25.05.2012 15:15 | Meine Presse Merkliste 0

Russland verdient unser Vertrauen nicht

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Während alle Augen auf die Wall Street gerichtet sind, droht Österreichs Wirtschaft vor allem im Osten Gefahr.

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Wer in jüngster Zeit den „heißesten Tipps“ heimischer Anlage-Experten gefolgt ist, wird sich vermutlich ziemlich blöd vorkommen. Zu diesen „ganz heißen Tipps“ gehörten schließlich vor allem „Werte“ aus Russland. Vor wenigen Wochen rasselten die Aktienkurse in Moskau nämlich in den Keller. Auf ein Niveau, das von den Börsenfachleuten als lächerlich unterbewertet interpretiert wurde – weshalb den Anlegern dringend geraten wurde, ihre Brieftasche zu zücken, um die perfekte Gelegenheit beim Schopf zu packen und sich im Wachstumsmarkt Russland mit günstigen Aktien einzudecken.

Nun ja, leider hat sich die Moskauer Börse nicht ganz an die Weissagungen der österreichischen Gurus gehalten. Seit Mai dieses Jahres haben die im Leitindex versammelten Top-Aktien Russlands flotte 57 Prozent an Wert verloren. Und seit drei Tagen ist der Handel aufgrund der herben Kursverluste überhaupt ausgesetzt. Das hat zwar auch mit den Bankpleiten in den USA zu tun, aber nicht nur. Allein seit dem Georgien-Feldzug der Russen haben Investoren umgerechnet 40 Milliarden Dollar außer Landes gebracht. Anleger ziehen seit Wochen ihr Geld in großem Stil aus Russland ab, weil sie dem Land nicht mehr trauen. Der Crash an der Wall Street hat diesen Kapitalabfluss nur noch beschleunigt.

Wie uns einflussreiche Freunde Moskaus gerne erklären, sei dieser Vertrauensentzug völlig übertrieben. Klar, Russland sei noch keine „perfekte Demokratie“. Aber Europa hätte sich ja auch nicht über Nacht zu einer solchen entwickelt, das brauche eben Zeit. Und eine starke Hand. Jene des Herrn Putin zum Beispiel. Und der kleine Krieg mit Georgien? Geh bitte. Gut, der Kreml haut schon hin und wieder auf die Pauke. Aber in Wahrheit denke niemand daran, dem Westen den Gashahn abzudrehen. Und mit westlichen Investoren ist man nicht immer sehr nett umgegangen, stimmt schon – aber die politischen und wirtschaftlichen Eliten Russlands bekennen sich zu Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft.

So reden sich jene Experten Russland schön, die dort prächtige Geschäfte laufen haben. Das ändert aber nichts daran, dass Russland noch meilenweit davon entfernt ist, ein verlässlicher Geschäftspartner für den Westen zu sein. Was wiederum sehr viel damit zu tun hat, dass die russische Politik nach wie vor einen höchst unorthodoxen Zugang zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie pflegt.

Nehmen wir nur die Fälle Shell und BP. Die beiden Konzerne waren hoch willkommen, als es darum ging, in unwirtlichen Gegenden Russlands Gas und Erdöl zu Tage zu bringen. Mit Pomp und Trara wurden Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Firmen gegründet, um selbst unzugänglichste Quellen zu erschließen. Als dies gelungen war, hat sich Shell plötzlich „zurückgezogen“, BP sah sich schweren Repressalien ausgesetzt. Auf einmal war man sich mit den Russen über die „strategische Ausrichtung“ der Gemeinschaftsunternehmen nicht mehr einig. Merkwürdig, nicht?

Fairerweise sei erwähnt, dass nicht nur westliche Firmen wissen, wie hart die Hand des Kremls sein kann. Im heurigen Sommer war Mechel, der größte Kohleproduzent Russlands, an der Reihe. Dem Unternehmen wurden die Steuerbehörden ins Haus geschickt, weil es im Verdacht steht, Kohle im Ausland günstiger verkauft zu haben als in der Heimat. Prompt wurden Spekulationen laut, der Kreml plane nach der Verstaatlichung der Rüstungs- und Erdölindustrie nun jene des Metallurgie-Sektors. Kein Wunder: Eine Schlüsselindustrie nach der anderen wurde von „Zar Putin“ unter staatliche Kontrolle gebracht, und Ex-KGB-Offiziere wurden in die Chefsessel gehievt.


