möglichst nicht vor den Kopf zu stoßen. Die Zeiten, als man einen Benzinpreis von 20 Schilling forderte (was heute keine Drohung mehr wäre, weil fast schon verwirklicht), sind längst vorbei. Nein, es fürchtet sich niemand mehr vor diesen Grünen.

Sehr wohl fürchten muss sich dagegen die Öko-Partei selbst: Der nun seit 20 Jahren andauernde kontinuierliche Anstieg könnte erstmals ernsthaft ins Stocken geraten. Noch vor wenigen Monaten hatte Parteichef Alexander Van der Bellen von einem „Richtungswahlkampf“ gesprochen. Die entscheidende Frage der nächsten Wahl sei, ob der Vizekanzler Alexander Van der Bellen oder Heinz-Christian Strache heißt, so der Parteichef damals. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Zu klar sind die Machtverhältnisse, zu weit die FPÖ in den Umfragen vorne.

Am Abstieg der Grünen ist vordergründig einmal das Liberale Forum schuld. Die Partei von Heide Schmidt wildert im typisch grünen Wählerreservoir, nämlich im bürgerlich-intellektuellen, urbanen Milieu. Sollten die Liberalen tatsächlich die prognostizierten vier Prozent der Stimmen erhalten, wird das zu einem guten Teil auf Kosten der Grünen gehen.


Doch nur die Liberalen dafür verantwortlich zu machen, wäre zu kurz gegriffen. Die Probleme der Grünen sind hausgemacht. Das beginnt beim Personellen: Parteichef Alexander Van der Bellen ist zweifellos hauptverantwortlich für den Aufstieg der vergangenen Jahre. Er hat der einst als „Chaostruppe“ verschrieenen Partei ein seriöses Image verpasst, in seine Zeit als Parteichef fällt die Verdoppelung des Stimmanteils von fünf auf über zehn Prozent. Doch die bedächtige Art des Professors hat auch seine negativen Seiten. Die Grünen sind nicht nur seriös geworden, sondern auch fad. Sollte diesmal der Einzug in die Regierung nicht geschafft werden, wird wohl auch der Ruf nach einem Wechsel an der Spitze laut werden.

Doch wer sollte Van der Bellen nachfolgen? Die Grünen haben sich in den vergangenen Jahren durch eine erstaunliche personelle Kontinuität ausgezeichnet. Sprich: Die führenden Köpfe sind schon Ewigkeiten dabei, neue Abgeordnete scheitern mit schöner Regelmäßigkeit daran, aus dem Schatten der Arrivierten zu treten. Eine neue Führung wird aber einen sichtbaren Wandel signalisieren müssen. Bleibt abzuwarten, ob die jetzt auf den Kandidatenlisten stehenden Neuen mehr Platz zur Profilierung erhalten. Erstaunlich ist andererseits, dass – bei aller Notwendigkeit eines personellen Wechsels – ausgerechnet für Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny kein Platz mehr im Parlament bleibt.

Noch problematischer als die personelle Erstarrung ist aber, dass den Grünen die Fähigkeit verloren gegangen ist, ihre Anhängerschaft wirklich zu begeistern. Die Politik der Grünen zeichnet sich durch kluge und nüchterne Analysen aus – aber sie bewegt niemanden mehr. Die Zeiten von Hainburg, als grüne Politik einer ganzen Generation emotionales Anliegen war, sind vorbei. Emotional bewegen können heutzutage die Rechtsparteien – mit Positionen, die denen der Grünen diametral entgegenstehen.


Kein Wunder, wenn es die Grünen da nicht schaffen, ihre Themen im Wahlkampf unterzubringen. Ein radikaler Wandel in der Energiepolitik samt Ausstieg aus den fossilen Energieträgern Gas und Öl sowie eine Offensive in der Bildungspolitik – das sind die Wahlkampf-Schwerpunkte der Grünen. Diskutiert wird aber fast nur das Thema Teuerung, wo die Öko-Partei wiederum keine Rolle spielt.

