24.05.2013 23:12 Merkliste 0

Die SPÖ und ihre liebste Propagandasteuer

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Wer sein Vermögen vor dem nächsten Zugriff des Raubritterstaates Österreich in Sicherheit bringen will, sollte schleunigst das nächstgelegene Notariat aufsuchen.

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Irgendwie verlief der Start in das neue Jahr ziemlich vielversprechend. Zumindest dann, wenn man zu jenem großen Teil der Bevölkerung zählt, der Veränderungen nicht mit uneingeschränkter Begeisterung begegnet. Vor allem die Politik sorgte in diesem Zusammenhang für Stabilität. Das neue Jahr begann nämlich so, wie das alte endete: mit einer Debatte, wie denn die ohnehin atemberaubend hohe Steuerquote des Landes von 42 Prozent der Wirtschaftsleistung weiter nach oben zu treiben wäre. Hochdekorierte Ökonomen sehen zwar keinen Spielraum, den Österreichern noch mehr Geld aus den Taschen zu ziehen, davon lassen sich die Sozialdemokraten aber nicht verschrecken. Nach Akademikersteuer, Reichensteuer, Millionärssteuer und Immobilienzuwachssteuer versucht es die SPÖ zu Jahresbeginn mit der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer.

Nicht wirklich neu ist auch die argumentative Unterfütterung des detaillierten Plans (siehe Artikel auf Seite 1):Erstens brauche der Staat dringend Geld, zweitens sei eine Sanierung des Haushalts ausgabenseitig nicht zu machen und drittens wäre es nur gerecht, „arbeitsfreie“ Einkommen kräftig zu besteuern. Während sich nämlich die Reichen bestenfalls über die Temperatur des Champagners zu echauffieren hätten, bangt die österreichische Arbeiterschaft um ihren Arbeitsplatz, deshalb sollten auch die Besitzenden etwas abgeben.

Naturgemäß bedienen sich Staaten dort, wo es etwas zu holen gibt. Das ist in aller Welt so. Eine österreichische Eigenheit ist allerdings die beinahe schon beeindruckende Konzeptlosigkeit, der die Steuervorschläge folgen. Die Kanzlerpartei gibt sich nicht einmal die Mühe, die Bevölkerung mit einer nachvollziehbaren Idee für eine Änderung des herrschenden Steuersystems zu gewinnen. Stattdessen wird banal die Gerechtigkeitskeule geschwungen, als wäre vererbtes Vermögen generell der Besteuerung entzogen. Dabei ist Erbe nichts anderes als gespeichertes Einkommen, auf das der Staat mindestens einmal zugegriffen hat. Hierzulande geschieht das während des Aufbaus von Vermögen über hohe Steuern auf Arbeit. Besitz ist in Österreich ja nicht deshalb ungleich verteilt, weil wenige so viel haben. Sondern weil der Staat einen abenteuerlich hohen Teil der Erwerbseinkommen für sich beansprucht. Wer hierzulande 4000 Euro brutto verdient, wird bis Mitte August zum staatlichen Frondienst genötigt.

Nun könnte die SPÖ diese exzessive Besteuerung (an deren Zustandekommen sie federführend mitgewirkt hat) als ungerecht anprangern und für eine niedrigere Belastung von Einkommen plädieren, um im Gegenzug höhere Erbschaftssteuern zu fordern. So machen das auch kapitalistische Länder wie die Schweiz und die USA. Mit dem Vorteil, dass sich die Bürger den Antritt des Erbes auch leisten können, weil sie die Steuer aus eigener Hände Arbeit erwirtschaftet haben. Statt das Erbe (etwa ein Haus) verkaufen zu müssen, um die anfallende Steuer bezahlen zu können.


Von einer dahingehenden Änderung des Steuersystems ist aber keine Rede. Warum nicht? Weil die SPÖ weniger an einer breiten Wohlstandsvermehrung interessiert ist als an einem möglichst großen Heer von Bürgern, deren Einkommen vom Wohlwollen umverteilender Politiker abhängt. Deshalb sind nicht die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer zu erhöhen, sondern jene des Staates, der dann via „gerechte“ Politiker den gönnerhaften Onkel spielen kann, bei dem die zuvor ausgenommenen Bürger artig ihr Dankes-„Knickserl“ machen dürfen. Hinzu kommt, dass Reichtum für die Linke eben noch immer so etwas wie ein nicht zu tolerierender Diebstahl am Volksvermögen ist.

