Europa gewinnt ein bisschen Zeit für das Unabwendbare

OLIVER GRIMM (Die Presse)

Europas Politiker sollten die griechische Zustimmung zu harten Einschnitten nutzen, um ihre Bürger auf die bevorstehende Umschuldung des Landes vorzubereiten.

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ist so schlecht daran, auf Zeit zu spielen? Prinzipiell nichts. Manchmal ist es hoch vernünftig, Spielraum zu gewinnen, um ein Problem von Grund auf zu lösen – vorausgesetzt, man ist sich im Klaren, um welchen Problems Lösung willen man auf Zeit spielt. Das ist das Problem im Umgang der Europäer mit der Schuldenkrise Griechenlands: Sie ringen verzweifelt um Zeit, ohne aber klarzumachen, wofür sie die nutzen wollen.

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Die europaweite Erleichterung darüber, dass sich das griechische Parlament am Mittwoch in einer Abstimmung dazu durchgerungen hat, in den nächsten fünf Jahren rund 14 Milliarden Euro weniger auszugeben als bisher vorgesehen und ebenfalls rund 14 Milliarden Euro an neuen Steuereinnahmen einzutreiben, sollte über zweierlei nicht hinwegtäuschen. Erstens bekommt Griechenland erst dann die dringend benötigte fünfte Tranche über zwölf Milliarden Euro aus dem 110-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm der anderen Eurozonenländer und des Internationalen Währungsfonds, wenn die Athener Parlamentarier heute, Donnerstag, auch den Durchführungsbestimmungen zustimmen. Der Unwille der Griechen, Nägel mit Köpfen zu machen, hat dazu geführt, dass wir uns nach eineinhalb Jahren Griechen-Krise noch immer mit der Seelenlage Athener Hafenarbeiter und mit Abgründen des griechischen Beamtendienstrechts beschäftigen müssen.

Zweitens vernebelt die Erleichterung über das erste von zwei erforderlichen griechischen Parlamentsvoten den Blick auf den Kern des Problems: einen Schuldenberg im Ausmaß von bald 160 Prozent der Wirtschaftsleistung, der wächst, weil die Volkswirtschaft schrumpft. Der griechische Finanzminister, der eines Tages die Schuldenquote seines Landes unter die psychologisch wichtige Schwelle von 100 Prozent drücken könnte, ist heute noch nicht geboren. Griechenlands Gläubiger werden einen Teil ihrer Forderungen abschreiben müssen. Dazu werden dann auch Österreichs Steuerzahler gehören.

Es ist zu hoffen, dass sich Finanzministerin Fekter und Bundeskanzler Faymann überlegt haben, wie sie mit diesem Umstand umgehen werden. Zu hoffen ist auch, dass sie sich Aussagen wie jene der Finanzministerin ersparen, die im Nationalrat gemeint hat, Griechenland habe bisher an Österreich 19 Millionen Euro Zinsen gezahlt, und Österreichs Beteiligung am Rettungspaket habe bisher „keinen Cent gekostet“. Das stimmt natürlich, allerdings nur insofern, dass man auch im Kasino eine Zeitlang tolle Gewinne erzielen und dennoch ärmer nach Hause gehen kann.

Abgerechnet wird erst am Schluss, auch im Fall von Griechenlands erdrückender Schuldenlast. Hier ist zu hoffen, dass die Finanzminister der Eurozone ihr Treffen am Sonntag in Brüssel dafür nutzen, diesem Vorschlag von Daniel Gros, einem Ökonomen am Brüsseler Centre for European Policy Studies, und Thomas Mayer, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, zu folgen: Die Minister sollten den Euro-Rettungsfonds EFSF ermächtigen, allen Gläubigern Griechenlands den Tausch ihrer Staatsanleihen gegen EFSF-Schuldscheine anzubieten, natürlich mit Preisabschlägen. Die alten Bonds sollten den Banken dann nicht mehr länger als Pfand für die Refinanzierung bei der Europäischen Zentralbank dienen, sondern nur mehr die neuen EFSF-Scheine. Der EFSF würde somit zum alleinigen Gläubiger Athens und könnte der Regierung eine Abschreibung der Altschulden um 40 bis 45 Prozent anbieten – aber nur, wenn die abzustimmenden Reformen erfüllt werden.

