19.05.2013 13:02 Merkliste 0

Den Griechen ist nicht zu helfen

OLIVER GRIMM (Die Presse)

Papandreous törichte Ankündigung einer Volksabstimmung über das EU-Hilfspaket zeigt es klar und deutlich: Ohne politische Union ist der Euro bald Vergangenheit.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Nein: Dumm ist Georgios Papandreou, der Ministerpräsident Griechenlands, keineswegs. Im Gegenteil: Seine Ankündigung, die Griechen über das zweite Hilfspaket und die damit verbundenen harten Strukturreformen und Einsparungen abstimmen zu lassen, ist ein gefinkelter politischer Schachzug. Denn die wirkliche Frage, über die die Griechen im Jänner oder Februar abstimmen werden, ist allen bewusst: Wollen wir in der Eurozone bleiben oder nicht?

Papandreou weiß, dass bis auf die Kommunisten weder linke noch rechte Splittergruppen und schon gar nicht die Erzfeinde von der konservativen „Nea Dimokratia“ den Euro aufgeben und die Drachme wieder einführen wollen. Und so zwingt er seine Gegner zum Offenbarungseid: Wollt ihr zu Europa gehören? Oder wollt ihr irgendwo im südbalkanesischen Niemandsland verkümmern? Das will kaum ein Grieche. Mit entsprechender propangandistischer Überzeugungsarbeit könnte sich eine knappe Mehrheit für Sanierungsmaßnahmen zusammentrommeln lassen.


Dumm ist das also nicht. Aber es ist verantwortungslos. Papandreou, der seit Monaten des Amts müde ist und dem auch Parteifreunde nahelegen, er möge doch mehr Zeit in den politischen Gremien und weniger Zeit beim täglichen Fitnesstraining oder auf schicken Konferenzen an Elite-Universitäten in den USA verbringen, hat ohne Not Europas politische Krise noch verschlimmert. Und er hat das ohne Absprache mit seinen europäischen Partnern getan, die ihm seit fast zwei Jahren zur Seite stehen und dafür von ihren Wählern abgestraft werden.

Wie zum Beispiel mag sich heute wohl Iveta Radičova fühlen, die scheidende slowakische Regierungschefin, die ihre eigene politische Karriere der Zustimmung der Slowakei zur Ausweitung und Flexibilisierung des Euro-Rettungsvehikels EFSF geopfert hat? Frau Radičova hat tapfer und ehrenwert bei ihren Bürgern und Koalitionspartnern um europäische Solidarität geworben – Solidarität mit Griechen, die im Gegensatz zu den Slowaken jahrzehntelang großen Nutzen aus dem Marshallplan und der Einbindung in die Nato gezogen haben und auch heute noch wesentlich reicher sind als die Bürger der vom Kommunismus geschundenen EU-Staaten. Papandreou hingegen opfert den letzten Rest an Verständnis, den man seinem Land anderswo in Europa entgegenbringt, dem innenpolitischen Kalkül.


Und das ist der Kern des Problems: Die zweitwichtigste Währung der Welt ist in der Geiselhaft von 17 nationalen Innenpolitikern. Ob es die „Wahren Finnen“ sind, der niederländische Populist Geert Wilders, die EU-Hasser von der FPÖ oder einfach nur ein um seine politische Zukunft pokernder griechischer Ministerpräsident: Sie alle machen es unmöglich, in Europa notwendige und – angesichts der Fieberhaftigkeit auf den Finanzmärkten – schnelle Entscheidungen in der Wirtschafts- und Budgetpolitik zu treffen. Und selbst in Deutschland, wo es – im Gegensatz zu Österreich – eine ernsthafte und verantwortungsvolle politische Auseinandersetzung mit dem Euro gibt, stößt die Demokratie an ihre Grenzen. Erst am Freitag urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass die Rechte und Pflichten des Bundestags bei der Eurorettung nicht durch ein neunköpfiges Sondergremium wahrgenommen werden können – auch dann nicht, wenn eine der zu behandelnden Fragen die Gefahr der „Ansteckung“ anderer wackelnder Euroländer in sich trage.

