25.05.2012 23:01 | Meine Presse Merkliste 0

Ein paar Fragen hätten wir da noch

Christian Ultsch (Die Presse)

Der neue EU-Fiskalpakt ist von erstaunlichem Optimismus getragen. Es wäre eine Sensation, wenn tatsächlich in allen Euroländern Zweidrittelmehrheiten für die Schuldenbremse zustande kämen.

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Es ist ja ein nobles Unterfangen, dass sich die Regierungschefs der EU, mit Ausnahme des britischen, bei ihrem neuesten Krisengipfel feierlich dazu bekannten, gemeinsam die Schuldenbremse zu ziehen. Aber ein paar Fragen hätten wir da noch.

Erstens: Sich europaweit ganz fest Schuldenstoppschilder im Verfassungsrang oder auf „vergleichbarer Ebene“ (was immer das heißt) zu wünschen, ist aller Ehren wert und passt auch gut in die Vorweihnachtszeit. Wie jedoch die Zweidrittelmehrheiten in den nationalen Parlamenten zustande kommen sollen, lässt sich aus dem Brief an das EU-Christkind nicht ableiten. Wenn die Übung schon in Österreich, dem Erfinderland des nationalen Schulterschlusses, misslungen ist, sind auch anderswo parlamentarische Misserfolgserlebnisse zu erwarten. Jeder Rückschlag an der fiskalischen Zweidrittelfront aber wird den Euro-Blues in Gremien und Märkten von Neuem anleiern.

Zweitens ist unklar, wie der Europäische Gerichtshof Verstöße gegen die Budgetdisziplin ahndet und ob das irgendwen beeindrucken wird.

Drittens: Wenn, und das ist ein großes Wenn, alle Mitglieder der Eurozone diszipliniert agieren, kann der fiskalpolitische Pakt dazu beitragen, das Schuldenproblem langfristig in den Griff zu bekommen. Kurzfristig ist die Eurokrise damit jedoch nicht gelöst. Spätestens im Februar, wenn Italien neue Milliardenschulden aufnehmen muss, um auslaufende Kredite zurückzuzahlen, wird der Währungshut vermutlich wieder lichterloh brennen. Was dann? Wird dann doch die Europäische Zentralbank mit der Notenpresse einspringen?

Viertens ist, wenn man die bisherige Performance in Österreich und den meisten EU-Ländern betrachtet, höchst fraglich, ob sich die nötigen Ausgabenkürzungen politisch durchsetzen lassen. Der gesamte Eurokrisen-Mechanismus läuft bisher in elitären Zirkeln im Kreis, an Parlamenten und Bevölkerungen jedoch vorbei. Wie soll da breites Verständnis für Einsparungsnotwendigkeiten entstehen? Europa nützt im Reformdiskurs sein Potenzial nicht aus. Anstatt einen Best-Practice-Wettbewerb zwischen Mitgliedern oder im globalen Maßstab zu inszenieren, jammern Europäer lieber gemeinsam über den drohenden Verlust alter Gewohnheiten.

Fünftens bleibt rätselhaft, wie Europa demnächst wachsen will, wenn es tatsächlich seine Budgetdefizite drastisch abbaut.

Blöd nur, dass der Rest der Menschheit nicht auf die EU wartet. „Wir erleben den Anfang einer neuen Weltordnung“, sagte der türkische Präsident Abdullah Gül bei der World Policy Conference in Wien. Jacob A. Frenkel, Chef von JPMorgan Chase International, klang ähnlich. Der Schwerpunkt der Welt habe sich nach Asien verlagert. Nächstes Jahr werde China wieder um acht Prozent wachsen. Tja, der Alte Kontinent gilt inzwischen als Problemfall. Während Europa mit sich selbst beschäftigt ist und stagniert, holen die Schwellenländer rasend schnell auf, auch technologisch. Schauen wir uns selbst gerade zu, wie wir die Zukunft verspielen?

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2011)

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30 Kommentare
 
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derhune
12.12.2011 11:08
0 0

Wer ist die Addressat dieser Fragen?

Merkozy ist nach Beschlüssen von Brüssel abgereist und feiert das Sieg über Cameron!

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Wozu Schuldenbremse ??

Wir glauben seit 40 Jahren an den unendlichen SOZIALSTAAT !!
Was, der ist nicht finanzierbar ?
Da wurden wir doch glatt belogen !
Jetzt, wo wir uns alle auf Transferleistungen und Früh- (pardon) Invalititätspension eingestellt haben u. 6000 Euro Pension mal 14 für AHS-Lehrer usw. usw.

Und überhaupt sollte Hofrat Hemmungslos, Khol & Blecha das Ruder übernehmen. Die verhandeln sicher zu unseren Gunsten !!

0 0

Der neue EU-Fiskalpakt ist von erstaunlichem Optimismus getragen.

na gott sei dank!

denn wäre die eu ähnlich pessimistisch wie diePresse und ein großteil ihrer poster, dann könnte sie tatsächlich auch nur durch subventionen überleben!