Dieses Modell wäre dem griechischen Volk gegenüber damit zu argumentieren, dass ihre unzweifelhaft harten Einschnitte einen neuen Start für ihr Land ermöglichen. Den Steuerzahlern Österreichs wiederum könnte man erklären, dass dieser Schlussstrich nötig ist, um die nicht ganz unverschuldet als unzuverlässig geltenden Griechen zu budgetärer Tugendhaftigkeit anzuhalten, und außerdem den Schwelbrand in der Eurozone zu löschen.

Europas Politiker haben nun Zeit für diese Erklärungsarbeit. Die Einsicht und den Mut dafür hoffentlich auch.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2011)

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62 Kommentare
 
12
Gast: uburoi
30.06.2011 17:59
0

de wissen leider noch immer nicht, warum ihnen der mann geld schenken will?

im herbst wissen sies!
hihihihihi.

Gast: grau
30.06.2011 16:08
0

a bisserl zeit....



was kost' denn die minute?

DAS WILLST DU NICHT WISSEN !

Jassu

wir sind gerade in Griechenland - zum Trotz aller Medien, die davon abraten, weil wir sowieso schon so viel Geld dafür zahlen müssen. Die Bevölkerung kann im Grunde nix dafür, dass es so gekommen ist - jeder auf der Welt wußte, dass Griechenland grundsätzlich korrupt ist, mehr als Italien, doch niemanden hat das gestört - und jetzt soll alles auf einmal anders werden? Wo haben die EU-Experten denn hingeschaut, als sie Griechenland aufgenommen haben - wohl nur auf Macht und Gier - keinesfalls auf deren Wirtschaft- und Finanzgeschäfte, wenn doch, dann waren sie alle samt äußerst fahrlässig! Jeder Unternehmer, der in eine Cooperation o.ä. aufgenommen werden möchte, muss seine Bücher auf den Tisch legen und wird zuerst komplett durchleuchtet - aber in der Politik zählt das alles nichts. Hauptsache man hat was erreicht und kann sich in die Geschichte einschreiben lassen. Bin gespannt, ob mit dem neuen Sparmodus auch die Kotrollen seitens der EU im Namen aller jene, die dafür zahlen, schärfer werden. Wir werden weiterhin Griechenland treu bleiben - es ist eine Farce der Politiker und wenn die Gesetze so sind - ist doch in Deutschland nichts anderes mit Hartz IV - wenn es einem so leicht gemacht wird, dann muss der Bürger doch zugreifen - auch dieses Land wird bald pleite sein.

Antworten Gast: Der Hut
30.06.2011 15:24
0

Re: Jassu

"Wo haben die EU-Experten denn hingeschaut, als sie Griechenland aufgenommen haben."

Auf gefälschte Bilanzen, welche von der Griechischen Regierung vorgelegt wurden.

"...wenn es einem so leicht gemacht wird, dann muss der Bürger doch zugreifen..."

Und das sagt auch schon alles aus...

Wenn ich ihrer Logik folge dann wäre es in Ordnung jegliche Straftaten zu begehen solange man nicht erwischt wird. Und wenn man erwischt wird sagt man: "Hups, aber ihr habts doch immer alles gewusst."

Re: Re: Jassu

Wollen Sie nicht verstehen oder sind Sie Politiker der EU? Man hat als Urlauber jahrelang das Chaos hier miterlebt - und da lässt sich die EU über den Tisch ziehen? Also bitte - jetzt müssen Sie so entscheiden - es geht gar nicht anders und ploetzlich sollen von heute auf morgen gezaubert werden? Wo waren die Kontrollorgane der EU die letzten Jahre? Warum hat man das Sparpaket erst jetzt als Druckmittel verwendet? Würden Sie freiwillig Steuern bezahlen wenn Sie nicht geprueft werden? Wohl kaum oder? Das hattet einer Straftat nichts zu zum, die werden ja bestraft und dafür gibt es auch Gesetze! Dieser Prozess wird lange dauern, bis alles komplett umgesetzt werden kann! Wird ja von Experten der hohen Politik gemacht und nicht von Unternehmern aus der Wirtschaft!

Gast: ggggggrasst
30.06.2011 10:00
3

die gesamte EU ist pleite

nicht nur griechenland.

Die Menschheit ist pleite

Kein Wunder, bei einem System ewigen Wachstums in einem begrenzten Raum, das durch ökologische und ökonomische Schulden finanziert wird.

