25.05.2012 22:49 | Meine Presse Merkliste 0

Wer auf Rom wartet, der hat schon verloren

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Österreichs Bischöfe, die derzeit gemeinsam tagen, müssen handeln. Zu groß ist die Distanz zum Kirchenvolk. Ein Aufruf zum Gehorsam – gegenüber dem Evangelium.

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Jetzt also auch noch eine Umfrage Paul Michael Zulehners. Die hat den österreichischen Bischöfen gerade nicht gefehlt. Bis Donnerstag sind die Herren – mehrheitlich knapp vor oder deutlich nach dem gesetzlichen Pensionsalter – in Salzburg bei ihrer Herbsttagung versammelt. Es kann wohl nur dummer Zufall sein, dass die Abteilung Religion des ORF-Fernsehens ausgerechnet jetzt die bischöfliche Beschaulichkeit mit einem Beitrag über eine Studie zur Akzeptanz des „Aufrufs zum Ungehorsam“ sendet. Sage niemand mehr, das Staatsfernsehen beschränke sich in seiner Berichterstattung auf das Nachbeten von Pressekonferenzen.

Was die Bischöfe da über ihre leitenden Angestellten erfahren, werden sie wenig erbaulich finden. Zwei Drittel „ihrer“ Pfarrer sehen den Aufruf von Helmut Schüller und seinen Mitstreitern, in dem selbst ernannte Rom-Treue den Tatbestand der Häresie verwirklicht sehen, mit mehr oder weniger großer Sympathie. Eine knappe Mehrheit der Pfarrer outet sich sogar als Frauenversteher. 55Prozent teilen die Aussage, Frauen zu kirchlichen Ämtern zuzulassen, stehe im Einklang mit dem Evangelium. Dass damit eher nicht das Amt der Pfarrersköchin oder -putzfrau gemeint ist, dürfen wir dem Pastoraltheologen Zulehner gefahrlos unterstellen. Dass sie wissen, damit Rom in einer besonders heiklen Materie zu konterkarieren, damit einem Diskussionsverbot hinsichtlich Frauenweihe zuwiderzuhandeln, das darf wiederum den Pfarrern unterstellt werden.

Noch einmal: Die, die derartige Auffassungen (anonym) in einer Umfrage von sich geben, sind nicht irgendwelche irregeleitete katholische Hausfrauen (dafür wäre wohl auch die Grundgesamtheit zu klein) oder in Wohngemeinschaften lebende hedonistische Theologiestudenten. Es sind jene, die die Kirche und deren Religionsstifter in besonderer Weise „vor Ort“ repräsentieren. Es sind die Pfarrer, die sich – von Kirchenrecht und Anspruchsdenken ihrer Schäfchen – genötigt sehen, sonntags von Kirche zu Kirche, von Messfeier zu Messfeier zu hetzen. Es sind die Pfarrer, die mit den Leiden und Freuden der Katholiken tagtäglich sehr direkt konfrontiert sind. Es sind die Pfarrer, die Geschiedenen klarmachen müssten, dass sie zwar den Gott der Barmherzigkeit predigen, ihnen aber im Falle einer weiteren staatlichen Eheschließung nie und nimmer bis ans Lebensende die Kommunion spenden dürften. Müssten, dürften: wenn es allein nach dem Willen Roms ginge. Tut es aber nicht.

Denn noch zu Kardinal Franz Königs Zeiten haben die Bischöfe in einem Hirtenbrief einen österreichischen Weg eingeschlagen. Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger dürfen auch erneut Verheiratete zu den Sakramenten. Bis heute hat kein Bischof von Rom seine Mitbrüder zurück-, auf den „wahren“ Weg gedrängt. Bemerkenswert. Das beweist zweierlei: Bischof zu sein und der Hang zur Ängstlichkeit sind nicht völlig untrennbar miteinander verbunden. Und es gibt auch abseits des breiten römischen Weges Möglichkeiten, ein wenig abseits, auf einem noch nicht so ausgetretenen Weg in dieselbe Richtung zu pilgern.

