25.05.2012 23:07 | Meine Presse Merkliste 0

Ein Entscheid für das Heer statt Eurofighter-Populismus

RAINER NOWAK (Die Presse)

Das SPÖ-Sekretariat verwendet das marode Heer als mediales Füllmaterial. 2012 muss die Regierung die sicherheitspolitische Zukunft entscheiden. Oder die Wähler.

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Norbert Darabos muss seinem Nachfolger im vergleichsweise gemütlichen Job eines SPÖ-Bundesgeschäftsführers dankbar sein. Günther Kräuter hat zu Beginn der Woche bewiesen, dass es mit ihm einen noch weniger geeigneten SPÖ-Politiker für das Amt des Verteidigungsministers gäbe. Die Forderung des SPÖ-Generals, zwecks Sparkurses die Eurofighter zu verkaufen, legt zudem den Verdacht nahe, dass er sein Büro ausgemistet hat. Tief unten in der Themenmottenkiste fand er offenbar gleich neben den Vermögensteuern das Aus für die Fluggeräte. Mit dieser Forderung hatte ein gewisser Norbert Darabos schon einen Wahlkampf gegen Wolfgang Schüssels ÖVP bestritten. Im Anschluss musste der erfolgreiche SPÖ-Geschäftsführer in seiner neuen Funktion als Verteidigungsminister zwar erkennen, dass ein Ausstieg aus dem Vertrag nicht möglich ist, und später sogar, dass Österreichs Luftüberwachung notwendiger Teil der Landesverteidigung ist, aber das ficht Herr Kräuter nicht an.

Immerhin ist Ferienzeit, die interne Konkurrentin Laura Rudas ist mit Nikolaus Pelinkas Wechsel in den ORF beschäftigt, da muss Kräuter jede Chance nützen, in die Medien zu kommen. Und immerhin konnte sich Norbert Darabos das erste und vermutlich letzte Mal schützend vor das Heer stellen: Bei den tatsächlich teuren Eurofightern und ihren Piloten (sowie den Hubschraubern der Marke Blackhawk) handelt es sich um das einzige Gerät plus Truppe, mit denen Österreich im europäischen Vergleich gut abschneidet. Dass ein Verkauf nur künftige Kosten bedeuten würde, da das neutrale Österreich Ersatz teuer kaufen oder mieten müsste, sei nur der Vollständigkeit halber noch einmal erwähnt.

Aber der Vorstoß zeigt nicht nur Kräuters Affinität zum schnellen Populismus, sondern auch die Haltung seiner Partei zum Bundesheer. Die SPÖ interessiert sich nur dafür, wenn es sich als Mittel eignet, in Umfragen ein paar Prozentpunkte zu machen. Das war im erwähnten Wahlkampf so, das erlebte im 180-Grad-Schwenk in der „Krone“ von Michael Häupl und Werner Faymann von der Verteidigung der allgemeinen Wehrpflicht auf Einführung eines Berufsheeres seinen Höhepunkt. Natürlich steht die SPÖ mit ihrem zynischen Umgang mit dem Heer nicht allein da.

Die seit 1986 ununterbrochen regierende ÖVP hat nie etwas dagegen unternommen, dass ausgerechnet ein neutrales, also auf sich gestelltes Land im europaweiten Vergleich – gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt – fast am wenigsten für die Landesverteidigung ausgibt. Anhänger des Arguments, Österreich habe ohnehin keine Bedrohung zu fürchten und könne daher kostengünstig abrüsten, seien daran erinnert: 1989 verschwand eine Bedrohung über Nacht, eine andere kann auch schnell wieder kommen. Zudem gehört zur europäischen Solidarität die Teilnahme an internationalen Einsätzen, dafür braucht man ein gut ausgerüstetes Heer. Wie schlecht es um die Infrastruktur bestellt ist, ist zwar ein gut gehütetes Geheimnis. Was aber Präsenzdiener erzählen und dem Rechnungshof bisweilen auffällt, ist erschreckend genug. Desolate Kasernen und Material, das nach der Kuba-Methode konserviert wird: Bevor sich ein Lkw oder ein Sturmgewehr nicht völlig auflöst, wird es wieder und wieder repariert.

Diese Situation wird sich aufgrund der allgemeinen finanziellen und der spezifischen politischen Rahmenbedingungen nicht verbessern. Aber es wäre höchst an der Zeit, die Zukunft zu klären: Die SPÖ und ihr temporärer Statthalter in der Rossauer Kaserne müssen endlich einsehen, dass es kein schnelles, schickes Berufsheer zum selben Geld wie heute geben kann und wird. Es kostet mehr. Es sei denn, die SPÖ will kein Heer, dann soll sie es aber offen sagen. Auf der anderen Seite der Regierungsbank muss die ÖVP erkennen, dass ihre konservative Position unmöglich zu halten ist: Selbst ein Heer mit Präsenzdienern muss kleiner und professioneller werden. Das Beste wäre eine echte Entscheidung. Wenn die Regierung zu einer solchen wieder einmal nicht in der Lage ist, könnten notfalls die Wähler helfen und darüber abstimmen. Die ÖVP lehnte dies bisher zwar ab, im nicht unpeinlichen Werben um die FPÖ zwecks Schuldenbremsenverankerung wäre dies nicht die schlechteste Idee für mehr direkte Demokratie.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2012)

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17 Kommentare
Gast: Kryptophyt
13.01.2012 20:16
0 0

Erfahrungswerte vielzitierter EU-Mitgliedstaaten ...

http://www.oeog.at/ow10/2011/12/nr-281211-haben-sich-berufsarmeen-bewahrt/

Das Zahlen von Steuern und Abgaben schmälert auch mein Gehalt ... soll dies auch auf Freiwilligkeit basieren?