Und dabei ist die ökonomische Pleite noch das kleinere globale Problem.

Das griechische Parlament hat gestern zwar die EU vor einer unmittelbarer Pleite gerettet aber

mit der gleichen Abstimmung den vorlaeufigen Untergang eigenes Landes beschlossen! Das Sparprogramm ist als solches nicht durchseztbar. Denn die Bevölkerung wird und kann nicht mitmachen!

Gast: naservas
30.06.2011 08:15
2

danke

herr grimm, vielen dank für ihre analyse. der kern des problemes - die enorme schuldenlast - ist nämlich bei weitem noch nicht gelöst und wird sich so auch nicht lösen lassen. erleichterung ist also fehl am platz.

Re: danke

Völlige Zustimmung. Der wirkliche Kern des Problems liegt natürlich in der Schuldenlast aller europäischer Staaten die sich jetzt als potente Helfer aufspielen. Jeder EU Staat muß sich für die Griechen Milliarden noch weiter verschulden, das Schuldenproblem wird so nur in Breite der EU getragen und die Zeit bis zum endgültigen Showdown des EURO läuft weiter ...

Was muß eine Griechenland-Pleite doch lustig sein, wenn alle „Experten“ sie so sehr wünschen

Wieso sind alle so erpicht darauf, Griechenland in die Pleite zu schicken?

Die Pleite Griechenlands bedeutet schlicht und einfach, die Griechen müssen ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Die Kosten einer Griechenland-Pleite tragen die Banken, welche griechische Staatsanleihen gezeichnet haben. Das heißt, diese Banken verlieren Geld und müssen es anderswo wieder verdienen! Na, wo denn? Bei den Gebühren und bei höheren Kreditzinsen. Und/oder über Sanierung durch den Steuerzahler, wenn die eine oder andere Bank sich daran verschluckt.

Hilft man den Griechen aber mit neuen billigen Krediten über die Misere und zwingt sie gleichzeitig, über Privatisierungen und Sparmaßnahmen den Schuldenstand abzubauen, dann haben die Griechen ihre Schulden selbst bezahlt. Gerecht, denn sie haben die Schulden ja auch selbst aufgebaut.

Das Problem, das dabei besteht, ist rein die Höhe der Sparmaßnahmen und die Zeit, die man für den Schuldenabbau braucht. Daß „der kleine Mann“ in Griechenland nicht über Gebühr in Anspruch genommen werden kann, sollte eigentlich klar sein. D.h. es geht um die Balance, ausreichende, aber zumutbare Sparmaßnahmen, mit möglichst schnellem Schuldenabbau zu erreichen. Da ist die politische Leistung der EU gefordert. Das notwendige Geld dafür dürfte eigentlich kein solches Problem sein.

Die hiesigen, haufenweise auftretenden „Biertisch-Experten“, sollten einmal darstellen, wie z.B. Österreich seine Schulden von rund 200 Milliarden in nur drei Jahren halbieren könnte?

Re: Was muß eine Griechenland-Pleite doch lustig sein, wenn alle „Experten“ sie so sehr wünschen

Österreich ist nicht mal fähig seine Staatsschulden vom Vorjahr um einen einzigen Euro zu verringern. Sogesehen ist es lächerlich wenn sie erwarten das die Griechenhilfe je wieder zurückgezahlt werden kann. In der Zwischenzeit darf der österreichische Steuerzahler aber Zinsen für das Geld welches er für die Griechenhilfe selbst leihen musste bezahlen und das auch brav und ohne Murren lange nachdem die Griechen den Staatsbankrott erklärt haben ....

Die Defizite sind strukturell.

Eine direkte Folge der repräsentativen Bankomat-Demokratie.

Griechenland wird seine Schulden nie zurückzahlen können, nicht in 3 Jahren und auch nicht in 30.

Je eher man diese Tatsache anerkennt, desto eher kann man sich über die wirklichen Konsequenzen Gedanken machen.

Es geht hier doch nur noch darum, die Fiktion von der absoluten Sicherheit egal welcher Staatsanleihen aufrechtzuerhalten - ist diese erstmal geplatzt, steigen vielleicht die Finanzierungskosten auch für andere Staaten, aber die Einsicht der Krankheit ist in diesem Fall Bedingung für die Gesundung.

