25.05.2012 22:55 | Meine Presse Merkliste 0

Die Grünen änderten die Politik und bleiben doch sehr klein

RAINER NOWAK (Die Presse)

Zum 25. Geburtstag sollten sich die Grünen langsam damit anfreunden, dass verantwortungsvolle Politik nicht nur den Umweltschutz meint.

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Trifft man dieser Tage Grünen-Politiker, sieht man nicht selten ein verklärtes Lächeln. Ein bisschen Nostalgie schwingt da schon mit, wenn Eva Glawischnig dem „Online-Standard“ erzählt, dass sie früher immer mit Handschellen in der Hosentasche durch die Gegend gelaufen sei. Allzeit bereit, sich an den nächsten Baum oder das nächste Bahngleis zu ketten, um Holzfäller oder Tiertransporte zu behindern. Heute würde sie so wohl eher mit den Enzi-Stadtmöbeln im Museumsquartier verfahren, sollte irgendjemand auf die Idee kommen, diese zu entfernen. Was in Wien ohnehin keiner wagen würde.

Die Veteranen von Hainburg und – die noch graueren – von Zwentendorf schauen heute stolz auf 25 Jahre Grüne im Parlament. Viel hat sich gar nicht geändert, statt Müsli gibt es heute eben Rucola, und die Turnschuhe heißen Sneakers. Einst wurden die Babys der Grünen im Plenum gestillt, 20 Jahre später durften sie schon im Büro der Dritten Nationalratspräsidentin, Eva Glawischnig, dösen. Zwar müssen die Grünen nicht mehr um den Wiedereinzug in den Nationalrat bangen, doch auch unter der Kanzlerschaft Werner Faymanns, einer politisch lustlosen bis ängstlichen SPÖ und einer schwächelnden ÖVP schaffen die Grünen nicht einmal in Umfragen mehr als 15 Prozent. Selbst im Jahr der Atomkatastrophe in Fukushima ist für Eva Glawischnig nicht mehr möglich. Das ist offenbar der Zenit für eine Partei, deren Wähler keineswegs so homogen sind, wie die Parteispitze gern glauben machen will. Die Kinder der ÖVP-Wähler aus Wiens Innenstadtbezirken, die in Scharen – nicht selten des Images wegen – zu den Grünen gewechselt sind, ärgern sich längst über hohe Steuern und halten Asyl für alle für keine sehr gute Idee.

Dennoch rückte die Partei in den vergangenen Jahren weiter nach links. Interessanterweise wurde darüber in der Partei, in der über jeden Gemeinderatskandidaten und jede Statutenänderung ewig und kontroversiell geredet wird, nicht wirklich diskutiert: Eine (wahlarithmetisch ohnehin kaum mehr mögliche) Koalition mit der ÖVP, wie einst von Alexander Van der Bellen mit Wolfgang Schüssel angedacht, wird in der Parteispitze de facto ausgeschlossen. Das Ziel lautet klar Rot-Grün – obwohl auch das laut Umfragen in weiter Ferne steht. Wirtschafts- und finanzpolitisch haben sich die Grünen links eingegraben: Steuern sollen Frieden und Sozialnetz retten. Unternehmer, Besserverdiener oder Vermögende müssten deutlich mehr zahlen, ginge es nach den Plänen der Grünen. Einen Sparkurs lehnen sie ab, das würge nur das Wirtschaftswachstum ab. Und von einer verfassungsrechtlich verankerten Schuldenbremse halten sie schon gar nichts. Dies sollte bei bürgerlichen Grün-Wählern in Wien Josefstadt und Neubau doch für sanfte Irritationen sorgen.

Dabei gefallen den Grünen Verbote und gesetzliche Beschränkungen sonst gut, egal, ob es sich um Zigarettenautomaten, Plastiksäcke, umweltschädliche Automodelle oder den gesamten Pkw-Verkehr in Wien handelt. Das brachte der Exfraktion der Revoluzzer und Systemkritiker den Ruf ein, zur Verbotspartei zu mutieren. Daran ist nicht selten auch eine ungeschickte Argumentationslinie schuld: So argumentiert Maria Vassilakou die Erhöhung der Parkgebühren mit dem Kampf gegen den Feinstaub, erst nachdem dieser wieder zum medialen Thema wurde. Gleich nach der Ankündigung der Preiserhöhung war der Feinstaub noch kein Thema...

