21.05.2013 10:32 Merkliste 0

Wir machen uns doch gern die Hände schmutzig

KARL GAULHOFER (Die Presse)

Kreisky, Haider, Leitl: Österreich war dem Terrorregime Gadhafis stets in Freundschaft verbunden – der Wirtschaft und Ölversorgung zuliebe. Das rächt sich nun.

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Es war eine laue Spätsommernacht in Tripolis, im Garten der österreichischen Botschafterin. Bei Cocktails unter Palmen standen da vor zwei Jahren Manager und Journalisten mit Christoph Leitl zusammen. Noch voller Enthusiasmus über eine Audienz bei einem libyschen Minister schwärmte der Wirtschaftskammer-Präsident vom „Sympathiebonus“, den die Österreicher seit Jahrzehnten bei Oberst Gadhafi und seinen Handlangern genießen. Und er riss mit großer Geste die Barrieren in den Köpfen der Kleingeister nieder, die nicht wissen, wie man gute Geschäfte mit verfemten Freunden macht: „Ich sehe die Grenzen unseres Kontinents nicht im Mittelmeer, sondern in der Wüste Afrikas. Libyen ist ein Teil Europas.“

Gut, dass die WKÖ nicht für die Landkarten unserer Schulbücher verantwortlich zeichnet. In diesem „Teil Europas“ fließt nun das Blut der Bürger, die gegen ein Terrorregime im doppelten Sinn kämpfen. Es verübte Attentate im Ausland, und es terrorisiert die eigene Bevölkerung mit einem speziellen System: dem real existierenden islamistischen Kommunismus – kein Tanz, kein Alkohol, kein freies Wort, kombiniert mit Kommandowirtschaft und Korruption.

Die Österreicher hat das alles tatsächlich nie gestört. Kreisky empfing Gadhafi in den Prunkräumen der Hofburg, als dieser schon als der gefährlichste Mann der Welt galt. Zum Dank durfte die Voest das größte Stahlwerk Afrikas in Misurata bauen. „I know Mister Bruno“, freuen sich heute noch ältere libysche Funktionäre, wenn man sich als Österreicher zu erkennen gibt.

Selbst in der Zeit der Sanktionen und internationalen Isolation rissen die amikalen Kontakte nicht ab. Eine besonders innige Freundschaft verband Jörg Haider mit Saif – jenem Gadhafi-Sohn, der nun die Aufstände in Benghazi niederschlagen darf. Im Wüstenzelt des Diktators übergab Haider 2004 einen Brief Wolfgang Schüssels, in dem sich der Kanzler eine verstärkte Zusammenarbeit wünschte. Diese peinliche Anbiederung war nicht immer erfolgreich, der Launen des Despoten wegen. Kreisky konnte Anschläge nicht verhindern, Haider blieb die versprochenen „Großaufträge“ schuldig. Und erst vor wenigen Wochen sperrte der Revolutionsführer auch österreichische Manager aus, um die Wirtschaft des Wüstenstaates zu „libysieren“.

Durch das Blutbad wird es ernster: Österreich hat sich bei seinen Erdölimporten stark von Libyen abhängig gemacht. Erst im Vorjahr stieg der Anteil auf über ein Viertel. Die OMV beteuert zwar, die Bezugsquellen wechseln zu können. Aber sie hat auch das erklärte Ziel, besonders „sichere“ Länder als Lieferanten zu wählen. Und für unseren teilstaatlichen Paradekonzern sind das offenbar vor allem solche, wo gute Kontakte üble Regime zementieren – wenn man uns ließe, auch gern im Iran.

Da hilft es auch nicht, mit dem ölverschmierten Finger auf die bösen USA zu zeigen. Sicher, die US-Diplomatie hat in Ägypten einen uneleganten Eiertanz hingelegt. Aber Amerika hat seine roten Linien, wie beim Iran, und es hält Libyen und Zentralasien kühl auf Distanz. Wir aber laden zu Tisch, wie erst unlängst in Davos die versammelten Diktatoren der Stan-Staaten, und reiben uns die Hände über neue Exportchancen. Kein Wunder, dass die Amerikaner sich laut WikiLeaks sorgen, dass Außenminister Spindelegger „nur wirtschaftliche Interessen“ im Sinn hat.

