11.02.2012 07:57 | Meine Presse Merkliste0

Der große Krieg als Kostümfundus

RAINER NOWAK (Die Presse)

Der 70. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkriegs zeigt: Nicht nur Österreich tut sich schwer. Dabei ist er schon Kulisse.

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Heute vor 70 Jahren begann die militärische Aggression Nazi-Deutschlands gegen Polen und damit die westliche Welt. Heute werden an zahlreichen Orten Gedenkveranstaltungen abgehalten. Werden Politiker wortreich das Projekt Europa loben, in dem keine Kriege mehr möglich seien. Werden nicht nur Überlebende des Holocaust vor der Rückkehr des Faschismus warnen. Und natürlich wird die aktuelle historische Befindlichkeit eine große Rolle spielen. Wenn etwa nur Frankreichs Regierungschef François Fillon Polen besucht und die Regierungschefs aus den USA und Großbritannien nicht, sorgt das für böses Blut in Polen. Für Aufsehen sorgt auch der Besuch des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. In Russland datiert der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941. Für die Polen sind der kurz vor dem deutschen Angriff auf Polen unterzeichnete Hitler-Stalin-Pakt und der Einmarsch aus dem Osten der Grund, dass die Rote Armee ihrem Gefühl nach der Aggressor blieb – auch nachdem die Nazis vor ihr den Rückzug antreten mussten. Das nehmen ihnen die Russen bis heute übel, die Boulevardzeitungen leisten das Ihre, um den Streit nicht einschlafen zu lassen.

Dass Angela Merkel ohne großen Konflikt im Gepäck nach Polen fahren kann, zeigt aber auch, dass alte Ressentiments und Verwundungen überwunden werden können: Zwischen Deutschland und Polen bringt das Thema Zweiter Weltkrieg derzeit keine großen Spannungen, das war vor Kurzem wegen der Vertreibung der deutschen Bevölkerung in Polen noch anders.

Und in Österreich? Was passiert hier? Wenig. In Wien legen Bürgermeister Michael Häupl, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha einen Kranz nieder. Bundespräsident Heinz Fischer hat sich ein paar Gedanken notiert und diese verlautbaren lassen: „Der 1. September 1939 war ein wahrhaft historisches Datum, denn durch den Zweiten Weltkrieg sind in Summe nicht nur mehr als 50 Millionen Menschen (...) ums Leben gekommen und ungezählte Dörfer, Städte und Regionen dem Erdboden gleichgemacht worden, sondern es sind auch die Landkarten Europas und Asiens fundamental verändert worden. Der Zweite Weltkrieg hatte millionenfach schreckliche Einzelschicksale zur Folge, er war mit dem Holocaust, also der systematischen Vernichtung von sechs Millionen Juden, verbunden, und er hat Russland bzw. der Sowjetunion unvorstellbare Opfer abverlangt – letzten Endes aber dem Stalinismus einen enormen Machtgewinn und eine Ausdehnung seines Herrschaftsbereiches bis ins Zentrum Europas ermöglicht. Sagt der Bundespräsident. Wir gehen davon aus, dass er „diese Ausdehnung“, die er in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnen musste, ebenfalls schärfstens ablehnt. Was zu erwähnen ohnehin überflüssig, weil logisch, ist.

Sonst herrscht Schweigen an diesem Tag, wie Historiker und Intellektuelle kritisieren. Man könnte einwenden, dass es – siehe Fischers Aussendung – keinen allzu großen Verlust für die Geschichtsschreibung darstellt, wenn Werner Faymann und Josef Pröll keine mahnend-erinnernden Worte finden. Außerdem sei der kurze Hinweis erlaubt, dass die allgemeine Jahrestags- und Gedenkkultur nur dazu führt, dass wir langsam den Überblick verlieren, ob nun 1989, 1939, 1934 oder 1909 zum Thematisieren und Erinnern anstehen und welches nun das wichtigste Datum ist. Damit kommt es nicht zuletzt zu einer Inflation, die dazu führen wird, dass echte große Jahrhunderttage irgendwann auch irrelevant werden. Im Fall Österreichs und des Zweiten Weltkriegs kommt allerdings ein anderes Motiv der dezenten Verdrängung hinzu: Mit dem Zweiten Weltkrieg haben wir als erstes politisches Opfer – an ein militärisches glaubt kaum einer mehr – nichts zu tun, so die jahrelang aufrechterhaltene Linie. Dass zahlreiche Österreicher den Angriffskrieg, teils begeistert, teils unfreiwillig, mittragen mussten, wurde dabei gern vergessen. Dieses Nichtbekennen führt etwa dazu, dass es in Deutschland natürlich militärische Einrichtungen gibt, die die Namen von Hitler-Attentäter von Stauffenberg und seiner Mitstreiter tragen. In Österreich erinnert jedoch keine einzige Kaserne an die österreichischen Helden des 20. Juli 1944.

