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Die Presse.com/Sonntag: Vom Ende der Deutungsmacht

VON PETER KROTKY (Die Presse)

1996 startete die Online-Ausgabe der "Presse". In den 15 Jahren seither hat das Internet unser Leben verändert. Und wir Journalisten sind ein bisschen weniger wichtig geworden. Gut so.

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Im Jahr 1996 hieß Österreichs Bundeskanzler noch Franz Vranitzky und gezahlt wurde in Schilling. US-Präsident war Bill Clinton. In den Kinos liefen „Independence Day“ und „Toy Story“. Das meistverbreitete Computerbetriebssystem war Windows 95 von Microsoft. Apple steckte in der Krise, und Steve Jobs setzte gerade erst zu seiner zweiten Ära an.

1996 war das Jahr, in dem die Online-Ausgabe der „Presse“ gelauncht wurde. Und der damalige Chefredakteur Andreas Unterberger schrieb aus diesem Anlass: „Keine Sorge muß man zweifellos haben, daß mit dem Internet der Nutzen der papierenen Zeitung überhaupt dahin wäre. [...] Die ordnende Übersichtlichkeit einer angreifbaren Zeitungsseite wird auf Dauer dem Bildschirm mit seinen wenigen Zeilen überlegen bleiben.“ 15 Jahre später lässt sich immer noch nicht wirklich sagen, ob Unterberger recht hatte oder nicht. 1996 lasen 76,8 Prozent der Österreicher eine gedruckte Tageszeitung. 2011 tun dies mit 73 Prozent nur geringfügig weniger. Sagt die Mediaanalyse. Und doch hat sich in 15 Jahren Internetgeschichte mehr verändert, als diese Zahlen vermuten lassen.

Gegoogelt. 1998 tauchte Google auf – und schaffte nicht nur eine monopolartige Stellung im Bereich der Informationssuche, sondern es sogar mit dem Begriff „googeln“ bis in den Duden. 2001 startete Wikipedia – und läutete endgültig das Ende der Lexikonbände ein, die bis dahin bildungsbürgerliche Haushalte behübscht hatten. 2004 kam Facebook – und revolutionierte die Art, wie Menschen weltweit ihre sozialen Beziehungen organisieren. Seit 2006 kann man via Twitter die ganze Komplexität der Welt in 140 Zeichen fassen. 2007 warf Apple das iPhone auf den Markt, gefolgt 2010 vom iPad – und löste damit die Fesseln, die das Web bis dahin an Schreibtisch und PC gekettet hatten. Und 2011 machten Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten Gebrauch von all diesen Entwicklungen, um sich ihrer autoritären Regimes zu entledigen.

15 Jahre digitale Entwicklung haben unser aller Leben massiv verändert. 1996 nutzten nur neun Prozent der Österreicher das Internet – nicht einmal die Hälfte davon tat dies regelmäßig (mehrmals pro Woche). Heute gehören 80 Prozent der Bevölkerung zu den Internetnutzern; 70 Prozent nutzen das Web regelmäßig.


Schirrmachers Gehirn. 15 Jahre digitale Entwicklung haben auch unseren Medienkonsum verändert. Selbst wenn – zumindest in Österreich – heute noch beinahe so viel Zeitung gelesen wird wie damals, so ist die gedruckte Zeitung längst nicht mehr die einzige, ja für einige nicht einmal mehr die wichtigste Informationsquelle. Mithilfe des Internets kann jeder sein eigenes Medium werden und damit auch Sender statt lediglich Empfänger von Nachrichten sein. Das Informationsangebot ist damit massiv angestiegen. Und die Lufthoheit, die Journalisten einst über die veröffentlichte Meinung hatten, ist dahin. Für alle, die an den freien Wettbewerb von Ideen und Meinungen glauben, ist das auch ziemlich gut so.

Man kann angesichts dieser neuen internetbedingten Unübersichtlichkeit samt Informationsüberflutung freilich auch verstört sein. Mag sein, dass das auf Frank Schirrmacher zutrifft, der meint, dass das Web unser Gehirn in Mitleidenschaft ziehe. Mag auch sein, dass man angesichts Schirrmachers Rolle als Herausgeber der „FAZ“ nur die Verunsicherung herauslesen kann, die jene erfasst hat, die zu lange gewohnt waren, dass niemand ihre Deutungsmacht der Welt infrage stellte. Genau das aber kann jetzt jeder Blogger.

