22.03.2010 13:12 | Meine Presse Merkliste0

Irans einzige Hoffnung ist ein Regimewechsel

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Die Atomverhandlungen mit Irans Regime führen ins Nichts. Es ist Zeit, Ahmadinejad und Co. zu isolieren.

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Seit sechs Jahren reden Diplomaten auf das iranische Regime ein, damit es sein Atomprogramm einstellt. Seit fast fünf Jahren bieten die USA und die EU politische und wirtschaftliche Konzessionen bis hin zu einem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO an, wenn sich die Islamische Republik nur glaubhaft von der Atombombe verabschiedet. Seit mehr als einem Jahr streckt ein neuer gesprächswilliger US-Präsident um einiges emphatischer als sein Vorgänger seine Hand aus – und greift damit ins Leere. Seit mehr als vier Monaten wartet die Weltgemeinschaft darauf, dass die Teheraner Führung einen Kompromissvorschlag, dem sie am 1.Oktober in Genf prinzipiell zugestimmt hat, endlich auch umsetzt und Uran im Ausland anreichern lässt. Umsonst.

Die Langmut wurde nicht belohnt. Die iranischen Machthaber haben die rührend bemühten Emissäre diverser Staatskanzleien in all den Jahren entweder in die Irre oder vorgeführt. Wobei die Raffinesse, die manche anfangs noch bewundernd konstatiert haben, platter und rüder Chuzpe gewichen ist. Mitte vergangener Woche noch ließ Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad ausrichten, dass er gar nichts dagegen habe, wenn der Iran sein Uran in Russland anreichern lasse. Wieder hoffte man auf einen Durchbruch. Als dann noch Irans Außenminister Mottaki zur Sicherheitskonferenz nach München kam, schien ein glückliches Ende ganz nah. Doch Mottaki palaverte nur und stellte keck neue Bedingungen. Am Sonntag dann ließ Ahmadinejad den Vorhang für sein absurdes Improvisationsdramolett fallen. „Doktor Salehi“, rief er dem Chef seiner Atomenergiebehörde in einer vom Fernsehen übertragenen Rede zu, „beginnen Sie, das Uran auf 20Prozent anzureichern!“ Der Westen habe genug Spielchen getrieben.

Zu 0,7 Prozent kommt Uran-235 im natürlichen Uran vor. Für Atomreaktoren braucht man drei, für medizinische Zwecke 20, für die Atombombe 85 Prozent. Die internationale Gemeinschaft hat dem Iran offeriert, das medizinische Material im Ausland herstellen zu lassen – so, dass es danach nicht atomwaffenfähig gemacht werden kann. Ziel dieser Taktik war es, große Mengen iranischen Urans für ein paar Monate außer Landes zu schaffen und Zeit für eine Verhandlungslösung zu gewinnen.

Doch spätestens nach den neuesten Volten Ahmadinejads müsste auch dem letzten naiven Verfechter des bedingungslosen Dialogs klar sein, dass die Entscheidungsträger in Teheran kein Interesse an einer Verhandlungslösung haben. Diese Regierung ist nicht einmal mehr bereit, primitivste Regeln diplomatischer Höflichkeit einzuhalten. Sie will die Konfrontation, und sie will Zeit gewinnen, um der Atombombe so nahe wie möglich zu kommen.

Der Westen wäre gut beraten, seine Strategie zu ändern. Um nur ja die schleppenden Atomverhandlungen nicht zu stören, hielten sich die EU und die USA mit Kritik zurück, als das iranische Regime im vergangenen Sommer erst Wahlen fälschen und dann Demonstranten niederknüppeln und verhaften ließ. Ahmadinejad & Co. solle kein Vorwand geliefert werden, das Ausland für die Massenproteste verantwortlich zu machen, hieß es zunächst mit pseudo-einfühlsamem Zungenschlag. Doch genau das machte das iranische Schlägerregime dann natürlich ohnedies in gewohnter verschwörungstheoretischer Manier. Und mittlerweile sperrt es Oppositionelle nicht nur ein, sondern lässt sie auch hinrichten.


