25.05.2012 22:33 | Meine Presse Merkliste 0

Burka als Verkleidung für den Wahlkampf

RAINER NOWAK (Die Presse)

Christine Marek will die Burka verbieten. Das ist das falsche Problem zur falschen Zeit. Es gäbe genug zu tun.

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Während Christine Marek, bisher durchaus erfolgreiche Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, auf den Spuren von Nicolas Sarkozy wandelt, steigt Christine Marek, bisher wenig erfolgreiche Chefin der Wiener ÖVP, in die Fußstapfen von Heinz-Christian Strache.

Sie fordert ein generelles Burka-Verbot im öffentlichen Raum. Als Begründung nennt sie „menschenrechtliche Aspekte“ sowie „den Sicherheitsaspekt“. Das Verbot solle öffentliche Gebäude wie Gerichte oder Amtshäuser, aber auch Spitäler, Banken, Geschäfte, die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Lenken eines eigenen Fahrzeugs betreffen. „Eine Burka ist ja schließlich auch eine Sichteinschränkung“, meint Marek. Es könne doch nicht angehen, dass verschleierte Frauen im öffentlichen Verkehr nicht erkannt werden könnten.

Die Frau hat völlig recht, deswegen ist das Lenken eines Fahrzeugs mit eingeschränkter Sicht – etwa durch eine Burka – in Österreich verboten. Auch vor Gericht gilt bereits ein Verbot, etwa für Zeugen oder eine Angeklagte, wie bei dem Prozess gegen die Terrorverdächtige Mona S. zu beobachten war. Mit Burka in die Bank oder einfach durch die Sicherheitskontrollegeht auch nicht so einfach, das vorhandene (Sicherheits-)Personal reagiert dann recht rasch. Nichtsdestotrotz könnte man in diesen Bereichen ein Burka-Gesetz explizit festschreiben, damit die Nationalratsabgeordneten beschäftigt werden.

Der „menschenrechtliche Aspekt“ hingegen sei ein „frauenrechtlicher“: Marek hat „nach langer Reflexion“ erkannt, dass Frauen mit Burka als „Menschen zweiter Klasse“ betrachtet würden. Ohne auf die ewige Diskussion eingehen zu wollen, ob es Frauen gebe, die sich freiwillig völlig hinter dem Stoff verstecken: Dass die Ganzkörperverhüllung ein Mann und keine Frau erfunden hat, steht fest. Sie steht für die Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen. Punktum. Daher will auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek darüber nachdenken.

Allerdings ist das Problem in Österreich im Gegensatz zu Frankreich ein kleines, überschaubares: Die Burka ist im Stadtbild Wiens de facto nicht zu sehen. Das „mulmige Gefühl“, von dem Marek berichtet, muss sie sich in Paris, Kairo und in dem einen oder anderen Luxusinnenstadthotel Wiens holen, in denen etwa saudische Touristen absteigen. Denen will man übrigens nach aktuellem Stand weder in der SPÖ noch in der ÖVP etwas vorschreiben, so viel zur Konsequenz. Mit dieser Logik will Marek auch nicht etwa den viel häufigeren Tschador oder gar das Kopftuch verbieten, sondern nur die seltene Burka.

Es geht offensichtlich um eine rein symbolische Aktion. Wenn Marek selbst sagt, dass es keinen Anlass für ihre Forderung gebe, beweist dies zweierlei: Einerseits verfolgt sie das internationale Geschehen genau. In Frankreich und Belgien wird diese Diskussion gerade sehr intensiv geführt. Zweitens gibt es einen Anlass: Marek startet mit Anlaufschwierigkeiten in den Wahlkampf gegen Michael Häupl. Da kommt eine kleine Burka-Debatte gerade recht, notfalls beginnt sie sie eben selbst. Dass ein vollständiges Verbot der Burka – etwa in privaten Haushalten oder auf Straßen – den Grundrechten widerspricht, weiß Marek natürlich. Wenn ich die Burka verbiete, warum nicht auch Turbane, Taliban-Bärte oder Kebabs? Weil die viel sympathischer sind und unserer Kultur näherstehen? Das ist in einem Rechtsstaat kein Argument.

Marek und echten Burka-Gegnern geht es weniger um Kleidung, sondern vielmehr um eine einfache politische Botschaft an fundamentalistische Moslems: „Bis hierher und nicht weiter. Es gibt Grenzen unserer Toleranz.“ Das ist ein politisch durchaus sinnvoller und zu unterstützender Standpunkt. Eine Gesellschaft, die der Aufklärung verpflichtet ist, muss der Intoleranz entgegentreten – auch mit politischen und juristischen Mitteln.