Ist unsere Vorstellung von Demokratie – parlamentarisch, repräsentativ, von den Irrungen der Medien gehetzt – mit der Führung einer Währungsunion überfordert? Nein. Gerade der Bundestag hat vergangenen Mittwoch mit seiner beherzten Debatte über die EFSF gezeigt, dass auch große Parlamente schnell und klug entscheiden können.

Ein Berliner Lehrstück für die nahende politische Union, die den Euro in ein passendes institutionelles Kleid hüllen muss. Diese Union wird kommen – samt EU-Sparkommissar, gemeinsamem Haushalt und gestärktem Europaparlament. Damit nie wieder ein Politiker aus Eigennutz das Wohl von 500 Millionen Europäern gefährdet.

 

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

166 Kommentare
 
1 2 3 4

Re: Da muss es irgendwo eine Argumentationshilfe geben ?

Eric Frey im "Standard" schrieb dasselbe.

Re: Re: Da muss es irgendwo eine Argumentationshilfe geben ?

Das ist eben bezahlter Journalismus.

Re: Re: Re: Da muss es irgendwo eine Argumentationshilfe geben ?

Journalisten sollten für vernünftige Berichterstsattung bezahlt werden...

übrigens, der Göweil in der "Wiener Zeitung" stieß ins selbe Horn...

Gast: biserl
01.11.2011 19:56
9 0

Bisserl Melodramatisch?

Warum sollte die Tatsache das ein Land aus der Eurozone aussteigt das Ende der Eurozone sein?

Technisch betrachtet hat Griechenland vor der Euroeinführung nicht die wirtschaftlichen Rahmendaten gehabt, um in die Eurozone aufgenommen zu werden.

Ein Sparprogramm wie es den Griechen aufgezwungen wird, braucht eine demokratische Legitimation, genauso wie ein potentieller Staatsbankrott.

Ehrlich gesagt, was würden unsere Politiker sagen, wenn man mit den Daumenschrauben sie zwingen würde sagen wir mal 20 Milliarden einzusparen? Genau, es gebe Strassenschlachten, die Gewerkschaften würden Generalstreiks organisieren, usw. Die einzige Möglichkeit das zu unterlaufen, ist eine demokratische Legitimation zu schaffen.

Und warum sollte der Ausstieg Griechenlands die Eurozone gefährden? Die Gefährdung zielt ja auch die Teilnehmerstaaten ab, nämlich das die Finanzindustrie wie von der Politik gefordert verbesserte Ratings produziert (2008/2009 schon vergessen?) Und da ist nicht nur Griechenland nicht mehr Triple-A, sondern auch bei DE/AT/FR ist nicht ersichtlich wie die Staatsschulden getilgt werden sollen. Und wenn der Markt uns den Geldhahn zudreht, ist Österreich auch innerhalb von Monaten bankrott, cool, nicht.

Gast: b754
01.11.2011 19:55
2 1

also mich würde schon noch interessieren

was schellhorn und lauda dazu sagen vielleicht können die ja europa retten

16 1

Wie .....

Wie lautet die Alternative Herr Grimm ? Eine EU-Diktatur ? Abschaffung von Wahlen, wie sie bei uns bereits schleichend vorbereitet wird (siehe letztjährige Verlängerung der Legislaturperioden) ? Fremd anmutende Art von Demokratieverständnis eines Journalisten .....

Gast: geld istweg!
01.11.2011 19:41
15 1

Grimms (Märchen) Wunschtraum:

Ein starker EU Zentralstaat mit einem, alle Rechte ausübenden, gegen Gerichtsverfahren immunen EU Finanzminister, fachlich unterbelichtet, a la Van Rompuy, Barroso und Juncker die den Finanzmächten hörig, unser allerletztes Steuergeld auch noch verspielen.

Verschont uns vor solchen Alpträumen!

6 1

Werft diese Betrüger endlich .....

....aus dem Euro ! Pensionen von längst Verstorbenen über Jahre hinweg kassieren, unser Geld nehmen wollen und keine Bedingungen akzeptieren .... jetzt ist es endgültig genug. Die EU und unsere unfähigen Politiker sind dabei, uns endgültig zu ruinieren, wenn wir sie nicht aufhalten. Nach Griechenland warten schon Italien und Portugal und vielleich auch schon Spanien.