Trotz aller Einschüchterungsversuche gehen mutige Iraner weiter auf die Straße, um für ihr Recht einzutreten. Seit ihrer Gründung vor 31 Jahren ist die Islamische Republik nicht gewankt wie jetzt. Die beste Hoffnung auf ein Ende der Querelen mit dem Iran ist ein Regimewechsel. Darauf sollte der Westen hinarbeiten. Zwei friedliche Mittel stehen Europa und den USA (auf China und Russland sollte niemand hoffen) zu Gebote: volle Unterstützung für die Oppositionsbewegung und gezielte Sanktionen gegen das Regime, vor allem auch gegen die Revolutionsgarden.

Selbst bei einem Sturz des Regimes gäbe es keine Garantie, dass der Iran auf sein Atomprogramm verzichtet. Auch Oppositionsführer Moussavi etwa hat sich bekanntlich für die nukleare Option ausgesprochen. Doch es böte sich immerhin die Möglichkeit, dass eine verantwortungsvollere Regierung an die Macht kommt, die Vernunftargumenten zugänglich ist und ihr Atommaterial wenigstens nicht an extremistische Verbündete wie die Hamas oder die Hisbollah weitergibt.

Übrigens: Regimewechsel sind auch ohne die Brachialmethoden eines George W. Bush vorstellbar.


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2010)

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13 Kommentare
Gast: Österreich
10.02.2010 02:37
1 0

Was geht die USA der Nahe Osten an? Fühlen sie sich durch den Iran zuhause bedroht?

Natürlich nicht. Die großen Mächte haben in der erdölreichen Region ein massives Wirtschaftliches Interesse. Das geht bis zu der Zeit zurück, als die Engländer im 17. u. 18. Jh ein riesiger, die ganze Welt und fast alle Kontinente umfassendes Kolonialreich gründeten. Dem Nahen Osten wurde jedenfalls systematisch das Selbstbestimmungsreich verwehrt, nachdem sich das Osmanische Reich nach dem 1.WK. auflöste. In Arabien wurden die Grenzen von den Siegermächten willkürlich gezogen und ihnen genehme Regime eingerichtet. Noch zur Zeit von Mossadeq wurden - in Nachfolge der Briten - die iranischen Staatsoberhaupter und Regierungen vom CIA ein- u. abgesetzt, was schließlich zur islamischen Revolution und dem Verlust des Irans als verläßlichen Stützpfeiler der USA führte. Seither sind die USA wieder bestrebt, ein US-freundliches Regime im Iran durch Sanktionen, Drohungen etc. zu installieren. Angesichts dieser Drohungen (nicht zuletzt auch Israels, die Atomanlagen zu bombardieren - die verheerenden Folgen muß man sich einmal vorstellen) wäre der Wunsch des Irans nach eigener Atomwaffen zur Herstellung eines "Gleichgewichtes des Schreckens" (soferne solche Pläne tatsachlich bestehen) nicht ganz unverständlich.

Kommt der Iran wieder unter die Kontrolle der USA, so ist wohl das Schicksal Palästinas besiegelt und Mitteleuropa droht wohl eine neue Flüchlingswelle von zur Auswanderung "überredeten" Palästinensern!

Gast: Leser
09.02.2010 13:33
1 1

Ausgestreckte Hand

Wie wäre es, wenn die USA statt der ausgestreckten (leeren) Hand mit gutem Beispiel vorangehen würden, und ihr eigenes Nuklearprogramm stoppen und die vorhandenen A-Bomben vernichten würden? Das wär doch mal was. So sieht das alles (nicht nur für den Iran) nach "quod licet Iovi, non licet bovi" aus und ist, folgerichtig, nicht sehr effektiv.

Antworten Gast: schlÄchter
09.02.2010 15:06
0 0

Re: Ausgestreckte Hand

sg leser!
nun das wirds natürlich auch nicht sein, eine reduktion der overkill-möglichkeiten ja, aber eine völlige atomare entwaffnung der usa, des westens oder gar des stets existenzbedrohten israel kann niemand ernsthaft erhoffen: wir würden uns erpressbar machen.

aber-und da bin ich bei ihnen- nicht nur jupiter wird in hinkunft über atomwaffen verfügen-das ist gar nicht verhoinderbar und mit pakistan und nordkorea sind ohnehin schon zwei innenpolitisch weitaus schwierigere atommächte vorhanden, als es der iran (derzeit) ist.

mfg
s.

3 0

Bunkerbuster


Ein paar dutzend Bunkerbuster auf die Atomanlagen, eine Handvoll Cruise Missiles auf die Regierungssitze und das Problem ist gelöst.

