Neulich, auf der Titanic

VON FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Europa feiert den Schuldennachlass für Griechenland als dauerhafte Lösung der Eurokrise. Dabei wurde die zentrale Ursache der Misere ein weiteres Mal verdrängt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wer weder Zeit noch Lust hat, die in der Nacht auf Donnerstag ausgehandelten Beschlüsse der Euroländer ausgiebig zu studieren, aber dennoch wissen will, wie das Ergebnis denn nun einzuschätzen ist, dem ist vermutlich mit folgendem Satz geholfen: Ziel ist, dass Griechenland seine Schulden bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung drückt. Nachdem also Europas Banken auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichtet haben, wird sich Athen bemühen, die Schulden auf das Doppelte (!) jenes Wertes zu reduzieren, der im Stabilitätspakt festgeschrieben ist. Dabei handelt es sich um ein „Best case“-Szenario, was die Regierung in Athen daraus macht, ist allein ihre Sache.

Nichtsdestoweniger zeigt sich das Gros der Beobachter vorsichtig begeistert. Selbst Euroskeptiker sehen Europa der Rettung seiner Währung ein großes Stück näher. Dabei wurde nur Zeit geschunden. Zumindest ein paar Tage, vielleicht auch ein paar Wochen. Es ist ungefähr so, als hätte der erste Offizier dem Kapitän der Titanic gerade ins Ohr geflüstert, dass der anvisierte Eisberg im Mondschein möglicherweise einen Zentimeter geschmolzen sein könnte. So weiß heute keiner der Gipfelteilnehmer, wie Griechenland die Zinsen für eine Staatsverschuldung von 120 Prozent des BIPs ohne Hilfe von außen finanzieren soll. Das Land dürfte bald wieder auf der Matte stehen, selbst wenn es dieses Mal seine Versprechen erfüllen sollte.

Ebenso rätselhaft ist, wie eine Rettung gelingen soll, wenn einige der Hilfskräfte selbst dringender Versorgung bedürfen. Allen voran Italien, das am Rande einer wirtschaftlichen Katastrophe taumelt, während Frankreich wegen eskalierender Budgetdefizite vor dem Rauswurf aus dem Kreis der besten Schuldner steht. Verlöre Paris die höchste Kreditwürdigkeit, müsste Berlin weitere Haftungen übernehmen, was die Deutschen politisch und ökonomisch an ihre Grenzen führte. Oder darüber hinaus. Die Rettung des Euro wird die von Gipfeltreffen und gebrochenen Versprechungen müden Europäer also noch eine Weile begleiten. Dabei mehren sich die Anzeichen, dass Europa das Kernproblem noch immer verdrängt. Es heißt nicht Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien. Es nennt sich „verantwortungslose Schuldenmacherei“. Wer dem entgegenhalten sollte, dass noch kein Land mit Sparen reich geworden sei, muss sich die Gegenfrage gefallen lassen, welcher Staat es denn zu nachhaltigem Wohlstand gebracht hat, indem er auf Pump konsumierte? Antwort: Keiner.

Die nun tobende Staatsschuldenkrise hat auch nur am Rande mit teuren Kapitalspritzen für angeschlagene Banken zu tun. Sie ist das Resultat der jahrzehntelang gelebten Illusion, dass Staaten Konjunktur „machen“ können, indem sie Geld unters Volk streuen, um den privaten Konsum zu stimulieren, wodurch Arbeitsplätze entstünden, die wiederum für mehr Konsum sorgten, womit wieder mehr Arbeitskräfte nachgefragt würden – und so weiter und so fort. Genau deshalb ist Griechenland dort gelandet, wo es heute steht. Vergleichsweise gespenstisch ist die Tatsache, dass ein Großteil der politischen Führung Europas meint, die drängenden Geldnöte mit dem Anwerfen der Notenpresse (auch „Hebeln“ genannt) aus der Welt zu schaffen. Dieser Weg sieht angenehm aus, endete aber noch immer in einer breiten Wohlstandsvernichtung.

