Die ORF-Wahl als jüngstes Stück der Löwingerbühne Österreich

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Inhalte spielen keine Rolle, Qualität ist kein Kriterium, ein Millionendefizit kein Grund für Reformen: Hauptsache, im ORF passiert, was die Politiker wollen.

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Am Dienstag wählt der Stiftungsrat des ORF dessen neuen Generaldirektor. Unter den vielen pseudodemokratischen Löwingerbühnenveranstaltungen, die dieses Land zu bieten hat, gehört die Wahl des ORF-Chefs zu den erbärmlichsten. Die Schlacht um den Küniglberg ist längst vorbei, entschieden vom Kindersoldatenspezialkommando der SPÖ, Laura Rudas und Nikolaus Pelinka. Die beiden dominieren die Medienpolitik der Sozialdemokratie und genießen das Vertrauen des Bundeskanzlers. Dass halb gebildete Mittzwanziger seinen Horizont erweitern können, muss einen wahrscheinlich nicht einmal sonderlich wundern.

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Alexander Wrabetz wird also für weitere fünf Jahre Generaldirektor des ORF. Seine Bewerbung, eine elegant gestaltete und aufwendig gedruckte Jubelbroschüre, ist eine Farce. Offensichtlich von Mitarbeitern zusammengestoppelt wie ein Parteiprogramm, enthält es an Neuem nur die relativ dreisten Forderungen nach mehr Sendern, mehr Gebühren und mehr Werbezeiten. Die Privatsendervertreter, die das kritisiert hatten, bezeichnete Wrabetz im Vorfeld der Wahl als „Westentaschen-Murdochs“. Die Verleger, sollte das heißen, versuchten, unlauteren Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu nehmen, so wie das Rupert Murdoch mit der britischen BBC versucht habe.

Die Chuzpe ist auch nicht schlecht für einen, der von Kanzlers und Staatssekretärs Gnaden auf seinem Posten sitzt und sich permanent von einem größenwahnsinnigen Sozenschnösel vorführen lässt, der genüsslich berichtet, wie ihn „der Alex“ fragt, was er tun soll.

Was sich im und um den ORF während des vergangenen Jahres abgespielt hat, ist eigentlich unfassbar. Nachdem die amtierende Geschäftsführung den Sender inhaltlich und finanziell an die Wand gefahren hatte, schlug die Stunde der Warlords auf dem Ballhausplatz. Die sind, wie alle anderen Politiker auch, an der Qualität und an der wirtschaftlichen Performance des Senders vollkommen uninteressiert. Solange die ORF-Chefs machen, was den Politikern passt, können sie Millionen verbrennen. Wird alles ersetzt. Die ÖVP spielt derzeit in diesem Spiel nicht mit. Zunächst hatte Klubobmann Karl-Heinz Kopf den ORF und die Medien an sich gezogen und dabei seinem Namen nicht eben Ehre gemacht. Jetzt hat man wiederum Kopf entmachtet, und der neue Parteichef Michael Spindelegger hat den ORF zur „Chefsache“ erklärt. Das Ergebnis ist bekannt. Dass die ÖVP jetzt so tut, als sei sie die einzige Partei, die sich an der politischen Instrumentalisierung des ORF nicht beteiligt, ist ein herziger Versuch, „Haltet den Dieb!“ zu kreischen. Moral entsteht nicht automatisch dadurch, dass man zu dumm ist, ein Verbrechen zu begehen.

„Alles bleibt besser“, lautete einer der besseren Slogans des ORF. Es stimmt: Beim ORF bleibt mit dieser Wahl alles, wie es ist. Und das ist zumindest besser, als es bald gewesen sein wird. Obwohl sich an den strukturellen Problemen des Senders – zu viele Mitarbeiter, zu wenig Vielfalt, zu wenig politische Unabhängigkeit, zu viel Betriebsratsmacht – nichts ändert, tun jetzt alle so, als sei der ORF mit den 160 zusätzlichen Millionen, die man ihm als Gegenleistung für seine politische Willfährigkeit zugesteckt hat, saniert. Es wird sich bald herausstellen, dass dem nicht so ist.