Kurinsk
11.12.2011 19:56
0 0

Pragmatiker

Die "Fiskalunion" ist der letzte Versuch, Staaten unter der Fiktion "Europa" zusammenzuzwingen, die kulturell und wirtschaftlich viel zu verschieden sind, als dass sie unter demokratischen Bedingungen je zusammenfinden würden. "Glühende Europäer" machen mir deshalb Angst. Besser wären nüchterne Pragmatiker, die Herz und Verstand für die Interessen der Mehrheitsbevölkerung haben und entsprechende Entscheidungen treffen.

1 1

Re: Pragmatiker

"die Herz und Verstand für die Interessen der Mehrheitsbevölkerung haben und entsprechende Entscheidungen treffen. "

also die interessen von alten leuten und unterdurchschnittlich gebildeten...(--> hier finden sich mehrheitlich die eu-gegner)

DAS soll eine bevölkerungsgruppe sein, deren interessen wichtiger als die der anderen bürger sein sollen?

DAS soll eine mehrheit sein?

was eu-ablehner nicht und nicht akzeptieren können: trotz all der suderei und kritik an manchen ecken der eu ist lt umfragen eine mehrheit der österreicher nach wie vor FÜR eine mitgliedschaft!

Gast: yamo
11.12.2011 16:59
0 3

Wie Faymann in der Pressestunde nachdrücklich erklärte

auch wenn es die Interviewer partout nicht verstehen wollten: die reale Schuldenbremse ist der Markt bzw. der Zins, und die Angst vor den Folgen einer Staatspleite. Was die Staaten vereinbart haben ist neben der verstärkten vorsorglichen Überwachung der Schuldenstände die Ausweitung der Hilfsprogramme, welche wie gehabt unter der Bedingung von Restrukturierungsmaßnahmen gewährt werden.

Die Überschuldung löst sich damit natürlich nicht in Luft auf, solche Zaubertricks wären nur mit Hilfe notenbanklicher Geldfälschung möglich. Aber auch das will scheinbar niemand verstehen, ausser den Deutschen halt.

Solon
11.12.2011 10:36
1 5

Hört endlich auf mit dem Gesuder!

Im steilen Gelände geht man in Serpentinen - es geht langsam, aber weiter und aufwärts. Die letzten 60 Jahre haben wir die erste Hälfte unter, und die zweite über unsere Verhältnisse gelebt. Jetzt wechseln wir wieder in den füheren Modus, aber hängt daran das Lebensglück?

Antworten Gast: Vogel Strauss
11.12.2011 20:18
0 0

Re: Hört endlich auf mit dem Gesuder!

Um Gottes willen, stellen'S Ihnen vor: kein Iphone, kein Auto, keine Videospiele, keine klugen Diskussionen im PRESSE-Forum, weil kein I-net - stattdessen vielleicht Erdäpfel bauen und Hühner halten im eigenen Garten!

Collector
11.12.2011 08:06
5 0

EU explodiert!

Der "kollektive Wahnsinn" (Außenminister Hague), den Staaten ein "straightjacket" mit dem Euro zu verpassen, findet ein jähes Ende!
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13761002/Die-EU-explodiert-und-Europa-wird-zum-Neubau.html.

Antworten Gast: flieger1961
12.12.2011 07:52
0 0

Re: EU explodiert!

Straitjacket.

Antworten Antworten Collector
12.12.2011 09:11
0 0

Re: Re: EU explodiert!

Pardon: "All American Rejects
Straightjacket Feeling"
, Ein hüberscher song!
http://www.metrolyrics.com/straightjacket-feeling-lyrics-all-american-rejects.html

Gast: Freiheit
11.12.2011 04:58
7 0

wenn man sich die situation ansieht "Schuldenproblem"

in Oesterreich, USA und einigen anderen Laendern so kann man nicht wirklich von einem Schuldenproblem reden sondern nur von einem Totalversagen der Politiker. Bsp USA - wenn die die 3 groessten Ausgabenbloecke reduzieren wuerden Defense, Medicare, etc fuer 10 Jahre wuerde keiner mehr ueber Schulden reden. In Oesterreich genaus (natuerlich ohne Defense). Die westliche Welt hat ein Ausgabenproblem nur die Problematik ist keiner will die Ausgaben reduzieren. man fuettert lieber 500 000 Beamte wie die Griechen durch, schiebt Subventionen bestimmten GRuppen zu, laesst den Sozialstaat ausufern und fuehrt das Volk in Abhaengigkeit von den Transferleistungen. Mehr Abgaben und Steuern haben auch in den letzten 30 Jahren nicht dazu gefuehrt, dass die Politik die Ausgaben unter Kontrolle haltet. Uns muss klar sein, dass unsere Eltern in den 70 Jahren (Das grosse Jahrzehnt des Sozialismus in Oesterreich fuer viele die ideal Welt) weniger Steuern zahlten, weniger Abgaben, weniger Gebuehren, weniger Regulierung hatten als wir heute. Und die Sozis wollen uns genau das Gegenteil einreden und fuehren uns sehr geziehlt und sicher in den totalen Kommunismus. Das hier jetzt ist ihr letztes Stueck die Masse schreit mehr - noch mehr.