Aber dass die Grünen ihre gesamte politische Arbeit und im Fall Wiens zumindest ihre Mitverantwortung dem kompromisslosen Kampf für die Umwelt verschreiben, ist verständlich – ähnlich gut und glaubwürdig stehen sie sonst nur bei dem Thema politische Korruption da. Das ist auch ihre historische Bedeutung: Sie haben die Umweltpolitik eingeführt und allen Parteien aufgezwungen. Zum Umweltschutz muss sich jeder Politiker bekennen, den Vorrang für Wirtschaft, Rendite und Arbeitsplätze formuliert nicht einmal mehr die Industriellenvereinigung als Ziel.

Das ist keine kleine Leistung. Aber es reicht noch nicht, um mehr als 15 Prozent der Stimmen zu bekommen. Es reicht nicht, um als echte inhaltliche Alternative gesehen zu werden. Und hoffentlich nicht, um Verantwortung für ein Staatsbudget übertragen zu bekommen.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2011)

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37 Kommentare
 
1 2
esss
02.12.2011 15:39
0 0

mit grün

soll nur die dunkelrote seele verdeckt werden.

Gast: Wiener
23.11.2011 17:46
5 1

Grün ist die Farbe des Linksextremismus

..und nicht zufällig auch die islamischer Symbole...

1 0

Die Kinder der ÖVP-Wähler aus Wiens Innenstadtbezirken...

...ein Artikel, den Eltern genau jener Kinder nach dem Mund geschrieben...aber das ziemlich gut ...für Presse Stammklientel eben...

Tecumseh
23.11.2011 17:00
3 1

Umweltpolitik?

Der Schwerpunkt der Grünen liegt doch nicht in der Umweltpolitik, sondern in der Förderung der Migration nach Österreich. Aber eine steigende Bevölkerungszahl ist eben auch i.d.R. mit einer höheren Umweltbelastung verbunden, insofern ist die Politik der Grünen kontraproduktiv für die Umwelt.

Sehr guter Artikel!


Re: Sehr guter Artikel!


sie heiliger müssen wirklich schon in anderen spähren schweben, wenn sie das als "sehr gut" empfinden. wenn das "sehr gut" ist, was ist dann "weniger gut" oder gar "schlecht"? da bleibt ja kein spielraum mehr nach unten!

oder empfinden sie allen ernstes weinerlich-konservatives gegreine, wonach die österreichischen grünen gefährliche linksradikale sind, weil sie ein, zwei steuervorschläge haben, die sie von der industriellenvereinigung leicht unterscheiden helfen, als gipfel des journalistischen könnens?

Antworten Antworten Gast: Uralt-68er
23.11.2011 17:12
2 1

Re: Re: Sehr guter Artikel!

Da sind wir Linken doch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt, gell Genosse?!

Fordern bedingungsloses Grundeinkommen für alle (natürlich auch für die, die erst nächtens die Staatsgrenze überschreiten werden), Gratis-Studium, Gratis-Öffis, Freibier, sowie Steuererhöhung für die, die so blöd sind zu arbeiten...sodann organisieren wir eine Demo gegen die Ausbeuter.

Wir nennen das Dialektik!

Re: Re: Re: Sehr guter Artikel!

wer fordert bitte "bedingungsloses Grundeinkommen für alle", "Gratis-Öffis, Freibier, sowie Steuererhöhung für die, die so blöd sind zu arbeiten..."???

nennen sie mir die partei, die das will. kenne ich keine in österreich und sonstwo auch nicht.

massive belastungen für die tatsächlich arbeitenden (die nicht gleichzusetzen sind mit den leuten die ein einkommen à la KHG&friends haben) gabs zuhauf unter KHG/schüssel, und zwar getarnt als gebührenerhöhungen, besteuerung von unfallrenten, ambulanzgebühren, massiven pensionsverschlechterungen etc.

dafür wurde das erben nicht mehr besteuert (ERBEN! DAS IST EINE ECHTE LEISTUNG!), die großkonzerne steuerlich entlastet, die körperschaftssteuer gesenkt... und bei all dem ist natürlich auch was für die braven erfüllungsgehilfen der politik von millionären für millionäre abgefallen, in gestalt von kick-backs, beraterhonoraren, usw usf.


