25.05.2012 22:44 | Meine Presse Merkliste 0

Korruption ist nicht mehr „Part of the Game“

OLIVER PINK (Die Presse)

Die Justiz hat im Fall Uwe Scheuch ein Exempel statuiert: Politiker, die sich nicht an die Regeln halten, müssen mit der vollen Härte des Strafgesetzes rechnen.

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Die Justiz hat im Fall Uwe Scheuch ein Exempel statuiert: Politiker, die sich nicht an die Regeln halten, müssen mit der vollen Härte des Strafgesetzes rechnen.
Das - noch nicht rechtskräftige - Urteil ist ein drastisches. Sechs Monate Haft für die Anbahnung eines (ungesetzlichen) Deals, der letztlich gar nicht umgesetzt wurde. Der Kronzeuge, jener Mann, der das Geschäft am Telefon anzubahnen versucht hat, ein ehemaliger Parteifreund des Angeklagten, der nach „Knittelfeld" - und der Angeklagte war ein „Knittelfelder" - mit der Partei gebrochen hat. Allerdings: Ob es nun ein „Leger" war oder ein echtes Geschäft - es existiert ein Tonband, auf dem der Beschuldigte seine Bedingungen diktiert hat: Investment plus Parteispende gegen Staatsbürgerschaft.


Eine Gefängnisstrafe ist für jeden Menschen eine Tragödie. Erst recht für einen, der es gewohnt war anzuschaffen, der im freiheitlichen Kärntner Biotop weitgehend als sakrosankt galt, noch dazu, da er aus dem in diesen Breiten geachteten „national-liberalen Adel" stammt.
Man darf davon ausgehen, dass bei der überaus harten Strafe für Uwe Scheuch die Generalprävention, also die Abschreckung, eine große Rolle spielte. Auch wenn die Staatsanwältin anmerkte, so dreist wie Scheuch habe noch selten einer Forderungen zum eigenen Vorteil aufgestellt. Nach dem Urteil von Klagenfurt muss allen Politikern klar sein, dass Korruption nicht mehr locker als „part of the game" durchgeht, dass Volksvertreter keine mildernden Umstände - ganz im Gegenteil - zu erwarten haben, und dass die Vergabe von Staatsbürgerschaften zum eigenen Vorteil (oder jenem der Partei) kein Kavaliersdelikt ist.
Gerade diesbezüglich scheint sich hierzulande, vor allem in Kärnten, eine Praxis „eingebürgert" zu haben, die bisher anscheinend als weitgehend normale „Eine Hand wäscht die andere"-Methode empfunden wurde. Der nächste Prozess steht schon an: Vor Gericht muss in Bälde Franz Koloini erscheinen. Jörg Haider, dessen Sekretär er war, kann sich leider nicht mehr persönlich verantworten. Zwei russische Investoren sollen zwei Millionen Dollar und 900.000 Euro in den Kärntner Kurzzeit-Formel-I-Fahrer Patrick Friesacher investiert und dafür die Staatsbürgerschaft erhalten haben. Der Deal soll über Haider und Koloini gelaufen sein.
Aber nicht nur in Kärnten wird ermittelt, sondern auch in Wien. Hier untersucht die Korruptionsstaatsanwaltschaft den Vorwurf gegen den Direktor der Kunsthalle, Gerald Matt, er habe Sponsoren für sein Haus die österreichische Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt. Ein solches Verfahren gegen die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller war vor Kurzem eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft sah es nicht als erwiesen an, dass sie einem russischen Osterfestspielesponsor die Staatsbürgerschaft versprochen habe.
Wobei der entscheidende Punkt dabei nicht jener ist, ob ein Investor für seine Geldleistung die Staatsbürgerschaft erhält, sondern ob ein Dritter, etwa eine Partei oder Person, mitschneidet.

Die politischen Konsequenzen der Causa Scheuch liegen auf der Hand: Wird das Urteil bestätigt, verliert er sein Amt. Seine politische Karriere ist damit beendet, wohl für immer (wobei man gerade in Kärnten nichts ausschließen sollte).


