12.02.2012 13:54 | Meine Presse Merkliste0

Die iranische Wahlfarce

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Der Triumph von Präsident Ahmadinejad riecht nach Betrug. Das wäre nicht nötig gewesen. Denn auch ein Sieg der Opposition hätte die wahren Machtverhältnisse in der „Mullahkratie“ kaum erschüttert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Demokratie sieht im Iran so aus: Erst sorgt der Wächterrat dafür, dass zu einer Wahl nur Kandidaten antreten, die dem obersten Geistlichen, Ayatollah Khamenei, genehm sind und das islamistische System nicht infrage stellen. Dann dürfen die Bewerber Wahlkampf spielen; diesmal gab es sogar eine heftige Fernsehdiskussion zwischen den Präsidentschaftsanwärtern. Am Ende gewinnt aber immer der Richtige; da hilft das Establishment zur Not schon nach.

Es war ein ziemlich merkwürdiges Ergebnis, das der iranische Innenminister am Samstag dem etwas ungläubigen Publikum verkündete. 62,6 Prozent der Stimmen habe Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad schon im ersten Wahlgang errungen, sein schärfster Konkurrent Mir-Hossein Moussavi lediglich 33,75 Prozent. Es ist daher nicht einmal eine Stichwahl nötig. Ahmadinejad wird schon seine Anhänger haben, vor allem auf dem Land. Aber gleich so viele? Der Sharia-Robin-Hood hat zwar in den vergangenen vier Jahren jede Menge Geld und Kartoffeln unters Volk gestreut. Als Erfolg ist seine bisherige Amtszeit jedoch nicht zu begreifen, zumindest nicht mit herkömmlichen Bewertungskriterien: Die Petrodollars des Ölbooms haben sich in Luft aufgelöst, die Inflation liegt sogar offiziell bei 15, die Arbeitslosigkeit bei schöngefärbten zehn Prozent.

Dementsprechend verdatterte Mienen löste nun das Wahlergebnis bei der Opposition aus, besonders angesichts der ausgelassen-jugendlichen Wendestimmung, die in den vergangenen Wochen in Teheran zu beobachten war. Sind die iranische Opposition und westliche Beobachter ihrem eigenen Wunschdenken auf den Leim gegangen? Oder inszenierten Ahmadinejad und seine Leute einen ungenierten Wahlbetrug monströsen Ausmaßes? Der Herausforderer Mir-Hossein Moussavi, bisher ein treuer Diener der Ayatollahs, wollte das Wahlresultat jedenfalls weder glauben noch anerkennen. Er sprach von einer gefährlichen Scharade. Als Ex-Premierminister sollte er wissen, dass die ganze scheindemokratische Kulissenschieberei, die seit der Islamischen Revolution 1979 praktiziert wird, eine einzige Scharade ist.

So groß war die Wut seiner Anhänger, dass sie noch am Samstag zu Tausenden auf die Straße gingen, um zu protestieren. Bald floss Blut. Das Kalkül der Herrschenden wird es sein, dass sich die Demonstranten mit ein paar Knüppeln und Verhaftungen ins Bockshorn jagen lassen. Die Iraner sind der Revolutionen müde, heißt es. Sie hätten damit seit 1979 nur schlechte Erfahrungen gemacht. Stimmt schon, aber vielleicht haben die Ultrakonservativen diesmal übertrieben.


Harte Atom-Nuss. Zerstoben sind die Illusionen, dass Barack Obama nur ein Wort sprechen muss und der Nahe Osten wird gesund. Nach der begeisternden Kairoer Rede des freundlichen US-Präsidenten und der jüngsten Wahlniederlage der islamistischen Hisbollah im Libanon hatten da schon einige von einem neuen Zeitalter zu träumen begonnen, vom „Regime-Change“ mit friedlichen Mitteln.