Gewiss: Öl ist überall schwarz, und auch die Scheichs in Saudiarabien sind sehr unfeine Partner. Wenn wir sauber bleiben wollten, müssten wir unser Öl tröpfchenweise aus dem Marchfeld pumpen. Aber die Sache mit dem Öl ist nur ein Symptom. Dubiose Marktnischen gelten uns als Geschäftsmodell. Das ist der einzige Zweck, den eine sinnentleerte Neutralität heute noch hat: ungeniert auch mit denen Geschäfte machen, die den anderen dann doch zu schmutzig sind. Und für so etwas hat Österreich ein unfein-feines Händchen.

Europäische Werte wie Demokratie oder Menschenrechte spielen da keine Rolle. Man kann mit einigem Recht behaupten, die Grenze unserer Wertegemeinschaft verliefe bereits diesseits von Lampedusa. Die libysche Wüste umfasst sie mit Sicherheit nicht. Wer dort die Despoten umarmt, hat auch wirtschaftlich auf Sand gebaut.

 

E-Mails an: karl.gaulhofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2011)

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53 Kommentare
 
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hinterher

reitet die alte urschl.

Gratulation und ich wünsche der Presse weiter so!


Ein seltener guter Kommentar

Ausgewogen und haarscharf des Pudels Kern getroffen.

Gast: manningers
22.02.2011 05:04
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haltung

gratulation, die PRESSE macht sich, wieder am weg zu einer zeitung mit qualität und haltung,..
und die paar unbelehrbaren ewiggestrigen poster hier können ja auf andere medien ausweichen, dort waren (sind )sie ja eigentlich zuhause,...sie benötigen dort auch keine vorleser, bildmaterial ist leichter zu konsumieren,.....

Re: haltung

Danke, Frau Gaulhofer!

Gast: berggruen
22.02.2011 04:19
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freundschaft

und wer holt nun haiders asche aus lybien zurück???
stadler?? strache?? grasser?? oder doch petzner??

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Re: freundschaft

Der Onkel Bruno!

Gast: simmons
22.02.2011 04:11
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verdrängung

machen wir uns nichts vor,...auch in österreich haben
letzenendes alle davon profitiert, dass eben die gewinne der einen zulasten von verlusten der anderen geht,...nur die ganz hartgesottenen opportunisten und smarten
erfolgsgeilen figuren glauben immer noch, zinsen und profit fallen vom himmel, sozusagen als geschenk für die "fleissigen, rechtschaffenen ",...weit gefehlt,...
niemand entkommt den gesetzen der physik dieser welt,...eine erkenntnis, die zivlisisation und aufklärung normalerweise zum wohl aller einsetzen, ...und für das ruhige gewissen der übersättigten sorgen immer noch religion oder der glaube an die freie marktwirtschaft,...dennoch sind auch die mittlerweile geplagt von unruhigen nächten und es dämmert so manchem, dass nun die rechnungen neu geschrieben werden, .....
so ist es auch sehr kurz gedacht, nun schuldige und verfehlungen für die vergangenheit auszumachen, auch europa muss sich geistig erneuern, und sich von seiner dekadenz mit leichtem hang zum untergang befreien, ein schmerzlicher prozess, der nun unaufhaltsam in gang kommt, ....die konsvervativen haben einmal mehr erklärungsbedarf, wohin eine rückwärtsgewandte und ängstliche politik auf dem rücken der schwachen führt,....der profit für die wenigen gewinner ist nur von kurzer dauer gewesen,..

WOW

Selten guter Artikel!!!

Gast: Der Betrachter
22.02.2011 01:03
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Wir machen uns doch gern die Hände schmutzig

Oh Gott 2 Drittel oder mehr der Staaten dieses Planeten werden von Despoten, Militärs, religiösen Gruppen und sonstigen "bösen" Menschen regiert. Weiters weis kein Schwein wer die Nachfolger in den ach so befreiten Staaten sind. Daher nunr mehr Handel mit Burgenland, Wien und NÖ. Also warum dieses aufgeregte Gegackere in diesem Land. Eigentlich sollte man in die Tschechei auswandern. Dort sieht man alles viel unaufgeregter. Und die Dichte an nervenden Gutmenschen ist dort auch wesentlich geringer.