Kleines Beispiel, das zufällig auch am Donnerstag bekannt wurde: Es gibt wegen der anarchistischen US-Cartoon-Serie „South Park“ massive Drohungen militanter Moslems, weil in einer Folge eine Mohammed-Figur im Bärenkostüm verspottet wurde. (siehe Sucher rechts) Gegen eine derartige Einschränkung der künstlerischen Freiheit müsste Widerstand geleistet werden. Etwa, indem der ORF diese Folge der Serie zeigt. Europäische Behörden könnten gegen solche Drohungen – auch gegen Mohammed-Karikaturisten – vorgehen.

Zugegeben, das ist nicht so plakativ wie ein Burka-Verbot, aber sinnvoller: Wir sollten nicht Intoleranz importieren, sondern Toleranz scharf verteidigen. Nicht nur Prozentpunkte bei einer Kommunalwahl.

Marek fordert Burka-Verbot Seite 1
Vor Einführung in Frankreich, Belgien Seite 2


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2010)

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14 Kommentare
Cahit Kaya
28.04.2010 20:03
0 0

Intoleranz?

Es ist nicht intolerant der Intoleranz eine klare Absage zu erteilen. Eine Burka (oder auch jede andere Ganzkörperverschleierung) ist für mich die pure Intoleranz und eine deutliche Herabwürdigung einer jeden Frau. Von verschleierten Frauen nur deswegen "akzeptiert", weil diese nichts anderes kennen und so konsequent einem freien Leben ferngehalten wurden, dass dies ihnen "fremd" und schlecht erscheinen müsste. Wäre das eigentlich Fremdenfeindlich?

Nur wenn importierte Intoleranz nicht toleriert wird ist der hiesige Toleranzgedanke verteidigt worden. Es hilft niemandem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Auch sollte es langsam aus der Mode geraten jeden zum Strachianer abzustempeln, um eine Kritik als nicht relevant abzutun.


Gast: Voodoo in Wien
26.04.2010 02:05
0 0

jamaikanischer Voodoopriester

also wenn ein jamaikanischer Voodoopriester zu uns kommt und meint seine Religion fordert, das schlachten von Tieren in irgendwelchen Hinterhöfen Wiens, müsste dem auch irgendwer erklären, dass man in Österreich keine Tiere aus religiösen Gründen schlachtet und schon gar nicht im Lichhöfen Wiens und auch keine rituellen Voodoopriester-Kram macht.

Oder man stelle sich nur vor, vaghri-people kommen nach Wien und schlachten eine Kuh im Hinterhof und vollführen dann auch noch irgendwelche rituelle Waschungen in dem Tierblut, hmmm komplizierte Sache.

Oder Amish-People ziehen wieder zurück nach Europa (...nach Kärnten) und veweigern uns hier jegliche Form zivilisatorischer Entwicklung und verweigern ihre bürgerlichen Pflichten des Konsums.

Sex mit Aliens gehört auch verboten

galli leo
23.04.2010 17:37
0 0

"Wir sollten nicht Intoleranz importieren, sondern Toleranz scharf verteidigen."

die einzig zielührende methode!

Gast: Canislupusat
23.04.2010 13:34
2 0

Laßt die Leute ihre Bura tragen und

registriert einfach die Provokation dahinter nicht.
Die Burka hier zu tragen ist die reine Mitteilung an die Gesellschaft, dass man mit ihr nichts zu tun haben will und einfach anders ist und bleiben will.

Am besten ignorieren und das höchste Recht im Staate Österreich ist, dass ihn jeder zu jeder Zeit verlassen kann, wenn ihm hier was nicht passen sollte.

Von diesem Recht sollten diese Leute Gebrauch machen.

Knieriem
23.04.2010 13:33
6 0

"Das ist das falsche Problem zur falschen Zeit"?

