11.02.2012 21:15 | Meine Presse Merkliste0

Leitartikel: Barack Obama und der Scherbenhaufen Nahost

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Die Militäraktion in Gaza ist für Israel ein Risiko und setzt Washingtons arabische Verbündete unter Druck.

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Die Lunte hat schon lange gebrannt: Die sogenannte Waffenruhe zwischen Israel und der Islamistenbewegung Hamas hat diese Bezeichnung seit Wochen nicht mehr verdient. Aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen stiegen Raketen auf, schlugen in Israels Grenzstädten ein und trieben Zivilisten in die Schutzräume. Israels Regierung drohte wiederholt, diese Angriffe nicht unbeantwortet zu lassen und blockierte die Grenzübergänge zum Gazastreifen.

Nun ist der „Waffenstillstand“ auch offiziell zu Ende. Die Lunte ist durchgebrannt, das nahöstliche Krisengemisch in die Luft geflogen. Israels Regierung hat die gewaltige Militärmaschinerie des Landes in Bewegung gesetzt, um den Islamisten einen massiven Schlag zu versetzen. Die Planer in Jerusalem wollen damit den Raketenangriffen auf israelische Städte ein Ende bereiten. Und offenbar hoffen sie auch, die politischen Verhältnisse im Gazastreifen verändern zu können. Denn aus Sicht Israels – und der meisten westlichen Staaten – gibt es für eine umfassende Einigung mit den Palästinensern derzeit ein großes Hindernis – und das heißt Hamas.

Die Islamisten stehen in der EU und den USA auf der Liste der Terrororganisationen. In der Vergangenheit gingen viele der besonders blutigen Selbstmordanschläge in Israel auf das Konto der Hamas. Und in ihrer Charta von 1988 bekannte sich die Gruppe zur „Wiedereroberung“ ganz Palästinas und damit zur Zerstörung Israels. Anstelle des „zionistischen Gebildes“ solle ein islamistischer Staat errichtet werden.

Mittlerweile sandten Hamas-Funktionäre zwar Signale aus, das Existenzrecht Israels eventuell anzuerkennen – vorausgesetzt, Israel ziehe sich auf die Grenzen von 1967 zurück. In Jerusalem, Washington und den Hauptstädten der EU-Länder wurden diese Signale jedoch stets als nicht überzeugend genug gewertet.

Mit der Blockade des Gazastreifens konnte die Hamas nicht ausgehebelt werden. Darunter leidet vielmehr vor allem die Zivilbevölkerung. Und ob das „Hindernis“ Hamas nun mit einem Militärschlag so einfach beseitigt werden kann, ist ebenfalls fraglich. Um die Hamas jedoch langfristig aus dem Gazastreifen zu vertreiben, müssten israelische Soldaten das Gebiet erneut dauerhaft besetzen. Doch darauf will sich niemand in Jerusalem einlassen.

Israels Regierung hat sich mit der Militäroperation unter Zugzwang gesetzt. Sie muss der Hamas eine klar erkennbare Niederlage zufügen. Andernfalls würden die Islamisten „Sieg!“ rufen – und in den Augen der arabischen Welt gestärkt aus der Auseinandersetzung hervorgehen.

Auch wenn die militärischen Kapazitäten der Hamas nicht an die der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah heranreichen: Das Gespenst Libanon spukt nach wie vor durch die Köpfe israelischer Politiker und Militärs. Trotz wochenlanger Einsätze haben es Israels Streitkräfte 2006 nicht geschafft, der Hisbollah den entscheidenden Schlag zu versetzen – und damit ein gutes Stück ihres Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt. Dieses Risiko ist der erfahrene Soldat Ehud Barak bereit einzugehen. Israels Verteidigungsminister will so wie Außenministerin Tzipi Livni Stärke zeigen und sich nicht von der rechten Opposition vorwerfen lassen, angesichts der Raketenangriffe untätig zu bleiben – gerade jetzt, wenige Wochen vor der Wahl.

Durch die Lage im Gazastreifen geraten aber nicht nur Israels Politiker unter Druck. Die „arabische Straße“ tobt wegen der Militäraktion. Und die Wut richtet sich nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die eigenen Regierungen. Je länger die Angriffe anhalten, desto mehr verstörende Fernsehbilder werden in die arabischen Wohnzimmer getragen werden. Bilder toter Zivilisten, die bei Kämpfen in einem dicht besiedelten Gebiet wie dem Gazastreifen nicht ausbleiben können.

Vor allem in Ägypten rumort es. Präsident Hosni Mubarak muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit Israel zu „kollaborieren“ und die Brüder im Gazastreifen auf der anderen Seite der Grenze im Stich zu lassen. Vor allem Ägyptens islamistische Opposition hat sich die Sache der Palästinenser auf die Fahnen geheftet – teils freilich nur als Vorwand, um mit einem emotional besetzten Thema gegen den verhassten Machthaber Mubarak zu mobilisieren.

Befreundete Regime, die unter Druck geraten – wie in Ägypten, kein Ende des israelisch-palästinensischen Konflikts: Der künftige US-Präsident Barack Obama hat in Nahost viel von dem aufzuräumen, was die Bush-Regierung liegen gelassen hat. Und die Zeit drängt. Denn viele Lunten brennen.

Bericht, Analysen Seiten 1, 2


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2008)

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15 Kommentare
Gast: Ruth
13.01.2009 13:49
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keiner sollte sich einmischen,...

die sollen sich da unten doch die Köpfe wegschießen,...mit Gesprächen kommt man bei dieser Einstellung doch nicht weiter!!