Die stärkste Ansage zum 70. Jahrestag des Zweiten Weltkriegs kommt übrigens ausgerechnet aus Hollywood: Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ verwendet ihn als bunte Kulisse für einen schnellen, intelligenten und sehr unterhaltsamen Trash-Trip. Erstmals vertauscht da einer Rollen, Zuschreibungen, spielt mit Geschichtsfälschung. Ist es schon so weit weg, dass der große Krieg als reiner Kostümfundus herhalten darf?

Ja, so weit ist es schon. Was kein Problem ist, solange über diesen Krieg noch lange gestritten und diskutiert wird.


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2009)

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29 Kommentare
 
1 2
Gast: Florian
02.09.2009 12:44
0 0

Meinen Sie das wirklich Ernst, Herr Nowak???

Die üblichen Platitüden, die wohl die meisten Kommentatoren an solchen Gedenktagen zu veröffentlichen pflegt, können bestenfalls ermüden - aber die Bewertung eines rassistischen, dummdreisten Trashfilms als "intelligent" läßt an der Intelligenz des Kommentators zweifeln.... Was wäre wohl los im Blätterwald, wenn in einem ach so lustig-intelligenten Trashfilm statt deutschen irgendwelche anderen Soldaten (horribile dictu: eventuell israelische von einer palästinensischen Terroristenbande?) bestialisch ermordet würden? Würden Sie sich dann immer noch vor Lachen auf die Schenkel klopfen und "Zugabe" rufen? Einfach nur erbärmlich.

Antworten Gast: schlÄchter
02.09.2009 17:01
0 0

Re: Meinen Sie das wirklich Ernst, Herr Nowak???

sg herr florian!
sehen sie die grausige filmszene doch anderst: die nazijäger "inglorios basterds" kommen doch wirklich mies rüber - die ermordung und folterung von kriegsgefangenen. die "deutschen opfer" auch in der kellerbarszene sind doch eigentlich sehr menschlcih und sympathisch gezeichnet - im gegesatz zu den sadistischen basterds.
auch ist der eigentliche beherrschende charakter jenes des klugen oberst landa und nicht des dumpen + grausamen US-hillbillies "apache", dessen plan ohne eben dem überlegenen landa nicht geklappt hätte.
nein, "inglorious basterds" ist ein durchaus vielschichtiger und durchdachter film, bei dem gerade die deutschen soldaten nicht nur nazi-schlachtvieh sind.

mfg
s.

Arethas
01.09.2009 23:59
0 0

Differenzierung

So ist das also: Die Deutschen überfallen, die Sowjets hingegen marschieren ein. Vergessen werden die Westalliierten: Die befreien.

Paganus
01.09.2009 16:36
0 0

In Österreich erinnert keine einzige Kaserne an die Helden des 20. Juli 1944

Dafür hat laut dem BSA-Buch "Der Wille zum aufrechten Gang" der nachmalige österreichische Landwirtschaftsminister Günther Haiden am 20. Juli 1944 seine Mitgliedschaft bei der NSDAP beantragt ...

texx
01.09.2009 16:03
2 0

ewig gleiche leier

regelmäßig bekomme ich indirekt durch die angebliche elite dieses landes und die medien ausgerichtet, dass ich mich gefälligst an die schreckliche zeit des 2. WK erinnern zu habe. warum eigentlich? nicht, dass ich mich nicht dafür interessiere, nicht, dass ich das geschehen von damals kritisch betrachte und mit dem seinerzeit vertretenen gedankengut aber auch gar nichts zu tun haben will. aber warum, bitte sehr, soll für mich gelten, was wir vermeintlich rückständigen anderen zivilisationen vorwerfen: der begriff heißt sippenhaftung.

ns-verbrechern gehört auch heute noch der prozess gemacht, es ist gut und billig alles zu tun, damit sowas nicht noch einmal geschieht. aber ich bin es leid, dass mir ewig ein spiegel vorgehalten wird, in dem ich die fratze des nationalsozialismus sehen soll, in wahrheit aber nur mich selbst im 21. jahrhundert sehe.