Damit ist auch jener unterschwellige Machtkampf entschieden, der das Vakuum nach dem Tod Jörg Haiders gefüllt hat. Auch wenn sich Gerhard Dörfler ein solches Ende wohl nicht gewünscht haben wird, er ist nun unumstritten die Nummer eins bei den Kärntner Freiheitlichen. Schon in der Ortstafelfrage hat er sich intern weitgehend durchgesetzt - wobei da noch Zugeständnisse an den von den Brüdern Scheuch repräsentierten nationalen Flügel nötig waren. Jetzt sind deren Machtambitionen Makulatur.


Uwe Scheuch ist aber auch ein „Opfer". Nicht der Justiz. Sondern des „Systems Haider", des feuchtfröhlichen Rechtspopulismus südösterreichischer Prägung. Damals sind jene Praktiken eingerissen, für die Uwe Scheuch nun stellvertretend verurteilt wurde. Scheuchs Fehler war das blinde Vertrauen in Jörg Haider über dessen Tod hinaus, die Annahme, dass dessen Spielart des „anything goes" auch danach Bestand haben würde.
Daraus sollten alle Politiker ihre Lehren ziehen, nicht nur die freiheitlichen - aber diese haben es anscheinend am nötigsten.

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2011)

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51 Kommentare
 
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Gast: ASVG-Sklave
03.08.2011 19:47
0 0

Dr.Karl Renner Ring 3


Korruption beginnt mit der beschlossenen Klassenpolitik nicht gewählter Abgeordneter.

Bimi
03.08.2011 17:56
3 0

Ich kenne mich bei dieser Geschichte nicht aus

Man wirft Scheuch Geschenkannahme durch Amtsträger vor (schreibt ein Herr Gerber in der PRESSE). Ich lese nirgendwo, wie viel Herr Scheuch kassiert hat. Also zählt in Österreich ein illegaler Mitschnitt mehr als Gesetze? Hier steht wiederum, dass der Deal nicht stattgefunden hat.
Ich kenne den Beklagten nicht, aber ich finde den Umgang mit der Unschuldsvermutung inakzeptabel, da in Österreich Gerichte laufend irren.
Keine Chance der Korruption! Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in Österreich jemand verurteilt wird, weil er einem Agent provocateur aufsitzt, und diesem am Telefon sagt, dass er die 200 Km/h, die sein Tacho am Auto anzeigt, endlich einmal auf einer Ö Autobahn austesten will.

Antworten Gast: beschwerer
04.08.2011 11:56
0 0

Re: Ich kenne mich bei dieser Geschichte nicht aus

Damit Sie wissen, worüber Sie reden, hier die entsprechende Gesetzesstelle:

§ 304 StGB Bestechlichkeit

(1) Ein Amtsträger oder Schiedsrichter, der für die pflichtwidrige Vornahme oder Unterlassung eines Amtsgeschäfts einen Vorteil für sich oder einen Dritten fordert, annimmt oder sich versprechen lässt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen. Ebenso ist zu bestrafen, wer als von einem Gericht oder einer anderen Behörde für ein bestimmtes Verfahren bestellter Sachverständiger für die Erstattung eines unrichtigen Befundes oder Gutachtens einen Vorteil für sich oder einen Dritten fordert, annimmt oder sich versprechen lässt.

(2) Wer die Tat in Bezug auf einen 3.000 Euro übersteigenden Wert des Vorteils begeht, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen, wer jedoch die Tat in Bezug auf einen 50.000 Euro übersteigenden Wert des Vorteils begeht, ist mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen.

Also: Fordern genügt. Alles klar jetzt?

Antworten Gast: MassZweiDreiVier
03.08.2011 20:39
1 0

Re: Ich kenne mich bei dieser Geschichte nicht aus

Meine Rede: Daher sollten wir uns jetzt alles bei Ernst Strasser entschuldigen! Der hat nämlich auch kein Geld genommen und ist auch nur wegen so einem Gesprächsmitschnitt ins Gerede gekommen.
Allerdings: Eine Morddrohung ist strafbar, auch wenn niemand stirbt. Auch in puncto Korruption scheint die Absicht zu zählen.

Antworten Antworten Gast: Luzifer
03.08.2011 21:42
1 0

Re: Re: Ich kenne mich bei dieser Geschichte nicht aus

Man darf auf die Entscheidung des OLG Graz gespannt sein, ob die heimlich mitgeschnittenen Äußerungen bereits den Tatbestand der Geschenkannahme erfüllen. Ex-Minister Böhmdorfer wird letztlich auch eine Wahrungsbeschwerde beim OGH anregen, wenn diese Entscheidung nicht wie gewünscht ausgeht.