Was das nun für die aktuelle Situation bedeutet? Die österreichischen Bischöfe sind mehr als gut beraten, die schon so oft geäußerten Wünsche der Katholiken dieses Landes – ob von Laien oder Priestern, ist zweitrangig – ernst zu nehmen. Sie müssten endlich versuchen, sich aus der Rolle der Getriebenen und Zerriebenen zu befreien. Ein fundierter, strukturierter Dialog zu den noch immer heißen Eisen ist fällig. Richtig, das hatten wir alles schon. Nur müsste diesmal am Ende die Verpflichtung stehen, behutsam, ohne die Einheit national und mit der Weltkirche zu gefährden, das eine oder andere Eisen auch zu schmieden. Also Dinge zu tun, zu denen man sich verpflichtet sieht. Verpflichtet aus Gehorsam, aus Gehorsam gegenüber dem Evangelium.

Wer fortwährend Richtung Rom starrt, wer sich ausschließlich danach richtet, was der Papa nun erlaubt oder verbietet, kann den Heutigen den Glauben kaum vermitteln. Wer bei Reformen auf Rom wartet, der hat schon verloren.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2011)

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19 Kommentare
Gast: grab
10.11.2011 21:26
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Rom

Wer nicht nach Rom schaut und nicht auf den Papa (wie Sie verächtlichmachend schreiben) hört, gehört halt einfach nicht zur RÖMISCH-kath. Kirche.
Hat vielleicht einen Grund, warum sie römisch heisst.

Gast: radius
09.11.2011 11:36
0 0

Man merkt die Absicht und ist verstimmt.


Gast: walter g
08.11.2011 17:47
0 0

Dumme Sexisten wollen die Kirche auf den Kopfstellen

Der Oberste ist ein Atheist,was soll man dazu noch sagen ?
Der Fisch beginnt am Kopf, zum Stinken an.

1 0

Hausfrauenrechnung

Wenn schon jemand die Ergebnisse einer Umfrage nicht objektiv zu deuten vermag, dann soll er sich hüten, in solch sensiblen Fragen Kommentare zu schreiben.
Dass wir es hier, herr Neuwirth, mit einem grottenschlechten Exemplar zu tun haben, zeigt der Versuch, die Kompetenz der an der Umfrage teilnehmenden Priester damit zu erhöhen, dass sie gegenüber den Begriffen "irgendwelche irregeleitete katholische Hausfrauen" oder "in Wohngemeinschaften lebende hedonistische Theologiestudenten" auf ein willkürliches Podest gestellt werden. Ich verwahre mich gegen einen Stil, der suggeriert, dass Hausfrauen oder Theologiestudenten eigentlich nichts sind. Wer bist Du, o Gott, dass Du des Menschen gedenkest?

Gast: tarekP
08.11.2011 15:37
1 0

nur dummer Zufall.. freilich ganz sicher, wer würde von

Zulu und dem ORF auch anderes erwarten.

Nur, wer glaubt, dass diese Umfrage repräsentativ ist, wird wohl auch an diesen Zufall glauben.

Die armen Priester, die lt. Neuwirth angeblich "hetzen" müssen, sei gesagt, dass andere Berufstätige mindestens 5 Tage und an jedem dieser Tage mindestens 8 Stunden "hetzen" müssen. Was daran so schlimm ist, wenn ein Priester an seinem Hauptarbeitstag 3 Messen feiern soll, wo er eine hoffentlich auch gut vorbereitete Predigt nun 3x hält, muss mir auch noch einer erklären.

ABER dies ist vielfach gar nicht der Fall, denn so mancher hätte zwar mehrere Pfarren mit Messen zu betreuen, feiert aber dann trotzdem nur eine und lässt stattdessen bei den anderen Wortgottesdient halten und kommt halt nur alle 2 oder 3 Wochen vorbei.

Abgesehen davon sollte Neuwirth wissen, dass Kirche zwar für den Menschen da ist, aber kein Wunschkonzert ist, sondern den Auftrag zur Verkündigung hat.

Wer glaubt in der römKirche gehe es ohne Rom und es sei nebensächlich, dass es ein Oberhaupt der Kirche gibt bzw. egal, was es sagt ( im Kohlmeierschen Sinne, dass der sich brausen gehen kann) der hat diese römKirche ohnehin schon verlassen und sollte besser darüber schweigen.