Nur ein einziges Mal konnten die Grünen bisher im Wahlkampf auf sich aufmerksam machen: Bei der Unterstützung für die bis vergangene Woche inhaftierten Tierschützer, von denen jetzt zwei auf grünen Kandidatenlisten aufscheinen. Doch gerade das könnte sich als Bumerang erweisen: Kurzfristig im Wahlkampf, weil die Grünen von verschiedenen Seiten jetzt wieder ins extremistische Eck gestellt werden. Langfristig in dem Fall, dass einer der grünen Tierschützer-Kandidaten tatsächlich verurteilt werden sollte.

In Summe läuft es momentan nicht gut für die Grünen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie von der Reservebank der Opposition auf die Regierungsbank wechseln können, ist eher gering.

Grüner Bundeskongress Seite 3


martin.fritzl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2008)

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15 Kommentare
Gast: lOCKER
09.09.2008 01:27
0 0

Naivster Kommentar den ich je gelesen habe.

Ich waehle nicht die Gruenen damit sie sich bei irgendwelchen Aktivitaeten zur Befreiung von Tierschuetzern oder Demonstrationen proflieren koennen. Ich waehle die Gruenen wegen ihrer realitaetsnahen wirtschaftspoltischen Grundpositionen.

Und was bitte habe ich von einer "personellen Erneuerung" wenn der Van der Bellen einer der kompetentesten Personen in der Politik ist? Ich brauche und will keinen "gruenen Strache" an der Spitze der Gruenen, sondern einen vernunftbegabten, erfahrenen und serioesen Politiker wie Van der Bellen


Antworten stoutman
09.09.2008 21:57
0 0

Re: Naivster Kommentar den ich je gelesen habe.



"Ich waehle die Gruenen wegen ihrer realitaetsnahen wirtschaftspoltischen Grundpositionen."

Der war gut !

LOL !

You saved my day !


Christian
08.09.2008 19:50
0 0

Wer waehlt die Gruenen?

Alle Umfragen, alle Wahresultate zeigen es: Der typische Gruenwaehler ist jung, gebildet, urban und meist mit buergerlichen Hintergrund. Diese Tatsache voellig ignorierend betrachten sich viele Gruene, wie die Wiener Chefin Vassilakou als Links-Aussen Partei. Statt gemeinsam mit anderen Liberalen Kraeften fuer die Zukunft zu arbeiten, wie die meisten Gruen-Waehler das wollen, macht man auf linke Gesellschaftspolitik. Was viele noch nicht verstanden haben: Marxismus war einmal progressiv, jetzt aber ist er eine verstaubte Idelogie aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert. Fortschrittlich, wie die meisten Gruenwaehler es wollen, ist nicht verstaubter Marxismus a la Vassilakou und Pilz, sondern nachhaltige Energie und Umweltpolitik, Liberalitaet, Politik fuer den verantwortungsbewussten, global denkenden Intellektuellen

Antworten Gast: lOCKER
09.09.2008 01:33
0 0

Re: Wer waehlt die Gruenen?

KORREKT!

Der einzige Grund fuer mich nicht gruen zu waehlen, sind die Gruenen Fundis in Wien, die dafuer verantwortlich sind, dass wir nicht schon laengst eine ueberfaellige gruene Regierungsbeteiligung haben!

Dieses Geschwafle von "Steigbuegelhalter" fuer die OEVP, ist das duemmste Argument, was man gegen eine Regierungsbeteiligung angefuehrt hat.

Antworten Gast: lOCKER
09.09.2008 01:32
0 0

Re: Wer waehlt die Gruenen?

KORREKT!

Der einzige Grund fuer mich nicht gruen zu waehlen, sind die Gruenen Fundis in Wien, die dafuer verantwortlich sind, dass wir nicht schon laengst eine ueberfaellige gruene Regierungsbeteiligung haben!

Dieses Geschwafle von "Steigbuegelhalter" fuer die OEVP, ist das duemmste Argument, was man gegen eine Regierungsbeteiligung angefuehrt hat.