Antworten dr. ochs
01.09.2009 20:31
0 0

Re: ewig gleiche leier

Ist blöd stellen wirklich so geil. Auch unter Pseudonym (=Nickname) muss das doch ziemlich peinlich sein! Typische für unsere Zivilsation (Sie werden nicht wissen, was das ist...) ist eine gewisse Gedenkkultur! Heuer wurde - in ganz Österreich - des 200. Jahrestages des Aufstandes des Tirolers Andreas Hofer gedacht. Nur zum Beispiel. Vis a vis von der Universität (Sie werden nicht wissen, was das ist...) steht das Liebenbergdenkmal - Türkenbelagerung... Bei jedem runden Jahrestag wird dort gefeiert, gedacht. Was soll das pubertäre Geseiere, dass Sie, ausgerechnet Sie, an irgendetwas teilnehmen müssen! Schauen Sie sich die Bilder in der Krone an.

Gast: Beobachter
01.09.2009 13:03
0 0

Geschichtsscheibung durch......

Für Österreich ist 1938 kein Ruhmesblatt, 1945 gewiss eine Befreiung mit der bequemsten Variante der Opfertheorie und 1955 die Hingebung an die immerwährende Neutralität die unserer Mentalität so sehr entspricht und diese auch mitgeprägt hat. Immer dann, wenn eine "gute Zahl" für die Rückrechnung auf 1934 ansteht, dann ist in Österreich großes Gedenken, die "Linke" speziell motiviert u. unserem BP Dr. Fischer mehr als eine Aussendung wert. Hat doch der "Arbeitermörder" Dollfuss begonnen den Österreichern den "Faschismus zu lehren" und damit in die nationalsozialistische Katastrophe zu führen. Die Stimmen die dieser These einige Fakten entgegen halten, vor allem die Tatsache, dass die Nazidiktatur durch den ständigen Vergleich mit dem austrofaschistischen Ständestaat in bedenklicher Weise verharmlost wird, diese Stimmen sind zwar in einer qualifizierten Minderheit aber doch in einer Minderheit, vor allem an den Universitäten, die in 1970er bis 90ern von - bekennenden - Austromarxisten dominiert wurden. Die Jahre 1938/39 würden sich in Österreich für das Gedenken an Mitläufertum (heute würde der Begriff "Flexibilität" entsprechen) und möglichen oder nicht möglichen Widerstand Sinn machen. Warum sich z.B. die Jugend nicht gegen den Begriff "Wiederaufbaugeneration" mit der Frage "Wer trägt die Verantwortung dafür, dass wiederaufgebaut werden musste?" zu wehren verstand. Es ist Zeit an der Reflexion der "Opfertheorie" zu arbeiten um der Ehrlichkeit mehr Platz zu verschaffen.

Gast: glorious reader
01.09.2009 12:40
1 0

und übrigens

Interessanter Kommentar, allerdings frage ich mich, ob Herr Novak "Inglourious Basterds" tatsächlich gesehen hat. Dieser Film ist alles mögliche, aber sicher nicht schnell oder unterhaltsam, und schon gar nicht intelligent.

Gast: Parvus
01.09.2009 10:05
1 0

Man sieht halt wieder ...

... wie schwer es der Masse fällt, Verstehen und Rechtfertigung zu trennen. Die Suche nach der Kollektivschuld pocht immer wieder auf das Völkische im Nationalen, gerade durch die "Internationalen". Also trifft sich der Nationalismus im Internationalismus. Wen wunderts dann, dass heutige kulturelle Hegemonie so ist wie sie ist. Siehe obigen Artikel!

