19.05.2013 20:28 Merkliste 0

Der gescheiterte Held der Wutbürger von gestern

OLIVER PINK (Die Presse)

Was von Jörg Haider blieb? Nicht viel. Kärnten steht vor den Trümmern seiner Prestigeprojekte. Und die Unzufriedenen im Land sind um eine Enttäuschung reicher.

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Möglicherweise ist der Fußball kein schlechtes Sinnbild. Als Jörg Haider 1999 Landeshauptmann wurde, spielte der FC Kärnten in der zweithöchsten Spielklasse. Es folgte der Aufstieg des Vereins, dessen Präsident auch Jörg Haider hieß, in die höchste Spielklasse – und sogar der Cupsieg. Drei Jahre später war der Abstieg wiederum unvermeidlich. Doch Haider, der Trickser, überdribbelte ihn, indem er 2007 einfach die Lizenz des Erstligisten Pasching besorgte: Kärnten spielte als Austria Kärnten wieder oben mit. Heute grundelt der Nachfolgeverein der Austria Kärnten, die den Spielbetrieb einstellte, in der Regionalliga herum.

Drei Jahre nach Jörg Haiders Tod in der Nacht auf den 11. Oktober 2008 blickt Kärnten auf die Trümmer seiner Träume. Der Megalomane hatte Großes vorgehabt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Als er 1999 das Land übernahm, wies Kärnten einen Schuldenstand von 0,971Milliarden Euro auf, in seinem Todesjahr 2008 waren es 1,783 Milliarden, heute sind es 2,649 Milliarden.

Von der Seebühne bis zur Fußballtribüne – das Projekt Jörg Haider ist gescheitert. Der finanzpolitische Stolz dieser Ära, die lange landeseigene Hypo Alpe Adria, die zeitweilig ein atemberaubendes Wachstum hinlegte, musste vom Staat vor der Pleite gerettet werden. Aufstieg und Fall der Hypo-Bank fallen nicht zufällig in die Zeit des Aufstiegs und Falls des Systems Haider. Und da sind wir noch gar nicht bei den strafrechtlichen Nachbeben jener Zeit. Staatsbürgerschaften nach Gutdünken – im Gegenzug für die Bereitschaft zu Investitionen und Spenden für die Partei – zu vergeben, scheint im Haider-Land State of the Art gewesen zu sein.

Was bleibt also von Jörg Haider? In Kärnten nicht viel. Sein Nachfolger Gerhard Dörfler, der immerhin einmal die Hypothek des nicht erfüllten Staatsvertrags mit der Aufstellung von zusätzlichen zweisprachigen Ortstafeln abgetragen hat, ist nun damit beschäftigt, die Finanzlage so zu stabilisieren, dass das Land nicht pleitegeht. Pompöse Inszenierungen und überdimensionale Projekte gehören der Vergangenheit an. Der bauernschlaue Dörfler macht aus der Not immerhin eine Tugend. „Kärnten spart“ nennt er sein Programm – in Analogie zu früheren Aktionen wie „Kärnten läuft“. Das „Kärnten feiert“ der Haider-Zeit ist definitiv vorbei.

Was von Jörg Haider, dem gnadenlosen und erfolgreichen Oppositionsführer, wirklich bleibt, sind – und das entbehrt nicht einer gewissen Ironie – die Leistungen der schwarz-blau/orangen Regierung. Ohne Haider hätte Wolfgang Schüssel seine Regierung weder bilden noch seine Reformen durchbringen können. Die Pensionsreform, die Abfertigung neu, das Kindergeld werden immer auch mit dem Namen Jörg Haider verbunden bleiben. Selbst die Eurofighter.

Doch sogar Jörg Haiders Fans, die ihm (sieht man von der Zeit nach Knittelfeld ab) stets bedingungslos die Treue gehalten haben, sind nachdenklicher geworden. Der Umstand, dass sich Kärnten um viel Geld nicht sonderlich fortentwickelt hat und sich zahlreiche von Haiders Mitstreitern bereichert und die rechtlichen Grauzonen bis an ihre Grenzen ausgereizt haben, stößt auch ihnen auf.

Es sind nicht wenige gewesen, die in den 1980er- und 1990er-Jahren, von der reformresistenten, ewiggleichen Großen Koalition enttäuscht, ihre Hoffnungen in Haider gesetzt haben. Sie mussten mitansehen, dass es auch ihr großes Idol nicht besser machte.

Auch das ist ein Vermächtnis Jörg Haiders: dass jene, die ihr Vertrauen in die Großparteien verloren hatten, nun ihr Vertrauen in die politischen Parteien insgesamt verloren haben. Die politisch Radikaleren wählen zwar noch die Strache-FPÖ, aber jene Teile des kleinbürgerlichen Mittelstands, die sich für Haiders Projekt begeistern konnten, wenden sich zunehmend angewidert von der Politik ab. Und nicht nur sie.

Jörg Haider hat die damalige Protestbewegung in die Irre geführt. Und es ist auch nicht so, dass ihnen niemand gesagt hätte, dass der Weg in die Irre führt.

