19.06.2013 12:37 Merkliste 0

Zaster, ORF und die Rettungsgasse

Rainer Nowak (Die Presse)

Die erwartete Rückkehr der Mutlosigkeit von Werner Faymann und Michael Spindelegger in Kombination mit Günstlingswirtschaft im ORF ergibt das ideale Klima für den jüngst umworbenen FPÖ-Chef.

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Kurz, ganz kurz hatte es so ausgesehen, als wären Werner Faymann und Michael Spindelegger plötzlich mutig geworden. Knapp vor Weihnachten mutierte der bisherige Brief-an-die-„Krone“-Schreiber plötzlich zum „glühenden Europäer“, setzte sich der Kanzler gemeinsam mit seinem Vize plötzlich für die Verankerung der Schuldenbremse in der österreichischen Verfassung ein. Zuvor hatte ihn Angela Merkel zur Seite genommen und Klartext geredet. Aber wie auch immer.

Einen Moment sah es tatsächlich so aus, als würden die beiden Parteichefs mit der ungesunden Tradition brechen, vor jeder Entscheidung und vor jedem Verhandlungstermin die Landeshauptleute und die Sozialpartner in der eigenen Partei zu informieren, um mit ihnen das Vorhaben schon vorab zu verwässern. Und eine Weile schien auch ÖVP-Chef Spindelegger Gefallen daran zu finden, das zur zaghaften Deckung der Staatsschuld notwendige Geld nicht durch neue Steuern, sondern durch Einsparungen aufzutreiben, wie sie viele Länder schon vorgenommen haben.

Selbst Gewerkschaftsminister Rudolf Hundstorfer hielt sich zurück, er sonnte sich wie sein Gegenüber Reinhold Mitterlehner vom halbwackeren Wirtschaftsbund im Image der guten Regierungsonkel.

Davon ist nicht viel geblieben. In der SPÖ übernahm Werner Muhm von der lokalen Arbeiterkammer-Filiale die Verhandlungen und stellte klar, das Sparpaket als Chance zur stärkeren Umverteilung wahrnehmen zu wollen. In der ÖVP erhob der ÖAAB sein hungriges Haupt, Johanna Mikl-Leitner kündigte namens der Parteispitze, also dem St.Pöltner Landesfürsten, die Einführung einer Zastersteuer an, und seither wird nur der Tiroler ÖVP-General Johannes Rauch nicht rot, wenn ein ÖVP-Politiker neue Steuern dementiert. Zwar hat sich die ÖVP-Spitze nun auf Sparvorschläge eingeschworen, aber genau wie ihre Kollegen von der SPÖ handeln sie vor allem nach dem Vorsatz: Bluten sollen die anderen. Bei der SPÖ ist nur von Einschnitten und Steuern der Wirtschaft die Rede, auf die sie bei der Arbeitsplatzsicherung sonst gern baut. Bei der ÖVP geht es um die ÖBB, von der üppigen Landwirtschaft ist wenig zu lesen. Immerhin vertritt Spindelegger die Minimalmaßnahme eines finanziell angeschlagenen Staates: Aufnahmestopp für Beamten in mehreren Ressorts. Ansonsten scheint der Mut schon vor der Verkündigung der Entscheidungen aufgebraucht zu sein. Viel lieber spielen die Strategen das Wer-mit-wem-Spiel. Schwarz und Blau kommen sich im Sandkasten näher, die SPÖ sucht noch nach den Grünen.

Im ORF führt Nikolaus Pelinka vor, wie gut das junge ORF-Gesetz funktioniert und unabhängig die geschätzte TV-Anstalt ist. Stimmt, Pelinkas Frisur und sein Umgang sollten kein Anlass für Kritik sein, aber die Tatsache, dass der wichtigste Mann der SPÖ im Aufsichtsrat des ORF der wichtigste Mann im Büro des ORF-Chefs wird, ist ein großer.