Die Alternative dazu wäre die Klärung der Frage, wie Europa heute eine Währungsunion organisieren würde. Eine der Lehren aus den vergangenen zehn Jahren wäre wohl jene, den Versprechen der Mitgliedsländer auf Budgetdisziplin keinesfalls zu trauen. Diesem Misstrauen ist nur auf zwei Arten zu begegnen: Entweder treten alle Mitgliedsländer ihre fiskalpolitische Souveränität via Volksabstimmung an eine übergeordnete Instanz ab, die somit vollen Durchgriff auf die nationalen Budgets hat. Was doppelt heikel ist: Erstens geht das vielen Staaten zu weit, weil zweitens der übergeordnete Finanzminister ja auch Grieche, Portugiese oder Italiener sein könnte.
Oder die neue Gemeinschaftswährung wäre nur für gleich gesinnte Länder offen, die ökonomisch auf Augenhöhe sind und ihre Währung an die deutsche koppeln. Diese „Hartwährungszone“ wäre kleiner, weniger mächtig, aber überlebensfähig.

Die nachträgliche Umsetzung von Variante eins gilt als illusorisch, Variante zwei als unerwünscht, weil sie den Mittelmeerländern versperrt bliebe. Zudem käme eine nachträgliche Umgründung „zu teuer“, wie es heißt. Zu blöd. Denn eine der beiden wird es werden müssen: In der Nacht auf Donnerstag wurde zwar die Fahrt auf den Eisberg ein wenig gebremst – der Kurs ist aber noch immer derselbe.

Mehr zum Thema:

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

102 Kommentare
 
12 3

Lieber Schellhorn

Sehen Sie es doch so, wie Ihr Chefredakteur, der am Samstag ungefähr Folgendes schrieb:
"Man sollte das ganze Geschwätz der schulden- und defizitfeindlichen Währungssystem-Apokalyptiker und Staatsschuldenhysteriker vergessen und darauf vertrauen, dass die nächste Politikergeneration das Zeug dazu hat, die Grenzen dessen, was die EU-Staaten an Belastungen durch immer mehr Schulden ertragen können, immer weiter hinauszuschieben."

1 2

120% der Wirtschaftsleistung Grichenlands wird den Euro scheitern lassen

Vielleicht sollte man sich vor dem polemisieren und schwarzmalen mal überlegen was die Gesamtwirtschaftsleistnug der Eurozone ist.
Österreich ist auch trotz Kärnten nicht pleite.

Gast: neverever
28.10.2011 19:40
2 0

Erfolgversprechender Reiter für ein totes Pferd gesucht


Die Variante gibt's aber definitiv nicht.

Vorerst ist ein e r f o l g r e i c h e s gemeinsames Europa gescheitert.

Ursachen:
Trotz mangelnder bzw. nicht erwünschter Kontrollen wurde das monetäre Füllhorn überstrapaziert. Keine Bank würde an Private einen Millionenkredit auf Treu und Glauben vergeben - in der EU war das aber selbstverständlich. Die Idee neue Märkte zu erschließen war grunds. richtig, die fehlenden Kontrollmechanismen machten die EU aber zum Selbstbedienungsladen. Eine großartige und richtige Idee, ist an inferiorer Organisation und Einladung zur monströsen Misswirtschaft
gescheitert.

Gepaart mit dem Wahnsinn, den Chef der Welt größten Investmentbank zum US-Finanzminister zu machen, der dann noch alle Finanzmarktregulative der weltgrößten Volkswirtschaft aufhebt - hollodero.

In Verbindung mit der nicht vorhandenen EU-Finanzpolitik ein sicheres Himmelfahrtskommando.

Sicher ist - es wird irgendwie weitergehen.


Re: Erfolgversprechender Reiter für ein totes Pferd gesucht

Zum "Selbstbedienungsladen" für wirtschaftlich schwache Länder wurde die EU dadurch, dass man auch diese in den Euroraum aufnahm. Diese mussten plötzlich nicht mehr Zinsen, die ihrer Schuldenlast entsprachen zahlen, sondern viel niedrigere EU-Zinsen. Ohne diese billigen Kredite hätte sich z. B. Griechenland niemals eine so hohe Verschuldung leisten können!

Sapere aude!