Der Iran bleibt eine harte Nuss für den Westen und seine Nachbarstaaten. Das wäre er übrigens auch geblieben, wenn Moussavi zum Wahlsieger erklärt worden wäre. Unter ihm hätte sich zwar höchstwahrscheinlich das Gesprächsklima mit den USA verbessert. Unverändert wäre aber die iranische Position im sogenannten Atomstreit geblieben. Darüber nämlich, ob der Iran Atombomben baut oder nicht, entscheidet wie über so vieles andere letztlich nur einer: Ayatollah Khamenei.

Im Grunde hätte ihm deshalb ein beruhigender Herr wie Moussavi nur recht sein können im Präsidentenamt. Sollte das iranische Wahlergebnis tatsächlich das Resultat eines großflächigen Wahlbetrugs sein, dann muss Angst im Spiel gewesen sein. Angst, dass etwas außer Kontrolle geraten könnte in der Gefängnishofdemokratie der Islamischen Republik.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

29 Kommentare
 
1 2
DerÄtzer
16.06.2009 15:49
0 0

Mit Erstaunen vernahme ich dass Allah diese Wahl goutiert!

Der Mullah hat Allah schon bescheid gestoßen.

Was sich Allah so denken mag, wenn Muhllah seine Allahbeziehungen so ungefragt ausnutzt.

Vielleicht ist es Allah wurscht und das Ganze ist nur Schmafuh?

Mir hat beim letzten Olympmeeting der kleine mit dem Turban zugezwinkert, hinter dem Rücken von Zeus, er dürfte ein lustiges Göttchen sein!


Herberti
15.06.2009 12:55
0 0

Moslems wählen immer die islamischste Partei

Zu beobachten auch in der Türkei, bei den Palästinensern, im Libanon und überall sonst, wo überhaupt "Wahlen" zugelassen werden.

Ich würde eher sagen, die linkslastige Journaille ist ihrem eingenen Schmäh aufgesessen, und hat geglaubt der Messias Obama würde innerhalb kürzester Zeit die Welt auf den Kopf stellen.

Man fragt sich ja auch in Europa, wo der große Erfolg der "Rechten" herkommt. Der ist für manche Journalisten auch unbegreiflich.

Daß vielen Leuten die Heimat wichtiger ist als der Bauch, daß es so etwas wie Stolz gibt, daß man die eigene Kultur weitertragen will, das ist vielen linken Journalisten offenbar unbegreiflich.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein paar demonstrierende Studenten noch keine Demokratie. Die Journalisten sollten endlich einmal über ihren links-grün-studentischen Tellerand hinwegsehen, und sich dem wirklichen Leben widmen.

Antworten Gast: nik
15.06.2009 18:36
0 0

Re: Moslems wählen immer die islamischste Partei

ja genauso ist es und selbsternannte moslem-experten wissen es am besten! sagt jemand etwas anderes, dann ist er ganz einfach ein links-grüner student!

was machen sie eigentlich den ganzen lieben langen tag mit ihren komplexen?




Gast: Zam
15.06.2009 12:47
0 0

Militärisch Eingreifen: ja

Danke für den klaren Artikel.
Obama ist eine einzige Schande, zu den Europäern fehlen einfach mittlerweile schon die Begriffe.
Wenn überhaupt wo ein militärisches Eingreifen Sinn machen würde, dann wahrscheinlich im Iran. Aus den Städten könnte sich dann ein anderer Geist auf das Land hin verbreiten. Seufz, man wird ja wohl noch träumen dürfen. Wahrscheinlich aber erst ab 2012: Go, Thompson, go!

Oh, und natürlich stehe ich auf der Gehaltsliste der CIA, genauso wie Herr Ultsch.

diogenes
15.06.2009 12:25
0 0

Wer glaubt, dass das Geschwätz eines Politikers etwas ändert

Ist selber dumm!

0 0

"Dementsprechend verdatterte Mienen löste nun das Wahlergebnis bei der Opposition aus..."

haben die vielleicht diesselben institute mit der meinungs-befragung beauftragt, die sich auch bei uns jedesmal so "irren"?

der vorwurf "wahlbetrug" mag ja zutreffen. aber um mit betrug solch einen stimmenvorsprung herauszuholen, müsste man schon welt- und olympiasieger in personalunion sein...äusserst unwahrscheinlich!

teheran allein ist nicht der ganze iran.