In der Zwischenzeit wird die Geschäftsführung Wrabetz II versuchen, sich politisch so weit einzugraben, dass die Gelder, die nötig sind, um den hypertrophen Apparat am Laufen zu halten, weiter sprudeln. Inhaltliche Fragen wie jene, wozu, außer für die Stimmen des Betriebsrates bei der Generalswahl, der ORF einen technischen Direktor braucht, stellt sich niemand. Strukturfragen folgen ausschließlich der parteipolitischen Logik, Inhalte spielen keine Rolle. Dass in der ORF-Information „Unabhängigkeit“ mit der ungehinderten Befriedigung der ideologischen Bedürfnisse der Mitarbeiter verwechselt wird, kümmert auch längst niemanden mehr.

Und offensichtlich gibt es in diesem Land noch eine ausreichende Zahl von angesehenen Menschen, die sich dafür hergeben, dieser Farce so etwas wie demokratische Legitimität zu verleihen. Wie sich das Amt eines ORF-Stiftungsrates mit einem Minimum an Selbstachtung vereinbaren lässt, verstehe, wer kann.


E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2011)

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77 Kommentare
 
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volksbegehren

wir brauchen ein überparteiliches antiwrabetz volksbegehren..
wer fängt an??
wird fleischhacker mitmachen?? oder beschränkt er sich auf sarkastische leitartikel...die null bewegen??

Antworten Gast: Christian_Konrad
26.09.2011 14:46
0 1

Re: volksbegehren

Das entscheidet nicht Herr Fleischhacker sondern ich!

Re: Re: volksbegehren

ob fleischhacker mitmacht entscheiden sie???
scherzkeks

Gast: Sowjetisch anmutende "Wahl" als Markenzeichen des Rotfunks
08.08.2011 22:19
4 1

Die ÖVP als Lachobjekt der tricksenden Faymann-Youngsters

Die Schmierenkomödie rund um die Rotpostille ORF manifestiert eine weitere verpaßte Chance des Verliererduetts Spindelegger/Kopf und ihrer schwarzen Schafe im mE. nullendurchsetzten ORF-Stiftungsrat, denn sich so leicht und einfältig von Lauras Papagei Niko austricksen zu lassen ist eine Megablamage für die Masterminds schwarzer Medienpolitik. Wenn selbst ein Küberl nicht im Vorfeld zetert, heißt das, daß der auf einem neutralen Ticket sitzende Lobbyist eigentlich der roten Reichshälfte zuzuordnen ist. Daß Faymanns selbstherrlichen Kindern von der ÖVP derart leichtfertig das liebste Medium der Österreicher überlassen wird, kann als gewaltiger Inkompetenzindikator für die personalmäßig bankrotte ÖVP dienen und sollte eigentlich zumindest Kopf den Kopf kosten. Traurig, falls die ÖVP weiterhin glaubt, auf diese Weise die Superwahl 2013 mit nur ein bißchen Querschießen als Mittelpartei überleben zu können.

Immerhin war es ein Genuß, Fleischhackers mutige funkensprühende Analyse zu lesen!
Deshalb Ovationen für unseren geistreichen Chefredakteur, der seine Leser espritreich zu erfreuen weiß!

Re: Die ÖVP als Lachobjekt der tricksenden Faymann-Youngsters

der ORF wasr tauschobjekt für den eu-kommisar posten von hahn.
da sich vp-politiker der handschlagqualität bedienen, wird diese einigung, wenn auch noch so schmerzhaft, eingehalten.
die sog "wahl" des GI war ja in wirklichkeit niemals eine wahl, sondern eine hinterzimmer einigung.
nur der verkauf und die privatisierung könnten den ORF aus der geiselhaft befreien...aber eine österreichischen RTL ??? wer braucht sowas??

Filetstück :

dieser Satz :
....Moral entsteht nicht automatisch dadurch, dass man zu dumm ist, ein Verbrechen zu begehen....

danke !