So ist drei Jahre nach Haiders Tod fast alles wieder so, wie es vorher war. Als hätte es ihn nie gegeben. Nur Kärnten hat ein leeres Stadion und ein paar Schulden und Denkmäler mehr. Und die Unzufriedenen eine Illusion weniger.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2011)

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50 Kommentare
 
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Re: Re: Re: es müsste genauer heißen

Peanuts im Vergleich mit den über 200 MRD Staatsschulden, welche zum allergrößten Teil von ROTEN Finanzministern verursacht wurden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Klogenfurterin
11.10.2011 11:32
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Re: Re: Re: Re: es müsste genauer heißen

2,5 Mrd hat die HYPO gekostet!
Einige Mrd sind noch auf die anständigen, ordentlichen fleißigen - kurz FPÖ Politiker - zurückzuführen durch den Blauen Sumpf.
Weiters haftet ja auch der Bund indirekt für die Haftungen des Landes Kärnten in der Höhe von 19,8 Mrd Euro..
Die Schulden wurden von den verantwortungslosen, ordentlichen, anständigen und fleißigen in die eigene Tasche Wirtschaftern, kurz FPÖ/FPK/FIK/BZÖ Politikern verursacht, doch leider ist nicht sichtbar was mit dem Geld getan wurde, doch die nächste Generation darf zahlen.

Wieso soll ich daher BZÖ oder FPÖ (FPK/FIK) wählen?

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was hamma für den Artikel

an kohle ins hintere Säckel gesteckt?

Der unangefochtene Schulden-Kaiser bleibt aber Pröll

NÖ hat eine weit höhere Pro-Kopf-Verschuldung als Kärnten (und absolut sowieso).

Nur wenn man halt in der Regierung sitzt fällt das nicht so auf.

Antworten Gast: Klognfurterin
10.10.2011 17:52
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Re: Der unangefochtene Schulden-Kaiser bleibt aber Pröll

Kärnten hat in Österreich die höchste Pro Kopf Verschuldung!

Wenn ihr die Haftungen von 19,8 Mrd noch mit einrechnet dann ist es sowieso ein Wahnsinn!
Der Rotzlöffel HAider hät daham bleiben sollen, weil gebracht hat er nichts!

Antworten Antworten Gast: Fenstergucker
12.10.2011 01:47
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Re: Re: Der unangefochtene Schulden-Kaiser bleibt aber Pröll

Der rote Buagamaster in Wien sowie der Lügenkanzler auf Bundesebene häufen noch jeden Tag mehr Schulden an, als wir uns vorstellen können.

Da bleibt Ihnen der Rotzlöffel im Hals stecken und die beiden sollten längst ihren abgeben!!!!!!!

Re: Re: Der unangefochtene Schulden-Kaiser bleibt aber Pröll

Die größte Pro-Kopf verschuldung hat NÖ

NÖ: € 3.900,-- Ktn 3.600,--

http://www.bankaustria.at/informationspdfs/Bundeslaenderbericht_2011.pdf

(Wie es ausschauth wenn man Haftungen miteinrechnet, das weiß keiner weil die derzeitige Situation der Banken sehr schwer abzuschätzen ist)

Antworten Antworten Antworten Gast: Klogenfurterin
11.10.2011 14:40
0 0

Re: Re: Re: Der unangefochtene Schulden-Kaiser bleibt aber Pröll

Gerade frisch vom ORF:

Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen um 163 Mio. Euro, die Gesamtverschuldung bis Ende 2012 liegt bei 2,63 Mrd. Euro. Jeder Kärntner hat somit 4.998 Euro Schulden.

DAmit ist Kärnten unangefochten das am höchsten VErschuldete Bundesland!

Gesamtbeitrag:
http://kaernten.orf.at/news/stories/2505078/

Gast: Luzifer
09.10.2011 22:21
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... Und davon, wie die jahrzehntelang in Ö. dominanten Roten

sich mit bloß 1/3 der gültigen Wählerstimmen die Macht im Staat wiedergewonnen haben, redet seltsamerweise keiner. Beim "Inseraten-Skandal" wurde bloß ein Zipfel der Wahrheit aufgedeckt. Interessant wäre auch einmal ein Hinweis auf die enge Verbindung zwischen SPÖ und der eigentlich auch von Nichtsozis finanzierten Arbeiterkammer. Auch die "Aufarbeitung" des BAWAG-Skandals ging mit einer rechtskräftigen Verurteilung über die Bühne, obwohl nachweislich etliche andere rote Würdenträger darin verwickelt waren. Aber das ist im österr. Boulvard der Dichands u. Fellners kein Thema!

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2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

ok, und wie würden sie den zustand wiens bezeichnen?

2007: 1,4 Milliarden Euro schulden
2010: irgendwo jenseits von 5 Milliarden Euro

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/668472/Wien_Ueber-drei-Milliarden-Euro-Schulden

irgendwelche wiener sümpfe aufzuzählen erspare ich mir.