Es ist unverständlich wie lange sich der Westen von ein paar verrückten Mullahs auf der nase herumtanzen lässt. Muss wirklich erst die atomare Erpressung oder die AUslöschung Isr aels abgewartet werden bevor man sich zum Handeln entschließt?

Antworten Gast: schlÄchter
09.02.2010 14:11
0 1

Re: Bunkerbuster

sg wolf!
hier bin ich überhaupt nicht ihrer meinung!
es ist doch bitte völlig realitätsfremd zu glauben, dass durch einen solchen militärschlag-dessen erfolg keineswegs garantiert ist-die atomwaffenproliferation dauerhaft verhindert wird. mit staaten kann man wenigstens verhandeln-auf gegenseitige abschreckung setzen - auch der iran kann aufgrund seiner führunsgsstruktur nicht leichtfertig solche waffen einesetzen, was aber tun wenn nichtstaatliche gruppen sich mit entsprechenden massenvernichjtungswaffen eindecken ? machens dann auch militärschläge? wie siehts mit dem wesenrtlich instabileren und politisch wohl auch kaum verlässlicheren pakistan aus?
sie riskieren einen krieg für ein hasardunternehmen mit ungewissem ausgang - bei einem angriff wird der iran und die ganze islamische welt sich mit recht solidarisieren- sie negieren völlig das selbstbestimmungsrecht des iran, dessen leidvolle geschichte im zusammenhang mit ausländischer bevormundung, machen sich keine gedanken was der iran auch ohne atomwaffen militärisch in dieser hochsensiblen region bewirken kann (sperrung der straße von hormus).

nein, das kanns wirklich nicht sein.
israel: natürlich leben die israelis in stetiger bedrohung-das wird sich aber nicht ändern, es kann nur auf abschreckung setzen und muss sich bewusst werden, dass ein solches damoklesschwert eben dauerhaft vorhanden bleibt-auch wir im westen.

mfg
s.

1 1

natürlich ist ein regimewechsel nötig.

wie allerdings versucht der westen, das zu fördern?

wirtschafts-sanktionen.
diplomatische sanktionen.
militärische drohgebärden.

all das führt aber zu einer STÄRKUNG des regimes!

wenn also der westen tatsächlich interesse an einem vernünftigen iran hat, sollte schleunigst eine andere strategie gefahren werden!

luda2010
11.02.2010 19:35
0 0

Re: natürlich ist ein regimewechsel nötig.

stimmt, aber welche?

vielleicht sollte man sich ganz aus dem Nahen Osten zurückziehen, und nicht ständig Öl ins Feuer werfen ???

1 3

Es ist fast beaengstigent wie steril Journalisten denken

Regimewechsel ist die einzige Moeglichkeit den Machtherren in den U.S.A. und Israel entgegenzukommen.
Warum nicht gleichzeitig von Israel verlangen, Ihre Nuklearkapabilitaet offenzulegen. Die Atombehoerde sollte ebenso in Israel sein, nicht nur in Nordkorea, und Iran.
Dass der Iran genauso viele Rechte besitzt wie Israel sollte jedem einleuchten.
Dass man in Israel mit allen Mitteln versucht den Iran zu stoppen, ebenso.
Nein, nicht aufgezwungene, vom Westen inszenierte Regimewechsel, sondern Fairness, sollten die Richtlinien sein.
Brainwashing wie Christian Ulsch betreibt ist mit Sicherheit einem juedischen Background zu verdanken.
Schade, dass ein Paradeblatt wie die Presse dazu benutzt wird einseitige Berichte wie diesen zu verfassen.
Oesterreich als Scheuklappenkulisse ist nicht mehr wegzudenken, unsere Identitaet ging vor Jahrzehnten verloren.
Leider ist die anlaufende Kriegstrommlerei nicht amuesant, finde ich.


luda2010
11.02.2010 19:33
0 0

Re: Es ist fast beaengstigent wie steril Journalisten denken

den Regimewachsel wollen auch viele Iraner. aber: die einseitige Bevorzugung bestimmter Länder (zb Israel) be-stärkt das aktuelle Iran. Regime enorm. Solange der Westen nicht fair ist, was kann man vom Iran erwarten? deswegen sehen ihn manche auch als Helden, der sich nicht zur Marionette des Westens machen läßt. er füllt ein Vakuum.