Paul Katz
29.12.2008 09:41
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Doppelspiel

Man hat am Embargo des Iraks gesehen, dass das nur die Bevölkerung trifft und die Herrschenden durch die Verarmung der Bevölkerung (die nun noch mehr auf die Herrschenden angewiesen ist, um die Basisversorgung zu erhalten, und einen äußeren Feind hat, der an allem Schuld ist) eher unterstützt.

Wenn die USA und Israel gegen die Hamas zu diesem Mittel greifen, wollen sie sich offenbar einen Wunsch-Gegner halten, mit dem die eigenen militaristischen Ambitionen gerechtfertigt werden können.

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Ach so?
A'la Dürenmatt: I. & USA sind die Richter, die Hamas sind deren Henker

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Fakt ist:

Dieser Konflikt basiert auf der Staatsgründung Israels und ist das Ergebnis des Zionismus Herzels.
Man hat ein bereits besiedeltes Gebiet besetzt und daraus mir nichts dir nichts einen Staat gegründet.

Kriege sind logische Konsequenzen oder haben sich Juden, Briten und Amerikaner wirklich so blauäugig an dieses Projekt gewagt?

Das traurige: Auf beiden Seiten wissen viele schon nicht einmal mehr warum sie sich gegenseitig umbringen.

Obama muss als Diplomat mit seinen Verhandlungen mindestens wieder dort hin kommen, wo Clinton bereits war.

In diesem Sinne

MFG vom Elch

P.S. Interessanter Kommentar von Wahlmanöver. Nur ist das kein neuer Krieg...


Gast: Ein Wahlmanöver, sonst nichts!
28.12.2008 23:19
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Nur keine Panik

Diese ganze Militäroperation ist als Teil des israelischen Wahlkampfes für die Knessetwahl vom 10.2.2009 zu sehen. Die herrschende Koalition war unter starken Beschuss der Rechtsopposition geraten, und die Wahlprognosen zeigten einen Sieg der Opposition an. Dieser neue Krieg ist eine Entlastungsoffensive der Regierungskoaltion. Ein siegreicher Ausgang würde die israelische Kampfmoral nach dem erfolglosen Libanonkrieg vor zwei Jahren wiederherstellen und die Regierung glanzvoll im Amt halten. Man darf nicht vergessen, dass Israel eine Demokratie ist (übrigens die einzige im Nahen Osten), und in einer Demoikratie hat nun einmal das zu geschehen, was das Volk will - d.h. Eretz Israel.

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ach so?

Die Hams beschiest nur deswegen I. mit raketen, weil sie Wahlwerbung für die momentna in Amt und Würdfe stehende Regierung betreibt.
Wie man am DurschnnittsIQ Ihrer Verehrer-Poster hier ablesn kann, bekommen sie die Fans, die Sie mit diesem Unsinn verdienen!

Antworten Gast: miles
29.12.2008 14:45
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Re: Nur keine Panik

Da schau her! Eine richtige Analyse zum Geschehen! Liest man heutzutage auch schon selten! Respekt!

Antworten Gast: Gabriel
29.12.2008 09:14
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Re: Nur keine Panik

Völlig richtig !
Es wird nie Frieden sein in Nahost - weil es das isrealische Volk nicht will !
Shalom - oder wie immer das heisst ...

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Zeitpunkt

Israel weiß genau, warum es jetzt angreift, wo die Bush-Administration abtritt und die neue Regierung noch nicht im Amt ist!

Antworten Cool
29.12.2008 14:16
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Re: Zeitpunkt

richtig-luftlehrer raumund machterhalt!

ujvar
28.12.2008 19:46
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Wie soll Barack Obama in Nahost glaubhaft interveniere, wenn er Leute von wie Clinton und andere massgebliche Köpfe der Israel Lobby in den USA

.. die bereits bisher fraglos einäugig im Nahost-Konflikt operierten.

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Re: Wie soll Barack Obama in Nahost glaubhaft interveniere, wenn er Leute von wie Clinton und andere massgebliche Köpfe der Israel Lobby in den USA

Du erinnerst mich an die Geschicte vom Blinden, der mit seinem Kopf an etwas stiess, jetzt Sterne sieht und glaubt er habe den Röntgenblick!

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Re: Wie soll Barack Obama in Nahost glaubhaft interveniere, wenn er Leute von wie Clinton und andere massgebliche Köpfe der Israel Lobby in den USA

Na wenn Du einer der wenigen sphärisch sehenden bist und nicht ein Vollblinder, der glaubt den Röntgenblick vom Supermann zu besitzen, dann poste hier jetzt, was I. tun muss, um einen dauerhaften Frieden mit den Arabern generell zu erreichen (aber unter Anerkennung ihres Existenzrechtes und ohne einfach die andere Wange hinzuhalten).
Dir würde man den Friedensnobelpreis nachwerfen.
Aber es wäre zu befürchten, würdest Du das tun, Du Dir eine Klage wegen Wiederbetätigung einhandeln würdest!

Antworten Lepanto
29.12.2008 10:38
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"Wahlkapitulationen"


Der Hampelmann musste doch schon vor seiner Wahl den diversen ethnmafiösen Clans hoch und heilig versprechen, dass er die Weisungen aus I s r a e l bedingungslos ausführen wird.

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Re:

und nicht vom Stürmer, gell ?

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