Irgendwie wird man in dem Land den Eindruck nicht los, dass SPÖ, ÖVP und die Kleinen alles unternehmen, um für Herrn Strache die Bahn frei zu räumen. Die Bildung der politischen Rettungsgasse funktioniert. Und Strache geht es gut dabei.

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2012)

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31 Kommentare
 
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Gast: Masta
09.01.2012 18:44
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ÖBB vs. "üppige" Landwirtschaft

Dem Journalisten dürfte nicht bekannt sein, wieviele Milliarden jährlich für die ÖBB ausgegeben werden und wieviele Millionen im Vergleich dazu für die Landwirtschaft; das Wort üppig ist da wohl ausschließlich im Zusammenhang mit den Subventionen für die Staatsbahn angebracht. Ich warte schon darauf, bis derselbe Journalist, wenn die nächsten Verhandlungen zum EU-Agrarbudget anstehen, uns etwas von der Notwendigkeit der ländlichen Entwicklung, der Förderung von Landschaftspflege und Biobetrieben und der Rettung unserer Bergbauern erzählt. Zum Nulltarif kann es das jedenfalls nicht geben! Da bekommt man statt dessen niederländische Verhältnisse, wo Schweine in Fabriken mit mehreren Stockwerken gehalten werden und extremer Düngemittel- und Pestizideinsatz die Norm ist.

Was die Frage möglicher Einsparmöglichkeiten bei den ÖBB betrifft, erübrigt sich diese sofort, wenn man einen gewissen Herrn Pelinka, der bis zuletzt dort angestellt war, stellvertretend für andere dort auf Steuerzahlerkosten versorgter SPÖ-"Freundeskreismitglieder" fragt: -- "Wos woa eigentlich dei Leistung?" --

Eine andere interessante Frage:
Wieso ist es politisch korrekt, den Herrn Grasser wegen seiner Frisur und mancher Charakterzüge in den Medien zu diffamieren, nicht aber den Herrn Pelinka?

Gast: zorro der unbestechliche
09.01.2012 17:16
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wer regiert ?

die gesetze kommen aus Belgien, werden im Parliament umgesetzt,wurden geschaffen von merkozy und ungewählten Beamten. also können unsere politikler nur noch almosen aus vollen hosen verschenken. zum glück ist die haut so dick, daß man ohne rückrat stehen kann. entsprechen also der volksseele. wer glaubt, dass strache es besser macht, sollte bedenken, daß alle von der partie , die schon schreiben oder lesen konnten (forstinger, sickl, grasser, etc...) zwischen sehr peinlich und kriminell waren., aber kärnten hat ja noch ein paar exemplare zur diktaturbeschaffung und verscheuchung jedes freien gedankens.

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Hätten wir uns diesen

unüberlegten Euro-Irrsinn nicht einreden lassen-ginge es uns allen besser.

Re: Hätten wir uns diesen

Glauben Sie wirklich, mit dem ATS weniger abgezockt worden zu sein?

Dem EUR habe wir zu verdanken: Einige, etwas über dem ATS liegende Exporterfolge (aus der EU, am Anfang, als der Außenwert noch wesentlich niedriger war) und die Zahlungen zu den Rettungsschirmen.

Das wäre im Prinzip ungefährer Gleichstand, hätte man die "Exporterfolge" nicht bereits an Freunde und Klientel verteilt.

Merkel sollte sich für Fayman und Spindelegger mehr Zeit nehmen!

Ansonsten vergessen die Beiden sehr schnell die Anweisungen oder kapieren beim ersten mal nicht richtig. Auffallend ist aber, dass Merkel für Sarkozy mehr Zeit hat!

Re: Merkel sollte sich für Fayman und Spindelegger mehr Zeit nehmen!

Merkel ist, im gegensatz zu den Kammer-Marionetten der Alpenrepublik, lernfähig.

Beim nächsten Gipfel kriegt unser BK-Darsteller daher die Anweisungen hoffentlich in Schriftform mit.