Die Entscheidungen der EU sind plausibel, also richtig!

Ihre Meinung, freeman, in Ehren, aber haben Sie auch Fakten hiefür. Woraus schließen Sie, daß Griechenland seine Schulden nie zurückzahlen kann?

Sie sagen, die Krise ist strukturell verursacht. Bitte schön, auch gut, aber welche Strukturen sind wie an der Misere schuld. Können Sie das auch sagen? Ex-Cathedra-Verkündigungen mögen eindrucksvoll sein, aber wenigstens andeutungsweise begründen sollte man sie schon.

Na, und wenn Sie recht haben, mit Ihren strukturellen Ursachen, dann wird man die Strukturen eben ändern müssen. Da könnten Sie sich doch verdient machen, wenn Sie zu Ihrer Erläuterung, welche Strukturen wofür verantwortlich sind, auch gleich dazu sagen würden, was an Änderungen zu passieren hat.

Wenn Sie das alles nicht machen oder nicht machen können, sind Sie eben auch einer jener, die glauben, die Pleite der Griechen ist das Heil aller Dinge oder wenigstens das Maß aller Dinge.

Was mich betrifft, ich sehe nur, daß die Griechen bislang alle Bedingungen einhalten und neue Bedingungen mühsam aber doch eindrucksvoll durchs Parlament bringen.

Fekter hat völlig recht, bislang hat uns die Griechenland-Krise keinen Cent gekostet, im Gegenteil es kamen 39 Millionen an pünktlich gezahlten Zinsen herein.

Weder bin ich Volks- noch Finanzwirtschafter, doch vertraue ich darauf, daß die Entscheidungsträger in der EU das nötige Fachwissen – in ihren Beamtenapparaten – verfügbar haben und daher richtig entscheiden.

Für mich sind die Entscheidungen der EU plausibel, also richtig!

Welche Strukturen schuld sind?

Aufgeblähte Verwaltung, Nepotismus, unzählige "geschützte Bereiche" auch weit abseits des eigentlichen Beamtentums, kaum Industrie,...

Wie ein Grieche mal sagte: Es gibt eigentlich 2 "Griechenländer" - eines, das in Bereichen operiert, die internationaler Konkurrenz ausgesetzt sind (das wäre mehr oder weniger die gesamte produzierende Industrie und (mit Abstrichen) der Tourismus. Ein anders Griechenland besteht aus den Gruppen, die der Staat bisher erfolgreich vor Konkurrenz schützen konnte Beamte, Ärzte, Anwälte, Transportunternehmen,... - dieser Bereich lebt letztendlich auf Kosten des anderen.

Daß Griechenland seine Schulden bisher begleichen konnte ist einzig und allein des bisherigen "Rettungspaketen" geschuldet, nicht der endogenen Kraft der griechischen Volkswirtschaft.

Es ist etwas absurd, die Tatsache, daß Griechenland aufgrund der empfangenen Hilfsgelder noch nicht zahlungsunfähig ist als Begründung für weitere Hilfsgelder heranzuziehen.
Das hat was von der genialen Rettungstechnik des Barons Münchhausen.

Wenn ein privater Schuldner seine Kredite nicht mehr bezahlen kann, geben wir ihm einfach einen neuen Kredit, mit dem er (unter anderem) die alten Schulden "bezahlt". Da der neue Kredit noch nicht fällig ist, ist der Verlust noch nicht realisiert und die Sache ist ein "tolles Geschäft" - jedenfalls auf der nach unten offenen Fekter-Skala...

Wozu brauchen wir noch Schuldnerberater und Privatkonkurse, wenn man sich die Sache doch so einfach schönrechnen kann.

Re: Fiasko


So ist es!

Die Griechen haben die letzten eineinhalb Jahre die fällig gewordenen Schulden, die Zinsen auf die Schulden plus das darüber hinausgehende Defizit mit - hauptsächlich - EU-Hilfszahlungen beglichen.

Die Schulden Griechenlands sind vom 01.01.2010 bis zum 30.06.2011 von 300 Mrd Euro auf ca. 360 Mrd Euro gewachsen.

Die Zinsen in diesen eineinhalb Jahren dafür betrugen ca. 25 Mrd Euro (Annahme durchschnittlicher Zinssatz: 5%).