Schellhorns Analyse stimmt: Der EURO ist am Ende.
Recht hat er auch mit der Ablehnung der heute viel propagierten Alternative „Mehr Europa“: Übertragung der fiskalischen Souveränität an eine übergeordnete Instanz, die vollen Durchgriff auf die nationalen Budgets hätte. Das will mehrheitlich kein Staat. Nur eine kleine EU-Schmarotzerelite und unfähige Regierungsvertreter begeistern sich an dieser "idée fausse".
Und das ist eben auch wahr: Die Rückkehr Deutschlands zur DM und die Orientierung an seiner Währungspolitik. ist „politisch unerwünscht“.
Also keine Lösung in Sicht? Crash und Untergang unvermeidbar?
Warum traut sich Schellhorn nicht den wenigstens für Österreich naheliegenden Schluß zu ziehen, nämlich „Raus aus dem EURO“?
Machen wir es es doch wie vergleichbare Länder: Dänemark, Schweden, Schweiz, Liechtenstein!
Fast alle zehn EU-Staaten, die NICHT den EURO haben, überstanden die Krise besser als wir und müssen heute nicht für mit Irrsinnsbeträgen bürgen und mit „Hebeln“ hantieren. Sie haben weder Exporte eingebüßt, noch sind sie „isoliert“, noch wurden sie Opfer von Spekulanten. Faymanns heute vorgebrachten Argumente stiimmen ja alle nicht. Sie sind ebenso „Fake“ wie die Berechnungen von Frau Fekter, die den Schaden bei Ausstieg gleich mit 40 Milliarden beziffert..
Also:“Sapere aude“, Herr Schellhorn! Haben Sie den Mut die einzig richtige Alternative uns vorzustellen: Das „Raus aus dem EURO!“
Und schielen wir nicht nach dem „Großen Bruder“!

Gast: Cineast
28.10.2011 17:47
1 0

Bruce Ismay: "Aber dieses Schiff kann nicht sinken!"

Mr Andrews: "Sie wurde aus Eisen gefertigt, Sir, ich versichere Ihnen, sie kann! Und sie wird. Das ist mathematische Gewissheit."

0 1

Systemproblem

Mehrfach wurde bereits darauf hingewiesen, dass Länder unterschiedlicher Wirtschaftskraft nicht auf die Dauer mit einer Währung alleine zusammen gehalten werden können, es bedarf gemeinsamer Wirtschafts- und Steuerpolitik.

Es besteht ansonsten die Gefahr, dass ständig gegen den Euro und gewisse Länder spekuliert werden wird.

Zu befürchten ist, dass der Casinokapitalismus darauf aus ist das EU-System zu sprengen!

Wenn jedes Land so wie bisher seine eigene Suppe kocht, wird nichts weiter gehen.

Verkaufe...

dringendst,
wegen Probleme in der Familie,
Eurozone,
17 Staaten, 327 Millionen Einwohner, Währung Euro,
Ohne vis-a-vis, Geschäftsviertel in der Nähe,
empfehlenswert vor allem für Investoren
Anfragen bitte an die Zeitung schicken (wir lesen auch Chinesisch)...

Gast: unbeteiligter
28.10.2011 14:29
3 0

die Rally an den Märkten ....

(DAX ) hat gerademal einen Tag gedauert ( was die Menschen von dem halten ist den Bonzen völlig egal ) i

Das Schöne ist, dass die EU das Gift schon in sich trägt, dass sie umbringen wird. Der Hass der Menschen auf die EU und der Politiker aufeinander ist schon nicht mehr zu kitten und die werden entweder abgewählt werden oder das Schicksal von Gadaffi erleiden.

Tod der EU !

prophet schellhorn sieht schon seit jahren die menetekel an der wand


immer dasselbe problem. staaten machen einfach zuviel schulden (im gegensatz zu privaten, banken etc, gell?). sollen halt weniger ausgeben, diese staaten, die sollten laut schell eh kein geld haben für so unnützen tand wie den sozialstaat, kranken- und arbeitslosenversicherung. das können wir jetzt vielleicht ENDLICH erledigen! total einfach dieses rezept, weshalb schell es auch verstanden hat und seit jahr und tag versucht diese wahrheit dem volk zu verkünden.

und wer einwendet, dass der versuch budgetdefizite in zeiten des nullwachstums radikal zurückzufahren zu einem mega-crash, zu schrumpfender wirtschaftsleistung, zu steigender arbeitslosigkeit, sinkenden steuereinnamhem und damit zu noch mehr schulden führen wird, wie es uns in irland und griechenland seit jahren vorexerziert wird, dem sagt schellhorn: na und? der MARKT wird es schon richten! wie sind alle in den händen des MARKTES, und wenn ER beliebt uns zu züchtigen, dann haben wir marktgläubigen, und erst recht die ungläubigen thomase, das zu akzeptieren. THERE IS NO ALTERNATIVE! AMEN!