Gast: curayo
01.11.2011 19:31
8 4

Die zweitwichtigste Währung der Welt ist in der Geiselhaft von 17 nationalen Innenpolitikern

Das ist falsch. Die zweitwichtigste Währung ist in der Geiselhaft der Finanzwirtschaft. Und nun wagt es ein Politiker doch tatsächlich sich dieser Geiselnahme zu entziehen und seinen Job zu machen - und das Volk zu fragen.
Ich finde, bei allem Risiko, das Papandreou damit eingeht, diesen Schritt vollkommen richtig und ansatzweise genial!

Gast: Mündiger Europäer
01.11.2011 19:29
11 2

Das Volk zu fragen ist "töricht"...

Der Kommentar von Oliver Grimm ist ein anschauliches Beispiel für die völlige Orientierungslosigkeit der politisch-medialen Klasse: Es ist also "verantwortungslos" den Souverän zur Entscheidung einer wesentlichen Richtungs- und Grundsatzfrage, deren Beantwortung das Leben der Menschen in Griechenland für viele Jahre prägen wird, zu befragen ? Warum eigentlich ? Weil damit "das Wohl von 500 Millionen Europäern gefährdet wird".

Ganz abgesehen, davon dass die Eurozone nicht 500 Millionen Bürger hat, wird das Wohl Europas von Politikern und ihren Lohnschreibern gefährdet, die uns zur Geisel ihres größenwahnsinnigen Projekts ("Wir wollen die zweitgrößte Währung der Welt sein !"), das gerade spektakulär scheitert, machen wollen.

Richtig wäre es Europa so zu organisieren, dass wir vernünftig in Freiheit und nachhaltigem Wohlstand zusammenleben können. Dazu brauchen wir den Euro wirklich nicht. Das beweist sowohl die europäische Geschicht von 1945 bis 2000 und die Gegenwart der Schweiz, Schweden oder Dänemarks (die ohne Euro sehr erfolgreich wirtschaften).

Antworten Gast: biserl
01.11.2011 20:07
3 2

Re: Das Volk zu fragen ist "töricht"...

Erstens ist der Euro schon sehr wichtig, das beste Beispiel haben Sie schon genannt, die Schweiz => das letzte Jahr mit dem Anstieg des Frankens hat nicht nur unsere Häuserlbauer die keine sein sollten erschreckt, nein, die Schweizer Wirtschaft ist in leichter Panik => sie kann mit dem neuen CHF/EUR Kurs in vielen Bereichen nicht mehr konkurrieren, bzw. macht Miese bei Geschäften die eigentlich Gewinn produzieren sollten. (Und nein, das Fremdwährungsrisiko kann man nur in begrenztem Maß abfedern. Als jemand der regelmässig Rechnungen in nicht-EUR produziert kann ich ein Lied darüber singen.)

Zweitens, warum sollte die Staatspleite GR und die Drahmeneinführung den Euro bedrohen?

Defakto kann genauso der gegenteilige Effekt eintreten, nämlich das die anderen "Schwachwährungsländer" (IT, PT, ES, ...) sich das anschauen, und anfangen etwas gegen ihren Morast zu tun.

Wenn ein Land dauerhaft (und insbesondere bei der Gründung) die Eurokriterien nicht schafft, dann muss es austreten, logisch, oder? Uncool aber real. Das grundlegende Problem sind ja die Budgetdefizite, da die Maastricht Kriterien ja als Quotient Schulden/Wirtschaftsleistung definiert sind. Und da keine Regierung die Wirtschaftsleistung kontrollieren kann, ist der einzige Weg den Zähler gegen 0 gehen zu lassen.

Gast: Schwarzseher
01.11.2011 19:20
9 2

Hallelujah, endlich kriegen wir...

...die EU auf's Auge gedrückt- das Reich in dem die Sonne nie untergeht!

...weil sie nie aufgeht.

Re: Hallelujah, endlich kriegen wir...

Möglicherweise dient das ganze Theater ohnehin nur diesem Zweck.

12 1

Herr Grimm,

Politiker vertreten jeweils ihre mündigen Wähler. Sollen sie das jetzt wegen dieser EU nicht mehr dürfen?! Dann wäre es eine Diktatur.
Griechenland hätte bei Bekanntwerden der gefälschten Finanzangaben aus der EU rauskomplimentiert werden müssen. Schlimm genug, dass die überbezahlten EU-Experten diesem Mega-Betrug aufgesessen sind!
Diese EU ist viel zu schnell ohne wirkliches Fundament wie ein Kunstprojekt errichtet worden, das konnte und kann nicht halten.

