25.05.2012 23:07 | Meine Presse Merkliste 0

2012 und das große Unerwartete

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Wer einen Wahlsieg Hollandes in Frankreich, Obamas Abschied, Assads Sturz oder einen Iran-Krieg vorhersagt, hat deshalb noch lange nicht das prägende Ereignis des neuen Jahres auf der Rechnung.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Prognosen haben, wie Nassim Nicholas Taleb in seiner Theorie des schwarzen Schwanes darlegt, einen kleinen entstellenden Schönheitsfehler. Sie bewegen sich zwangsläufig im Rahmen des Erwartbaren, weil sie das Vergangene nur fortschreiben. Die größten Auswirkungen zieht jedoch das Unerwartete nach sich – das, was der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem unvermuteten erkenntnistheoretischen Anfall einmal „unknown unknowns“ (unbekannte Unbekannte) genannt hat. Tief in die Geschichte graben sich meist Ereignisse ein, mit denen niemand gerechnet hat. Oder hat vor einem Jahr irgendwer den Arabischen Frühling kommen gesehen? Ich jedenfalls nicht.


Man könnte nun angestrengt im ohnehin nicht allzu heiteren Himmel nach überraschenden Phänomenen Ausschau halten. Doch richtig gut kann man sich das Unvorstellbare erst im Nachhinein vorstellen. Und deshalb bleibt auch der folgende Ausblick auf 2012 innerhalb der Leitplanken, die das abgelaufene Jahr vorgezeichnet hat.


Alsdann: Auf die Eurokrise ist auch heuer Verlass; sie wird auflodern, sobald Italien neue Schulden aufnehmen muss, also im Februar. Weitere Orientierung bietet, wenn schon nicht der Maya-Kalender, zumindest der Wahlkalender. Zwei Termine könnten Kehrtwenden einleiten: Sollte der Sozialist François Hollande am 6. Mai die französischen Präsidentenwahlen gewinnen, hätte der Siebzehnerbob im Eiskanal der Eurozone einen Schuldenbremser weniger.


Ein halbes Jahr später entscheidet sich, ob der entzauberte Wunderheiler Barack Obama nach nur einer blockierten Amtszeit schon wieder Geschichte ist.

Triumphieren die Republikaner, werden sie die Axt an die Sozialausgaben anlegen und auch außenpolitisch robuste Werkzeuge auspacken. Zur Konfrontation mit dem Iran könnte es schon davor kommen. Wenn Israel im Schatten des US-Wahlkampfs Luftangriffe auf Irans Nuklearanlagen fliegen sollte. Für Teherans Führung, die ihr für Silvester geplantes Raketentest-Feuerwerk zunächst aufgeschoben hat, könnte es ein Horrorjahr werden. Fällt Syriens Machthaber Assad, verlieren die Mullahs regionalen Einfluss. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich der Arabische Frühling auf das andere Ufer des Golfs ausweitet: Manipulationen bei Irans Parlamentswahlen Ende März könnten der 2009 niedergeschlagenen Protestbewegung Leben einhauchen.


Der Nahe Osten wird jedenfalls auch heuer kaum zur Ruhe kommen: In Ägypten greifen die Moslembrüder nach der Macht. Spielt die Armee mit, wird das die islamistischen Vereinskollegen zwischen Palästina, Syrien und Libyen beflügeln, vielleicht auch die Opposition im ölreichen Saudiarabien. Offen bleibt, ob die Verantwortung mäßigend auf Allahs politisches Bodenpersonal wirkt oder sich Radikalismus Bahn bricht.

Demokratiewelle. Die Königsfrage aber lautet anders: Wird das Volk auch in anderen Weltregionen aufstehen? In Russland stößt Wladimir Putin vor der Präsidentenwahl am 4. März erstmals auf ungehörigen Widerstand undankbarer zorniger Bürger. Auch Zentralasien zeigt Anzeichen von Unruhe. In Venezuela wackelt das System des krebskranken Autokraten Hugo Chávez. Stürzt es ein, werden das auch die Genossen in Kuba zu spüren bekommen. Im totalitären Tollhaus Nordkorea ist kein Aufstand absehbar, aber Kim III. wird rund um den 100. Geburtstag seines Großvaters mit Militärprovokationen den halbstarken Mann markieren.


Und China? Eine Rezession in Europa könnte auch das exportabhängige Boom-Reich der Mitte hinunterziehen, ebenso das Platzen von Spekulationsblasen. Die wachsende Mittelschicht fände das gar nicht lustig. Auch die Diktatur der chinesischen Stamokap-Kommunisten ist nicht auf Granit gebaut. Ob sie ausgerechnet heuer bröckelt, wenn das Zepter an den Kronprinzen Xi Jinping weitergereicht wird? Vermutlich nicht.