Der Papst ist mit seinen Aussagen näher an den Worten Jesus als jene, die meinen man könne so einfach Jesus rigorosen Worten zum Ehebruch einfach mal wegretuschieren, weil es nicht mehr in unsere heutige "moderne" Zeit passt.

Zur Info: Das Wort Jesus dazu, war schon damals Vielen ein Ärgernis!

0 1

Re: nur dummer Zufall.. freilich ganz sicher, wer würde von

Im Prinzip ist es schon richtig: Ohne Rom läuft in der katholischen Kirche gar nichts! Aber was, bitte schön, hatte das Papstum in seiner 2000jährigen Geschichte immer mit dem Evangelium und den Aussagen von Jesus Christus zu tun? Da lagen oft wahre Welten dazwischen. Nicht nur in der Borgia-Phase! Die "Skandal-Chronik" des Vatikan animierte Martin Luther zur Forderung, bereit sein, für die Rückkehr zu den urspünglichen Zielsetzungen der christlichen Botschaft. Aber die in Saus und Braus und Ablaß-Reichtum schwelgenden hohen Klerikern in Rom schwerten sich einen Dreck darum; so machte Luther eben seinen eignen Spin-off auf!

Gewiß ist es bequemer und risikoloser, zu allem, was in der Kirche organisatorisch schief läuft zu schweigen; Schönborn schwebte ja schon immer eine Kirche vor, die sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück zieht und als eine Art privater Gebetkreise und kleiner spiritueller Zirkel weiter geführt wird. Das war übrigens auch der eigentliche Grund, warum er seinerzeit Schüller mittels unter der Tür durch geschobenem "Blauen Brief" raus geworfen hatte. Denn dieser baute ja weiterhin auf eine Kirche, die "in die Welt hinaus geht und allen das Evangelium predigt".

Kurzum: Die einen fürchten sich vor der "Welt"; die anderen sehen ihre Aufgabe darin, diesen Planeten ein weniger lebenswerter zu machen. Mit geschlossenen Mündern ist das jedoch äußerst schwer zu realisieren...

Gast: guy fawkesII
08.11.2011 12:09
2 0

erbarmen

es wäre zu wünschen dass solche "gut?" gemeinten kommentare von menschen welche, offensichtlich, mit der rkk nichts anfangen können endlich einmal aufhören oder sich als das zu erkennen geben was sie sind: antiklerikales geschwafel.
die rkk ist wächterin der auslegung der evangelien aus ihrem selbstverständnis. das kann, muss man aber nicht gut finden. es gibt genug christliches alternativangebot. wenn ein paar pfarrer meinen aus ihrem gewissen heraus etwas ändern zu müssen, so ist ihnen zu wünschen dass sie es wirklich wegen ihrem gewissen und nicht der selbstdarstellung machen. trifft ersteres zu haben sie meinen respekt auch wenn ich die vorgebrachten punkte sehr skeptisch sehe.

unerträglich wird es aber wenn personen welche papst und katholische rechtsauslegung per se nicht aktzeptieren, mit solchem störfeuer ständig öl ins feuer schütten. die rrk ist in ö keine volkskirche mehr. jeglicher versuch also, durch aufweichen und unkenntlich machung ihrer konturen den prozess aufzuhalten ist von anfang an zum scheitern verurteilt. das einzige mögliche resultat ist dass am ende etwas steht was mit kirche im sinne von rk nichts mehr zu tun hat.


Poesie
08.11.2011 11:36
0 0

Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis diese Institution Geschichte ist! Wer diese Wahrheit nicht wahrhaben will, der ist ein Träumer!


1 0

Warum werten Sie Kochen und Putzen ab, Herr Professor.

Haben Sie wohl noch nie gemacht.

latzy
08.11.2011 10:29
2 1

Die Bischöfe mögen sich als Hirten fühlen,

ich bin aber kein Schaf!
Langsam beginnt es am ganzen Kirchengebäude zu bröckeln. Die Menschen von heute lassen sich diese Geschichten von Sündenfall und Erlösung nicht mehr auf die Nase binden. Es wäre Zeit für eine neue "Software". Die alten Geschichten haben nie gestimmt, daran konnte auch ein päpstliches Machtwort ("...und sie dreht sich doch") nichts ändern

0 1

Denn noch zu Kardinal Franz Königs Zeiten haben die Bischöfe in einem Hirtenbrief einen österreichischen Weg eingeschlagen. Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger dürfen auch erneut Verheiratete zu den Sakramenten. Bis heute hat kein Bischof von Rom seine Mitbrüder zurück-, auf den „wahren“ Weg gedrängt.

