25.05.2012 23:10 | Meine Presse Merkliste 0

Sparpaket 2012: Kleinzeug, Pensionen und die B-Minister

RAINER NOWAK (Die Presse)

Am Ende der Verhandlungen werden unzählige Einzelmaßnahmen stehen. Bei den Pensionen gibt es Bewegung. Bei den ÖBB und der Landwirtschaft hingegen kaum.

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Beginnen wir mit dem Positiven: Dass so wenig aus den Verhandlungen zwischen Werner Faymann, Michael Spindelegger und ihren Ministern zu hören ist, muss als gutes Zeichen gewertet werden. Das ist weniger eine Anspielung auf die Qualität des zu erwartenden Sparpakets, sondern die Anerkennung der Verschwiegenheit, die die Gespräche im Großen und Ganzen begleitet: Nur so kann ein Paket geschnürt werden. Nach Verkündigung durch die beiden Parteichefs in wenigen Wochen werden ohnehin hunderte Interessenvertreter und Lobbyisten in eigener Sache versuchen, den Sparkurs zu verwässern. Das war schon vor einem Jahr bei einem vergleichsweise harmlosen Maßnahmenbündel zu beobachten, dessen bescheidener Umfang übrigens auch dafür verantwortlich ist, dass die Regierung nun ein Paket schnüren muss.

Nun zum nicht ganz so Positiven: Die spärlichen Informationen lassen darauf schließen, dass der vermutlich wichtigste Punkt des notwendigen Pakets zwar angegangen wird, aber mit deutlicher sozialpartnerschaftlicher Milde. Soll heißen: Die bis zu 30 Einzelmaßnahmen, die die neue Pensionsreform dem Vernehmen nach kennzeichnen werden, werden auch wieder nicht der große Wurf sein. Ohne rechthaberisch klingen zu wollen: Schon bei den Reformen 2003 und 2004 sowie den Verschärfungen 2011 warnten Experten und Kommentatoren – auch in dieser Zeitung – davor, dass ohne große Lösung schon bald wieder verhandelt werden müsse. Und ohne das gerade in Behandlung befindliche Paket vorverurteilen zu wollen: Es wird nicht die letzte Pensionsreform sein.

Kernstück der nun besprochenen Maßnahmen wird das Zurückdrängen der allseits beliebten Frühpension sein. „Versalzen“ soll sie werden, heißt es aus Verhandlerkreisen. Noch leistet Sozialminister Rudolf Hundstorfer ein wenig Widerstand, mittels hoher Abschläge den vorzeitigen Ruhestand deutlich unattraktiver zu machen. Aber auch er wird wissen, dass selbst unter SPÖ-Wählern das Unverständnis über fröhliche Jungpensionisten massiv gewachsen ist. Dass die Invaliditätspension nun zu einem Reha-Geld umgewandelt werden soll, wie dies die Sozialpartner vorgeschlagen haben, ist lieb und nett, aber irgendwo zwischen Etikettenschwindel und bloß symbolisch richtiger Umbenennung anzusiedeln. In der Statistik werden dann keine Pensionisten unter 50 mehr sein. Die Kosten werden bleiben.

Und nun zum wirklich Negativen: Zwei Minister üben sich in den Verhandlungen dieser Tage in der lange geübten Kunst der Blockade. An Doris Bures von der SPÖ und auch Nikolaus Berlakovich von der ÖVP scheinen Budgetkrise, Schuldenbremse und die allgemeinen Rating-Verlustängste völlig spurlos vorübergegangen zu sein. Ausgerechnet die Ressortverantwortlichen für die beiden Bereiche, die zu den größten Luxusgütern der österreichischen Steuerzahler zählen, also die ÖBB und die heimische Landwirtschaft, wollen von ihren Millionenausgaben nicht herunter. Ob ein Dienstrecht, das normale Arbeiter und Angestellte verhöhnt, oder die teils wahnwitzigen Infrastrukturprojekte: Doris Bures zeigt sich unbeeindruckt und schützt das Reich von ÖBB-Chef Christian Kern. Dass sie nur den Brennerbasistunnel unter der Transitautobahn Wipptal zur Disposition stellt, ist ein strategisches Spielchen: Günther Platter und die Tiroler ÖVP haben ein Jahr vor der Landtagswahl ohnehin schon Probleme. Ohne Tunnel hat er eines mehr. Aber sein Problem darf nicht das von Spindelegger sein.

Stattdessen sollte der Landwirtschaftsminister eines sein, der dieser Tage zu keinem Zugeständnis bereit ist. Spindeleggers Aussage, dass alle diesen Sparkurs mittragen mussten, scheint Berlakovich nicht einmal gehört zu haben. Vielleicht ist es auch bloße Selbstüberschätzung, wie sie im österreichischen Bauernbund mitunter vorkommen soll. Aber ohne Einschnitte im Agrarbereich kann und wird Spindelegger keine ernsthaften Maßnahmen beim wichtigen Thema Subventionen durchbringen.