Antworten Gast: Derisobaguad
09.10.2011 22:49
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Re: 2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

Es geht hier nicht um Wien. Aber Sie sollten auch so keine Vergleiche anstellen, das kann nur schief gehen. Wien hat eine dreimal so große Bevölkerung. Aber nicht einmal doppelt so hohe Schulden wie Kärnten.

Antworten Antworten Gast: Hornigg
10.10.2011 12:41
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Re: Re: 2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

Eben, warum geht es nicht einmal um Wien, wo noch Verabredungs- und Verdunkelungsgefahr herrscht? Ewig wird nur auf Haider hinge-pink-elt, der sich nicht mehr wehren kann, noch dazu mit gezielten Verdrehungen (die Hypo wurde von Haider mit Gewinn verkauft, der Crash kam im Besitz der Bayern, verstaatlicht "musste" gar nichts werden, sondern Josef Proell hat hier nur der Raiffeisen um Steuerzahlergeld einen Gefallen getan). Damnatio memoriae hat man das frueher genannt. In wessen Auftrag handelt Pink dabei? Diese Frage ist berechtigt, die Antwort liegt eigentlich auch auf der Hand.

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Re: Re: 2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

in der tat ein komplizierter vergeich.

wien hat 3 mal so viele einwohner, dafür ist kärnten 22mal so groß.

was bedeutet das bezüglich möglicher vorteile bei der verwaltungseffizienz (von müllabfuhr, kanal und wassernetz, ...) ?

Re: 2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

Da gehts aber nicht um Wien (auch ein Sumpf, genauso wie alle anderen Bundesländer), sondern um JH.

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Re: Re: 2,649 Milliarden schulden - kärnten liegt in trümmern.

wenn morgen von herrn pink ein ähnlicher kommentar zu herrn häupl veröffentlicht wird, nehm ich mein posting zurück.

Gast: Martin_S
09.10.2011 21:24
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Ach, Pinki,

was kann der Haider dafür, dass Scheuch und Grasser und Meischi so sind ? Richtig, nichts, aber sonst könnt der Pinki ja net so was schreiben. Und das die Schulden von 1,7 auf 2,6 gestiegen sind, dafür kann der Haider auch nix, dann da war er schon tot. Also, Pinki, pinkle mal einen AMTIERENDEN LEBENDEN Politiker an, wäre hilfreicher!

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Jörg Haider starb zweimal

Nach seinem Tod wurde der Mann medial zum Abschuss freigegeben. Die übergroße Anteilnahme der Kärntner Bevölkerung und die beinahe heldenhafte Verehrung war offensichtlich irgendwelchen "Spin"-Doktoren ein Dorn im Auge. Dieses Positiv-Image musste mit aller Gewalt zerstört werden, auch, um eine Wiederauflage einer schwarz-blau-orangen Koalition unmöglich zu machen. Beinahme täglich musste Jörg Haider für irgendeine Malversation herhalten, angefangen von angeblichen Geheimkonten bis zum Alleinschuldigen für die Hypo-Misere. Einfach schändlich, jemandem, der sich nicht mehr wehren kann, permanent etwas umhängen zu wollen.

Antworten Gast: angeh
11.10.2011 21:41
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Re: Jörg Haider starb zweimal

Jörg Haider war ein unvergleichliches großes politisches Talent . Er hat sehr mutig viele politische Mißstände aufgezeigt und hat sich damit viele mächtige Feinde gemacht.
Nach seinem (für viele ungeklärten) Tod gab es unzählige pietätlose Kommentare (nicht nur in Foren sondern auch in renommierten Zeitungen) die sich über ihn und seinen Tod lustig machten.
Grauenhaft für die Angehörigen und einfach abstoßend.
Ob diese lustigen Schreiberlinge es auch so lustig finden würden wenn ihr Sohn/Partner stirbt und sich andere über seinen Tod lustig machen, ihn befürworten und Hasstiraden loslassen?


Re: Jörg Haider starb zweimal

Sie glauben aber nicht im ernst, was Sie hier von sich gegeben haben!

Antworten Gast: Beutekärntner
10.10.2011 05:10
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Re: Jörg Haider starb zweimal

Guter Kommentar. Der selige JH wird offenbar noch immer gefürchtet...

Antworten Antworten Gast: joerg forever
10.10.2011 09:29
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Re: Re: Jörg Haider starb zweimal

haider wurde ermordet!

Re: Re: Re: Jörg Haider starb zweimal

Der Mörder heißt Alkohol!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ehrenschlumpf
10.10.2011 14:41
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Re: Re: Re: Re: Jörg Haider starb zweimal

Wie geht's eigentlich den beiden Zeugen? Leben die noch?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: joerg forever
10.10.2011 12:30
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Re: Re: Re: Re: Jörg Haider starb zweimal

das sollte die masse glauben!

Re: Re: Re: Re: Re: Jörg Haider starb zweimal

wow - die o.a. unterhaltung stellt jedes kabarett in den schatten!

 
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