Antworten Gast: biserl
28.10.2011 18:12
0 0

Re: prophet schellhorn sieht schon seit jahren die menetekel an der wand

Herr Meier kommt zu seinem Sachbearbeiter bei der Bank:

M: Ich hätte gerne einen Kredit über 100000€.

SB: Wofür brauchen Sie den den Kredit?

M: Nun ja, meine Frau braucht täglich ihren frischen Kaviar, und ausserdem unterstützen wir auch die Hälfte der Großfamilie so das sie einen erträglichen Lebensstandard hat.

SB: *hust* Und was können Sie als Sicherheit anbieten?

M: Naja, mein Nachbar, der Herr Müller ist bereit eine Garantie für 1 Million Euro abzugeben.

SB: Und der Herr Müller hat eine Million Bargeld?

M: Nein, sollte es ein Problem mit meinem Kredit geben geht er dann zu seiner Bank um sich einen Kredit geben zu lassen.

SB: *gedehnt* okay, und wie haben sie sich die Rückzahlung vorgestellt?

M: Nun ja, kein Problem, ich kann locker 5000€ monatlich zurückzahlen, unter der Voraussetzung das sie meinen Kontorahmen jeden Monat um 6000€ erhöhen.

So in etwa hantieren unsere Politiker. Wer daran glaubt das Österreich (oder Deutschland, Frankreich, ...) in der Lage sein wird seine Staatsschulden jemals abzutragen (auf normalem Weg, ohne Schuldenschnitt), für den hätte ich eine Sonderangebot: "Touristisch wertvolles Grundstück auf der Mondrückseite wegen Scheidung billig abzugeben".

auch kassandra hatte recht

Der Passus, dass Hr. Schellhorn die Sozial-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung abschaffen will ist mir verborgen geblieben. Da liest Hr. Fox - zumindest mir - verborgen gebliebenes zwischen den Zeilen. Im übrigen bin ich auch der Meinung, dass die Budgetdefizite ein Krebsgeschwür darstellen zumal die Mär vom staatlichen investieren in schlechten Zeiten und die Rückzahlungen in guten Zeiten zu gewährleisten ja nichteinmal einer wie Hr. Fox ernst nehmen dürfte. Von den Investitionen des Staates ist auch nicht viel zu halten, da kommen dann nur Unsinnigkeiten wie der Haider'sche Koraltunnel u.ä. raus. Auch wenn es nicht ins Fox'sche Weltbild passt - it is the economy (market) stupid, und nicht die pragmatisierten Massen von Öbb-Arbeiterkammer-und Gewerkschaftsfunktionären welche uns von wohlerworbenen Rechten und berechtigten Forderungen für die man halt auch geborgtes Gelt in die Hand nehmen müsste erählen. Die Enkel des Hr. Fox werden sich jedenfalls freuen die Rechnungen Ihres Großvaters abstottern zu dürfen.

Gast: Reflector
28.10.2011 14:12
3 0

Titanic News


Vergleichend mit der Titanic wäre folgendes Szenario wohl zum heutigen Zeitpunkt angebrachter:

Der Eisberg wurde schon gerammt, Wenige haben dies überhaupt wahrgenommen wegen der Größe des Schiffes, doch nun berichtet der Offizier dem Kapitän, dass es mit der Titanic steil bergauf geht, nämlich mit dem Heck.

Analog dazu heisst das, der € ist schon kollabiert, ohne dass es wahrgenommen wurde.

FinansInvest: „Die Eurozone ist schon kollabiert“
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/29299/

Und nun hat sich der Bug gegen Grund geneigt und nachdem die restliche Luft aus dem steil aufragenden Heck gepresst wird, gehts auf zur rasanten, impulsiven, letzten Fahrt.

Vermögensverwalter Flossbach: „Euroauflösung wird eruptiv verlaufen!“
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/10/29349/

Nun, es scheint, dass auch bald die nur noch letzt mögliche positive Meldung am Heck beim Fahnenmast kolportiert werden wird, nämlich, dass es ohnehin nur 4000m bis zum festen Boden sind ...