Im Ernst: Ich glaube nicht, daß jemand ernsthaft seine/ihre demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand geben möchte. Auch der Wehrdienst ist de facto eine solche Möglichkeit.

Und damit es hier nicht heißt: "Na eh klar, der Herr General ..." ein Link zur AG Friedensforschung nach Deutschland: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Austria/wehrpflicht2.html

Gast: africano
04.01.2012 18:17
0 0

Nur noch gruselig und grauslich diese SOZEN.

Überall wo sie sich einmischen ,versuchen sie es gegen die Wand zu fahren.

0 0

(Sprachliche) und andere Peinlichkeiten ...

Nowak scheint sich sprachlich-grammatikalisch dem heimischen Boulevard-Niveau annähern zu wollen:

"... dass ausgerechnet ein neutrales, also auf sich gestelltes Land im europaweiten Vergleich – gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt – fast (sic!) am wenigsten für die Landesverteidigung ausgibt."
- oder "Bevor sich ein Lkw oder ein Sturmgewehr nicht (sic!) völlig auflöst, wird es (sic!) wieder und wieder repariert."
- oder "Die ÖVP lehnte dies bisher zwar ab, im nicht unpeinlichen (sic!) Werben um die FPÖ zwecks Schuldenbremsenverankerung ...".

Abgesehen vom - durchaus peinlichen - Sprachstil: Was angesichts der realpolitischen Pattstellung zwischen SPÖ/Grünen einerseits und ÖVP/FPÖ/BZÖ andererseits PEINLICH sein soll an offenkundig ernsthaften schwarz-blauen Verhandlungen zur Frage der Schuldenbremse, weiß wohl auch nur Herr Nowak.

Columbo
04.01.2012 10:20
1 2

dass die Wehrpflicht ein unhaltbares Relikt ist, weiß Spindelegger auch schon !

er ( Spindelegger ) hat die undankbare Aufgabe seine Partei als Keil zwischen der grundlegend richtigen Position der SPÖ ( Profiheer mit Freiwilligen ) und der unsäglich vorgestrigen Rechtsideologie-Position der FPÖ ( riesige Soldatenverheizungsarmeen und Öster-ReichsArbeitsDienst ) zu positionieren und gleichzeitig mit der SPÖ im Hintergrund die Verschlankung und Professionalisierung des Heeres auszuführen.

derfreund
04.01.2012 09:44
0 0

Was ist die neue Bedrohung?

Aus diesem Nowak könnte in bestimmten Zeiten ein guter Schreibtischtaeter werden!

1 3

Also was jetzt ??

Ist es wahr, daß der Darabos mit 1,2 Promille beim Autofahren erwischt wurde ???
es gilt (noch) die Unschuldsvermutung.

NEUWAHLEN !!!!
Jetzt !

Arethas
03.01.2012 23:26
1 1

Mehr Verständnis

"Günther Kräuter hat zu Beginn der Woche bewiesen, dass es mit ihm einen noch weniger geeigneten SPÖ-Politiker für das Amt des Verteidigungsministers gäbe."

Sollte man nicht mehr Verständnis erwarten, wo GenossIn Kräuter doch immerhin GENERAL-Sekretär ist?


Für die Politik ist das Bundesheer

ein Einsparungspotential und kein Werkzeug; was auch etwas über das Niveau unserer Politiker aussagt.

Antworten Gast: b754
04.01.2012 10:23
0 0

Re: Für die Politik ist das Bundesheer

dein niveau können sie aber nicht mehr unterschreiten

Gast: b754
03.01.2012 18:31
2 7

dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen


Antworten Gast: BKM
04.01.2012 08:35
0 1

Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

Dann hat das Heer wenigstens irgendjemanden, der es braucht. Was für Ihren unintelligenten Kommentar nicht zutrifft.

Antworten Gast: testedich
03.01.2012 20:58
0 1

Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

machens doch bitte diesen test:
http://www.testedich.at/quiz02/dasquiztd.php3?testid=1027449512

Antworten Ka_Sandra
03.01.2012 20:50
2 1

Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

Und? Haben Sie zur Abwechslung auch mal einen konstruktiven Vorschlag?

Antworten Antworten Gast: b754
03.01.2012 21:20
1 5

Re: Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

nicht in der rechten presse

Antworten Antworten Antworten Ka_Sandra
03.01.2012 22:14
6 1

Re: Re: Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

Ach sooo, Ihre konstruktiven Vorschläge findet man nur in der LINKEN Presse!

Sie verteilen Ihre Kommentare also nach dem umgekehrten Aschenputtel-Schema: die guten ins Kröpfchen (links), die schlechten ins Töpfchen (rechts). Jetzt ist mir alles klar!

Antworten Gast: 007
03.01.2012 19:25
4 8

Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

Wir werden sie irgendwann an ihren Kommentar erinnern, denn WIR schützen auch EUCH

Antworten Antworten Gast: 4711
03.01.2012 20:16
8 0

Re: Re: dieses heer braucht niemand ausser den schwarzen

Mir wär es aber lieber, wenn das die Deutschen machen, gegen Bezahlung versteht sich.

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