22.05.2013 17:08 Merkliste 0

Die Märkte brauchen ein schnelles und hartes Zeichen

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Jeder Spekulant wäre verrückt, würde er bei Griechenland, Italien & Co. nicht „zugreifen“. Und jeder Finanzminister, der das nicht unterbinden würde, ebenfalls.

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Jetzt also auch Italien: Hedgefonds setzen hohe Summen auf den Verfall italienischer Staatsanleihen, die Risikoaufschläge für diese Anleihen steigen auf Rekordhöhe, an den Börsen knicken italienische Bankaktien ein, die Euroland-Spitzen veranstalten Krisentreffen, der Eurokurs fällt.

Wundert das eigentlich irgendjemanden? Das Land, in dem die Zitronen blühen, drängt sich für Krisenspekulationen ja förmlich auf: Die Staatsverschuldung liegt mit fast 120 Prozent des BIPs beinahe auf Griechenland-Niveau, die Steuermoral zieht Richtung Nullpunkt, die mit ernsten Strukturproblemen kämpfende Wirtschaft wächst kaum, die Regierung Berlusconi ist mit sich selbst und den Testosteronschüben ihres Chefs voll ausgelastet. Und die EU hat ihre Nichtlösungskompetenz in Irland, Portugal und Griechenland ausreichend bewiesen. Solche Chancen auf ebenso schnelles wie großes Geld hat man nicht oft in einem Spekulantenleben.

Blöd nur, dass wir hier nicht von „Peanuts“ wie den Griechenland-Schulden, sondern von der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone reden. Von einem Land, das mit 1840 Milliarden Euro in der Kreide steht. Wenn es hier kracht, dann hat Europa wirklich ein Problem.


Es wird also Zeit, dass die EU-Finanzminister, deren jämmerliches Schauspiel in Sachen Griechenland die Eurokrise von Tag zu Tag verschlimmert, einen wirklichen Krisenplan überlegen. Bis jetzt hat die „Lösungskompetenz“ ja darin bestanden, dass man das Problem mittels des Einsatzes aberwitziger Milliardensummen vor sich hergeschoben hat, um Zeit zu gewinnen. Das wird bei Italien nicht mehr funktionieren. Denn die Refinanzierung der italienischen Staatsschuld würde den gigantischen Euro-Rettungsschirm plötzlich sehr mickrig aussehen lassen.

Vor allem aber: Die Einladung zur Spekulation, die die Hedgefonds jetzt bei Italien so freudig angenommen haben, ist ja nicht eingegrenzt. Belgien und Spanien sehen für Spekulanten ebenfalls sehr appetitlich aus. Und zwischendurch kann man sich ja noch Portugal ein zweites Mal vorknöpfen.

Und was machen die Euro-Finanzminister in dieser heiklen Situation? Sie diskutieren über eine Aufstockung des „Rettungsschirms“. Eine Maßnahme, die als kurzfristige Feuerwehraktion notwendig sein mag, aber keines der Euro-Probleme löst. Und sie palavern ernsthaft darüber, ob man private Gläubiger an der Euro-Rettung „beteiligen“ dürfe.

 

Hier hört sich jedes Verständnis auf. Wer sonst als der Gläubiger, der sich sein Risiko mit hohen Zinsaufschlägen abgelten lässt, soll dieses tragen? Wer kommt denn auf die verrückte und völlig marktwirtschaftswidrige Idee, die einen die Risikoprämien kassieren und die anderen das Risiko tragen zu lassen? Man muss sich das einmal in der Praxis vorstellen: Man kauft eine Problemanleihe – und wettet gleichzeitig auf deren Kursverfall. Dieser tritt tatsächlich ein, und man kassiert erst einmal den Wettgewinn. Die Wartezeit auf die Fälligkeit der Anleihe vertreibt man sich mit dem Kassieren hoher Risikoaufschläge. Der eingetretene Kursverfall muss einen nicht interessieren, denn am Ende der Laufzeit sorgen die Euroland-Steuerzahler dafür, dass man sein Geld zu 100 Prozent zurückbekommt. Private dürfen ja nicht „beteiligt“ werden. Falls es doch zu heiß wird, kann man sein Schrottpapier immer noch der EZB andrehen, die solcherart beispielsweise schon zu einem der größten Griechenland-Gläubiger geworden ist.