Die sprudelnden Petro-Dollars werden auch zur Erweiterung des Portfolios im Ausland eingesetzt: Russische Investoren kaufen sich seit Jahren großflächig im Westen ein. Das Land hat eben eine klare Strategie für jene Tage, in denen Öl weniger wert sein bzw. überhaupt zur Neige gehen wird. Während europäische Investoren im Reich Putins gegängelt werden bzw. überhaupt ausgesperrt bleiben, ist russisches Geld in europäischen Fußballklubs ebenso willkommen wie in Industriekonzernen oder den Austrian Airlines. Einflussreiche Lobbyisten aus der SPÖ und dem „schwarzen“ Bankensektor preisen die sibirische Luftlinie S7 ja bereits als perfekten Käufer für die AUA an.

Ob tatsächlich der Kreml hinter den russischen Investoren steckt, weiß niemand so genau. Aber nur keine Bange: Die politischen und wirtschaftlichen Eliten Russlands bekennen sich ja eh zu Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft. Na dann kann ja so gut wie nichts mehr passieren...

Die Gefahr kommt aus dem Osten Seite 1


franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2008)

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13 Kommentare
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Wenn ich recht orientiert bin...

...sind die wichtigsten russischen Börsenindizes heute Freitag aber wieder ziemlich stark gestiegen, mehr als zwanzig Prozent...
... was sagen Sie zu dieser Entwicklung, sehr geehrter Herr Schellhorn ? Verdient Rußland also vielleicht unser Vertrauen doch ?
Und vielleicht sogar nicht nur wegen seiner starken Fundamentaldaten, sondern noch zweitens deswegen, weil dort kompetente Wirtschaftspolitiker am Ruder sitzen, die auch wissen, wann man den Börsen einmal einen Feiertag geben sollte ?

Gast: pour le merite
19.09.2008 13:21
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Der Herr Schellhorn hat wahrscheinlich einmal

schlechten Vodka getrunken, oder diesen nicht vertragen, da er gar so garstig auf Rußland schimpft.

Man hat einmal gesagt, der ORF rekrutiere die dümmsten Maturanten eines jeden Jahrgangs.

Da hat sich wohl auch einer zur Presse verirrt.


Antworten Gast: teso48
19.09.2008 13:45
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Re: Der Herr Schellhorn hat wahrscheinlich einmal

Machen Sie mal einen Benimmkurs!!! Und kommen Sie vom hohen Ross...

Antworten Antworten Gast: Berger
19.09.2008 14:55
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Hier sind einige höchstnervöse Poster

unterwegs, es handelt sich wohl um Banker, die in den Osten investiert haben und jetzt nur noch einen Ausweg haben: den Weg zum AMS/zur Flasche. Daher die Aggressionen hier ...

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Nichts als heiße Luft, Herr Schellhorn

Glücklicherweise nimmt Sie ohnedies niemand ernst, der wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen hat, daher kann aus Ihren Rodomontaden auch kein wirklicher Schaden entstehen.
Worum es für Europa in dieser weltwirtschaftlich hoch brisanten Situation geht, ist, wie wir unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze einigermaßen sichern können, während wir mit Entsetzen jeden Tag neue wirtschaftliche Katastrophen unserer amerikanischen Partner registrieren müssen. In dieser Lage gibt es nur eine vernünftige realwirtschaftliche Antwort, und diese heißt: "diversifizieren". Das Risiko USA begrenzen, andere Märkte pflegen. Für uns heißt das (nicht nur, aber in hohem Maß auch) Engagement in Rußland, weil es der uns am nächsten gelegene große neue Markt ist.
Und weil die russische Börsenkrise alles andere als die Folge von Problemen in Rußland ist. Und weil die Aktien guter russischer Unternehmen natürlich gegenwärtig unterbewertet, und daher günstig sind.
Aber Ihr Haß macht Sie blind...

NeroRosso
19.09.2008 12:28
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Und wieder hetzt der Schellhorn

In Anlehnung an einen ähnlich lautenden Film wird wieder Propoaganda gegen Russland gemacht ....