Aha! Töricht ist es ...

... das Volk zu befragen.
Da sind sich offensichtlich Politiker und Journalisten einig ...

3 2

Re: Aha! Töricht ist es ...

Ja.

Erinnert an "Champagner her, die Elite ist da!

Re: Aha! Töricht ist es ...

... sitzen sie doch letztenendes am gleichen Futtertrog ...

1 2

Re: Re: Aha! Töricht ist es ...

.....aber auf den besseren Plätzen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Grufzmaus
01.11.2011 19:38
2 1

Re: Re: Re: Aha! Töricht ist es ...

..und haben Schöpflöffel anstatt Esstäbchen.

8 1

Herr Grimm,

Sie dürften ein Problem mit der Demokratie haben.

Die von Ihnen erwähnten 17 nationalen Politiker vertreten jeweils ihre mündigen Wähler. Sollen sie das jetzt wegen dieser EU nicht mehr dürfen?! Dann wäre es eine Diktatur.
Griechenland hätte bei Bekanntwerden der gefälschten Finanzangaben aus der EU rauskomplimentiert werden müssen. Schlimm genug, dass die überbezahlten EU-Experten diesem Mega-Betrug aufgesessen sind!
Diese EU ist viel zu schnell ohne wirkliches Fundament wie ein Kunstprojekt errichtet worden, das konnte und kann nicht halten.

Gast: 1234568765432
01.11.2011 18:52
5 1

Wollt ihr zu Europa gehören? Oder wollt ihr irgendwo im südbalkanesischen Niemandsland verkümmern?

Die Fragen stellen sich nicht. Griechenland ist südbalkanesischen Niemandsland, ob es will oder nicht.

14 3

SUPER EU

Merkl und Sarkosy gründen einfach das 4. Reich.

2 1

Re: SUPER EU

Da dürfen dann sicher auch die Türken rein.

Den Griechen ist nicht zu helfen.

Was bitte soll das für eine Hilfe sein, der eine ganze Bevölkerung in Not und Elend schickt ?

Papandreou hat nicht die Wahl EU-Hilfe oder Volksabstimmung - sondern : Volksabstimmung oder Bürgerkrieg und Anarchie.

Die zweitwichtigste Währung der Welt ist in der Geiselhaft von 17 nationalen Innenpolitikern.

1. Abgesehen davon, dass der Euro ebenso in der Geiselhaft von Berlusconi & Co. ist : gerade hier wird deutlich, dass der Euro von Anfang an ein Wahnsinnsunternehmen war, das schiefgehen musste.

2. Es zeigt auch von dem (völlig fehlenden) Demokratieverständnis der EU-Spitzen, dass sie angenommen haben, derart gravierende Entscheidungen am Volk vorbei diktieren zu können.

3. Es ist genau umgekehrt : das ganze griechische Volk (und im Grunde die ganze Bevölkerung des Euro-Raumes) soll in Geiselhaft genommen werden, um für die Folgen der Spekulationen durchgeknallter Banker etc. geradezustehen.

Wer hätte gedacht, dass die Bevölkerung da nicht so einfach mitspielt ?

So betrachtet sind auch alle Politiker ...

... in der Geiselhaft der Wähler.
Die logische Konsequenz: Diese Geiselhaft zu beenden.
Ich weiss nicht, was im Kopf von Herrn Grimm vor sich geht, aber vielleicht möchte ich das auch garnicht wissen.

Gast: Markus Trullus
01.11.2011 18:44
1 7

Schlimm, schlmmer, die Hölle

Und das ist der Kern des Problems: Die zweitwichtigste Währung der Welt ist in der Geiselhaft von 17 nationalen Innenpolitikern.
Und genau das ist das Ergebnis der idiotischen Halbnational, halbbrüssel Politik. Das geht nie, im Gegnsatz zu den ganzen halbgebildeten Politikern Europas. Entweder ganz Europa zentral Finanziell, Aussenpolitisch und wirtschaftlich geführt, oder Volle Auflösung der EU und wieder nur Einzestaaten, zum Jubel der Nattionalisten und der BRIC Staaten, die sich sofort dran machen werden, ihre Claims in Europa abzustecken.... Das ist die wirkliche Wahrheit! Es gibt KEINE DRITTE OPTION!!!!!