0 0

Re: wenn man sich die situation ansieht "Schuldenproblem"

offensichtlich lassen sich ö und die usa besser vergleichen als man glaubt.

in beiden ländern schreit/schreibt man ohne irgendeine ahnung davon zu haben das wort KOMMUNISMUS und die hillbillys/dumpfbacken klatschen beifall.

das presse-forum ist eine einzige realsatire! bestens geeignet für leute, denen die anmeldeformalitäten beim krone-forum zu kompliziert sind.

Antworten Gast: juergen klopp
11.12.2011 14:51
0 3

Re: wenn man sich die situation ansieht "Schuldenproblem"

...na genau. so einfach isses.
defense ausgaben kürzen, medicare abschaffen und alles ist gut!
dann wären halt ca. 100 mio amerikaner arbeitslos und nebenbei auch noch medizinisch unversorgt, was wiederrum ganz, ganz sicher für einen beinahe explodierenden konsum und eine enorme steuerleistung sorgen würde...

...und die heutige spö tut genau das gegenteil davon uns in eine sozialere welt, geschweige denn in den totalen kommunismus zu führen. deswegen haben wir ja die probleme! würde die spö nicht immer und immer mehr in die mitte rücken und weniger sozialdemokratische politik machen, dann hätten wir vielleicht bessere lösungen.
jetzt mal ganz abgesehen davon, dass es ein irrglaube ist, heutzutage noch auf nationaler ebene probleme lösen zu können. dazu ist alles viel zu international vernetzt und verwoben, was ja eine gute sache wäre, würden nicht alle in kleingärtnerischen nationalismus verfallen, weils die kronen zeitung so super findet...

Antworten Walter2
11.12.2011 13:48
6 0

Re: in den 70 Jahren

Und siehe da, in den 70ern, mit weniger Steuern und weniger Vorschriften, ging es eigentlich steil bergauf. Da kamen noch die Firmen, um sich bei den Arbeitnehmern vorzustellen, nicht umgekehrt.

Damals ging es noch datum, allen halbwegs gleiche Chancen zu geben. Heute geht es eher darum, dass alle, unabhängig von Können und Abstrengung gleich sein müssen. Und damit nivelliert man, zum schwächsten Glied, nach unten.

Zumindest in den politischen Parteien scheint dieses Ziel mittlerweile, leider, bereits erreicht zu sein.

klaus h
11.12.2011 00:12
2 0

"Zweitens ist unklar, wie der Europäische Gerichtshof Verstöße gegen die Budgetdisziplin ahndet...."

Gericht klingt nach Einsperren, vielleicht den Finanzminister ? :-)))

Wiener Negativismus at its best

Und rückblickend?
Schämt Euch.

ambrosius
10.12.2011 21:35
6 0

Unser altes Europa

hat viel ungelöste Probleme, die Türkei ist keines davon. Die Türkei ist ein Entwicklungsland welches von Europas Almosen in Millardenhöhe provitiert. Wenn Gül und CO so blöd sind die Hand welche sie füttert zu beißen, dann ist es an der Zeit diese Hand einzuziehen.

Antworten Gast: JO
11.12.2011 15:53
0 4

Re: Unser altes Europa

Hochmut kommt vor dem Fall,europa steht vor dem Abgrund,und das ist gut so.

nachdenken
10.12.2011 21:34
4 0

Auch die K&K Monarchie, ist v.a. an der Arroganz seiner "hohen" Beamten zugrundegegangen!


Antworten Gast: Vogel Strauss
11.12.2011 20:16
0 1

Re: Auch die K&K Monarchie, ist v.a. an der Arroganz seiner "hohen" Beamten zugrundegegangen!

Brot und Spiele - auch Rom hat es bereits vorgemacht ...

hast
10.12.2011 21:33
9 0

"Zweitens ist unklar, wie der Europäische Gerichtshof Verstöße gegen die Budgetdisziplin ahndet "

hab gelesen, daß es strafzahlungen geben soll (0,2% des bip), wie bei den maastricht-kriterien.

das ist eine geniale idee!
länder, die mit ihrem geld nicht auskommen, müssen strafe zahlen!

vielleicht kann man sich das geld für diese strafzahlungen dann beim rettungsschirm ausborgen. haben wird man es ja nicht.

Boris
10.12.2011 20:00
1 0

sitzt, passt, hat Luft


so ist es - leider.
Offensichtlich haben die pfiffigsten Indianer die schwächsten Häuptlinge.

Gast: ASVG-Sklave
10.12.2011 19:17
4 1

Europa - in unserem Falle Österreich - ist bald frei


Der "Verlust alter Gewohnheiten" - ist synonym mit der Unfinanzierbarkeit der Privilegien. Lasst es krachen. Danach kommt die Umverteilung.

Gast: b754
10.12.2011 18:53
4 18

ultsch

ein noch größerer suderer als fleischhacker und schellhorn wie wäre es mal mit konstruktiven vorschlägen statt für strache den wasserträger zu spielen

8 0

Re: ultsch

stinkende rote socken vertragen keine Wäsche - äh wahrheit, sondern nur den Wurf in den Abfallvernichter.

 
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