Die Abgrenzung zwischen einer noch nicht strafrechtlich zu verfolgenden Korruption und den Korruptionsparagraphen des Strafrechtes ist sicher nicht einfach zu ziehen. Zur außerstrafrechtlichen Korruption gehört sicher auch, wenn sich eine Regierung das Wohlwollen der Medien durch alle möglichen Vergünstigungen erkauft. Und da fragt man sich schon manchmal, was ist sozial verwerflicher, eine korrupte Medienpolitik einer Regierung oder das Gequatsche von einigen, für die Amtshandlung gar nicht zuständigen Politikern!

Gast: beta
03.08.2011 16:27
3 1

nur weil einer der gauner mal in erster instanz verurteilt wurde??

was ist dann mit martinz, grasser, strasser u. all diese verbrecherischen konsorten, die sich u. ihre partei auf kosten der steuerzahler bereichert haben..??

erst wenn die auch alle hinter gittern sitzen (am besten gemeinsam mit den chefs der övp u. fr. bandion-ortner, die hauptschuld an der justiz-groteske in österreich trägt), kann man von einer zeitenwende sprechen..


Antworten Gast: Luzifer
03.08.2011 21:51
0 0

Re: nur weil einer der gauner mal in erster instanz verurteilt wurde??

Mich wundert es nicht, wenn viele den Blödsinn nachplappern, den sie vorherim Boulvard wie "Heute", "Österreich" usw. gelesen haben. Was sie nicht wisse: das ist jene Propaganda, die sich die SPIN-Doktoren der Genossen ausgedacht und dann (ehe schon wissen wie) im Boulvard verbreiten läßt! Strafrechtlich kommt meist nichts heraus - und da kommen die Genossen wieder mit dem Einser-Schmäh, daß die Justiz ebenfalls korrupt ist. Und so wird aus einem Beweisnotstand kehr um die Hand ein weiterer politischer Skandal!
Blöd sind die roten Spindoktoren also wirklich nicht!

Gast: Zen Su Riert
03.08.2011 11:57
0 5

schwalben

eine schwalbe macht ja bekanntlich noch keinen sommer. dass sich da etwas bessert glaube ich erst, wenn auch leute wie KHG, Strasser etc. verurteilt sind. und das wird wohl nicht passieren. bei einem ausgewiesenen dodl wie einem scheuch gings halt nicht anders, da war die beweislage zu dicht.

renmin
03.08.2011 11:26
0 5

Ohweehh Uwe

gamble.... you lost...
naja, that´s part of the game.
Ma konn jo net ima lei gwina, göll. Net amui in Kärndn.
Das Drama in Kärnten ist, daß nach dem Abgang von Haider ein riesiges intellektuelles Vakuum in der regierenden Partei entstanden ist. Dort sind jetzt Typen aus der dritten Reihe am Ruder, wie die Scheuch Bros und der Dörfler. Wer dessen Stellungnahme gestern in der Abend ZiB gesehen hat, weiss was ich meine.
Allerdings ist der Scheuch Bua sicher nicht der Erste und Einzige der sich für halbseidene Typen stark macht. Wenn ich mir ansehe, was da so in Wien und NÖ an dubiosen Russen, Kasachen usw. herumläuft, bzw. in gepanzerten Wagen herumfährt....
Naja unsere Landesfürsten werden schon wissen was sie für unser Wohl zu tun haben.
Kommt ja schließlich der Wirtschaft zu Gute, wenn die Tussi vom Russencapo bei uns in der Kärntnerstraße die Kreditkarte zum Glühen bringt. Und moralische Gedanken über die Herkunft des Geldes sind schon gar nicht angebracht. Und wenn ab und zu einer von denen über die Klinge springt, dann halten wir uns raus.

4 1

Scheuch, der Verbrecher!

Hängt ihn höher, oder so ähnlich!

Eine etwas andere Analyse:

http://timpels.blog.com

Antworten heinz.pohl
03.08.2011 16:29
2 0

Re: Scheuch, der Verbrecher!

Sollte man lesen!

galli leo
03.08.2011 10:01
3 7

die missachtung des rechtsstaats,

wo ein nicht genehmes urteil eines gerichts quasi automatisch als ein 'politisches' urteil abgekanzelt wird, ist erschreckend.

anything goes .... offensichtlich das erste gebot bei bei diesem wählersegment!