Jeder Investor wäre verrückt, würde er da nicht zugreifen. Und jeder Finanzminister ebenfalls, wenn er das nicht abstellte. Die Märkte brauchen also ein klares Signal, dass Risiko auch „Finger verbrennen“ heißen kann. Das bedeutet eine möglichst rasche Umschuldung Griechenlands unter voller „Beteiligung“ privater Gläubiger. Das würde dem Land helfen, die Märkte nur vorübergehend beunruhigen und Domino-Spekulationen auf andere Euroländer schwieriger, vor allem aber viel riskanter machen. Gerade weil sich die Eurozone permanente Rettungsaktionen für Italien nicht leisten kann, muss hier ein schnelles Zeichen gesetzt werden.

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2011)

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94 Kommentare
 
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Re: Die italienische Krise hat die Linke

Na hoffentlich glaubens das selbst!

Und ein Staat ist kein Unternehmen und was an den korrupten Geschäftspraktiken Berlusconis jetzt so toll sein soll, sehe ich auch nicht.

Aber vielleicht sind Sie ja von seinem Umgang mit dem Rechtsstaat; seiner auf sich zugeschnittenen Gesetzgebungsmaßnahmen begeistert.

Was Sie bitte bei seiner Wirtschaftspolitik toll sein soll, weiß ich nicht.

Er ist bitte der längstdienende Premier Italiens und hat nichts zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beigetragen; er hat kein umfassenden Reformen umgesetzt - er hat es ja nicht einmal versucht!

Zu sehr war/ist er mit seinen eigenen Skandalen beschäftigt.

Zudem hat er öffentlich der Steuerhinterziehung das Wort geredet!

Gast: machmuss verschiebnix
11.07.2011 22:21
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Welche Möglichkeiten gibt es denn noch, außer Geld drucken ?


Bei Hu Jintao anrufen, er möge doch Italien aufkaufen ?

Kern-Europa gründen, alle alteingesessenen politischen Kräfte
vorübergehend "außer Kraft" setzen, damit sie nicht noch mehr
Unheil anrichten können, und dann eine Kehrtwende um 180 Grad
fliegen ?

Wem ist aufgefallen, daß sich die Chinesen keinen Deut um
allfällige Hysterien an den Börsen scheren, denn sie entscheiden
schneller, als die Börsen reagieren können. Kein hinterherlaufen
also, wie's Europa derzeit mit den Schutz-Schirmen macht, sondern
ein schnelles, wendiges Agieren noch bevor so ein Analysten-Fuzzi
überhaupt die relevanten Daten in die Hand bekommt.

Aber DAS WICHTIGSTE an der Schläue Chinas:

sie waren nicht so dämlich, ihre Währung dem "freien Handel" Preis
zu geben, und gleichsam den Finanz-Haien zum Fraß vorzuwerfen.

Was würde also dagegen sprechen, daß in diesem Belange ausnahmsweise
nicht die Chinesen uns, sondern Europa die Chinesen kopiert, und
daher ratz-fatz in einer buchstäblichen Nacht und Nebel-Aktion
ein paar "kleine Anpassungen" vornimmt:

TOTALE Bindung des Euro an den Yuan,

TOTALES Umkrempeln dieses desaströsen, borsatilen Finanzsystems,

TOTALE Abkehr von Allem, was vom US-Markt abhängig macht,

Das alles setzt aber voraus, eine
TOTALE Abkehr von polit-mafioser Nationalstaatlichkeit, hin zu einem
modernen, ÖKOSOZIALEN Lenksystem - allerdings: frei von Linker
Dekadenz !


Initiative zur abb


Re: Initiative zur Abberufung von Joachim Löw als ORF Korrespondent in Brüssel

Kein, und ich betone, kein österreichischer Journalist lässt mehr kritische Distanz zu den irrwitzigen Plänen der EU Regierungsschef völlig vermissen!

Er spricht sich ohne wenn und aber für den Rettungsschirm, für den dauerhaften Rettungsmechanismus innerhalb der EURO Zone aus und hätte lieber heute als morgen die EURO-Bonds.

Er tritt ohne wenn und aber für die Vergemeinschaftung von Staatschulden aus ohne legitime Grundlage.

Er tritt für die Transferunion ein, alles im Namen einer europäischen Quasisolidarität.

Dass er dabei die Europäische Idee schadet, zusätzlich noch die Regeln der Marktwirkschaft, wie der Kommentar von Urschitz gut aufzeigt, kann oder will er nicht verstehen.