D.h., auch ohne Zinsen hätten die Griechen in den letzten 18 Monaten ca. 35 Mrd 'negativ gespart'.

Das wären ca. 10% vom BIP (mit den Zinsen ca. 17%)!

Jetzt sollen sie weitere 120 Mrd Euro von den Euro-Ländern bekommen.

Die sollen bis 2013 reichen.

Werden sie aber nicht.

In ca. einem Jahr werden die Griechen wieder betteln kommen.

Und werden die EU-Trolls ein weiteres mal über den Tisch ziehen.

Usw..

Dann (2015, 2016) kommt der alternativlose Schuldenschnitt.

75% von ca. 500 Mrd (komplett in Euro-Länder-Hand, der IWF-Anteil musste mitübernommen werden, davon Ö 15 Mrd).

Mit ca. 125 Mrd Schulden beginnt dann endlich der Re-Start Griechenlands.

60%/BIP-Schulden sind den Griechen aber zuviel.

Darauf hin stellen die Euro-Deppen die Griechen-Schulden für ca 10 Jahre tilgungs- und zinsfrei. (um ihnen den Neustart nicht zu vermasseln).

Und das Euro-Länder Abzockerspiel der Griechen beginnt von vorne.

'Cicero' wird dann immer noch sagen, Griechenland ist bisher all seinen Verpflichtungen nachgekomme.

Österreich hat sein Insolventrecht massiv verbessert, damit Zahlungsunfähige saniert werden können

freeman, wie Recht Sie doch haben, aber nur, wenn man so kurz – nicht zeitlich kurz, sondern inhaltlich kurz – denkt, wie Sie.

Aber wenigstens nennen Sie jetzt ein paar Strukturprobleme. Richtig, aber eben nur zum Teil. Sie sagen, kaum Industrie. Das ist falsch. Natürlich, Weltmarktführer in Eisenbahnweichen ist unsere Vöest und nicht Griechenland. Aber die Produktion von Olivenöl ist zum Teil bäuerlich, weithin aber eine Riesen-Industrie. Der Fremdenverkehr, Exportgut Nummer Eins. Na ja, und erst die Schiffahrt. Die größten Reedereien der Welt gibt es u.a. in Griechenland.

Völlig daneben ist aber Ihr Vergleich mit einem privaten Schuldner. Gäbe man einem privaten Schuldner nur neue billige Kredite und läßt ihn weitermachen, wie bisher, dann, aber nur dann haben Sie Recht. Sagt man dem privaten Schuldner aber, Du must Dir einen besseren Job suchen, damit Du mehr verdienst und Du must Deine „Karl-May-Bücher-Sammlung“ verkaufen, Du must Du ein kleineres, sparsameres Auto nehmen, Du must in eine billigere Wohnung übersiedeln, auch kannst Du nicht mehr so oft ausgehen, wie bisher, etc, damit Deine Kosten sinken, dann bin ich bereit Dir einen Überbrückungskredit zu geben, den Du mir nur langfristig zurückzahlen must. Dann wird das funktionieren.

Genau das macht die EU mit Griechenland.

In Österreich wurde eben das Insolvenzrecht genau in diese Richtung verbessert. Bisher hat die Gebietskrankenkasse Betriebe reihenweise in Konkurs geschickt. Jetzt haben sie eine Sanierungschance.

Re: Österreich hat sein Insolventrecht massiv verbessert, damit Zahlungsunfähige saniert werden können

Fremdenverkehr ist erstens kein Exportgut und zweitens keine Industrie, sondern eine Dienstleistung. Reedereien sind auch keine Industrie-, sondern Dienstleistungsbetriebe. Selbst bei den Oliven kann man wohl nur die Pressung und Abfüllung als Industrie werten.


Warum schicken die USA Kalifornien nicht in die Pleite? Ist doch eigenartig!

Aber um Gottes willen, Gerald, der Fremdenverkehr ist Exportgut und er ist Industrie.

Export ist dann gegeben, wenn eine Lieferung oder Leistung, an einen ausländischen Abnehmer geliefert wird und von dem Abnehmer mit Geld aus dem Ausland bezahlt wird. Natürlich auch Griechen gehen in Griechenland auf Urlaub. Dieser Teil des Fremdenverkehrs ist natürlich nicht Export, aber wieviel % vom Gesamtkuchen ist das?