Gast: Biersauer
03.08.2011 09:52
4 3

Werden da jetzt alle Parteispenden vom STA überprüft.

- sicherlich nicht , nur bei den Blauen!
Manipulierte Justiz.

Gast: Österr
03.08.2011 09:34
8 1

Darf man ein paar Fragen stellen?

Wenn ein FPÖ-Politiker einem Reichen eine österreichische Staatsbürgerschaft in Aussicht stellt so ist dies ein schweres Verbrechen?

Haben Politiker anderer Parteien noch nie ...?
Oder wird da nicht so genau abgehört, angeklagt und verurteilt?

Wenn Politiker Hunderttausenden ungebildeten, armen Wirtschaftsflüchtlingen die österreichische Staatbürgerschaft verleihen ist das was?

Gut, gutmenschlich oder fahrlässig gegenüber der österreichischen Bevölkerung?

Welche Politiker handeln im Interesse Österreichs?

Antworten Gast: trug
03.08.2011 10:33
2 6

Re: Darf man ein paar Fragen stellen?

sie haben es nicht verstanden... es geht um die spende an die partei, die daraus erfolgen sollte und nicht um die tatsache, dass eine staatsbürgerschaft vergeben wurde.

Antworten Antworten ettu
03.08.2011 12:10
4 0

Re: Re: Darf man ein paar Fragen stellen?

Keine Sorge der gelernte Österreicher hat bestimmt verstanden!

Glauben Sie ernsthaft Spenden an Parteien sind völlig selbstlos?

Warum werden nur die Blauen ungestraft abgehört, bespitzelt und diffamiert?

Warum werden Politiker die Österreich ernsthaft Schaden zufügen zB in Sachen Einwanderung nicht zur Verantwortung gezogen?

Fragen über Fragen


Gast: gast 2011
03.08.2011 09:32
1 5

grasser - meischberger - plech - hochegger - mensdorf - strasser - domany - u.s.w.

JETZT WIRD´S ENG !!!!!!!!

Gast: beutelratte
03.08.2011 09:11
8 1

mit dem scheuch

hat es schon den richtigen erwischt; hätte die justiz genauso gehandelt wäre er ein roter oder schwarzer? wohl kaum.

Antworten Gast: klar
03.08.2011 09:27
2 4

Re: mit dem scheuch

sicher

Antworten Antworten Gast: beutelratte
03.08.2011 09:41
5 1

Re: Re: mit dem scheuch

naja, verfahren gegen burgstaller eingestellt; bei herrn matt wird auch nicht viel rauskommen, wetten!

Antworten Antworten Antworten Anubis
03.08.2011 13:16
1 0

Re: Re: Re: mit dem scheuch

Wer ist als einziger nach dem BAWAG Skandal eingesessen?

Antworten Antworten Antworten Gast: Franz Gast
03.08.2011 10:46
2 4

Re: Re: Re: mit dem scheuch

Der Unterschied: Scheuch hat - durch einen Telefonmitschnitt bestätigt - Geld gefordert.

Dafür kann man Burgstaller nicht belangen, auch wenn Sie sich das wünschen.

Seien wir doch froh, dass wenigstens jene bestraft werden, denen man die Straftat nachweisen kann. Das ist ja nicht selbstverständlich.

osterr56
03.08.2011 08:55
6 7

Start

Ein Beginn für ein besseres Österreich. Die Justiz traut sich endlich etwas!

Gast: Falke12
03.08.2011 06:58
6 0

Ein schönes Schauspiel

der unsympatische Uwe wird entsorgt, die Menge jubelt über die Justiz. Die tägliche Korruption (wann wird Erwin oder sein Hauszocker verurteilt? Wann wird der Lurchdoktor bestraft?) Korruption wird es nicht kratzen.

Gast: ara
03.08.2011 03:44
4 0

warum sollte jemand an eine partei spenden

wenn er nicht irgendeinen vorteil davon hat?

selbstlose spenden gibts normal nur für wohltätige zwecke.

Antworten Gast: Klapperstorch
03.08.2011 15:41
0 0

Re: warum sollte jemand an eine partei spenden

Es stand ja auch nicht der reiche Russe vor Gericht. Dem macht eh keiner einen Vorwurf.

 
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