Um nun beides zu bekommen – hohe Steuern auf Einkommen und geerbtes Vermögen – wird ungeniert die Legende vom armen Staat bemüht, der wegen der Finanzkrise unter bitterer Geldnot zu leiden habe. Obwohl die Steuereinnahmen von einem Rekord zum nächsten eilen. Potenzielle Erblasser sollten sich also schleunigst zum nächstgelegenen Notariat aufmachen, so sie den Zugriff des Staates auf das vor der Weitergabe stehende Vermögen für unverschämt halten. Für diese Gruppe der Bevölkerung wird 2012 nämlich weniger zufriedenstellend enden, als es begonnen hat.

 

E-Mails an: franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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147 Kommentare
 
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Gast: Wetterhahn
04.01.2012 10:33
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Bloeder kann man ja wirklich nicht mehr argumentieren:

"Besitz ist in Österreich ja nicht deshalb ungleich verteilt, weil wenige so viel haben. Sondern weil der Staat einen abenteuerlich hohen Teil der Erwerbseinkommen für sich beansprucht."

Re: Bloeder kann man ja wirklich nicht mehr argumentieren:

stimmt doch!

der Staat macht es unmöglich, durch Arbeit und Leistung Geld zu kumulieren . dadurch ist (vor-)Besitz viel Wert.


und weil diese umverteilung so funktioniert ist der besitz ungleich verteilt?

oh herr, schmeiss hirn vom himmel.

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Der Kritik in diesem Kommentar

ist voll zuzustimmen.

leider wurde vergessen, dass sich auch die anderen parteien, die so gern Staatstragend wären, auch keine Ideen haben und andere Möglichkeiten vorstellen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Sozialisten hier einen gefährlichen Kurs verfolgen, im Prinzip ist das derselbe kurs wie der orbans in Ungarn, nur anders politisch gewendet.

Das sollte man in der Diskussion auch einmal hervorheben.

Gast: Bärenfalle...
04.01.2012 09:15
4 1

Köstlich.

Dem gequälten Aufschrei der linken Seite kann man entnehmen, Schellhorn hat voll ins Schwarze getroffen.

"Weil die SPÖ weniger an einer breiten Wohlstandsvermehrung interessiert ist als an einem möglichst großen Heer von Bürgern, deren Einkommen vom Wohlwollen umverteilender Politiker abhängt."

Bullseye !

Und weil das so gut funktioniert und zu allgemeinem Reichtum und Wohlstand führt neigt der Sozialismus immer dazu seine von ihm beglückte Bevölkerung vorsorglich einzusperren ;)

Bleibt nur noch die Frage wann Wien endlich seinen "antifaschistischen Schutzwall" errichtet ?

Wir armen Ausgesperrten, die wir unter dem Übel Marktwirtschaft zu leiden haben werden schmeißen euch dann gelegentlich ein paar Bananen rüber. Versprochen !

Ansonsten empfehlen sich, um die Vorzüge des realisierten Sozialismus zu genießen die Auswanderungsziele:

Kuba, Nordkorea oder von mir aus Venezuela.

Ich schau dann um 10 wieder vorbei wenn in der Löwelstrasse Dienstantritt ist, werden rote Kampfpostings eigentlich aus Failmanns Werbebudget bezahlt oder geht das auf die Partei ?

Gast: odin C.
04.01.2012 05:14
3 9

FRANZ SCHELLHORN IST DER TYPISCH RECHTE IDEOLOGE

Jämmerlich für die Presse, wenn solches ideologisches Gewäsch als Leitartikel erscheint.

Antworten Gast: sel.ber
04.01.2012 07:25
3 8

Re: FRANZ SCHELLHORN IST DER TYPISCH RECHTE IDEOLOGE

Schellhorn ist doch schon immer ein rein rechter Propagandist.

Gast: gast87
03.01.2012 20:25
5 8

...