ORF privatisieren

So um 2001 wollten die Blauen / Haider den ORF privatisieren; ich war entrüstet.
Wie recht hatten diese!
zwischen 17 Uhr und 20 Uhr 15 ist gut 50 % Werbung.
Und jetzt will Herr Wrabetz noch mehr Werbung !!! Wieso dann außerdem mehr Geld über Gebühren ?
Und .... haben wir nicht schon genug Sender? Sollten wir den ganzen Tag nurmehr Fernsehen und von einem Kanal zum anderen Schalten?

Daher: Jetzt privatisieren, so schnell wie möglich, und Ende der Zwangsgebühren.

Gast: konservatives Gedächtnis
08.08.2011 18:56
2 2

selbstgelegtes Ei

Irgendwie scheint die Aufregung unter den Konservativen, und jene die sich dafür halten, ziemlich groß zu sein, dass der vermeintliche Machteinfluß auf den ORF nicht mehr gegeben ist. Als Ventil wird offensichtlich das Gegeifere genommen. Die Suppe hat sich damals aber Schwarz/Blau/Orange selbst eingebrockt. In der irren Hoffnung, auf ewig den Kanzler zu stellen wurde ein Gremium etabliert, dass automatisch die Kanzlerpartei bevorzugt. Und sich jetzt nicht damit abfinden wollen ist ziemlich schlechter Stil. Übrigens, die Ära Lindner/Mück war um nichts besser als die jetzige Wrabetz-Ära. Ich habe Sie eigentlich sehr schlecht in Erinnerung.
Und im Übrigen empfehle ich mehr Demut vor den eigenen Fehlern und mehr bemühen um wirklich freie Medien. Egal ob Print oder TV. Mit beiden schaut es in Österreich schlecht aus
lg

Gast: g749+
08.08.2011 18:17
2 3

der sollte sich lieber mal

mit der koruption unter schüssel beschäftigen kein tag ohne betrugsverdacht

Gast: Antideologe
08.08.2011 17:07
12 1

Brillanter Artikel!

Allerdings versagt selbst Fleischhackers Sprachtalent, um die Zustände im ORF WIRKLICH angemessen darzustellen. Ich glaube, dass nichteinmal Shakespeare dazu in der Lage wäre. Was einem da einfällt - und Fleischhacker verwendet ohnhin schon das Wort ´unfassbar´- ist schlicht nicht ausreichend. ´Ungeheuerlich´, ´kriminell´, ´himmelschreiend´, ´total verkommen´, ´schamlos´.... das alles reicht bei weitem noch immer nicht. 95% des Budgets für aberwitzige Personalkosten (!!!), exzessive Gehälter und Pensionsprivilegien, bei denen normal Sterblichen nur noch die Ohren schlackern, ein inferiores Programm aus billigster Serienmassenware und Wiederholungen, und eine Berichterstatung, incl. Dokus und ´Reports´, die man in ihrer ideologischen Unverschämtheit nur noch mit einem irren Propagandafunk in einem totalitären Regime vergleichen kann. Und das alles um Zwangsgebühren!!! Das IST kriminell, nämlich und jedenfalls Betrug an den Bürgern. Pfui Teufel!

Gast: FragenderIn
08.08.2011 16:53
1 0

"Wer Niko Pelinka kennt, kann ihm glauben, dass er den Satz nicht so gesagt hat, für den er nun berechtigte Prügel kassiert."

http://derstandard.at/1311802906285/Pelinkas-Generalansage-Glaube-Hiebe-Hoffnung

Wie ich aus einer Mücke einen Elephanten machte

Gast: Gebührenzahler
08.08.2011 16:37
12 1

Danke Michael Fleischhacker

für diesen mutigen, treffenden Artikel!

Wieder ein Grund, sich auf die Presse zu freuen!

Danke, Herr Fleischhacker-einfach großartig, was da heute wieder von Ihnen zu lesen war!Lustig als Artikel, aber traurig, traurig, traurig , dass es die Wirklichkeit ist, die da beschrieben wurde.