Gast: schlÄchter
01.09.2009 09:41
0 0

sg herr vovak!

so wie sie kann man es durchaus sehen.

ich erlaube mnir aber 2 zusätze:
1. 70 jahre ist es her - fast ein menschenleben - da liegt es in der natur der sache, dass "vergessen", relativiert und toleranter beurteilt wird.
freuen wir uns, dass neue generationen herangewachsen sind, eine aussöhnung tatsächliche erfolgte, - gerade zw. D und F aber auch D und PL. wer hätte noch vor 20 jahren gegelaubt , dass der geteilte kontinent zusammenwächst, der kalte krieg tatsächlich nie heiß wird. faschimus und kommunismus sind tot, demokratien haben sich in europa durchgesetzt und werden auch von den relevanten gruppen am linken und rechten polit. spektrum akzeptiert.

2. Österreich: die völkerrechtliche "lüge" oder auslegung hinsichtl. opferrolle Ö 1938 ist sicher kein ruhmesblatt, aber aus den damaligen umständen und notwendiglkeiten heraus nachvollzihebar. eine aufarbeitung ist erfolgt, ich kenne keinen Ö der ernsthaft in abrede stellt, dass der weit überwiegende teil unserer vorfahren sich zum anschluß bekannte, hitler als hoffnung verstand und das rgime zumindestens so mitgetragen hat. niemand will ernsthaft je wieder einen hitler II,
freuen wir uns doch auch über diese gelungene selbstreflektion.

jetzt gilt es die heutigen gefahrvollen entwickllungen zu beachten +nicht durch falschverstandene aus vergangenheitsbewältigung abgeleiteteten kuzlturrrlativismus und selbstbetrug (ich muss nur fest gegen nazis sein, dann bin ich selbst sicher keiner) zu verkennen.
mfg
s.


Gast: Leser
01.09.2009 07:38
0 1

Herr Nowak scheint von der sehr einfach gestrickten Kinogehersorte zu sein...

..wenn ihm Tarantino gefällt.
So mehr der Film für 16jährige Blut und Splatterfans.

Gast: Spengler
31.08.2009 23:47
0 0

Bezeichnend ...

... dass Herr Fischer und Konsorten routinemäßiges Mitleid mit allen Kriegsopfern (Russen, Juden etc. etc.) zum Ausdruck bringen, ausgenommen die eigenen Väter und Großväter. Könnte da eine jahrzehntelange einseitige Beeinflussung Konsequenzen zeitigen?

Antworten Gast: Beobachter
01.09.2009 13:41
0 0

Nur die "Eigenen"

Geht es immer nur um die "Eigenen". Es ist eben Faktum: Deutschland und mit diesem auch viele Österreicher - die sich zu einem erheblichen Teil zu diesem bekannten, weil sie damit Hoffnung verbanden - haben diesen schrecklichen Krieg begonnen und sind schießend und mordend über Europa hergefallen. Natürlich unter Befehl einer menschenverachtenden Diktatur. Ich höre als Kind lange Zeit Berichte über die schreckliche Zeit der "russischen Besatzung" in Österreich. Erst später habe ich verstehen können, wie schrecklich der Krieg vor allem für die russische Bevölkerung war und die russischen Soldaten beim Marsch nach dem Westen sahen was die Menschen an Leid erdulden mussten. Ich bin es leid, wenn immer nur vom Leid der "Eigenen" die diesen "scheiss Krieg" begonnen haben, zu hören. Auch auf die Gefahr hin zu den Volksverrätern gerechnet zu werden, schreibe ich diese Zeilen. Unrecht ist Unrecht, ganz gleich wer es begeht, das sollten wir endlich versuchen zu verstehen, denn nur dadurch wahren wir die Chance auf Frieden.

Antworten Antworten Gast: Spengler
01.09.2009 20:32
1 0

"Immer nur" die Eigenen?