Sowohl Werner Faymann als auch Michael Spindelegger werden bei diesem Sparpaket zeigen, ob sie ihre Parteien im Griff haben. Beginnen müssen sie in ihrer eigenen Regierungsmannschaft – und ernsthaft durchgreifen.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2012)

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15 Kommentare
derfreund
11.01.2012 15:29
2 4

Nowak sollte keine Kolumnen schreiben!

Es ist nicht verstaendlich, was er schreibt. Diese (:) habe eh nicht verstanden. Der Artikel soll fliessen und nicht wie eine Matheregelung aussehen. Er hat die Sachlage auch nicht verstanden. Als Leser will ich solche Dinge so verpackt nicht lesen!

Gast: Humerus
11.01.2012 15:19
4 0

ÖBB - Frühpension nur für Heizer

Viele ÖBB-Privilegien kommen noch aus der Zeit, wo es wirklich ein dreckiges und krankmachendes Klima gab (auf der Dampflock).

Warum kann z.B. ein 60jähriger nicht mehr Fahkarten zwicken? Schmerzt der Daumen?

ÖBB auflösen.
Schienenbenützung verleasen.

0 0

Re: ÖBB - Frühpension nur für Heizer

obwohl man niemanden etwas Schlechtes wünschen sollte - Ihnen jedoch gebühren für Ihre entbehrliche Wortspende, sämtliche "Privilegien" der "kleinen" ÖBB- MitarbeiterInnen, damit Sie einmal wissen was Sache ist.


Ka_Sandra
11.01.2012 14:21
3 1

Bitte Heckenschere statt Manikürzeug!


Faymann und Spindelegger sollen endlich aufhören, im üppig wuchernden Privilegiengestrüpp nur zaghaft herumzuschnipseln, um es sich nur ja mit niemandem zu verscherzen.

Ein radikaler Haarschnitt ist dringend erforderlich! Also weg mit den alten Zöpfen wie den Privilegien der ÖBB, übertriebenen Förderungen im Agrarsektor oder der Unantastbarkeit des 13./14.Gehaltes!

Alle Bereiche gehören ausgedünnt, und jede Bevölkerungsgruppe muss einen angemessenen Beitrag leisten, sonst kommt wieder nur ein unausgewogenes und ineffizientes Endprodukt zustande.

Vokuhila ist mega-out!!!

Gast: No bitte
11.01.2012 12:31
1 0

Angeblich will man das Antrittsalter von 58

anheben.

Und tatsächlich "versalzt" man 62-jährigen ASVG-Beitragszahlern, (also den protektionslosen, die es weder zur Hacklerpension noch zur BU-Pension geschafft haben, aber am Arbeitsmarktr chancenlos sind) den ohnehin dürftigen Korridor.

Sozialversicherungsbedienste bleiben bei ihren üppigen Dienstpensionen auf Kosten der Beitragszahler, (Wobei diese Dienstpensionen durch einen superben Trick automatisch um den Betrag steigen, um die durch Beiträge erwirtschaftete ASVG-Pension sinkt) ebenso werden uns rüstige Rothaus-Pensionisten weiterhin in Wien begegnen - und Ex-Beamten mit zementierten Privilegien.

DAS ist wohl die Harmonisierung...

Fintofanto
11.01.2012 11:17
1 2

Hier der Teil 1 (vor Internet-Absturz):


Als persönlich nicht Betroffener stelle ich Folgendes fest:

Sie haben offensichtlich von einigen Dingen keine Ahnung, bzw. haben Sie sich in keiner Weise informiert:

1) Sind Sie jemals auf die Idee gekommen, dass es einen Grund dafür geben könnte, dass die Bezieher von Invaliditäts-Pensionen im Durchschnitt um zehn Jahre früher sterben, als die "normalen" Pensionisten? Vielleicht haben sie nämlich eine schwere Krankheit. Vielleicht sind nicht alle davon beamtete oder sonstige System-Ausbeuter.

Fintofanto
11.01.2012 11:12
1 1

Fortsetzung nach Internet-Absturz:


2) Haben Sie sich jemals mit der Afa befasst? Bitte tun sie das. Sie werden dann nämlich feststellen, dass unter Beibehaltung des MRG unter voller Anwendung bei Althäusern die Abschaffung der Afa einer Enteignung gleichzusetzen wäre. Verfassungsrechtlich leider mehr als nur bedenklich.

Bitte schreiben Sie in Hinkunft eher über Dinge, die Sie auch hinreichend recherchiert haben. Dann kommt auch nicht sowas heraus, wie Ihr vorliegender Leitartikel, der vor Gedanken- und Ahnungslosigkeiten strotzt!