Gast: Buddy Love
21.02.2011 22:44
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sie haben leider völlig recht :-(

großartiger Kommentar!

Gast: Luzifer
21.02.2011 21:35
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... auch die USA haben nicht immer ein

Es sei bloß an den Irak-Krieg erinnert, wo die ganze Welt über angebliche Massenvernichtungswaffen angelogen wurde und zig-tausende von Menschen den strategischen Interessen der USA geopfert wurden. Gottseidank gibt es in Libyen noch nicht soviele Tote!

Gast: Thunder19
21.02.2011 21:11
6 0

Und was würden Sie sagen,

wenn die Schweiz keine Geschäfte mehr mit Österreich machen will, weil der Kanzler dort die Medien schmiert und so die Demokartie gefährdet??

Leider genau auf den Punkt gebracht,

Herr Gaulhofer !
Wenn es um - angeblich - gute Geschäfte geht, kennen Österreichs Politiker keinen Genierer und lassen sich auch dann noch dafür feiern, wenn ihnen ihre widerlichen "Geschäftspartner" abhanden zu kommen drohen - wie Nordkorea ( unser Heifi ist ja der größte Fan dieser Verbrecherclique ), Libyen ( das Liebkind des Geldverschwenders und Schuldenkaisers Brunsky , und des verstorbenen rechten Recken ), Iran und die sog. STAN-Staaten für den tölpelhaften Leitl und seine Entourage usw usf.. Wie heißt es so schön: man kann garnicht soviel fressen wie man k...... möchte !

Re: Leider genau auf den Punkt gebracht,

wir müssten aber konsequenter weise - ind nach abc analyse die usa und china auch ab sofort aus unseren handelsbeziehungen streichen - können wir uns das leisten - oder anders gefragt, mit wem dürften wir noch?

Gast: ecco
21.02.2011 19:38
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soll man

mit einem staat 40 jahre keine geschäfte machen dürfen, nur wil das ethisch nicht konform wäre. unsere wirschtschaft und die der USA sähe nicht gut aus, wenn wir so handeln würde. schon überlegt ?
es ist schlichtweg unmöglich eine großindustrie zu haben und dann nur an lupenreine demokraten zu verkaufen.
wie wäre das ganze im kleinhandel ? darf man da nur an wähler gemäßigter gruppen verkaufen. FPÖ-wähler ausschließen, weil böse?

Kreisky...

hat versucht was einem Land in der grösse Österreichs normalerweise nicht zuzumuten ist.
Er hat die Neutralitát insofern perfekt genutzt und zumindest versucht einen Dialog zu finden.
Man muss ja nicht immer gleich mit Waffengewalt drohen, man kann auch darüber reden und erst recht mit den "bösen" der internationalen Politik im Sinne der Diplomatie.

Aber gut, schimpfen wir weiterhin auf den verstorbenen Sonnenkönig. Das kann die Presse noch am besten... Inwieweit wirtschaftliche Interessen verglichen mit de OMV und der WKO eine Rolle gespielt haben mochten habe ich aus dem Leitartikel leider nicht entnehmen können...

MFG

Re: Kreisky...

Sicher. Man muss nicht immer mit Waffengewalt drohen, man kann auch darüber reden und einen Dialog finden.
Wenns bei den Zielen die man so erreicht aber nur ums Öl geht und man ansonsten den Despoten freie Bahn lässt bzw. sie durch den Handel sogar noch stützt, dann ist das zwar realpolitisch ein Erfolg (zumindest kurz- bis mittelfristig), aber über Kritik muss man sich dann nicht wundern.

Re: Kreisky...

war keinem Land zuzumuten !

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Schluck...