Antworten Gast: mens sana
09.01.2012 14:25
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Re: Merkel sollte sich für Fayman und Spindelegger mehr Zeit nehmen!

Da setzt Merkel die richtigen Prioritäten. Sarko ist allemal wichtiger als Failman und Speichelegger.

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Einige wenige (nein, viele) teilen sich die Privilegien

auf Kosten der Steuerzahler.

Interessant ist, dass diese privilegierten Leute (keine Leistung und viel Steuergeld kassieren) das gar nicht so empfinden.


Re: Interessant ist, dass diese privilegierten Leute (keine Leistung und viel Steuergeld kassieren) das gar nicht so empfinden.

Wie sollten sie auch?

Nie etwas ernsthaftes, mit Konkurrenz, gearbeitet, nur in diesem geschützten Verteilungsbereich groß geworden.

Die kennen nichts anderes, für die ist das der Normalzustand.

Gast: pächter der wahrheit
08.01.2012 22:33
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Der österreichische Kindergarten

Wenn ich das nicht kriege dann bekommst Du dass nicht usw.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807819,00.html

eine neue qualität der koalitionären leadership

ist nun zugange.
die spö arbeitet in sechs arbeitsgruppen, die övp nur in fünf.
was die autofahrer nicht schaffen, das gelingt faymann und spindelegger locker.
die "rettungsgasse", sprich freie fahrt zur österreichischen (unfall)spitze.
wenn die fpö dort eintrifft, wird es eher eine "rue de gac".

Gast: Vogel Strauss
08.01.2012 18:24
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Und die Sonne fiel doch vom Himmel ...

Tja, würde die Kärntner Sonne noch unter uns weilen, hätte er die faden Brüder bald aufgemischt ...

Gast: Saiffenstayn
08.01.2012 15:40
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Lieber Herr Nowak !

Ob es ernst ist,
mit dem "REGIEREN" und allfälligen tiefgreifenden Strukzturänderungen zur Erreichung von "Spar"-zielen,
erkennen Sie daran:
Werner Faymann stimmt einen Pensionsicherungsbeitrag für alle Pensionisten zu
und
der Vice-Kanzler Spindelegger schlägt Einsparungen im AGRAR-Förder-Dschungel vor

(jetzt hört man sogar von neuen Fördergeldern für weinbauern ??)

Wenn das eintritt, dann wird es ernst .....

aber vorher versucht die ÖVP noch eine Neuwahl,
das wiederum erkennen Sie wenn
der Spindelegger sagt "Jetzt reicht´s"!

(PS: Ich bin kein Prophet, aber das weiß ich!)

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Schiach ....

Nach dem Rettungsgassen-Flop und dem desaströsen Umgang mit einem angeblich unabhängigen Medium kann man sich in etwa vorstellen, was das Sparpaket für eine grausliche Angelegenheit wird.

Keine Einsparungen und der Verwaltung, die Anzahl der Abgeordneten, Bundesräte, Minister und Staatssekretäre bleibt unangetastet. Gspart wird ausschliesslich über neue Steuern (SPÖ) oder Belastung der StaatsbürgerInnen durch längeres Arbeiten (ÖVP). Gemeinsam werden die beiden Angsthasenkoalitionäre unser Gels in Richtung Griechenland, Italien und Ungarn - und wer weiss sonst noch wohin - schieben.

Eine desaströse Wahlniederlage und eine EU-Volksabstimmung werden nicht mehr lange aufzuhalten sein.

Antworten Gast: Suppenkaspar
08.01.2012 15:42
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Re: Schiach ....

die Investments erfolgreicher österreichischer Banken sind kein "Geldverschieben"
oder meinen sie die spätere Haftung des Staates für dort erzielte Negativ-Gewinne ???

Nach unten keine Grenze

Man irrt, wenn man glaubt, dass es nach unten keine Grenze mehr gäbe. HCS und sein Ensemble als einzig mögliche Alternative zu betrachten, beweist die einfältige Naivität vieler Zeitgenossen. Denn Nullen sind eine gefährliche Zahl!