Naja - im Grunde schon.

Die seinerzeitigen volksnahen und reformbereiten österreichischen Bischöfe wurden nach und nach durch erzkonservative Nachfolger ersetzt (Groer, Krenn, Schönborn, Küng, der neue Burgenländer etc.) und so die Bischofskonferenz wieder "auf Linie" gebracht.

0 2

55Prozent teilen die Aussage, Frauen zu kirchlichen Ämtern zuzulassen, stehe im Einklang mit dem Evangelium. Dass damit eher nicht das Amt der Pfarrersköchin oder -putzfrau gemeint ist, dürfen wir dem Pastoraltheologen Zulehner gefahrlos unterstellen.

"Kirchliche Ämter" sind per definitionem Ämter in Pastoral und Verkündigung inklusive Sakramentenspendung - und nicht kochen und putzen.

Aber manchmal geht halt ein Bonmot vor Sachkenntnis :-))

Steininger
08.11.2011 04:58
2 0

Nochmal für die die es noch nicht verstehen:

Wir sind mitten im Kulturkampf! Entweder mit den Bischöfen die für die kleine Herde eintreten. Oder die Anderen die noch füt die Volkskirche kämpfen obwohl der Zug schon abgefahren ist. Das Christentum der abendländischen Kultur gibt es eigentlich schon nicht mehr.
Die Bischöfe - die sich mehrheitlich gegen die Volkskirche stellen - sie wissen noch nicht ganz was das bedeutet. Auf jeden Fall kein Luxus und keine Hofhaltung mehr!

Gast: radius
08.11.2011 01:16
2 0

Da haben auch schon viele unterschrieben, Herr Neuwirth

und das ganz ohne PRESSEwerbung und ORF-Pushing.

http://aufruf-zum-gehorsam.eu/index.php

Gast: mens sana
08.11.2011 01:14
2 1

Herr Neuwirth, sind Sie wiederverheiratet-geschieden?

Oder warum sonst schreiben Sie diesen Stuss??

Meinerseits finde ich, dass Rom wegen ein paar frustrierten Alt-68ern die Lehre keineswegs zu ändern braucht. Insofern haben Sie natürlich recht: wer ernsthaft eine solche Änderung erwartet, der ist ein Loser.

Thonet H.
07.11.2011 23:19
2 0

Glaube ist rationaler, aber bedingungsloser Gehorsam.

(bedeutender lebender Philosoph)
Denn wer Bedingungen stellt oder Zeichen fordert, der wird schwer das Geschenk des Glaubens erhalten. Deshalb sind eigentlich diese Leute zu bedauern, weil sie ihren (eigenen) menschengemachten Kleinglauben verwirklicht sehen wollen und dabei das Große verpassen, was ihnen Gott schenken will.

Es ist schwer den Worten Nikolaus von der Flüe zu folgen:
"Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir was mich hindert zu Dir. Gib alles mir was mich fördert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir."

Gast: mysterium
07.11.2011 20:01
3 1

Wieder mal freimauerische Umtriebe die Kirche zu zerstören.

Die Kirche, die nämlich die Menschen zu Mündigkeit erzieht, sowas braucht man nicht in einem Freimaurer-Europa.

Liebe Leute aufwachen. Lasst Euch von dieser Diktatorenbande nicht einspannen.

Gast: radius
07.11.2011 19:58
6 2

Ach schon wieder der Zulehner, dem es nicht mal zu blöd ist, eine Pate zu schalten wegen der burgenländischen Bischofsbestellung.

Diese Verräter. Schmeißt Sie endlich raus.

1 4

Re: Ach schon wieder der Zulehner, dem es nicht mal zu blöd ist, eine Pate zu schalten wegen der burgenländischen Bischofsbestellung.

Bitte den unkontrollierten Alkoholkonsum endlich einstellen!

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