Ich muss zuerst verdauen, was Herr Gaulhofer so in die Runde schmeisst. Es ist manchmal selbst für mich schwerig, alle Österreicher zu verteufeln. Ich denke öfters, dass der gemeine Österreicher keine Selbstkritik ausüben kann und da kommt ein Hammer schwingend... Bum...
Das sind aber zu wenige...
Wenn ich mir das Gesetzesentwurf für das Fremdenrecht anschau und die SPÖ beobachte, entdecke eher FPÖ als die Sozialdemokraten...
Und die Presse ist nicht der Standard...
Nein, die Österreicher schaden sich selbst, wenn sie Menschen katagorisieren... So werden sie nie die erwünschte Respekt erfahren... Auch nicht die Selbststaendigkeit erreichen, die die Österreicher von den Deutschen absetzt!
Dennoch Servus...

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kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

er hat ihn zu einem staatsbesuch empfangen und ist mit ihm in den politischen dialog eingetreten - das wars aber auch schon.

aber für die billige pointe der gleichsetzung von haider und kreisky muss man als "presse"-redakteur halt die fakten ein bisschen verbiegen. der zweck heiligt in diesem blatt ja die mittel, und wenn man kreisky diffamieren kann, dann lohnts sichs erst so richtig aus presse-sicht einen artikel über libyen zu verfassen!

Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

Kreisky hat die Verbrecher Ghadhafi und Arafat hoffähig gemacht das ist Fakt.

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Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

echt? nur weil kreisky gaddafi 1982 ein mal zu gesprächen empfangen hat, ist er verantwotlich dafür, dass blair, diverse us-außenminister und sonst jeder westl staatsmann sich mit gaddafi getroffen hat? die sind alle nur zum gad., weil der kreisky einmal einen staatsbesuch zugelasssen hat?

oder ist ihnen da ihr tief verwurzelter kreisky-hass durchgegangen?

Re: Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

Das waren nicht nur "Gespräche". Kreisky hat damals als erster westlicher Politiker nach 10! Jahren Gaddafi empfangen. Man muss Kreisky nicht hassen aber er hat genug Mist gebaut, was für die Rotfront aber schon Gotteslästerung ist. Es ist auch kein Wunder wenn man das Personal der Roten im Moment anschaut Darabos, Rudas, Bures, Feigmann uvm. da ist er ja ein Geistesgigant dagegen gewesen.
Ja ja die "gute alte Zeit"

Antworten Antworten Antworten Gast: ara
21.02.2011 19:49
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Re: Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

http://www.historisch.apa.at/cms/apa-historisch/dossier_meldungen.html?dossierID=AHD_19700301_AHD0002&deskriptor=DO_KREINO_5&suchbegriff=

Sie können gerne nachlesen, das Kreisky wenig von Boykott der USA gegen Gadaffi hielt und sein Innenminister nicht erkennen konnte und wollte, wie Libyen den internationalen Terror unterstützte.

In den "politischen Dialog" eingetreten:Na wie wunderbar.Schon zu Kreiskys galt Gaddafi als "gefährlichster Mann der Welt". Heute zeigt sich, das die damalige Einschätzung wohl nicht so falsch war.

Kreisky trat mit einem Mann "in politischen Dialog", der heute sein Volk massakrieren lässt.Mit einem,der sein eigenes Volk von Kampfflugzeugen bombadieren lässt,tritt man in keinen politischen Dialog.Und das der Man ein gewaltbereiter,bizarrer Despot war, in dessen Gefängnissen gefoltert wurde,musste Kreisky wissen.

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Re: Re: Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

na sie hätten natürlich dem gadaffi gleich mal die kriegserklärung überreicht!

und dieser kreisky: hat der doch tatsächlich 1982 nicht gewusst, dass gaddafi 2011 seine bevölkerung massakrieren lässt! ein wahnsinn!

wenn man außenpolitisch agieren will, kann man sich seine gesprächspartner nicht aussuchen, so schauts aus. kreisky hat außerdem nicht gadaffis regime verherrlicht, sondern hat versucht kontakte zu knüpfen und allgemein die situation im nahen osten zu entspannen. daran kann ich nichts falsches erkennen.

Re: Re: Re: Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

Der Irre in Tripolis war damals schon ein Mörder, Arafat detto.

Antworten Antworten Antworten Gast: Hunter
21.02.2011 19:31
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Re: Re: Re: kreisky war eben, anders als haider, nicht verhabert mit gaddafi

Die SPö hat Österreich zum Islamistenhort gemacht.
Kreisky war der "Pate" dafür.

 
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