Dass er schon während der gesamten Schuldenkrise in den EURO-Ländern jegliche Distanz und die Fähigkeit sowohl pro als auch contra der Maßnahmen aufzuzeigen, halte ich für einen journalistischen Skanadal - zumal in einer öffentlich rechtlichen Anstalt!

Antworten Antworten Gast: So nicht
12.07.2011 03:40
1 0

Re: Re: Initiative zur Abberufung von Joachim Löw als ORF Korrespondent in Brüssel

Ich bin für die Ernennung von Raimund Löw zum deutschen Teamchef. Das könnte den Euro und den österreichischen Fußball retten.

Warum soll jemand bei negativen Realzinsen dem Staat Geld leihen?

Nach Abzug der KEST und der Inflation, und ev. Vermögenssteuern sind die Realzinsen in Europa allesamt negativ.
In Italien haben bisher die Italiener selbst einen Gutteil der Staatsanleihen gehalten. Angesichts der Steuerbelastung ein glattes Verlustgeschäft. Viel klüger ist es das Geld sofort zu verbrauchen, als es dem Staat zu leihen, um sich später samt Zinsen weniger leisten zu können.

Die Staaten sind selber schuld. Auf der einen Seite verschulden sie sich immer schneller, auf der anderen Seite belasten sie die Anleihen mit jeder Menge Steuern. Sie haben damit den Bogen überspannt. Wenn nicht gespart wird, ist kein Geld da, dass sich der Staat leihen kann.

In Italien ist nun der Punkt erreicht. Die Banken hatten anstatt der Privatanleger immer mehr Anleihen im Portfolio, und bemerken, dass diese niemand mehr abkaufen will oder kann. Erste größere Verkäufe zu schlechten Preisen lösen bei derart instabilen Systemen natürlich schnell eine Katastrophe aus.

Angesichts der stark sinkenden Sparquote wird auch in Österreich bald der Punkt erreicht sein, an dem niemand mehr dem Staat die Anleihen abkaufen will.

Gast: Onkel Hans
11.07.2011 20:24
0 0

LOL: Noch eine Gelegenheit für unsere Politclowns ...


... Geld des Steuerzahlers herzuborgen und dafür Zinsen einzustreifen?

Gast: mysterium
11.07.2011 20:20
3 0

Wer wird denn nun Italiens Beiträge zum

ESM-Schutzschirm, zum IWF, zur Griechenlandhilfe, zur EZB, etc. übernehmen?

Die Spitzenposten in der EZB, OSZE, etc. haben sie eh schon eingenommen, also liebe Deutsche und Österreicher: Die Zahlungen übernehmen Sie.

Gast: 1. Parteiloser
11.07.2011 19:55
6 0

Das richtige Signal!

Die Länder der Eurozone machen einfach für 3 Jahre keine zusätzlichen Schulden und bauen die gewaltigen strukturellen Defizite ab. Eigentlioch wäre das eine dringende Notwendigkeit bis das Ziel einer Verschuldung von max. 60% des BIPs erreicht worden ist. Österreich müsste dazu seine Staatsausgaben um min. 10 Mrd. Euro (nur 7%!) zurückfahren.

Der Gewinn aus einer solchen, am besten konzentrierten, Aktion wäre gleich mehrfach.

1) Die Staatsausgaben könnten endlich unter Kontrolle gebracht werden. Das bedeutet auch weniger exzessive Umverteilung (Förderungen, Ruhegenüsse, Frühpensionen, Verwaltung, soziale Treffsicherheit, etc.)

2) Weniger exzessive Umverteilung bedeutet dann aber auch, dass der freie Markt vielleicht wieder Luft bekommen würde und seine produktiven Kräfte entfalten könnte.

3) Spekulieren wäre dann einfach nur Unsinn.

4) Die durchgedrehten Finanzmärkte könnten dann auch gleich so reguliert werden, dass diese wieder in den Dienst der Gesellschaft gestellt werden können.

Es wird aber niemals zu diesem Signal kommen, weil die Unfähigen einfach auch zu gierig sind und die Politik einfach nur durch und durch korrumpiert ist.

Weil das Signal aber nicht kommt, so wird es in wenigen Jahren die Eurozone sprengen und die EU gleich mit dazu in die Luft jagen.