Aha!

Die EWG hat also nie funktioniert?

Re: oder Volle Auflösung der EU und wieder nur Einzestaaten

Quatsch.

Wirtschaftsunion - mit Erhaltung der demokratischen Eigenständigkeit der Staaten. DAS hat auch funktioniert - und DAFÜR hat die österreichische Bevölkerung gestimmt.

KEIN Putsch von oben, der einen EU-Staat einführt, ohne die Bevölkerung zu fragen !

Gast: Georg Elterlein
01.11.2011 18:43
3 1

Joghurtpreise

Als wir zur Eu-Abstimmung gingen hatte Fr. Schmidt einmal im WirrWarr mancher populistischer Stimmen gemeint, die Eu sei mehr als Joghurtpreise. Sie hatte eine politische Union vor Augen, ein Zusammenwachsen der Nationen in Verantwortung und Respekt. Nur leider sind wir bei den Joghurtpreisen in vielfach übetragenen Sinn stecken geblieben.

14 3

Ich will keine politische Union

Die hat ja wohl mittlerweile genug Schaden angerichtet. Als Wirtschaftsbund gleichberechtigter Staaten war die EU solange erfolgreich, bis irgendwelche EU-Ideologen vom "Friedensprojekt" zu träumen begannen. Die Folge war eine künstlich erschaffene Euro-Zone mit fatalen Konstruktionsfehlern, die uns noch alle bin an den Rand des Ruins und des Bürgerkriegs bringen werden. Aber auch andere erzwungene Aktionen wie der Schengenraum oder die überhastete Osterweiterung lieferten einen negativen Beitrag.

Volksabstimmung in Griechenland? War doch längst überfällig, wenigstens wird sich Griechenland bei einem negativen Ausgang (für uns positiv) aus der Eurozone verabschieden.

Und ja - unsere Demokratie ist mit der Führung der Währungsunion überfordert - und zwar gewaltig. Die gegenwärtigen Beschlüsse sind nur durch massiven Rechtsbruch der bestehenden Verträge möglich geworden; ganz abgesehen davon, dass die Völker Europas in keinster Weise in die Entscheidungen eingebunden waren.

Antworten Gast: biserl
01.11.2011 22:58
0 0

Re: Ich will keine politische Union

Nun ja, die europäischen Gemeinschaften wurden nach dem 2. Weltkrieg eben deshalb gegründet um einen Krieg zwischen den teilnehmenden Staaten (DE-FR vordergründig) unmöglich oder nur sehr schwer möglich zu machen. Die Idee ist simpel, wenn ich Rohstoffe/Komponenten für den neuen franz. Panzer aus DE brauch, dann ist es etwas problematisch wenn FR versucht DE anzugreifen. Und umgekehrt.

Also: Wirtschaftliche Verflechtung (insbesondere im Bereich der Schwerindustrie, deshalb war die Stahlunion eine der 3 ursprünglichen Gemeinschaften) als Mittel den Krieg unmöglich zu machen.

Die Steigerung der Effizienz der Wirtschaft und die Idee der Schaffung eines einheitlichen Marktes (im Prinzip BENELUX nur im grösseren Massstab) kamen später. Nicht sehr viel später, aber doch.

Es ist für die heutigen Generationen schwer nachzuvollziehen, aber unter dem Aspekt der beiden Kriege in frischer Erinnerung, war die Vermeidung eines Krieges alle 30-40 Jahre eine äusserst attraktive Sache. Nur anzumerken, daß es in AT Leute kenne die Zeitzeugen sind, und sich weigern darüber zu reden. Und das ich Zeitzeugen von der anderen Seite kenne, die ironischerweise Jahrzehnte in AT gelebt haben, aber sich geweigert haben den AT-Pass anzunehmen oder auch nur Deutsch zu reden (weil sie es zwangsweise während des 2WKs lernen mußten).

Re: Ich will keine politische Union


Sorry, aber es war historisch gesehen genau umgekehrt.
Zuerst kam der Wunsch nach Frieden, und zwar unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser Frieden hat bis jetzt gehalten, viel länger als jeder Friede in der Vergangenheit und damit erst den Grundstein zu jenem Wohlstand geführt, der uns heute so selbstverständlich geworden ist.