8 0

Danke! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Zielwert 120 % Verschuldung - was für ein toller "Erfolg"! Und das unter optimistischen Prämissen. Na klar, die Griechen werden sich jetzt mächtig anstrengen - wer's glaubt wird selig! Dieser Schuldennachlass hätte nur stattfinden dürfen bei gleichzeitigem Ausschluss Griechenlands aus dem Euro. Europa steuert unbeirrt weiter auf die Katastrophe zu.

Re: Danke! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Dabei sind die 120 % Verschuldung Griechenlands auch nur eine Fata Morgana! Das den Griechen von der EU aufgezwungene Sparpaket, welches die Kaufkraft der Griechen empfindlich trifft, läßt die ohnedies schwache Wirtschaft dramatisch schrumpfen! Steuereinnahmen brechen ein, die Kosten für Arbeitslose explodieren, Griechenland muss sich, um überhaupt überleben zu können, heute viel schneller und stärker verschulden als vorher! Unter diesen Umständen sind die 120 % völlig unrealistisch, auch der Schuldenschnitt wird wirkungslos verpuffen!

Antworten Antworten Gast: biserl
28.10.2011 18:22
0 0

Re: Re: Danke! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Naja, Steuereinnahmen brechen nicht so schrecklich ein wie alle behaupten.

Was Griechenland primär macht sind momentan zwei Dinge:

-) Eine Schattenwirtschaft legalisieren.

-) Sparmassnahmen in den Ansprüchen/Steuererhöhungen.

Während Punkt 2 zweifelsohne für das Wachstum problematisch ist, hat Punkt 1 ein noch viel grösseres Problem: Die Politiker gehen naiv wie die Filmindustrie davon aus, daß jeder Download ein verlorenes Geschäft ist. Nun ist es aber so, daß jemand potentiell bereit ist 200€ zu zahlen um sich die Küche neu zu fliessen zu lassen, aber nicht viele werden bereit sein, die 800€ zu zahlen die besagte Dienstleistung legal kosten müßte (Gewinn, Steuer, Kosten für Verwaltung, Kosten für Garantien, Lohnnebenkosten, ...).

Und ja, die Legalisierung des schwarzen Drittel der griechischen Wirtschaft führt eben nicht dazu das es ein weißes Drittel wird, nein es ist dann halt ein sehr geschrumpftes (zu heiß gewaschen) Drittel.

Re: Re: Re: Danke! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Laut "Wirtschaftswoche" erwartet Griechenland für 2011 eine Steuerlücke von 6,4 Milliarden Euro. Da kann man nicht sagen, es wäre "nicht so schrecklich"!

Antworten Antworten Antworten Gast: gocheck
28.10.2011 19:15
0 0

Re: Re: Re: Danke! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Da nehm ich aber lieber die sauberen 266,66. Als die unsauberen 200

Gast: tempa
28.10.2011 13:20
2 0

Galgenhumor...

Abstieg Europas und Aufstieg der Schwellenländer:
China und Co. sollen Europa unterstützten.Na,endlich sind alle EU-Staaten im Club Med angekommen.Und da die Rechnung für europaweite Inkompetenz nicht mehr von den "reichen" EU-Staaten bezahlt werden kann, wird aus der Transferunion ein globales Projekt.Schwellenländer ohne Pensionssystem und fragwürdigen Gesundheitssystem sollen ihre Mittel einsetzen, damit EU-Staaten ihre sozialen Standards halten können.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794391,00.html
In Österreich gibts fette Lohnerhöhungen,die deutschen Pensionisten erhalten eine schöne Pensionserhöhung.
Eisberge voraus,Maschinen volle Kraft,die Kapelle spielt nochmal auf und den Sekt gibts gratis.

@variante 2

diese ist nicht unerwünscht, sondern nonsens bzw illusorisch.

1. deutschland hat schon mehrfach kundgetan, dass es nicht daran denke, für einen euro-neu mit reduzierten mitgliedsländern bereit zu stehen.
da es ohne deutschland nicht geht, gibt es diese option also gar nicht.

2. wo bitte liegt der wirtschaftliche nutzen, wenn zb unser zweitwichtigster handelspartner italien wieder lire hätte? nur jemand, der in der vor-euro zeit nichts mit aussenhandel zu tun hatte bzw sich zu informieren weigert, kann die auswirkungen der dauernden abwertungen ignorieren: abgeschlossene geschäfte entpuppten sich als verlust. märkte gingen über nacht verloren, unzählige stunden zusatzarbeit fielen an, die kosten für devisenwechsel und währungsrisiko-absicherung waren beachtlich.

wer seriös kalkuliert und auf DIESE kosten nicht generös 'vergisst', sieht die kosten für den nun nötigen finanztransfer in die piigs-länder mit anderen augen: gesamt gesehen sind sie nämlich deutlich geringer!