3 0

Lösen wir die gesamte Landwirtschaft auf

Dann sind wir wenigstens von der Lobby abhängig, die die Lebensmittel an die Börse bringt, Wir wissen dann nicht, was wir essen können, weil wahrscheinlich, siehe Indien, die Lebensmittel gepanscht sind oder künstlich hergestellt. Gleichzeitig lösen wir den Tourismus auf, denn ohne gepflegte Natur kommen auch keine Touristen. Diese Meinungen, die wahrscheinlich von Städtern kommen, die ihren Urlaub in Mallorca oder ähnlichen verbringen, wissen gar nicht, was ein Bergbauer so leistet, aber es wird fest auf die Bauern geschimpft. Leider.

0 0

Re: Lösen wir die gesamte Landwirtschaft auf

ja, bitte den Bergbauern auch weiterhin unterstützen, möge er auch etwas mehr bekommen - aber nicht die Großbauern in NÖ u. OÖ, usw.

Antworten Gast: DHRt
11.01.2012 15:29
0 3

Schon wieder diese billige Panimache

vom Bauernbund ... gähn ...

2 6

Die Landwirtschaft...

...wird speziell in dieser Zeitschrift ungerechtfertigtermaßen mit Samthandschuhen angefasst. Gerade wenn man an die (berechtigte) Kritik gegenüber der ineffizienten ÖBB denkt.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP grundelt bei stolzen 1,3 % herum (Quelle Statistik Austria, VGR). Allein dass es für diesen verkümmerten, wirtschaftlich irrelevanten Sektor einen eigenen "Minister" braucht, ist eigentlich schon Geldverschwendung.

Ins Reich der Perversion driftet man hingegen ab, wenn man sich vor Augen führt, welche Unsummen an Steuergeldern da hineinfließen, nur um krampfhaft diesen vollkommen unwirtschaftlichen Bereich aufrecht zu erhalten.

Das wäre in etwa so, als würde ein Staat Steuergeld dafür aufwenden, dass Leute statt mit dem Auto zu fahren, mit dem Pferd in die Arbeit reiten. Irgendwann sollte man einfach akzeptieren, dass überkommene Strukturen nicht mehr zu retten sind und aufhören, sie mit beispielloser Geldverschwendung am Leben zu erhalten.

Re: Die Landwirtschaft...

Ich denke, man sollte das ein wenig differenzierter sehen.
Die von Ihnen erwähnte Statistik weist einen um ca. 350% höheren "Wert" des Finanzsektors aus. Nach Ihrer Logik müssten wir damit wesentlich weniger in Nahrungsmittelerzeugung investieren und dafür mehr in Derivathandel. Was so pauschal nicht stimmen kann, daher sollte differenziert gedacht werden.

Wenn Sie von einer echten Krise ausgehen (eine, die die meisten von uns nur aus Büchern kennen), sind Sie froh, dass jemand etwas essbares produziert.
Dass das nicht der Fokus der Überlegungen in parteipolitischer Hinsicht ist, weiss ich auch. Aber tatsächlich produzierenden Bauern einen Strick daraus zu drehen, dass die entspr. Partei machtpolitische Ziele verfolgt, könnte sich einmal rächen.

Insgesamt möchte ich darauf hinweisen, dass das Ausspielen von Bevölkerungsgruppen gegeneinander zwar parteipolitisch verständlich, insgesamt jedoch schädlich ist. Es sind nicht "die Bauern", "die Jugendlichen", "die Beamten", "die Pensionisten", "die Ausländer", nichtmal "die Politiker", die wir uns nicht leisten können. Sondern eben genau diese Pauschalierung.

Was definitiv nicht bedeutet, dass Landwirtschaftsförderung in den derzeit praktizierten Formen (Förderungen, SV, Pauschalierung etc.) sinnvoll ist. Aber das System dahinter bringt der Partei ggfs. mehr als dem Grossteil der Betroffenen.

Antworten Gast: radius
11.01.2012 09:57
3 0

100 % der Österreicher brauchen Lebensmittel,

daraus folgt dass ein Lebensminister sehr wohl Berechtigung hat.

Außerdem wie will denn die österreich. Landwirtschaft eu-weit konkurrieren, wenn Frankreich, England, Deutschland, Dänemark, Italien, etc. weiterhin mit Agrarsubventionen vollgestopft werden?

Könnten Sie mal Ihr Hirn einschalten, bevor Sie so einen Quatsch schreiben?

Antworten Antworten Gast: Klüngsman
11.01.2012 17:03
1 4

???

Wir Österreicher bekommen unsere Lebensmittel aus dem Handel, dorthin werden sie von den Frächtern gebracht. Verarbeitet werden sie von der Lebensmittelindustrie. Und die sind doch bitte ALLE im Wirtschaftsministerium angesiedelt. Und die kriegen alle kaum Subventionen. Aber für die Bauern, die nur einen kurzen Teil der Wertschöpfungskette eines Lebensmittel begleiten, braucht es ein eigenes sauteures Ministerium und Milliardensubventionen ... und das ist eine Frechheit.

Gast: radius
10.01.2012 19:10
5 3

Herr Novak, Sie haben keine Ahnung, gerade im Bereich

Landwirtschaft müssen Sie europaübergreifend denken oder wollen Sie die österreichische Versorgung beerdigen?

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