Der Irrtum ist, daß es nur um Burka, Niqab oder wie immer diese Vermummungen heißen geht. Es geht darum einer radikal-islamistischen, aber auch steinzeitlichen-stammestraditionellen Denkungsweise Grenzen zu setzen. Nicht nur, daß Emanzen wie Alice Schwarzer dafür eintreten die Burka zu verbieten, geht es auch darum, jene islamischen Frauen, die kein Kopftuch, Burka, Niqab, Tschador, oder was immer, tragen wollen zu unterstützen. Immerhin, und das ist kein Hirngespinst, gibt es in Europa, das immer so stolz auf seine Werte ist, Vorstädte und Bezirke in denen unverhüllte Mädchen oder Frauen mit Steinen beworfen, beschimpft, bespuckt und bedroht werden. Wehret den Anfängen! Mit einem Verbot der Burka alleine ist es nicht getan! Warum z.B. die Moslembruderschaft, obwohl eine radikal-islamistische Organisation mit eindeutigen Zielen noch nicht als staatsfeindlich verboten ist, ist eine Frage, die man Politikern auch stellen sollte. Angst? Grenzen setzen zu unserem Schutz, aber auch zum Schutz integrierter, moderner Moslems sollte das Ziel sein! Soll keiner sagen, daß er es nicht gewußt hat. Wer die europäischen Medien durchforstet, wird genug Gründe finden, Widerstand zu fordern! Wenn GrünInnen aus durchsichtigen politischen Gründen, weil vielleicht die FPBZÖ diese Forderungen stellt, sich auf die Seite radikaler Moslems stellt, dann werden sie sich mitschuldig machen! Ebenso wie alle anderen Politiker, die ihre Augen verschließen, oder Probleme totschweigen, bzw. schön reden!

testit
23.04.2010 12:23
6 0

Artikel

S.g. Hr. NOWAK!

Sie sollten vielmehr darüber schreiben welche Schritte noch sinnvoller wären & diese in den Vordergrund stellen.

Das Burka-Verbot kann nur d. Anfang, es müssen weitere Schritte gesetzt werden!

Fakt ist:
Das Kopftuch, Burka oder Tschador sind diskriminierende bzw. frauenfeindliche Symbole.

Es zeigt in einer gewissen Weise mangelnde Anpassungsfähigkeit. An was? Dem Staate Österreich, unserer Gesellschaft was auch immer.

Wie hier auch schon erwähnt, ist ein Verbot auch richtungsweisend, aber es kann nur d. Erste Schritt sein.

Lexington
23.04.2010 11:23
4 0

Irrtum Herr Novak

Herr Novak kennt offensichtlich die Definiton ein Rechtsstaates nicht. Ein Rechtsstaat braucht keinen Anlass, ein Rechtsstaat braucht Argumente und die Argumente "frauenfeindlich" und "der Gleichstellung Mann- Frau extrem widersprechend" sollten genug sein, ein Burkaverbot auszusprechen.
Dabei spielt es ueberhaupt keine Rolle, ob jetzt 20, 500, oder 7000 Frauen ihren Koerper hinter diesem Sack verstecken muessen. Die Anzahl der Burkatraegerinnen als Gegenargument gegen ein Burkaverbot anzufueheren - so wie es Herr Novak schreibt - ist wie: In unserem Ort brennt es hoechstenjs 2 Mal in 10 Jahren, daher ist das Gesetz "Hantieren mit Zuendstoffen unter besonders gefaehrlichen Verhaeltnissen" obsolet.
Gesetze geben auch Auskunft ueber die Wertegesellschaft dieses Rechtsstaates und sind somit Informationstraeger fuer Touristen, Zuwanderer, etc. Jeder kann sich ein Bild davon machen, welche Werte ebendort gesetzlich verbrieft sind. Es waere daher schon laengst an der Zeit ein solches Gesetz zu schaffen, eben um zu zeigen, dass Unterdrueckung der Frau durch denn Mann in unserer Gesellschaft nicht toleriert wird, sondern dass die Gleichstellung der Geschlechter eine soziale Errungenschaft darstellt, die auch mit Tradition, Religion oder anderen kulturellen Elementen nicht wegdiskutiert werden kann.

Antworten Gast: schlÄchter
23.04.2010 12:45
4 0

Re: Irrtum Herr Novak

sg herr lexington!
d`accord!
genau so ist es-es ist völlig falsch von einer gleichwertigkeit und gleichen kompatibilität aller kulturen mit unserem rechtssystem auszugehen. unsere rechtsordnung ist ausfluß westlicher rechtsphilosophischer werte und überlegungen (mit einem christl-aufgeklärten fundament) und eben auch selbt nicht "neutral".

der unterschied liegt darin, dass unser verständnis der menschenwürde und unser menschenbild sehr strak von anderen kulturellen verständnissen des menschenbildes und der verständnisses der würde des menschen differenziert. die lösung auf alle mesnchen unser system anzuwenden geht nur dann gut, wenn man von diesen in unseren kulturkeries kommenden - kulturell anderst geprägten menschen- unser menschnbild und verständnis der menschenwürde ebenfalls so in seiner grundfassung 8gleichheit aller, schutz der individualität, freiheits grernzen dort wo die unfreiheit des anderen anfängt oder auf die urchristliche/aufgklärte basis reduziert: behandle jeden so wie du selbst es werden möchtest..) akzeptier.
in der einstellung: wir bieten und wenden unsere wertvorstellungen jedem an, egal ob er sich auch daran hält - liegt keine lösung-im gegenteil, damit toleriert man gezwungenermaßen auch intolerantes und höhlt damit unser system von innenheraus aus - verdammt ves zum zusammenbrauch an der eigenen scheintoleranz.

mfg nach d.c.+schönes we
s.