Gast: netter gast
08.02.2010 21:13
0 4

Beinahe amüsant

Beinahe , aber nur beinahe amüsant --
eigentlich traurig ,
wie in unseren Medien rosenkranzartig die politische Kampfvorgabe :
Ahmadinejad böse
nachgebetet wird .
Es gibt keinen Nachweis einer Wahlfälschung im Iran . Auch Umfragen westlicher Medien haben einen Stimmenvorsprung des Hr. Ahmadinejad bestätigt .
Sogar offiziell verwendet der CIA viele Milliarden für den Sturz der iranischen Regierung .
Der Ursprung der vor dem Ende der Wahl verbreiteten Nachricht , Hr. Moussavi hätte die Wahl gewonnen ist nicht geklärt . -
Ebenso nicht geklärt ist der Ursprung vieler in den Westmedien veröffentlichten Videos von den Demonstrationen der "Opposition" .
Der Iran hat ein Recht auf die zivile Nutzung
der Atomenergie . Darüber hinausgehende Interessen sind , da ohne Beweis , Unterstellungen .
Gut 10 000 Atombomben hingegen existieren tatsächlich , -- in vielen Ländern . Diese tatsächlich existierenden Atombomben wären für seriöse Kritik ein erstes Anliegen .
Der Iran hat, im Gegensatz zu anderen Ländern , keinen Krieg begonnen .

Antworten Gast: schlÄchter
09.02.2010 08:52
0 1

Re: Beinahe amüsant

sg netter gast!
zustimmung: es kann doch nicht verwundern, dass der iran bzw. die herrschende mullahkratie zum schutze vor dauernd drohender ausländischer intervention (verdeckt über die unterstützung der opposition oder drohung mit offener militärischer gewalt-von militärschlägen bis hin zur invasion) ihren einzigen wirksamen schutz eben in einer nulkearen abschreckung erkennt. nordkorea ist vor militäricher intervention sicher und wird hofiert.
der iran ist in wirklichkeit das vulleichts satbilste land in der region, hat eine lange geschichte-gekennzeichnet durch massive interventionen von außen (inb. GB, russland und usa), hatz hier ein art nationales trauma, das es mit einer abschreckungsbewaffnung überwinden versucht-ich kanns ihnen nicht verdenken.
natürlich ist die situation gerade für israel äußerst ungut-aber israel hat ja selbst eine nukleare abschreckungsmöglichkeit, die es auch braucht, um sich behaupten zu können. nur sollten sich mmn die israelis und wir im westen einfach bewußt werden, dass es nur eine frage der zeit ist, bis sich islamische länder auch außerhalb pakistans atomwaffen haben werden-radioaktives material und know how sind käuflich-damit auch von jedermann mit einem entsprechendennkapital erwerbbar. darauf sollten wir und auche realpolitisch einstellen.
ebenso auf die möglichkeit neuer staatsformen gerade in der islamischen welt, die nicht westl. standards entsprechen(können/wollen).

mfg
s.

Antworten Gast: gast1
09.02.2010 01:08
4 0

Re: Beinahe amüsant

Wenn ich hier deinen Blödsinn so lese,könnte man meinen du warst mit Ahmadinejad in einem Terrorcamp,diesen sogar mit Herr anzureden,klingt schon sehr komisch.Geht es immer noch nicht in eure hirnlosen Köpfe,wieso zehntausende fridlich demonstrierende IranerInen auf die Straße gehen,und ihr Leben damit riskieren?
Am Anfang der Proteste habe sie sogar Ungereimtheiten während der Wahl zugegeben.Diese geisteskranke Witzfigur hat nur ein Ziel,seine Macht in dieser Region zu festigen,und ich traue ihm jeder Zeit zu,ohne Augenzwinkern auch ein A-Bombe einzusetzten.
Dieser Mann ist krank,und deshalb schon so gefährlich,man könnte diese Entwicklung schon fast mit Hitler vergleichen.

Antworten Antworten Gast: hoho
09.02.2010 17:46
0 1

Re: Re: Beinahe amüsant

also wenn ich dein blödsinn lese dann muss ich fast krotzen vor lauter dummheit.
Guck dir mal eine Rede von ihm an.
Schau in die Geschichte und frag dich warum es eine Iranische Revolution gab.
AUßERDEM ist eine A-Bombe zuherstellen oder einzusetzen im Islam VERBOTEN, und das hat die Regierung im Iran oft betont , aber leider ist die Presse im Westen zu parteisch um sowas zu erwähnen

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