Doch irgendwo wird das große Unerwartete passieren. Wir werden es spätestens 2013 schon immer gewusst haben.

(Die Presse am Sonntag vom 1.1.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

32 Kommentare
 
1 2
Gast: so schaut es aus
01.01.2012 14:09
0 0

Bei dieser Ansammlung von geistig Minderbemittelten

unter den US-Republikanern müsste Obama locker gewinnen.
Aber bei den USA kann man nie wissen. Da werde Leute, welche den Unterschied zwischen Afrika und Asien nicht kennen, in Spitzeposten gewählt...

Antworten Gast: Demokierkratie
01.01.2012 14:21
2 2

Ron Paul kennt den Unterschied!

Und wenn Ihnen der Name nichts sagt, dann sind sie genauso fehlgeleitet, wie der Großteil der Amerikaner!

Gast: Der Prophet Ultsch
01.01.2012 13:36
1 4

Der sagt voraus, was er sich wünscht ....

er will wohl, dass der Euro untergeht, dass die rechtsextremen US-Republikaner in den USA siegen, dass weiter von der Mittelschicht zu den Superreichen umverteilt wird. Typische Presse-Ideologie, im Sold der 1 Prozent Steinreichen

Fintofanto
01.01.2012 12:34
4 1

Wie wär's mit dem fast Unmöglichen?


Wir alle erkennen aus dem Rückblick auf 2011 die vorliegenden Fakten und ziehen daraus die Konsequenzen:

Diese Regierung und die in Wien mit beherrschenden GrünInnen haben uns im abgelaufenen Jahr deutlich bewiesen, welche Verachtung und welchen Hass sie der Bevölkerung entgegenbringen.

Also: Was spricht eigentlich gegen einen "Österreichischen Frühling" ? Außer, dass er vielleicht die letzte Chance wäre, dieses Land noch zu retten - und letzte Chancen werden hierzulande beinahe rituell immer in den Sand gesetzt...

Antworten Gast: Demokierkratie
01.01.2012 12:37
2 1

Re: Wie wär's mit dem fast Unmöglichen?

Richtig! Und damit wir Österreichischer nicht noch von unserem eigenen Mut überrascht werden können, haben wir ja noch ein Vierteljahr Zeit bis zum Frühling!

Gast: Demokierkratie
01.01.2012 12:14
3 1

Das große Unerwartete wird sicher auch das große Unwahrscheinliche sein.

Wie wärs mit einem Aufstand des Volkes bei uns? Unwahrscheinlich, aber sehr nötig. Aber vielleicht wird dieses ja durch ein anderes Unwahrscheinlichkeitsereignis verhindert: Krieg zwischen Russland und der EU/Nato? Wer weiß das schon?

Iason
01.01.2012 10:55
0 1

Die Erde dreht sich auch weiterhin um die Sonne,

soviel ist fix!

Alles andere ist Spekulation.
Aber das macht natürlich immer auch ein wenig Spaß.

Der Mensch sucht Sicherheit. Da fühlt er sich wohl. Also versucht er mögliche Szenarien vorauszudenken.
Doch wenn zu viele den gleichen Ausgang erwarten, kommt es fast immer anders als die Masse denkt.
Konträres Verhalten zur Massenmeinung ist daher recht oft anzuraten.

Gast: biersauer
01.01.2012 08:29
1 0

Von allen Unkenrufen tritt aller Voraussicht eher die Vermnmutung der Astroloigen ein:

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9164-prognose-2012

Denn diese verlogene schwarzrote Politik hat auf
jeden Fall KONSEQUENZEN!

Discovery
01.01.2012 07:23
1 0

good news ....

..... from top to bottom; vergessen wurde, daß deutschland die eurozone verläßt!

Gast: Kläfffff
01.01.2012 02:01
0 1

wuff

wau wau
aufhören !!!!
oder: Fass, Bulldogge

Gast: Kläff
01.01.2012 01:26
0 0

fahrt's alle nach Nordkorea

Erst die Bilder von Massenaufmärschen, nun Rhetorik als Waffe: Nordkorea hat in einer Neujahrsbotschaft dem neuen Oberbefehlshaber der Streitkräfte Kim Jung Un unbedingte Gefolgschaft geschworen. Bis zum Tod werde das Land ihn verteidigen, die Bevölkerung sei sein Schutzschild

Gast: 2099
01.01.2012 01:24
1 2

Zum Trottel noch mal

mit den Prophezeiungen dieses Schreibers.
Wenn die "Presse" Format hat, wirft sie ihn sofort hinaus.
Aber die "Presse" hat ja keine Format

Kokopelli
31.12.2011 21:30
2 0

Zuviel Punsch in der Krone?