Doch ohne gemeinsame Führung gibt es Einzelinteressen, Lobbies, Lobbyisten und letztlich jeden erdenklichen Wildwuchs an Unzulänglichkeiten.

Leider wird eine seriöse Politik vom Wähler nicht belohnt. Die Wähler wollen belogen werden, sie brauchen billige Feindbilder, Emotionen, fesche Gesichter, einfache Antworten und vor allem eine Lobby für ihre eigenen Interessen.

1 0

Re: Re: Ich will keine politische Union

Mag ja sein, trotzdem bin ich für einen wirtschaftlichen Verbund der europäischen Länder, hat ja beim EWR gut funktioniert, eine politische Union lehne ich entschieden ab. Ich will Selbstbestimmung, inklusiver gelebter direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild, und keinen Zentralismus. Und jene Partei, die das glaubhaft vertritt, wird meine Stimme kriegen.

16 1

Gerade der Bundestag hat vergangenen Mittwoch mit seiner beherzten Debatte über die EFSF gezeigt, dass auch große Parlamente schnell und klug entscheiden können.

Ihr Kommentar ist an Dummheit nicht mehr zu überbieten! Die Mitglieder des Deutschen Bundestages haben zum Teil im Ansatz nicht verstanden worüber sie eigentlich abstimmten. Es wäre ratsam, sich die diversen politischen Journale im deutschen Fernsehen anzuschauen.

Re: Gerade der Bundestag hat vergangenen Mittwoch mit seiner beherzten Debatte über die EFSF gezeigt, dass auch große Parlamente schnell und klug entscheiden können.

@tiger10: Aber nein: Die Mitglieder des Bundestags haben der EFSF zugestimmt, also waren sie sehr g'scheit, gleichgültig, ob sie überhaupt geschnallt haben, worum es ging, und gleichgültig, ob sie vielleicht unter Druck gesetzt wurden. –
Nicht auszudenken, worauf der allerwerteste Kommentator gekommen wäre, wenn ein Parlament der Euro-Zone "nein" gesagt hätte: Dann hätten wir wohl in der "Presse" ein flammendes Plädoyer für die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie lesen können. Denn eine solche Entscheidung wäre ja "Populismus" gewesen.

Die Heuchelei der EU!

Ich bin jetzt total verwirrt. Da hat es bisher vielerorts geheißen, man solle die Griechen doch einfach pleite gehen lassen und/oder aus dem Euro rausschmeißen. Es wurde sogar die Frage gestellt, was uns die Griechen eigentlich angehen.

Und jetzt, wo die Griechen offenbar in Richtung Pleite und Euro-Exit steuern, ist man darüber ganz aufgeregt.

Ist da vielleicht eine Portion Heuchelei seitens des sogenannten Kern-Europas zu erkennen?

http://klauskastner.blogspot.com/2011/11/referendum-ein-wunderbares.html

Antworten Gast: UKW
01.11.2011 18:57
0 0

Re: Die Heuchelei der EU!

Immer diese lästigen Zecken, die ihre erfolglose Blogs hier verbotenerweise gratis bewerben wollen. Was soll man von solchen Leuten halten? Noch dazu wo sie selber eingestehen, dass sie "total verwirrt sind?

Re: Re: Die Heuchelei der EU!

Sie scheinen Lösungsvorschläge zu haben. Großartig! Teilen Sie diese doch allen mit. Meine finden sie in meinem Blog. Gerne diskutiere ich mit Ihnen.

http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

Antworten Antworten Antworten Gast: UKW
01.11.2011 21:05
1 0

Re: Re: Re: Die Heuchelei der EU!

Sie wagen es, der EU Heuchelei vorzuwerfen und wollen sich hier gratis Werrrbung erschleichen.

Es ist einfach erbärmlich und bemittleidenswert, wie Sie hier um Besucher für Ihre Internetseite betteln.

Re: Re: Re: Re: Die Heuchelei der EU!

Meine email Adresse ist im Blog. Gerne diskutiere ich mit Ihnen privat. Öffentliche Anschuldigungen, wie gerechtfertigt auch immer, bringen Dritten nichts.

 
1 2 3 4

Mehr Kommentare:

Top-News