Meine Wahrnehmung ist der Ihrigen ziemlich genau diametral. Vor allem in der öffentlichen Darstellung höre ich über die Eigenen so gut wie gar nichts mehr. "Die Deutschen" (oder Österreicher) haben den Krieg nicht begonnen, ebenso wie "die Russen" nicht 1939 den Einmarsch nach Polen befohlen haben (insofern ist auch Herrn Novaks Geschichtsbild völlig verdreht, wenn er den Eintritt der SU in den 2.WK erst mit 1941 datiert: Polen? Die Baltischen Staaten? Finnland?). Von den Bedingungen eines totalitären Systems kann sich unsere wohstandsverwahrloste Generation ohnehin kaum mehr eine Vorstellung machen, aber an zeigefingerhebener Besserwisserei mangelt es ihr ja nicht im geringsten. Und noch eines: es gibt keinen zwangsweisen Determinismus, der ein Verbrechen zur notwendigen Konsequenz eines anderen macht. Das hätte insbesondere die Geschichtsschreibung zu den Vertreibungen nach 1945 endlich zu lernen.

Logos21
31.08.2009 23:06
0 0

Herrn Nowaks WKII Trip

+
"...vor der Rückkehr des Faschismus warnen." Hitler war Betreibe des Nationalen SOZIALISMUS - nicht ohne Grund.
+
Fischer findet Stalin schrecklich: nein, nur auf seine alten Tage. Er kommt aus einer Kommunistenfamilie, wie auch seine Frau. Und ist Freund Nordkoreas.

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
31.08.2009 22:13
0 0

vielleicht...

... ist es ja wirklich schon zu weit weg. über den ersten weltkrieg (welcher in wahrheit viel gravierendere auswirkungen auf die weltordnung hatte und ohne diesen der zweite weltkrieg erst gar nicht stattgefunden hätte) wird ja so gut wie überhaupt nicht gesprochen - es gibt dazu im deutschsprachigen raum kaum bücher (ausser man sucht in antiquariaten oder im internet), so gut wie nichts im tv und im geschichtsunterricht wird dieser in max. 3 unterrichtsstunden abgehandelt. vielleicht, weil man da nicht so wie bei wk2 einen einzigen ultra-bösen festmachen kann.

Antworten Gast: Herr Eggers
01.09.2009 05:44
0 1

Unsinn!

Über den 1. Weltkrieg (seine Genese, sowie die Schuldfrage) gibt es - gerade im deutschen Sprachraum - genug Literatur. Es ist halt nur so, dass diese Literatur, die sich zu 99 % auf die Regierungs-Protokolle des Deutschen Kaiserreiches stützt, zu einer einzigen Wahrheit kommt: der 1. Weltkrieg wurde vom Kaiserreich planvoll und energisch herbeigeführt. Für jeden Nicht-Nazi, Nicht-Dummkopf war das aber schon seit den frühen 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts klar. Für die (denken wollende!!!)) Mehrheit im deutschen Sprachraum erst durch den bedeutenden Historiker Fritz Fischer ("Griff nach der Weltmacht", 1961). Allerdings ist das keine Literatur für die Leser von Landser-Heftln!

Antworten Antworten Arethas
02.09.2009 00:12
0 0

Re: Unsinn!

Dann ist ja alles klar: Die Deutschen haben Franz Ferdinand erschossen...

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
01.09.2009 12:21
2 0

Re: Unsinn!

sg herr eggers!
die von ihnen erwähnte "fischer-kontroverse" beruht, wie richtiog dargestellt auf dem reichsdeutschen archivmaterial stützt. fischer wurde damals alks 2verräter" hingestellt, obwohl seine arbeit durchaus wissenschaftl standards entsprch und eben die quellen zumindestens methodisch sehr gut aufbearbeietet.
seoine thesen(!) sind aber sowohl in deutschland als auch im ausland nicht unebstritten - auch von historikern und lassen auch die bisher noch nicht im gleichen ausmaß vorgenommene aufarbeiteung der archivbve der entente-mächte und er usa außer acht.

heute sind genese und schuldfrage nicht eindeutig historisch gelöst, fischers ansatz ist einer von vielen (aneben gibts vor allem auch jenen, des "hineinschlitterns" aller beteiligten), wenn auch ein sicher gut argumentierter und belegter was die deutschen Quellen betrifft.

die umstände und die persönlichkeiten der handelnden personen (insb. wilhelm II) sprechen sicher auch nicht unbedingt dagegen ;-)

was das mit nazi zu tun hat, ist für mich aber nicht nachvollziehbar.

mfg
s.

Antworten Antworten Austrian
01.09.2009 09:53
2 0

Re: Unsinn!