Antworten Antworten Lexington
23.04.2010 16:03
1 0

Re: Re: Irrtum Herr Novak

Sehr geehrter Her schlaechter!
Klar dargestelt und explizit erklaert. Gratulation!

Gast: Eric Price
23.04.2010 10:29
1 0

When in Rome do as the Romans

Es wird immer gesagt: Wenn in Rome mach wie die Römer: Anpassen oder raus ist die einfache Atwort. Burka als Verkleidung für den Kampf gegen Christen und Juden lernt mann in die Nachrichten, auch nicht beim ORF das BM für Rote Propaganda!

Gast: Peter
23.04.2010 07:02
6 0

DIe Vershcleieerung

Egal ob Burka oder Tschador oder was auch immer:
Sie ist die größtmögliche Demütigung und Errniedrigung welche Männer den Frauen antun können.
Sie "unsichtbar machen" das ist das Ziel.
Als persönliches Eigentumn zu brandmarken und dabei nicht einmal an die frische Luft zu lassen.
Sie nur zu "besitzen" und sie ständig zu bestrafen, das steckt dahinter.
Wem zu wenige Verschleierte in Ö. präsent sind., der/die soll mit dem 48a Bus fahren und dann in Ottakring aussteigen.
Da wimmelt es von schwarzen Vögeln.

3 1

Burka oder Tschador ?

Wenn Frau Marek wirklich konkret nur die Burka und nicht auch den Tschador meint, dann steht sie entweder total daneben oder sie versucht dem Wähler Sand in die Augen zu streuen. Eine Frau in Burka habe ich in Wien noch nie gesehen. Tschador-Trägerinnen sind hingegen relativ häufig.

Ophicus
22.04.2010 20:42
1 0

Argumente

"Weil die viel sympathischer sind und unserer Kultur näherstehen? Das ist in einem Rechtsstaat kein Argument."

Richtig. Im Rechtsstaat braucht es nämlich garkein Argument. Wenn es im Gesetz steht, dann ist es so.
Die Argumentation braucht man vorher, wenn es darum geht ob sowas Gesetz werden soll. Das ist aber keine Frage des Rechtsstaates, sondern der Demokratie. Die moralischen oder sittlichen Vorstellungen der Mehrheit können da sehr wohl ein Argument sein - siehe etwa die Schilderung der Burke in diesem Artikel.

Antworten Gast: schlÄchter
23.04.2010 08:36
1 0

Re: Argumente

sg opficus!

"Weil die viel sympathischer sind und unserer Kultur näherstehen? Das ist in einem Rechtsstaat kein Argument."

im folgenden absatz meint redakteur herr novak: „Bis hierher und nicht weiter. Es gibt Grenzen unserer Toleranz.“

"unsere toleranz"-was ist das?
kann uns das toleranzverstädnnis jener mit anderem kulturellem hintergurnd egal sein ?
was passiert wenn unser toleranzverständnis sagt: jeden die freiheit geben die auch ich gerne hätte - der andere aber ein tolernazverständnis hat: toleranz nur wenn du meinen standpunkt anerkennst und dich unterordnest, dann darfstdeinen willen nur im rahmen dieses unterwerfungsverhältnisses haben und hdeine rechte sind als ungläubiger beschreänkt ?

es kann mmn eben dem rechtsstaat nicht egal sein, welche kulturellen eigenheiten-wenn diese ein komplett anderes toleranzverständnis implizieren-vorhanden sind, wenn diese die rechtsstaatliche toleranz auch für sich beanspruchen.
der islam ist eine wesentlich politischere religion als das christentum und die aufklärungsphilosphichen ansätze-die die philosophiche grundlage unserer rechtsordnung ausmachen.
hier irrt herr novak mmn gewaltig-darin liegt ja das kernproblem im umgang westl. werte-islamische werte ?

mfg
s.

mfg
s.

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