Re: @variante 2

zu 1.: Was wurde in der EU nicht schon alles "kundgetan" und schon nach ein paar Tagen wieder vergessen! Ein Euro für Hartwährungsländer hätte aber jedenfalls eine Überlebenschance, der heutige Euro mit seinem völlig unhomogenen Euroraum muss früher oder später (eher früher) scheitern!

zu 2.: Der wirtschaftliche Nutzen besteht darin, dass es einen solchen Hartwährungseuro lange geben würde, während die Tage des derzeitigen Euro gezählt sind!
Außerdem hat Europa viele Jahrzehnte Aufschwung erlebt, obwohl es die Lira und die D-Mark gab. Die in dieser Art widersinnige Euroeinführung hat hingegen eine Wirtschaftskrise mitverschuldet, wie es sie seit 80 Jahren nicht mehr gab und die damals erst durch Aufrüstung und einen zweiten Weltkrieg beendet werden konnte!

Vielleicht im öffentlichen Dienst Herr Oberst,

... in der Privatwirtschaft wurden diese Geschäfte in Dollar oder DM abgeschlossen. Wenn sie in Lire abgeschlossen wurden, wurden die Geschäfte durch Kursversicherungen gedeckt.
Damals gab es noch nicht einmal im Ansatz die EDV wie heute und es ging problemlos. Heute rechnen die Auftragsbearbeitungs-, Logistik- und Buchhaltungssysteme automatisch um. Es ist vollkommen egal, ob Rechnungen nach Ungarn, Schweden, Großbritannien oder Italien geschrieben werden.
Oder glauben Sie im ernst, dass sich die Unternehmen schwer tun, mit Großbritannien, Schweden, Norwegen oder Ungarn Geschäfte zu machen?
Das sind Hausmädchenargumente, die im politischen Streit der Befürworter in die Waagschale geworfen werden, um unbedarfte Wähler zu beeindrucken.

Re: Vielleicht im öffentlichen Dienst Herr Oberst,

sie hatten in den 90ern mit garantie nichts zu tun mit italien-exporten. sonst würden sie nicht über dollar und dm phantasieren.

wo leben sie, dass sie glauben, durch edv-systeme würde plötzlich alles kostenlos? unterschiedliche kurse für devisenankauf und -verkauf gibt es dennoch. kursschwankungen müssen entweder durch die firma getragen werden oder via bank 'versichert' werden, beides kostet.

fakt ist, dass allein durch den euro und das wegfallen dieser umrechnerei und seiner begleit-kosten es ein zusätzliches wirtschaftswachstum von einem halben prozent PRO JAHR gab/gibt! in summe also mittlerweile ein zusatzwachstum von 6 %!

aber ich weiss: was nützen schon fakten und rationale überlegungen speziell in diesem forum?

1 0

Re: Re: Vielleicht im öffentlichen Dienst Herr Oberst,

Kernaussage: Um der Wirtschaft ein bisschen Arbeit zu ersparen sollen alle zahlen!

Die Griechen sind ja nicht ganz unschuldig an dieser ganzen Situation. Erst durch gefälschte Bilanzen aufnahmefähig erlogen und dann in Saus und Braus gelebt. Jetzt wo die Rechnung präsentiert wird müssen andere dafür gerade stehen.

Es hat sich ja schon bei den Banken gezeigt wohin diese "Too-big-to-fail"-Mentalität führt. Nicht der geringste Anreiz das Verhalten zu ändern. Ja glauben sie denn wirklich das ist das letzte was wir bezüglich Eurokrise lesen werden. Wie lange spielen wir dieses Pyramidenspiel noch? Lassen wir Griechenland beim nächsten Liquiditätsproblem pleite gehen, oder doch erst Italien. Viel. warten wir auch bis Frankreich fällt. Die Schulden sind ja jetzt nicht weg. Es hat sie nur ein anderer.

Lieber Oberst!