Gast: HansiHüpfer
08.08.2011 15:05
1 10

... unter Lindner&Mück war alles besser ...

-Schlacht um den Küniglberg
-Kindersoldatenspezialkommando
-größenwahnsinniger Sozenschnösel
-Stunde der Warlords

Völlig durchgeknallt oder ganz normaler Ton in Fleischhackers Kreisen?

Ich will es gar nicht wissen ...

Antworten Gast: Gehirnforscher
08.08.2011 17:26
3 1

Get a life or a job!

Jemand der sogar einen Nick stielt, HansiHüpfer, muss ein Fan dcer roten Schickeria sein. Normalen Menschen öden solche Typen wie du nur an! Get a life or a job!

Antworten Gast: g749+
08.08.2011 15:29
1 12

Re: ... unter Lindner&Mück war alles besser ...

der fleischhacker muss das schreiben was die övp von ihm verlangt als nicht ernst nehmen und zur tagesordnung überghen

.

Eigentlich ist das Thema ja zum weinen aber der Artikel war einfach Spitze, bitte mehr davon!!!

Gast: Gast: Leser
08.08.2011 14:14
0 2

Falschmeldung

Ich bin weit davon entfernt, den ORF auch nur im mindesten verteidigen zu wollen, allerdings verbreitet hier Fleischacker (wider besseres Wissen?) eine eindeutige Falschmeldung: die 160 Millionen sind ein (bereits von Finanzminister Grasser versprochener aber nie eingelöster) Ersatz für die dem ORF von der Regierung aufgezwungenen Sozialtarife (Gebührenbefreiung).

Re: Falschmeldung

Und? Die muss trotzdem irgendwer zahlen.

Gast: banker1
08.08.2011 13:37
0 15

schon lustig sowas von einem zu lesen

der ohne övp arbeitslos wäre weil ihn sonst keeiner nehmen würde ausser vielleicht noch das kirchenblatt

jo, für "ÖSTERREICH" z.B.

ist halt nicht jeder qualifiziert. *fg*

Gast: horst krause
08.08.2011 13:35
0 12

und das von einem schwarzen parteischmierer

neidg?

15 0

Die einzig mögliche Reform des ORF ist seine ABSCHAFFUNG!

Danke! Treffende Analyse! Diese Schmierenkomödie zeigt ja ganz klar: der ORF ist ein Anachronismus, ein System, das mit ZWANGS-Beiträgen mittelmäßige Unterhaltung bietet sowie minderwertigste sogenannte Nachrichtensendungen, die dazu dienen, die (vorwiegend linke) Weltanschauung des/der jeweiligen Redakteurs/In zu rülpsen. Die einzig mögliche Reform des ORF ist dessen Abschaffung!!!

Gast: Amor
08.08.2011 13:24
1 3

Nur die Liebe zählt

@ FLE

Sie haben eines vergesen in ihrem Rundumschlag!

Im und um den ORF herum, haben sich alle lieb!

Ich habe jedem höchstpersönlich einen Pfeil in den Hintern geschossen.

Natürlich können nicht alle Teilnehmer im großen Spiel der Meinungen, so ein Hort der Liebe sein wie der ORF.

Der Neid spricht aus ihrem Artikel.


Trefflich!! Chapeau!


Gast: Elfriede Wimmer
08.08.2011 11:56
11 0

ORF-Löwingerbühne

Alle jene die mit diesen Vorgangsweisen nicht einverstanden sind, sollten vehement gegen diesen protestieren, wir, die Gebührenzahler bezw. Steuerzahler,werden ausgebeutet, natürlich können wir die Sendungen verweigern, aber bezahlen müssen wir, alle wissen, dass, besonders das gesendete FS Programm ,weder Unterhaltungswert noch Bildungswert hat, das ist den sogenannten Mächtigen egal, hoffentlich verlieren sie bald ihre Machtanteile und halbausgebildete Personen, die keine Erfahrunswerte haben sollte man keine Möglichkeit geben grossen Einfluss auf Medien auszuüben. Danke Hr.M.Fleischhacker für Ihren Artikel.

 
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