2 0

Warum ist an allen die ÖVP schuld?

Sie ist nur Juniorpartner und alles was vorgeschlagen wird und vielleicht auch gut wäre, wird von der führenden SPÖ entweder sofort abgelehnt (Gewerkschaft) oder so lizitiert, daß von dem Vorschlag nichts übrig bleibt. Würden sich beide Parteien einmal richtig zusammen setzen und sagen: Änderungen bei den Pensionen bei den Beamten und im Gegenzug Änderungen bei der Pension der ÖBB sowie Konsequenzen bei der Beamtenmafia in Wien wäre sicher schon viel geschehen. Aber so ist alles nur eine Katastrophe und die Grünen sind zu vergessen (in Wien gibt es unter ihrer Teilnahme an der Stadtregierung nur Steuererhöhungen). Muß super sein, in Wien zu leben.

Gast: Wir hier
23.11.2011 08:41
7 1

nicht anfreunden

Grüne sollten sich mit überhaupt Nichts anfreunden - spätestens in 4 Jahren wird kein Mensch mehr von ihnen sprechen.
Grüne? Wer?

0 17

wenn nowak was zu reden hätte...

...dann wären diejenigen, gegen die heute die staatsanwaltschaft ermittlungen führt noch minister, und würden unsere finanz-, budget-, und wirtschaftspolitik gestalten.

insoferne sind "Grün-Wählern in Wien Josefstadt und Neubau" wohl eher von arroganten neocons wie nowak irritiert, die das treiben der grassers und strassers jahrelang publizistisch unterstützt haben und weniger von harmlosen forderungen nach vermögenssteuern, die nur ein lohnschreiber der IV als besonders "links" empfinden kann.

6 0

Re: wenn nowak was zu reden hätte...

... dabei sind die, gegen die heute die Staatsanwaltschaft Ermittlungen führt, heute bloß Bundeskanzler ...

Antworten Antworten latzy
23.11.2011 14:39
0 0

Re: Re: wenn nowak was zu reden hätte...

Schade, dass Delikte vor 2000 schon verjährt sind. Da gäbe es ein üppiges Menü von den damaligen Dünnsuppenköchen mit Suppeneinlagen von SPÖ und FPÖ

Re: Re: wenn nowak was zu reden hätte...

von faymann kann man ja nicht wirklich behaupten, dass er unsere finanz-, budget- und wirtschaftspolitik gestaltet. das überlässt er dem koalitionspartner.

und so verwerflich und widerlich seine inseratenvergabe auch sein mag, es ist eine andere kategorie als das ausplündern des staates und das sich die taschen füllen, was grasser&co jahrelang mit wohlwollender unterstützung von nowak und der "presse" gemacht haben. denn kritik an schwarz-blau war hier tabu, ist als "hysterisch" und "links-link" abgetan worden und überhaupt: "wars denn früher besser oder anders?" etc., etc. das ist "kritischer journalismus" marke n.

16 2

Re: wenn nowak was zu reden hätte...

Wow, der erzlinke "Fuchs" postet wieder einmal gegen die "neocons" (klingt eigentlich ganz cool, oder?):
In Zeiten von bezahlten sozialistischen Jubel- und Kampfpostern auf der mit Steuergeldern finanzierten Facebookseite unseres faynen Herrn Bundeskanzlers von "Lohnschreibern der IV" zu sprechen ist schon kühn.
Noch kühner ist es, von "HARMLOSEN Forderungen nach Vermögenssteuern" zu reden - in einem Land mit einer der höchsten Steuerquoten der Welt. Und das Argument, dass man (d.h. die Grün-Sozialisten, wenn man sie nur ließe) nach Einführung/Erhöhung von Vermögenssteuern endlich die Steuern auf Arbeit senken könnte, die glaubt ja wohl wirklich nicht einmal die Frau Holle. Kein Austausch, sondern schlicht neues Geld ist das Ziel der linken Steuer-Junkies!

Antworten Gast: derderkommentiert
22.11.2011 21:56
0 8

Re: wenn nowak was zu reden hätte...

Er ist ja nicht schlecht, aber sein Wunsch nach Blau-Schwarz ist seit einiger Zeit so offensichtlich - das sollte einem Journalisten seiner Klasse nicht passieren.