Gast: iranerin
14.06.2009 21:11
0 0

danke

danke für diesen leitartikel. als exil-iranerin bin ich froh, dass gewisse dinge auch beim namen genannt werden. auch wenn hier im forum manche ungläubig motzen.

und: in letzter zeit waren die leitartikel in der presse ja auch eher daumen nach unten.

Gast: felice navidad
14.06.2009 20:57
0 0

Das Wahlergebnis ist schon korrekt

dem Ami passt es natürlich nicht. Und natürlich gibt es auch käufliche Iraner. Vor allem in den prowestlichen Distrikten Teherans, wo man bis heute dem scheinbar aufgeklärten Absolutismus des am antiken Persertum orientierten Moslemhasser Schah Rezah Pavlevi nachtrauert.

Antworten antikarl
15.06.2009 23:58
0 0

Re: Das Wahlergebnis ist schon korrekt

nein, es wurde sogar primitiv gefälscht, weil für Rezai in seiner Heimatprovinz Khuzestan und Karroubi in Lorestan zu wenig Stimmen "gezählt" wurden. Völlig unglaubwürdig ist auch das Ergebnis in den großen Städten vor allem in Täbris, wo hauptsächlich Aseris wohnen, die Mousavi sehr nahe stehen. Es gibt in Iran ganz unterschiedliche ethnische Gruppen, die teilweise von den Hardlinern brutal unterdrückt werden.

Antworten Gast: exil-iranerin
14.06.2009 21:15
0 0

Re: Das Wahlergebnis ist schon korrekt

ach und sie waren dabei und wissen, dass das erbenis so schon passt?

haben sie schon mal daran gedacht, dass das wahlergebnis vielen iranern nicht passt und sie dewegen sogar bereit sind ihr leben in gefahr zu bringen?
wenn sie die bilder gesehen haben, die ich heute gesehen habe, dann würden sie nicht so einfältig ndaher reden.

was wissen SIE schon?

0 0

Inflation und Bombe

Die Inflation war schon mal wesentlich höher, bei etwa 30 %.

Und die Atombombe haben die Japaner noch in guter Erinnerung - auch, woher sie kam.

Gast: Freund der Patrioten
14.06.2009 16:41
0 0

Unnoetiges Gratis Gequatsch eines Pseudo Intello

wenn man nichts versteht, soll man besser keinen Leitartikel schreiben

Antworten Gast: gast
14.06.2009 21:17
0 0

Re: Unnoetiges Gratis Gequatsch eines Pseudo Intello

vor allem sollte man keine postings schreiben, wenn man von der sache nichts versteht

0 0

christian mir graut vor dir..

Sie gehören in das Wahrheitsministerium aus George Orwell¿s "1984" und nicht in eine (ehemals ?) seriöse Qualitätszeitung wie die Presse !
Eine derart unverschämte Quotenschinderei mit unbewiesenen Behauptungen ist der miesesten Boulevardzeitung würdig.
Oder ist das bezahlter Kampagnen-Journalismus im CIA Auftrag als Stimmungsmache für eine schon länger geplante Militäraktion ?

Gast: lupo13
14.06.2009 12:25
0 0

Re:Nur eine Frage der Perspektive

Schon lange nicht mehr so einen treffenden Kommentar gelesen - 1A.