Der Autor führt nichts wirklich Unerwartetes ins Treffen. Die Natur könnte so etwas sein, ein Erdbeben, Vulkanausbruch, Kometeneinschlag, Superwelle, aber auch Atombombe, ein globaler Terrorakt. Für die angeführten Themen benötigt man wahrlich keine Hellseherkugel. Aber die Kommentare zum Kommentar lassen nur einen Schluß zu: zuviel des Alkohols! Die österreichische Seele ist tatsächlich krank. Ringel, schau oba!...

Antworten Gast: Von der Dummheit zum Quadrat
01.01.2012 01:59
2 1

Zuviel Punsch in der Krone? Ja

und für diesen Schwachsinn wird er auch noch bezahlt.

Gast: b754
31.12.2011 20:47
7 7

alleine der satz über obama zeigt welch kleingeist der schreiber ist


Gast: speibender regenbogen
31.12.2011 20:06
3 1

die hysterie ist nicht mehr auszuhalten!

der erste jänner ist ein rein zufällig gewähltes datum für den jahresbeginn, es hat weder astronomisch, noch astrologisch oder meteorologisch irgendeine relevanz.

Kyniker
31.12.2011 20:05
12 1

@ „Die größten Auswirkungen zieht jedoch das Unerwartete nach sich – das, was der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem unvermuteten erkenntnistheoretischen Anfall einmal „unknown unknowns“ (unbekannte Unbekannte) genannt hat. Tief in die Geschichte graben sich meist Ereignisse ein, mit denen niemand gerechnet hat.“






etwa, dass 2012 der Vatikan die Österreicher mit keinen erzkonservativen Bischöfen wie Wagner beglücken wird…?






Kyniker
31.12.2011 20:04
12 1

@ „Die größten Auswirkungen zieht jedoch das Unerwartete nach sich – das, was der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem unvermuteten erkenntnistheoretischen Anfall einmal „unknown unknowns“ (unbekannte Unbekannte) genannt hat. Tief in die Geschichte graben sich meist Ereignisse ein, mit denen niemand gerechnet hat.“






etwa, dass 2012 Ratzinger´s Pius-Brüder das 2. Vatikanuum anerkennen…?






Kyniker
31.12.2011 20:03
12 1

@ „Die größten Auswirkungen zieht jedoch das Unerwartete nach sich – das, was der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem unvermuteten erkenntnistheoretischen Anfall einmal „unknown unknowns“ (unbekannte Unbekannte) genannt hat. Tief in die Geschichte graben sich meist Ereignisse ein, mit denen niemand gerechnet hat.“






etwa, dass 2012 Papst Ratzinger zurücktritt und es unter Johannes XXIV. zu Glasnost und Perestroika kommt…?






Gast: Mutatio rerum
31.12.2011 19:38
1 0

Der status quo bleibt nicht so!

Prosit 2012!

Gast: Die Glaskugels
31.12.2011 19:27
1 0

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, das ist richtig ...

dass die Nordafrika und der Nahe Osten islamistsich wird, ist auch ziemlich sicher. Alles andere was der Typ schreibt, sind wohl Sache, die er und die Presse sich wünschen, aber keineswegs gewiss.

Gast: Martin64
31.12.2011 18:47
6 6

NW 2012


In Österreich wird überraschend, aber doch, ein neuer Nationalrat gewählt !!
Nicht überraschend wird das Ergebnis sein !!

Lichtermeere aller Länder vereinigt euch !


Gast: zamg
31.12.2011 18:39
1 0

gut zusammengefasst,

2012 kann kommen!

4 8

Obama

Ich bin nun wahrlich kein Obama Fan. Aber er hat sich nicht selbst so hochstilisiert - die Medien und wer noch hat ihn so hochgejubelt. Da kann der Arme ja nur noch fallen, weil ihn alle auf ein Stockerl stellten und mit 1 Mio. Erwartungen bekränzten. Dass er das nie erfüllen kann, war doch wohl jedem mit Hausverstand damals schon klar.

Antworten Gast: speibender regenbogen
31.12.2011 20:00
4 8

Re: Obama

er hätte halt die truppen aus dem irak früher abziehen sollen, er hätte nicht versprechen sollen, guantanamo zu schließen, wenn ers nicht kann, und das "yes, we can!" hätte er auch nicht so sehr strapazieren sollen. sie können es eben nicht, die "demokraten". aber intelligente menschen haben ja schon vor seiner wahl erkannt, daß er nur ein blender ist, dessen einziges (selbst?)gewähltes ziel war, als erster schwarzer ins weiße haus einzuziehen.

0 9

Re: Re: Obama

Sehen Sie, Regenbogen, das denke ich nicht. Er hat sicherlich wirklich gute Ziele für die amerikanische Bevölkerung. Aber Amerika ist auf den Säulen gebaut, die eher weniger links liegen.

 
1 2

Mehr Kommentare:

Top-News