Ja, Deutschland ist wie immer am allen schuld!
Das arme arme britische Empire - lässt sich in seiner ganzen Weltmacht ganz einfach so in einen Krieg zwingen! Hilfe! Rettet uns vor dem teutonischen Übel!

Die Briten haben ja auch ein gottgegebenes Recht auf Kolonien und eine starke Flotte und Weltherrschaft, natürlich! Am Panslawismus ist selbstverständlichauch Deutschland schuld, ohne Zweifel!
Und 1871 - das können diese armen, selbstlosen Franzosen doch nicht zulassen, dass sich ihre zersplitterten Nachbarn doch wiedervereinigen? Reine Selbstverteidigung, dieser Angriffskrieg (den sie halt leider verloren haben, oh grausames Schicksal)...!

Ich sag jetzt nicht dass die Deutschen komplett unschuldig warn - mitschuldig war da ganz Europa. Aber solche Aussagen können Sie sich echt sparen.

Ach und im Bezug auf 2.WK - würd mich mal interessieren, was die Polen in der Zwischenkriegszeit so mit ihren (ukrainischen) Minderheiten getrieben haben... hab da ja schon einiges gelesen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Herr Eggers
01.09.2009 10:25
0 2

Re: Re: Unsinn!

Grundsätzlich: welche Aussagen ich mir sparen kann, geht Sie - mit Verlaub - einen Dreck an!
Ich mach mir keine Illusionen: Die Welt ist voll von Leuten, die glauben die Erde sei eine Scheibe, die Welt ist voll von Leuten, die glauben, Gott hat die Erde in 6 Tagen geschaffen. Die Welt ist voll von Leuten, die glauben, wenn man als Märtyrer stirbt, dann warten im Paradies 76 Jungfrauen...usw...usw.. Was allerdings nervt, ist, dass Leute, die ihre Bildung aus Landeserheftln beziehen, sich bei ernsthaften historischen Fragen zu Wort rülpsen!
Aber ich bin Demokrat genug um zu sagen, dass in einer Demokratie auch die Trotteln das Recht haben sich zu melden!

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Re: Re: Re: Unsinn!

wow, welch delikate wortwahl, da können die argumente nur richtig sein. auch wenn man eine halbe wand mit wissenschaftlicher litu füllen könnte, die es anders herum sieht. sie sollten noch etwas kräftigerauf die pauke hauen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten dr. ochs
01.09.2009 17:39
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Re: Re: Re: Re: Unsinn!

Nennen Sie bitte 1 (ein) wissenschaftliches Buch in dem über die Kriegsschuldfrage des WK I etwas anderes steht! Auch wenn ich auf Grund Ihres kleinschreib-postings und Ihrer Wortwahl - "wow" und "litu" - (in welchem teutonischen Stammesgebiet wird Literatur mit litu abgekürzt?) annehmen, dass Sie kaum eine Ahnung von Wissenschaft haben. Also 1 (ein) wissenschaftliches Werk. Donald Duck, Fix und Foxi, Landser, Grimms Märchen etc. akzeptiere ich nicht!

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Re: Re: Re: Re: Re: Unsinn!

George MacDonald Fraser: Flashman at the Charge!! Kein Problem - den begreift jeder!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten dr. ochs
01.09.2009 18:15
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Unsinn!

Nu, George MacDonald Fraser ist - wie z.B. auch P.G. Wodehouse - ein angelsächsische Geschenk an die lesende, denkende (sprich nichtgermanische) Menschheit, nur als "halbe wand mit wissenschaftlicher litu" ist er eindeutig eine Fehlbesetzung. Ich glaube Ihnen übrigens keine Sekunde, dass Sie auch nur eine Zeile von ihm gelesen haben. Sonst würden Sie sich nämlich nicht mit einem teutonischen Dumpfgummi-Posting outen!

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Unsinn!

danke für den hinweis. nachdem ich von Fraser alles habe werde ich jetzt mir Wodehouse bei Amazon besorgen. bin immer offen für gute, wenn auch unbeabsichtigte, ratschläge. n.b. ich habe auch einen dr. aber auf solidem gebiet. aber habe immer die esoterischen -ologie studien vermieden da solche leute dann dazu tendieren grandiosen unsinn - s. oben - abzusondern.

 
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