Antworten Antworten Gast: no
23.11.2011 12:04
0 0

Re: Re: wenn nowak was zu reden hätte...

Ich fürchte, da muss ich wiedersprechen. Lieben Gruss, Rainer Nowak

Re: Re: Re: wenn nowak was zu reden hätte...


ihr widerspruch erfolgt völlig zu recht. schließlich gehört es bei einem journalisten ihrer "klasse" einfach dazu für schwarz-blau zu sein. das waren die besten jahre ihres und KHG's leben, das schreit nach einer neuauflage!

wenn nur der strache nicht so ein prolet' wär', sondern so ein gebildeter mann "mit ideen" (o-ton nowak) wie der gute, alte dr. jörg haider. der war halt noch satisfaktionsfähig...und so marktliberal und övp-affin, dass er das schüssel-programm zu 100% umsetzen geholfen hat. wollte nur ein bisserl mitschneiden bei den privatisierungen, das war alles. DAS WAREN NOCH ZEITEN!

Hr. Zyni
22.11.2011 21:26
0 0

Umwelt?

Fr. Vassilaku muss die katastrophalen Luftwerte verantworten, ebenso wie ihr Chef, der Biologe und blaublütige Häupling. Unser Umweltminister Bela Nikitovich (wozu hamma den überhaupt?) is ja nicht verantwortlich. Die Sterbezahlen der nächsten Wochen werden zeigen, dass durch die schlechte Luft hunderte geschwächte, vorwiegend ältere Personen sterben werden. Das müssen jene Politiker verantworten, die nicht durch Fahrverbote die ärgste Verschmutzung verhindern wollten, damit nur ja nicht die Wirtschaft leidet. Sie wird trotzdem leiden, da jetzt auch noch abertausende Krankenstände drohen. Ein umweltpolitisches Desaster unter rot-grüner Führung

0 0

Re: Umwelt?

Ich hätt gsagt, dass der Tiefdruck und die Industrie sowie Hausbrand für die Luftwerte verantwortlich ist, dabei warens ausnahmsweise Politiker. Nun: so kann man sich täuschen :-/

el jefe
22.11.2011 19:43
2 6

verkürzt

für eine "qualitätszeitung" eine etwas verkürzte analyse...dinge wie "Einen Sparkurs lehnen sie ab, das würge nur das Wirtschaftswachstum ab. Und von einer verfassungsrechtlich verankerten Schuldenbremse halten sie schon gar nichts." sind nicht nur verkürzt, sondern schlichtweg falsch. Da kann ich auch "leitartikeln" in der krone lesen...

Re: verkürzt

nowak schreibt so einfach, damit er seine artikel auch selber noch versteht! da kann es nicht simplifiziert genug sein. im grunde schreibt er ja nur für sich...

Antworten Gast: jimmyblue
22.11.2011 20:51
3 1

Re: verkürzt

P: Das riesige Wiener Beamtenheer bleibt von Sparmaßnahmen verschont?

V:Die Kaufkraft wird immer als ein zentraler Motor der Konjunktur beschworen.

P: Sie empfehlen den Bundesgrünen auf keinen Fall zuzustimmen?

V: Ich würde empfehlen, nicht zuzustimmen.

noch fragen?

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nowak will, dass die grünen sich in eine övp rückverwandeln


und wenn alle so rechtskonservativ und ökonomisch ahnungslos sind wie er....dann ist alles in ordnung in der n.-welt. darum eilt ja die neoliberale nowak-partei övp auch von wahltriumph zu wahltriumph!

ps: 15%...davon wird die partei der großbauern, industriellen und presse-abonennten övp bald nur noch träumen können!

Antworten Gast: jimmyblue
22.11.2011 20:54
5 0

Re: nowak will, dass die grünen sich in eine övp rückverwandeln

das problem ist die övp ist keine liberale partei.
aber trotzdem noch vernünftiger als die grünen.

Re: Re: nowak will, dass die grünen sich in eine övp rückverwandeln


die övp ist so wirtschaftsliberal wie man sein kann, wenn man mehr als 1% der stimmen erreichen will.

da ich in der anbetung des freien marktes noch keinen liberalismus erkennen kann, der diese bezeichnung auch verdienen würde, teile ich allerdings ihre auffassung, dass die övp keine wirklich liberale partei ist.


 
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