Gast: Fips
08.09.2008 16:07
0 0

Grüne - nein danke !


Steininger
08.09.2008 13:19
0 0

Tja, die Liberalen hätten keine Chance wenn sich die Grünen ihrem Wählerpotential wirklich angenommen hätten!

Aber so. Monatelang hört man nichts. Gar nichts. Dabei gäbe es viele Aspekte des modernen Lebens wozu eine liberale Stimme gefragt wär.
Die Schmidt-Truppe profitiert von der Erstarrung und der Bequemlichkeit der Grünen.
Überdies gibt es bereits eine neue Generation die den Niedergang des LIF nicht miterlebt haben. Das LIF damals litt an denselben Problemen wie die Grünen heute:
Bequemlichkeit und Saturiertheit. Keine aktive Oppostionsarbeit mehr, insbesondere auch ausserhalb des Parlaments - bei den Wählern!

topiltzin
08.09.2008 11:05
0 0

Vll helfen ja ...

... der Weg zurück zu den Wurzeln sowie die noch deutlichere Akzentuierung von Anliegen, die bereits in der Anfangsphase dieser Partei in Deutschland Mehrheiten erzielt hatten.

Etwa 1985, als auf Antrag der Landesarbeitsgemeinschaft "Schwule und Päderasten" (SchwuP) die Forderung nach der vollständigen Abschaffung des Sexualstrafrechts ins Wahlprogramm NRW aufgenommen wurde...

beardsley
08.09.2008 00:31
0 0

wer will mich?

vielleicht hilft eine sendung mit frau entenfellner, in der dem gemeinen volk ein paar grüne vorgestellt werden.

die grünen sind eben dem mond näher als der erde. die grünen sind weder grün, noch gut, noch intellektuell, noch progressiv. retro-minderheitenprogramm für bobos.

Gast: Kein Grün-Wähler
07.09.2008 23:32
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Wäre ich


ein Häfeninsasse
mit Migrationshintergrund
zu deppat für den Führerschein
zu arm für ein Auto
und mit einem IQ < 75

DANN, und nur dann, würde ich die Grünen wählen. Denn genau die Interessen dieser Klientel vertreten die Grünen.

Gast: pinguin
07.09.2008 23:28
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grün

... und das ist gut so, weil sich dann mit Sicherheit eine Koalition schwarz grün nicht ausgeht!

Gast: Na und
07.09.2008 19:32
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Was hört man von den Grünen ??

1) für noch mehr Migrantion
2) gegen Abschiebung Krimineller und Illegaler
2) Bevorzugung von Migranten im öffentlichen Dienst
3) noch mehr Rechte für Homosexuelle und Lesben
4) Vermiesung des privaten Autofahrens

Und das soll ein verachteter "Normalo" wählen?

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Re: Was hört man von den Grünen ??

freigabe aller drogen haben sie vergessen aufzuzählen.

mfg
mc

Antworten Knieriem
07.09.2008 22:31
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Re: Was hört man von den Grünen ??

Bisher waren die Grünen für mich nur die ÖIFP (Österreichische Inländerfeinde Partei). In intellektuellem Hochmut haben sie über die Sorgen der Österreicher in den Vorstädten bestenfalls gelacht, im schlimmsten Fall sie als Ausländerfeindlichkeit diffamiert. Ein angesehener Professor hat den radikalen Kern dieser links-linken Truppe verschleiert. Bürgerliche Grüne wurden nach der Vereinigung aller grünen Bürgerorganisationen bald hinausgeekelt. Diesmal werden zusätzlich noch krimineller Akte Verdächtige für die Nationalratswahl gelistet. Sicher eine gesunde Mischung, aber nicht für Österreich!

Antworten Lepanto
07.09.2008 20:00
0 0

Re: Was hört man von den Grünen ??


Nach Fritzls Ansicht, der sich ja vor Trauer gar nicht einkriegen kann:ja ;-)

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