Nur weiter so, die Chinesen werdens Ihnen danken, aber kaufen Sie bitte schnell für Ihre Dollars noch ein, denn ab November ist er nichts mehr wert!

aufgrund der Tagesereignisse ist diese Meinung obsolet!

derpradler
19.09.2008 12:19
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Der Westen ist es,

der unter Verwendung von Lügen Öl-Kriege vom Zaun bricht. Irak-Georgien, immer die gleiche Vorgangsweise.
Und der Westen ist es, der den Staat überall hinausdrängt, weil die Privaten doch alles viel besser können, und es ist der Westen der jetzt Milliarden Steuergelder in die Banken pumpt um das Ärgste zu verhindern. jetzt ist der Staat plötzlich wieder recht......um die legalen Betrügereien der PRIVATEN abzufangen.
Der Neoliberalismus ist kein Naturgesetz und diese Krise ist auch kein Naturgesetz, sondern von Menschen
gemacht um ihre Geldgier auf Kosten der breiten Masse zu befriedigen

Optimist
19.09.2008 12:06
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Russland im Casino

Russland möchte zwar im internationalen Kapitalismus-Casino um Macht mit großem Kapitaleinsatz mitspielen, hat aber scheinbar die Spielregeln noch nicht verstanden und verspielt damit das ganze Vertrauen, das man dem Land langsam zubrachte, im Nu wieder. Welcher Investor wird sein Kapital voreilig in einem Markt investieren, der eigentlich gar keiner ist, sondern der ganz und gar von Kreml&Freunden kontrolliert wird?
Der freie (Kapital-)Markt an der Börse wird im kommunistischen Russland wohl nie funktionieren! Und so wird Russland wahrscheinlich wieder einmal seine ganze Hoffnung auf seinen einzigen Joker, nämlich auf seine Rohstoffe, setzen müssen!

Gast: Tux111
19.09.2008 12:03
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Russland verdient unser Vertrauen nicht....

Russland verdient unser Vertrauen nicht …nein wirklich nicht! Deren Eliten bekennen sich zwar –- „ja eh zur Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft“. ABER noch weniger würden z.B. China und die gesamten Arabische Welt, (mit denen wir Geschäfte machen) –unser Vertrauen Verdienen, deren politischen und wirtschaftlichen Eliten sich nicht einmal zur „Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft“ bekennen.
Ja, der USA, deren durch Gier (aber demokratisch) ausgelöste Weltfinanzkrise uns alle erschüttert, ein Land das allein für 2009 nicht weniger als 612,5 Milliarden Dollar!!! für seine „Verteidigung“ im Budget veranschlagt, (d.i. rund 2x das BIP Österreichs bzw. rund 1% des Welt BIP`S) - , der USA, die in Afghanistan und dem Irak Kriege ausgelöst hat, ein Land das nicht einmal die Nationale Integrität seiner „engsten Verbündeten“ (Pakistan) ernst nimmt, der dürfen wir doch wohl trauen – oder Herr Schellhorn?

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Russland verdient unser Vertrauen wirklich nicht

Russland gibt in Prozenten des BIP ähnlich hohe Beträge für Rüstung aus wie die USA. Russlanfs Steigerungsraten sind allerdings beängstigend: Von Jahr zu Jahr eine zweistellige prozentuelle Steigerung mit einem Zweier vorne.

Gast: tempa
19.09.2008 11:29
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Eine langfristige Strategie,

vermutlich notfalls mit Gewalt durchgesetzt, wird auch in der Arktis(in der gewaltige Rohstofflager vermutet werden) erkennbar:
Man spricht von "Energiesicherheit", möchte allerdings Europa die Möglichkeit verbauen, "nichtrussische" Quellen zu nutzen:

http://www.de.rian.ru/business/20080917/116873590.htm

Energiesicherheit: Als ob ohne Öl aus der Arktis russische Pensonisten erfrieren müssten.
Nun, nicht wenige im Westen werden diese billige Propaganda aufnehmen und nachbeten.

bisamberg
19.09.2008 10:12
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"Experten" ????

Wo gibt es denn wirklich Finanexperten???
Die sind doch alle selbsternannt und haben in Wirklichkeit
keine Ahnung. Ob Entwicklung des Dollars oder Gold -
die Vorhersagen liegen immer daneben.
Hoffe nur, dass diese Experten genauso eingefahren sind wie wir Anleger.

DFAvJ
19.09.2008 01:21
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Ja, ja

Stimmt haarscharf!

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