Industrie ist dann gegeben, wenn ein Produkt, welches auch immer, nicht aus einer Hand kommt, sondern das Zusammenwirken vieler Hände bedarf. Nun, der Fremdenverkehr besteht aus Unterbringung, aus Verpflegung, aus Verkehrsleistung, von Angeboten, wie Museen, Konzerten, Kuren, etc. Der Gast erhält ein Gesamtprodukt, vulgo Urlaub, das aus vielen Händen kommt, also Industrie.

Zu glauben, nur Maschinen- insbesondere Autoindustrie ist allein Industrie, ist grundsätzlich falsch.

Die griechische Volkswirtschaft etwa, wie dies immer wieder gemacht wird, mit der deutschen zu vergleichen ist hanebüchener Unsinn. Österreich lebt von seinem Export, nicht nur vom Maschinen- und Stahlexport, sondern in hohem Ausmaß auch vom Fremdenverkehr. In der Olivenölproduktion sind uns die Griechen aber turmhoch überlegen. Das sollte man einmal zu Ende denken.

Und noch ein Unsinn, der immer wieder kommt. In Europa gibt es den armen Süden und den reichen Norden. In den USA ist das ganz genau so, nur dort fällt es niemand ein, im Süden einen „Weich-Währungs-Dollar“ einführen zu wollen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Barbara S.
30.06.2011 16:08
0

Aber geh schau her!

Diesen extrem fanatischen EU-Fundamentalisten Cicero gibt es tatsächlich immer noch.

Und wie eh und je steigert er sich wieder einmal in seiner typisch cholerischen Art in sein ohehin längst aussichtsloses EU-Thema hinein.

Klar, je näher das Ende EU-Spukes rückt, umso cholerischer wird er werden.
Kommt halt davon, wenn man im falschen Boot - der EU-Fundamentalisten - sitzt.

Jetzt lasse ich ihn gleich wieder weitergranteln und den Oberarroganten spielen.
Seine Spezialdisziplin. Dumm halt, wenn ihm kaum mehr wer dabei "zuhört".

Eigenartige Lebensqualität

Der cholerische, oberarrogante, fanatische, weitergrantelne, im falschen Boot sitzende EU-Fundamentalist Cicero stellt völlig wertfrei fest, was muß Träumen doch schön sein.

In nur 534 Zeichen soviel Pöbeleien unterzubringen ist eine beachtliche Leistung für sich! Auf das baldige Ende der EU zu hoffen, ist eine ganz andere Leistung!

Wenn schon konzentrierte Anwürfe der untersten Schublade, dann wäre es doch schön, gäbe es auch nur einen Schimmer von Beweisanbot für die Vorwürfe.

Irgendwie muß das damit vergleichbar sein, daß Mondsüchtige träumend aufs Dach klettern und am nächsten Morgen keine wie immer geartete Erinnerung an den nächtlichen Ausflug haben.

Frau Barbara S. träumen Sie weiter!

Wenn das Ihre Lebensqualität steigert, bitte gerne. Geschenkt!

Re: Warum schicken die USA Kalifornien nicht in die Pleite? Ist doch eigenartig!

Ich zitiere wikipedia:

"Die Industrie (lat. industria: Betriebsamkeit, Fleiß) bezeichnet den Teil der Wirtschaft, der gekennzeichnet ist durch die Produktion und Weiterverarbeitung von materiellen Gütern oder Waren in Fabriken und Anlagen"

"Es gibt auch Branchen, die nicht der oben genannten Definition entsprechen und trotzdem als Industrie bezeichnet werden, etwa die zum Dienstleistungsgewerbe gehörige „Tourismusindustrie“, „Musikindustrie“ oder „Unterhaltungsindustrie“. Ein Grund hierfür kann in einer Fehlübersetzung des englischen Worts industry liegen, das neben Industrie auch Branche oder Wirtschaftszweig bedeuten kann."

Tourismus ist jedenfalls keine Industrie, es ist eine Dienstleistung.

Sich auf Übersetzungsfehler auszureden, ist windig.

Da sieht man einmal öfter, was man alles im Wikipedia zusammenschreiben kann, wenn es nur ausreichend gut formuliert ist. Niemand kontrolliert die Richtigkeit der jeweiligen Darstellung.