Na selbstverständlich hatte ich damit zu tun (wie sonst sollte ich sonst wissen, wie die Geschäfte abgewickelt wurden).
Dass das Bundesheer vielleicht mit Abakus herumgewirtschaftet hat und dadurch der Nutzen der EURO-Umrechnung größer ist, kann nicht auf die private Wirtschaft umgelegt werden.
Wirklich kompliziert wirds erst in der Buchhaltung und da gab es Fremdwährungskonten (die auch in Schilling abgeschlossen wurden), internationale Buchhaltungssoftware, die Bilanzen über mehrere Währungen konsolidierte (gibt es heute noch oder warum glauben Sie, kann VW mit Werken in der Slowakei und China eine konsolidierte Bilanz voregen?).
Die lokale Buchhaltung kann über Bilanzgliederungsziffern bis auf die Buchungsebene unterschiedliche Bilanzen ausgeben (Handelsrechtlich, fürs Finanzamt, für den Konzern).
Ihr Posting zeigt eine erschreckende Unkenntnis in Fragen des Rechnungswesens.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: biserl
28.10.2011 20:30
0 0

Re: Lieber Oberst!

Um es noch expliziter an Beispielen wieso man Fremdwährungsrisiken nicht im allgemeinen nicht absichern kann.

1.) Sie verkaufen DingsBums für 5€ pro Stück in die USA. Das macht zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses $6/Dingsbums. Dieser Vertrag ist ohne Probleme absicherbar, alles Heile Welt. Nächsten Monat will der Kunde noch einmal Dingsbums kaufen, der Kurs hat sich aber verschoben, jetzt würde das Stück $7 kosten. Entweder der Kunde reicht das an seine Kunden weiter, oder er sucht sich eine andere Quelle für Dingsbums. Oder sie machen einen Verlust und verkaufen ein Dingsbums um 4€. Alle diese Varianten sind uncool. (Siehe BMW Werke)

2.) Sie dingsbumsen (sprich Dienstleistung) etwas für einen Kunden in England. Sie vereinbaren einen Stundensatz von GBP40 was umgerechnet zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses EUR50 ist. Dumm ist halt das nach 12 Monaten ihr Stundensatz auf EUR40 gesunken ist, obwohl sie bereits GBP45 verdienen.

3.) Sie verkaufen Dingsbums wie im Fall 1.) Aber statt einer Überweisung am Tag X erhalten sie am Tag X eine Mängelliste. Dumm ist halt das ihre Währungsversicherung nur bis Tag X geht, d.h. sie haben etwas Risiko, und potentiell neue Kosten für ein neues Versicherungsgeschäft, und keine Ahnung wann genau der Kunde die Ware abnimmt.

4.) Und da so ein Derivat Geld kostet, bedeutet das natürlich auch, daß Angebote nicht abgesichert sind, sie tragen das Risiko vom Tag des Angebots bis der Kunde die Bestellung abschickt, ....

 
12 3

Top-News

  • EU verschärft Gangart gegen Putin
    Die EU-Mitglieder einigen sich erstmals auf weitreichende Sanktionen gegen die russische Wirtschaft. Moskau sieht sich mittlerweile mit einer Vielzahl von Strafmaßnahmen konfrontiert.
    Stadthalle: Künstler sagen Konzerte ab
    Laut einem Konzertveranstalter entstehen durch Absagen wirtschaftliche Schäden: Denn die Stadthalle blockiere Veranstaltungen zur Songcontest-Zeit, biete aber keine Alternative.
    Glücksspiel: Lizenzstreit kostet Steuereinnahmen
    Weil die Casinos Austria die Konzessionsvergabe beeinsprucht haben, verzögern sich die neuen Projekte im Palais Schwarzenberg, im Prater und in Bruck an der Leitha.
    Asyl: Notsituation nach Aufnahmestopp
    Die von Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll verhängte Aufnahmesperre bringt die Innenministerin in eine Zwickmühle. Jetzt müssen Notquartiere dringend gefunden werden.
    Streitfall Spekulation: Der andere Häuserkampf
    Nach der Räumung der Pizzeria Anarchia durch ein Polizeigroßaufgebot stellen sich mehrere grundlegende Fragen, etwa: Wie oft werden Mieter mit Schikanen vertrieben?
    Schuldenstreit: Schicksalstag für Buenos Aires
    Am Mittwoch, läuft für Argentinien die Frist zur Begleichung von Anleihezinsen ab. Das Land will, darf aber nicht zahlen, wenn es nicht vorher Hedgefonds auszahlt.
AnmeldenAnmelden