Tut mir leid, aber ich kann nicht nachvollziehen wie hier alle dem Herrn Schellhorn als "Experten" aufsitzen. Er übertrifft sich doch jedesmal selbst mit seinen Artikeln, in denen die Grundaussage diejenige ist, dass mehr Globalisierung, mehr Freiheiten für die Finanzmaerkte und weniger Staat für uns alle gut waeren. Globalisierungsverlierer, steigende Einkommensschere und perverse Auswüchse in den Finanzmaerkten scheinen ihn nicht zu interessieren. Allein die Wortwahl "Raubritterstaat" gehört eher in die Krone. Davon, dass es gerade den EU-Staaten mit guten Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystemen noch gut geht wird einfach ignoriert.

P.S. Ich find den Erbschaftssteuerentwurf in dieser Form auch nicht gelungen, aber Schellhorn ist nicht mehr als ein geschickter Lobbyist.

1 0

Re: ...

aber hier geht es um neue Steurn in Österreich, nicht um Finanzmärkte oder Bankenrettung oder sonstwas in der Art

Antworten Gast: Wanderer.
04.01.2012 05:15
0 1

Re: ...


Volle Zustimmung, gast87

Gast: Absenden Ihres Kommentares
03.01.2012 19:57
8 2

Immobilienpreise

Ein paar Beispiele zu den aktuellen Immobilienpreisen in Graz:

Eigentumswohnung, Bj 2000, 80m² und Garagenplatz: 200.000,-

Eigentumswohnung, Bj 2010, 82 m² und Autoabstellplatz: 285.000,-

Reihenhaushälfte, Bj 2010, 90 m² und Autoabstellplatz: 330.000,-

ERGO:
Die 400.000,- Euro Freigrenze erreichen wir für eine 3-Zimmer-Eigentumswohnung in Graz schon in geschätzten 5-7 Jahren.

Falls die Freigrenze NICHT indexangepasst wird, trifft die Erbschaftssteuer bald mehr Österreicher, als so mancher Bürger denkt.

Wenn die SPÖ nur die "G'stopften" trefften wollte, wäre sie bei der Freigrenze von 1 Mio geblieben.


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Re: Immobilienpreise

die 400.000 sind in Tirol schon erreicht, in Salzburg auch.

Stellen sie sich vor, in Paris würde sowas schon 4.000.000 kosten. Ist der dann reich, oder hat er nur ein 80 m2 Wohnung.

Andrs gesagt: nach der sozialistischen Lehrmeinung wird eine Hand mit manikürten Nägeln abgehackt, mit schmutzigen Nägeln geküsst

Antworten Gast: Datenmeer
04.01.2012 09:50
1 0

Re: Immobilienpreise

In Wien wurde die 400.000er Grenze (dank Wirtschafstkrise und explodierender ImmoPreise) bereits geknackt.

Für eine 90m2 sanierte Wohnung (sanierter Altbau) hat man 2007 innerhalb des Gürtels im Schnitt um die 300.000,- gezahlt. Heute legt man dafür (wenn überhaupt freie Wohnungen vorhanden sind) um die 400.000 bis 450.000 hin.

Antworten Gast: Wanderer.
04.01.2012 07:23
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Re: Immobilienpreise

Sie vergessen, dass Kinder und Ehegatten auch für Erbe über 400.000,- eine sehr geringe Steuer zu zahlen hätten.

Und wenn sonst jemand, der nicht verwandt ist, ein so hohes Erbe erhält, der kann doch dafür auch Steuer bezahlen. Das ist mehr als gerecht!


wieder einmal auf den Mittelstand

grosse Vermögen werden von der Erbschaftssteuer nicht erfasst -> Stiftungen. Es geht also wieder einmal nur darum den Mittelstand (ausgenommen Bauern+Gewerbetreibende) auszusackeln, indem mehrfach versteuertes Einkommen einer weiteren Besteuerung unterzogen wird. Das Ganze ist extrem ungerecht und leistungsfeindlich.

Gast: CL
03.01.2012 19:09
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Na

wenigstens dieses Problem (mit dem großen Erben) stellt sich bei mir nicht (wirklich)!