Anläßlich der österreichischen Gewerberechtsreform 1972 war ich Auskunftsperson für den parlamentarischen Unterausschuß, der die Details der Reform vorbereitete.

Naturgemäß gab es unter den einzelnen Berufsgruppen heftige Auseinandersetzungen, wer was unter welchen Umständen machen darf.

Z.B. die Hafner sagten, sie können Feuerstellen herstellen, also dürfen sie auch Kamine sanieren. Nichts da, schrieen die Rauchfangkehrer, wir allein können die Sicherheit beurteilen. Oder, die Fleischhauer setzen durch, daß sie Wurstsemmeln verkaufen dürfen, obwohl die Gastwirte dagegen waren, weil eine Wurstsemmel eine fertige Speise ist.

Da wurde ausführlich über die Definition, was ist Industrie und was ist Gewerbe, diskutiert.

Industrie ist nicht an „Fabrik“ gebunden, wenngleich etwa die Autoindustrie wohl nur in einer Fabrik tätig werden kann. Aber in keiner Autofabrik werden alle Teile eines Autos erzeugt.

Industrie ist dann gegeben, wenn mehrere „Hände“ jeweils Teilleistungen erbringen. Beim Gewerbe dagegen kommt das Produkt aus einer Hand, Der Tischler baut den Wohnzimmerschrank zur Gänze allein.

Eine Definition war notwendig, weil an Industrie und an Gewerbe unterschiedliche Rechte gebunden sind.

Eine Branche kann eben eine Industrie sein, wenn das Gesamtprodukt nicht aus einer Hand kommt.

Griechische Reedereien ...

... schon mal darüber nachgedacht, wo die griechischen Reedereien Steuern zahlen? Ich geben Ihnen die Antwort: Nicht in Griechenland!

Selbst Österreich

schafft es - mit weitaus besserer Ausgangslage - nicht, Budgetüberschüsse zu erwirtschaften, die für einen erfolgreichen Schuldenabbau erforderlich wären. Wie soll das Griechenland gelingen?

Ein Staat, der seine Schulden nur mehr durch Interventionen Dritter bedienen kann IST bereits zahlungsunfähig. Da ist es immer noch das beste, diese Tatsache anzuerkennen, und die entstehenden Kosten damit zum Teil denjenigen umzuhängen, die auf das Gegenteil gewettet haben, als der Allgemeinheit.

Es hatte einen Grund, daß derartige Hilfen bei der Einführung des EURO grundsätzlich ausgeschlossen wurden.

Ein Staatsbankrott ist im Übrigen noch keine Katastrophe.

Weniger Staat, mehr privat!

Na ja, freeman, wenn Österreich es trotz bessere Gesamtlage nicht schafft, ein ausgeglichenes Budget zustande zu bringen, dann schicken wir doch auch gleich Österreich in die Staatspleite. Oder?

Schüssel hat versucht, den Mißbrauch der Frühpension zu dämpfen, von beseitigen war sowieso keine Rede. Und wo stehen wir jetzt?

Wir werden die ÖBB privatisieren müssen. Was sagt Haberzettl?

Wir werden die Überregulierung von allem und jedem in unserem Leben zurückschrauben müssen, denn anders wird eine Verwaltungsreform nicht gelingen. Immer neue Verbote, die kontrolliert werden müssen?

Aber Sie haben Recht. Wir sollten Österreich und Griechenland in Vergleich ziehen. Allerdings anders, als Sie es meinen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir das gleiche Schicksal erleiden wir Griechenland.

Aber sagen Sie das einmal der linken Reichshälfte.

Der Marxismus träumt davon, der Staat sorgt für seine Bürger. Das bedeutet Schuldenmachen. Überall auf der Welt ist das so. Auch die Sozialisten Bill Clinton und Barack Obama reiten eine Weltmacht wie die USA in Grund und Boden. Und nicht weil sie sich als der einzige Weltpolizist betätigen, sondern weil sie die Frühstückssemmeln des kleinen Mannes per Kredit finanzieren. Die Finanzkrise 2008 hat Bill Clinton zu verantworten mit seinem „Häuschen für jeden kleinen Mann“.

Wir haben keine Euro-Krise, wir haben eine Schulden-Krise und die nicht nur in Griechenland. Die Schulden-Krise durch die Pleite Griechenlands zu verschärfen ist falsch!

 
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