"Irgendwie wird man in dem Land den Eindruck nicht los, dass SPÖ, ÖVP und die Kleinen alles unternehmen, um für Herrn Strache die Bahn frei zu räumen."

wen meint nowak hier mit "die kleinen" ?

sind es nicht leute wie nowak, die strache die bahn frei räumen?
durch den zwang zu negativberichterstattung (only bad news are good news!).

die regierungsparteien gehören tatsächlich getadelt. für ihr unvermögen, verhandlungen hinter verschlossenen türen zu führen. und stattdessen mit forderungen und zwischenmeldungen dem verblödeten wähler zu schmeicheln.

in meiner firma wird das instrument des brainstormings häufig verwendet:
die türen sind geschlossen.
keine idee ist zu blöd, um nicht präsentiert zu werden.
nur nichts-tuer (a la fpö in der politik) werden zu keiner weiteren entscheidungs-sitzung geladen.

doch wir tun uns leicht: wir haben keinen nowak, der vor der tür lauert und auf gesprächsfetzen hofft, die er dem kantinentratsch untermischen kann.

Antworten Gast: zensuriert doch mal wen anderen
09.01.2012 13:13
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Re: "Irgendwie wird man in dem Land den Eindruck nicht los, dass SPÖ, ÖVP und die Kleinen alles unternehmen, um für Herrn Strache die Bahn frei zu räumen."

also in der österreichischen innenpolitik braucht es mangels positiver leistungen unserer politiker wahrlich keinen zwang zur negativberichterstattung.

Nachhilfe für den herrn gefällig?

den "kantinentratsch" nennt man Journalismus und wenn der einmal nicht mehr erlaubt ist, dann nennt man das Diktatur!

Re: Nachhilfe für den herrn gefällig?

das plappern über ungelegte eier nennt man tratschen.
tratschen hat mit journalismus nichts zu tun.
auch wenn es ihr hobby sein sollte....

Gast: BHB
08.01.2012 10:39
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Ja ein Auto-Thema

Da passt dies perfekt her:

http://benjaminheinrichblog.blogspot.com/2012/01/ovp-wien-genauso-prapotent-wie-rot-grun.html

Es geht um die Belastungen der Autofahrer in Wien und wie die ÖVP Wien "ala Fuhrmanns-Wurstsemmel-Sager" ebenfalls zeigt, dass Sie gegen uns Autofahrer ist.
Wer dies nicht liest ist selber schuld.


Rettungsgasse? Rette sich, wer kann!!!


Wetten: nach dem nächsten größeren Crash wird HC-man mit großem Trara durch diese hohle Gasse brausen und sich als Gröratz präsentieren (größter Retter aller Zeiten).

Gast: Jörgl!
08.01.2012 07:49
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Gebt Strache eine Chance

Dann gibt es wieder Sanktionen und wenn wir Glück haben, werfen sie uns aus der EU raus !

Gast: UKW
08.01.2012 01:56
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"Gewerkschaftsminister Rudolf Hundstorfer"

Der war gut! Und der Steuerzahler darf auch noch für sein Gehalt aufkommen, obwohl der Gewerkschaftsbund offiziell ein privater Verein ist.

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Vielleicht ist es auch nur die Ruhe vor dem großen Sturm

Dass Famann Kanzler ist, wissen eigentlich nur mehr politisch Interessierte und Kabarettisten.
Am Montag sperrt die Bank Austria am ersten Tag nach den Feiertagen wieder auf. Hätte ich Geld dort, würde ich es mir sofort holen.
Am Montag dürfte ein exzessiver Bankrun einsetzen, und wehe, sie haben nicht genug Bares, dann kracht es wirklich.

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Schlechter als diese Truppe geht nicht!

Darum schreckt Herr Strache immer weniger.

 
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