Das alles aber macht professionellen Journalismus, zu dem deutlich mehr gehört als das, was die allermeisten Blogger, Twitterer oder Facebooker so liefern, noch lange nicht überfällig. Diesen professionellen Journalismus wird Ihnen „Die Presse“ auch weiterhin liefern – gleichgültig, ob auf Papier oder auf irgendeiner Art von Bildschirm.

peter.krotky@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2011)

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10 Kommentare
Gast: uninteressant--uninteressant
02.11.2011 23:35
0 0

wen interessiert's

dass man mit so einem faden portal und sündteuren zeitung die kein mensch ließt überleben kann ist mir echt ein rätsel.

kommt mir so vor als schreiben da ein paar möchtegerns für sich selber (und ihre verwandten und freunde).

Herman
30.10.2011 22:55
1 0

"Die Presse" war schon in meiner Studentenzeit "die Zeitung" im Café Hummel

. . . dann im Ausland ergatterte ich sie ein Jahrzehnt lang von einer Aussenhandelsstelle. Gewiss mache ich nun einen Blick in andere Online-Zeitungen, doch mit der Presse kann sich nichts vergleichen.
Nur bei den Online-Kommentaren hapert's wie in allen Medien - man sollte doch "die Spreu vom Weizen trennen" oder einfach der Bewertung entsprechend reihen.

Gast: b754
30.10.2011 14:28
1 5

presse journalisten

waren ohnehin nie wichtig

Gast: Chocolatebuddha
30.10.2011 14:04
1 0

Lektor?

Nur gut, dass Sie am Schluss als Pro-Argument für die Zeitung nicht angeführt haben, dass noch jemand korrekturliest. Im vorletzten Satz sollte nämlich "überflüssig" statt "überfällig" stehen ;)

Gast: Anneliese V.
30.10.2011 10:49
2 0

Journalismus und Internet

Also ich meine die Möglichkeit zur spontanen Meinungsäuϐerung und Interaktion wertet den Journalismus eher auf !

1 7

ich hoffe sehr,

dass dieser kommentar ausschließlich in der online-version erschienen ist.

denn sonst wäre diese aufzählung von banalitäten und eigener bauchpinselei ein musterbeispiel für verschwendung von papier und druckerschwärze!

Gast: Glaubnyx
30.10.2011 08:24
1 0

Dank an die Online Ausgabe

Die Papierversion wäre mir zu teuer. Interessant die Foren. Leichtester Zugang. Die Frage warum wird, man erst im zweiten Anlauf beantworten können. Ebenfalls das selektive Sieb.

DFAvJ
30.10.2011 02:29
4 0

On-Line Presse… ein Segen für Auslandsösterreicher…

Ich bin Auslandsösterreicher, leb schon seit über dreißig Jahren in den V.St. Kontakte mit der Heimat waren früher (und sind auch jetzt noch) spärlich: einmal im Jahr eine kurze Reise nach Wien, um meine Mutter zu besuchen. In welchem Jahr ich herausfand, daß die Presse eine on-line Ausgabe zu publizieren begann, weiß ich nicht mehr, muß aber so um 1997 herum gewesen sein. Sie ist, seit jener Zeit, eine Gottesgabe für mich: tägliche Nachrichten aus der Heimat. Ich bezweifle, daß die Herausgeber sich dessen wirklich bewußt sind, welch ein Manna diese on-line Ausgabe für Auslandsösterreicher ist.

Antworten Gast: ow087kwpo
30.10.2011 14:29
0 0

Re: On-Line Presse… ein Segen für Auslandsösterreicher…

genauso wie die hürriyet.

ob papier oder online ist egal.

Gast: la vache qui rit
29.10.2011 23:36
1 0

professioneller Journalismus

"Diesen professionellen Journalismus wird Ihnen „Die Presse“ auch weiterhin liefern – gleichgültig, ob auf Papier oder auf irgendeiner Art von Bildschirm."

wir dürfen aufatmen - da haben wir ja nochmal Glück gehabt...

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