P.S. Sie sollten Leitartikel schreiben

Gast: Hans
14.06.2009 11:15
0 0

Von Betrug und Farce zu sprechen

scheint doch etwas verfrüht. Vor allem ohne Beweise. In der Tat scheint diese Wahl nach dem selben Muster abgelaufen zu sein, als wenn CIA und Mossad ihre schmierigen Finger im Spiel haben.
1) ein der USA und dem "freien Westen" genehmer Kandidat wird aufgestellt, höchstwahrscheinich finanziert und durch die Weltpresse gepusht.
2) dieser Kandidat erklärt sich schon VOR Wahlende und Auszählung der Stimmen zum Sieger.
3) der unterlegene Kandidat und die ihn unterstützende Presse anerkennt den Sieg der anderen Partei nicht und spricht sofort von Wahlbetrug (was nicht sein darf, kann nicht sein)
4) "entrüstete Volksmassen" gehen auf die STraße, die Drahtzieher versuchen, das Land zu destabilisieren.

Fazit: Wenn noch vor Ende der Wahl von Sieg und Wahlbetrug gesprochen wird und die "freie Presse" heftig mitklatscht, wissen wir doch schon, wer im Hintergrund Regie geführt hat. Es überrascht uns nicht mehr.

Antworten Gast: jhau
14.06.2009 20:26
0 0

Re: Von Betrug und Farce zu sprechen

Zur Ergänzung:
http://www.uruknet.info/?p=54948

Vielleicht wird die Presse nachforschen.

Gast: Leopold
14.06.2009 10:09
0 0

was soll diese Überschrift?

kann der Herr Uhl den angeblichen Wahlbetrug beweisen oder entspricht der Titel nur seiner Wunschvorstellung?

Antworten Gast: 1derful4all
15.06.2009 11:19
0 0

Re: was soll diese Überschrift?

Einfach mal so rumstöbern, was unabhängige Journalisten so vor Ort erleben - z.B. hier vom ZDF:

http://tinyurl.com/nvw87d

Der erste Beitrag ist sehenswert!

Antworten Antworten Gast: Niki
15.06.2009 13:45
0 0

Re: Re: was soll diese Überschrift?

auch dieser Beitrag ist einseitig und daraus Wahlbetrug zu schließen ist wohl Wunschdenken westlicher Journalisten. Das ZDF-Team ärgert sich über Behinderungen und reagiert darauf so agressiv wie der ORF auf alles was von der FPÖ kommt...

Gast: Freigeist
14.06.2009 09:00
0 0

Nur eine Frage der Perspektive

Demokratie sieht in den USA so aus: Erst sorgen Wirtschaft und Kapital dafür, dass zu einer Wahl nur Kandidaten antreten, die den obersten Kapitalisten genehm sind und das Ausbeutungsprinzip nicht infrage stellen. Dann dürfen die Bewerber Wahlkampf spielen; diesmal gab es sogar eine heftige Fernsehdiskussion zwischen den Präsidentschaftsanwärtern. Am Ende gewinnt aber immer der Richtige; da hilft das Kapital zur Not schon nach.

Antworten Gast: lupo13
14.06.2009 12:18
0 0

Re: Nur eine Frage der Perspektive

Schon lange nicht mehr so einen zutreffenden Kommentar gelesen - 1 A

P.S Sie sollten Leitartikel verfassen

Gast: ProConsul
13.06.2009 23:42
0 0

was ist aus dem persischen Volk geworden?

von ein paar halbgebildeten Fanatikern lassen sie sich ihrer Freiheit berauben. Warum unternimmt die Exil-Elite nichts? Die führen in den USA/Kanada ein sorgenfreies Leben, anstatt sich für die Befreiung ihres Landes einzusetzen. Es ist wirklich traurig was da passiert.

Antworten MiNeum71
15.06.2009 10:57
0 0

Re: was ist aus dem persischen Volk geworden?


Die Exil-Iraner sitzen auf ihren fetten Wohlstandsärschen in Tehrangeles und genießen das Leben; denen ist es völlig egal, was im Iran passiert.

untertan
13.06.2009 19:49
0 0

Sehr geehrter Herr Ultsch.

Ihr Kommentar ist entbehrlich. Und widersprüchlich.

Antworten Gast: Pete Bondurant
13.06.2009 22:23
0 0

Re: Sehr geehrter Herr Ultsch.

wieso bitte?

 
1 2

Mehr Kommentare:

Top-News