Deshalb lasse ich gerne andere darüber meckern!

Gast: gäst
03.01.2012 17:18
4 10

ist das tatsächlich ernst gemeint?

"Dabei ist Erbe nichts anderes als gespeichertes Einkommen, "
Gespeichertes Einkommen also. Ob 5 Zinshäuser des verstorbenen Vonzuetc. oder ein paar alte Möbel von der Mitzitant, Putzfrau in vierter Generation - alles gespeicherte Einkommen!
Für wie blöd hält uns dieser Ideologe eigentlich?

Re: ist das tatsächlich ernst gemeint?

Ideologen sind wirtschaftsliberale selten. Diese Krankheit ist meist eine linke. mehr ist Ihnen ja nicht geblieben als die Ideologie. In der Praxis scheitern sie. deswegen habe ich "gewechselt". Nur schöne Theorie nervt irgendwann-wenn man die Zeit der jugendlichen Rebellion hinter sich lässt. Vermögen wurde auch irgendwann erarbeitet. für echte kriminalität gibt es sowieso andere Gesetze. Und arbeiten heisst sicher nicht, dass man schwitzen muss. Tu ich in meiner auch nicht, habe aber mehr stress als die meisten Arbeiter.
Ein Professor, der im Kommunismus groß wurde, spricht bei Steuern immer von Diebstahl....Wahrnehmungen

Antworten Gast: mh
04.01.2012 17:23
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Re: ist das tatsächlich ernst gemeint?

Die Roten wollen die Zinshäuser und sogar die Möbel der Mitzitant rauben und sie an ihre Clans verteilen und diesen Raubkommunismus finden Sie und Frl. Rudas äußerst intelligent....

Wahnsinns- Gebührenerhöhungen in Wien, ORF etc. genügen nicht...

Die meisten Leute nennen so etwas "eine Frechheit"


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Re: ist das tatsächlich ernst gemeint?

gespeichertes 'versteuertes' Einkommen

Re: ist das tatsächlich ernst gemeint?

Als die Mitzitant die Möbel gekauft hat, wurden sie versteuert.
Ich seh nicht, was den Staat das angeht. ;)

Antworten Antworten Gast: gäst
03.01.2012 19:54
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Re: Re: ist das tatsächlich ernst gemeint?

Es kommt noch Dicker:
Als die Mitzitant zusammen mit ihrem Gatten die Möbel verkauft hat, taten sie das mit versteuertem Einkommen! Ein ewiger Zyklus!

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Und jetzt der Realitätscheck:

Es gibt in Österreich weniger zu vererben als hier vorgegaukelt wird:

Im Jahr 2006 gab es etwa 80.000 Erbfälle. 97% dieser Fälle betrafen ein vererbtes Vermögen unter der symbolträchtigen Schillingmillion (also 73.000 Euro). Diese 97% der Erbfälle sorgten allerdings nur für 44% des Aufkommens an Erbschaftssteuer. Die restlichen 56% kamen von 3% der Fälle, also etwa 2.000 Personen. Von fünf Fällen wurden 22,4% des gesamten Erbschaftssteueraufkommens erbracht.

noch mal in kürze für unsere sozen

und deren kampfposter, die sich hier zu tummeln scheinen, sowie für unsere politclowns und beamteten parasiten:
würde nur ein drittel der möglichen verwaltungsreformen umgesetzt, gäbe es keinerlei erfordernis für steuererhöhungen!

Antworten Gast: gäst
03.01.2012 17:15
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Re: noch mal in kürze für unsere sozen

Du behauptest also tatsächlich, dass bei einem Drittel "der möglichen Verwaltungsreformen" 10 Milliarden euro zusammenkommen? Wer soll dass denn bitte glauben? Das ist doch lächerlich. Siehe Steiermark. Selbst wenn dort alles durchgeht erreichen die Einsparungen mit Sicherheit nicht einmal eine Million euro.

Re: Re: noch mal in kürze für unsere sozen

erstens sind wir nicht per DU und zweitens behaupte das nicht ich, sondern der WK präsident; ein mann, den ich im gegensatz zu den bezahlten sp postern hier für sehr kompetent halte.

 
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