Das kann man auch einen Barroso nicht erklären, einen Faymann schon gar nicht, wahrscheinlich nicht einmal dem Trichet.

"...ein klares Signal, dass Risiko auch „Finger verbrennen“ heißen kann. Das bedeutet..."

nett gesagt, jeder der nicht schon in der unterstufe zu viel gefehlt hat weiß es aber längst wie pleiten ausschauen und was zinseszins bedeutet.
aber unsere eu-politiker erzählen uns noch ein paar monate (ich denke jahre in der mehrzahl werden es jetzt mit IT nicht mehr) die erde sei eine scheibe.
und mit mehreren jahresumsätzen der staatseinnahmen an schulden -seit jahrzehnten stetig steigend - sei eine volkswirtschaft ja doch noch lange nicht pleite.
und an den steigenden zinsen eines solchen unsicheren schuldners beim weiterrollen seiner altschulden - das passiert ja ständig, mit weit mehr bedeutung als das echt frische geld das sie brauchen - ist nicht er sondern "die spekulanten" schuld, denen ihr ausfallsrisiko plötzlich bewusst wurde, und die für weiteres geld echte risikoprämien oder andere sicherheiten sehen wollen (oh, welch ein wunder!).
schade dass europa als projekt so schnell zu so einer lügen- vertragsbrecher- und enteignungspartie verkommen konnte. und man sich wegen der -absichtlich eingebauten? - demokratiedefizite nicht einmal rechtlich wehren kann. (vgl zb. die vergeblichen aktivitäten von mehr als 150 dt. top- volkswirtschaftern)
aber merkel, juncker und sarko wissen es im hinterzimmer sicher besser...

Gast: KritischerGeist
11.07.2011 19:14
9 0

Wunderbar geschrieben,

Herr Urschitz.

Ihr Wort in Politiker's Ohr!

dass jetzt italien auch noch ins wackeln geraet,...

...sollte faymann und co doch sehr froehlich stimmen. noch ein land, das (viel?) schlechter dasteht als oesterreich - da geht's uns doch gleich noch viel besser (= hurra, bis es mit uns so bergab geht haben wir noch mindestens eine legislaturperiode zeit!).
wenn das ganze system ueberhaupt noch zu retten ist, waere (vor)gestern der beste zeitpunkt, endlich massnahmen zu setzen...

ich selbst bin grundsaetzlich ueberzeugter europaeer, muss aber gestehen, dass ich vollstes verstaendnis fuer eu-skeptiker habe, wenn ich mir anschaue, mit wieviel inkompetenz in bruessel (und vielen mitgliedslaendern) agiert wird!

Gast: grau
11.07.2011 19:01
2 9

DAS ZEICHEN KANN NUR SEIN :



WEG MIT DEM EURO, HER MIT MARK UND SCHILLING !

genug der experimente mit der stinkenden totgeburt !

jeder groschen, der noch hineingesteckt wird, um irgendwem ein kaspertheater vorzuspielen, ist verloren !

ES IST UNSER VERMÖGEN !!
DAS DÜRFT IHR NICHT VERPLEMPERN, für ein paar posterl in brüssel !

Antworten Gast: grau
11.07.2011 19:21
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Re: DAS ZEICHEN KANN NUR SEIN :



WELCHE paarhufart gibt DA rot?

Re: Re: DAS ZEICHEN KANN NUR SEIN :

Ich.

Profitipp: Mal so am Rande: Je mehr man Capslock und Rufezeichen benützt, desto richtiger und hochwertiger wird ein Argument.

Antworten Antworten Antworten Gast: grau
11.07.2011 22:15
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Re: Re: Re: DAS ZEICHEN KANN NUR SEIN :



auf den non-valeurs des euro werden wir euch freunde der ÄÄUU dereinst lebend verbrennen !

Re: Re: Re: Re: DAS ZEICHEN KANN NUR SEIN :

geht's noch tiefer - und sinnloser ? Oder muß erst der Rausch ausgeschlafen werden ?

Gast: radius
11.07.2011 18:57
10 0

Sind die EU-Entscheider so dumm, dass sie das Szenario

nicht verstehen oder sind sie bis auf die Knochen korrupt? Wobei mir zweiteres als realistischer erscheint.

Re: Sind die EU-Entscheider so dumm, dass sie das Szenario

Die Frau Merkel zumindest ist dem Ackermann hörig!

 
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